Winterfjell https://www.winterfjell.de Wintertouren im hohen Norden Sun, 01 Dec 2019 08:00:25 +0100 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.3 137796831 Abwettern im Zelt bei Schneesturm https://www.winterfjell.de/abwettern-im-zelt-bei-schneesturm/ https://www.winterfjell.de/abwettern-im-zelt-bei-schneesturm/#respond Tue, 26 Nov 2019 19:58:48 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=393 Den ganzen Tag Abwettern im Zelt. Der Wind peitscht durch das Fjell. An Weiterlaufen ist nicht zu denken. Und eigentlich ist es nur im Schlafsack warm genug. Was macht man in so einer Situation? Auf unserer diesjährigen Tour hatten wir an der Hälfte aller Tage Windgeschwindigkeiten bis zu 15 Metern pro Sekunde. An einem Tag … Abwettern im Zelt bei Schneesturm weiterlesen

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Beim Abwettern im Zelt sorgten die Teelichte für ein wenig gefühlte Wärme
Beim Abwettern im Zelt sorgten die Teelichte für ein wenig gefühlte Wärme (Foto: Lutz Grünke)

Den ganzen Tag Abwettern im Zelt. Der Wind peitscht durch das Fjell. An Weiterlaufen ist nicht zu denken. Und eigentlich ist es nur im Schlafsack warm genug. Was macht man in so einer Situation?

Auf unserer diesjährigen Tour hatten wir an der Hälfte aller Tage Windgeschwindigkeiten bis zu 15 Metern pro Sekunde. An einem Tag mit Spitzen von 21 m/s haben wir uns dann für das Abwettern im Zelt entschieden und sind nicht weitergegangen. Ich möchte dieses Erlebnis zum Anlass nehmen, ein wenig über das Abwettern zu schreiben.

Was heißt Abwettern im Zelt?

Der Begriff Abwettern kommt eigentlich aus der Seefahrt und eine passende Definition dafür lautet:

Abwettern bezeichnet strategische und taktische Maßnahmen sowie Verhaltensweisen, um in einem Sturm und/oder bei schwerer See Beschädigungen und Gefahren für ein Seefahrzeug sowie dessen Ladung und Besatzung zu vermeiden. Priorität haben Maßnahmen zur Abwendung von Gefahr für Leib und Leben. [Wikipedia]

Unter den strategischen Maßnahmen versteht sich in der Seefahrt, dass Schlechtwettergebiete gemieden werden und bei nahendem Unwetter ein sicherer Hafen angefahren wird.

Übertragen auf Wintertouren heißt das für mich, rechtzeitig Schutz vor schlechtem Wetter zu suchen oder gar nicht erst loszugehen. Abwettern bedeutet, nicht weiterzugehen, sondern sich selbst zu schützen und keiner unnötigen Gefahr auszusetzen. Rechtzeitig heißt, die Hütte möglichst noch vor dem Sturm aufzusuchen oder ohne erreichbare Hütte wenigstens das Zelt stabil zu verankern und alles auf das Unwetter vorzubereiten.

Unter den taktischen Maßnahmen versteht die Seefahrt verschiedene Arten, mit dem Sturm oder gegen ihn an zu fahren.

Hier ist der Vergleich mit Wintertouren in Skandinavien eher im übertragenen Sinne möglich. Bist du erst einmal in einen Sturm geraten oder ist der Wind unerwartet stärker geworden, musst du einen klaren Kopf bewahren. Frontal in den Sturm zu laufen, ist deutlich anstrengender als mit dem Wind im Rücken. Im Zweifel kann ein Kurswechsel also sinnvoll sein, wenn es dort eine Hütte gibt. Ansonsten solltest du dich fragen:

Ist es für den Zeltaufbau schon zu spät?

Dann hast du hoffentlich einen Windsack als Notausrüstung dabei oder kannst dich in eine Wechte eingraben. Eine konkrete Windgeschwindigkeit, bei der ein Zeltaufbau nicht mehr möglich ist, lässt sich schwer beziffern. Lassen sich die Heringe gut verankern oder musst du im Pulverschnee wühlen? Kommt der Wind dauerhaft oder gibt es Windböen mit -pausen? Was für ein Zelt hast du? Als Richtwert wird es über 20 m/s eher eine Sache für Profis sein.

Auf dem Weg zur nächsten Hütte zum Abwettern
Auf dem Weg zur nächsten Hütte zum Abwettern (Foto: Lutz Grünke)

Ist der Zeltaufbau noch möglich?

Vielleicht findest du eine etwas geschützte Stelle, wo ein kleiner Hügel, ein Strauch oder ein Fels dir etwas Schutz bieten? Oft reicht wirklich schon ein kleines wenig Deckung für den Aufbau. Die richtige Zeltplatzwahl bei Wind und Sturm solltest du daher immer mitdenken. Und im Idealfall ist der Zeltaufbau dann bereits Routine und jeder in der Gruppe kennt die nötigen Handgriffe. Zu schnell ist sonst ein Beutel weggeflogen, ein loser Hering ausgerissen oder ein Gestängebogen gebrochen.

Wie verhalte ich mich richtig?

Für mich steht es fest: Wenn sich für das Abwettern der Aufenthalt auf einer Hütte anbietet, bevorzuge ich diese klar vor dem Zelt. Es ist ruhiger, ich kann mich frei bewegen, meine Kleidung trocknen, oft auch mich waschen und vieles angenehme mehr. Das ist die sichere Variante. Und es schadet daher erfahrungsgemäß nie, einen Puffertag für Schlechtwetter einzuplanen. Dann kannst du diese Zeit auch genießen.

Für den Hüttenaufenthalt muss das Unwetter aber absehbar gewesen sein. Ständige Wetterbeobachtung oder idealerweise ein verlässlicher Wetterbericht von YR.no (Norwegen) oder SMHI.se (Schweden) helfen dir dabei. Und natürlich muss es Hütten in der Nähe geben, die du ansteuern kannst. Auf der Seite UT.no findest du eine gute Übersicht über die norwegischen Hütten des DNT und beim schwedischen STF gibt es ebenfalls eine Hütten-Karte.

Und wenn ich im Zelt abwettern muss?

Für diesen Fall solltest du vor allem Ruhe bewahren und dich auf dein Wissen und Können besinnen:

  • Richte das Zelt gut zum Wind aus. Vor allem bei Tunnelzelten ist dies die halbe Miete.
  • Kontrolliere regelmäßig, ob alle Heringe fest sitzen und die Leinen gespannt sind.
  • Befreie das Zelt zwischendurch von angesammelten Triebschnee, auch nachts.
  • Horche auf den Wind und die Geräusche des Zeltes: Wenn es sich plötzlich ändert, könnte sich etwas gelöst haben.
  • Zieh dich warm genug an, wenn du das Zelt verlassen musst. Du kühlst im Wind sonst schnell aus.
  • Sichere alle Gegenstände rund um das Zelt. Am besten nimmst du bis auf die Pulka alles mit in die Apsis. Auch die Schaufel nützt dir beim späteren Ausgraben nur im Zelt.
  • Bring deinen Kreislauf ab und zu durch ein paar Sit-ups in Gang, damit du nicht zu schnell frierst.
  • Brich nicht im Sturm auf, auch wenn du dadurch im schlimmsten Fall deinen Rückflug oder deine Rückfahrt verpasst.
  • und wie immer: Don’t panic! Es geht vorbei.

Was hingegen nicht so gut geholfen hat, ist das gemeinsame Rufen von „F*ck dich, Sturm“ in Anlehnung an einen mittelmäßigen Film über einen Teddy.

Tagsüber herumliegen im Schlafsack, alles andere wäre zu kalt
Tagsüber herumliegen im Schlafsack, alles andere wäre zu kalt (Foto: Malte Hübner)

Womit kann ich mich beschäftigen?

Auf einer Hütte hat man sehr viel mehr Möglichkeiten als im Zelt. Auf großen Hütten wird einem wahrscheinlich nicht langweilig. Im Zelt liegt man hingegen die meiste Zeit im Schlafsack, weil es nur darin warm genug ist.

Da mir das Geflatter der Zeltbahn oder das Klingeln der Reißverschluss-Schieber nach ein paar Stunden mächtig auf den Zeiger geht, höre ich oft Musik vom MP3-Player mit Kopfhörern. Hörbücher bieten sich ebenfalls an. Auch ein echtes Taschenbuch habe ich eigentlich immer im Gepäck. Meinem ebook-Reader traue ich die Kälte nicht zu, aber viele haben damit gute Erfahrung gemacht. In einer Gruppe kann man sich sonst abwechseln, wenn der eigene Lesestoff ausgeht.

In netter Gesellschaft kann man auch Karten spielen, sich unterhalten oder hat hoffentlich einen guten Geschichtenerzähler dabei. Alleine kann man gut kleinere Reparaturen wie Näharbeiten im Zelt durchführen.

Für die Lebensmittel- und Brennstoffvorräte ist so ein Pausentag dafür in der Regel eine kleine Katastrophe. Vielleicht kennt ihr das: Man isst sich so durch den Tag. Plane also immer einen kleinen Puffer in deinem Proviant ein.

Gelangweiltes Mittagsschläfchen in der Apsis
Gelangweiltes Mittagsschläfchen in der Apsis (Foto: Lutz Grünke)

Welche Erfahrungen hast du mit Abwettern im Zelt gemacht?

So richtig katastrophales Wetter habe ich bisher (zum Glück!) in Hütten abgesessen. Ein Tag im Zelt wegen Wind ist aber durchaus normal auf einer längeren Tour. Dank unserer konservativen – andere würden vielleicht sagen „vorsichtigen“ – Zeitplanung haben wir dafür aber einfach einen Pausentag genutzt. Das schlechte Wetter haben wir bisher immer kommen sehen. Manchmal ist es dann doch schwächer ausgefallen als unsere Vorhersage und wir konnten weiter ziehen.

Mich würde daher interessieren, wie ihr das so macht. Fragt ihr auf jeder Hütte nach dem aktuellen Wetterbericht oder nutzt ihr inzwischen sogar einen Garmin inReach für Wetterupdates? Oder seid ihr einfach sicher im Wolkenlesen? Worüber denkt ihr nach, wenn ihr stundenlang im Zelt liegt? Was war die längste Zeit, die ihr auf Wintertour durch das Wetter ins Zelt verbannt gewesen seid?

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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Ultraleichte Pulka https://www.winterfjell.de/ultraleichte-pulka/ https://www.winterfjell.de/ultraleichte-pulka/#respond Sat, 09 Nov 2019 21:41:46 +0000 https://www.winterfjell.de/?p=4579 Wenn du auch eine Möglichkeit suchts, dir eine ultraleichte Pulka zu bauen, dann habe ich vielleicht einen Tipp für dich. Ich will dir nicht zu viel versprechen. Es ist natürlich keine vollwertige Pulka, vielmehr müsste es Tobbogan genannt werden, aber es nimmt dir dennoch eine Menge Last von den Schultern und kostet dabei fast nichts. … Ultraleichte Pulka weiterlesen

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Die ultraleichte Pulka nimmt den Rucksack auf, sodass du sein Gewicht nicht tragen musst.
Die ultraleichte Pulka nimmt den Rucksack auf, sodass du sein Gewicht nicht tragen musst. (Foto: Malte Hübner)

Wenn du auch eine Möglichkeit suchts, dir eine ultraleichte Pulka zu bauen, dann habe ich vielleicht einen Tipp für dich. Ich will dir nicht zu viel versprechen. Es ist natürlich keine vollwertige Pulka, vielmehr müsste es Tobbogan genannt werden, aber es nimmt dir dennoch eine Menge Last von den Schultern und kostet dabei fast nichts. Du ziehst damit einfach deinen Rucksack hinterher, kannst ihn aber noch jederzeit aufsetzen.

Auf der Suche nach einer Faltpulka

Eigentlich habe ich nach einer leichten Pulka zum Falten gesucht, um für die nächste Tour mit meiner Tochter auch für sie eine Transportlösung zu haben. Während ich die große Pulka ziehen werde, wird sie einen Rucksack mit den Daunenjacken und Tagesproviant tragen. Um die 10 Kilo werden es schon sein und so bietet es sich spätestens in der Ebene an, dieses Gewicht zu ziehen, statt zu tragen. Auf der Suche bin ich dann auf diese Faltpulka von Konradsky gestoßen. Besonders gefällt mir daran das kleine Packmaß.

Rollpulka trifft es noch besser

Die Pulka besteht im Wesentlichen aus HD PE Folie und einer Gummikordel. Solche hochfeste PE Folie kann man über den Fachhandel beziehen. Es gibt verschiede Arten und geschältes PE 1000 in maximal 1 mm Stärke wird das robusteste Material im Vergleich zum Gewicht sein. Ich habe jedoch zufällig bei dem chinesischen Direkthandel einen rollbaren Kinderschlitten gefunden, der sogar deutlich leichter ist. Die Materialstärke liegt hier eher bei 0,8 mm und ich vermute, dass es sich um das weichere PE 300 oder 500 handelt. Dafür habe ich gerade einmal 6 Euro bezahlt und es hat schon nahezu das richtige Endmaß.

Der Zuschnitt der PE Folie gelingt mit einer normalen Haushaltsschere.
Der Zuschnitt der PE Folie gelingt mit einer normalen Haushaltsschere. (Foto: Malte Hübner)

Die Bastelarbeit für unsere ultraleichte Pulka

Der Aufwand ist überschaubar. Du benötigst eine Haushaltsschere, eine Lochzange und etwa 4-5 Meter Gummikordel. Ich habe Kordel in 4 mm Stärke gewählt. Anschließen habe ich am Rucksack Maß genommen und die Seitenwände etwas nach oben geknickt. Nun wurden an den Seiten 10 cm und 20 cm vor dem Ende jeweils Schnitte gesetzt, damit sich die Folie zu einer Wanne formen lässt. Die überlappenden Teile werden durch die Gummikordel beieinander gehalten. Mit der Lochzange habe ich entsprechend Löcher gesetzt, immer auf beiden Seiten parallel. Am Ende der Gummikordel sitzt vor dem Knoten noch eine kleine Unterlegscheibe.

Gummikordel und Karabiner

Die Gummikordel wird anschließend über den Rucksack gespannt und mit winzigen Karabinern verschlossen. Zusätzlich zu den beiden seitlichen Schlaufen habe ich noch eine Kordel von hinten nach vorne gesetzt, damit alles sicher hält. Allerdings sieht man so auch den Nachteil der weichen PE Folie, weil die Gummis dafür fast zu stark sind und diese aus der Form ziehen.

Rucksack auf Faltpulka
Rucksack auf Faltpulka (Foto: Malte Hübner)

Zugseil für die ultraleichte Pulka

Ein Gestänge macht bei dieser Konstruktion natürlich keinen Sinn. Das Material wäre schwerer als die Pulka selbst. Spurtreue darfst du bei diesem Modell eh nicht erwarten. Es entlastet einfach nur den Rücken. Gezogen wird es dabei mit zwei 4 mm Repschnüren, die an einer einfachen Koppel eingehängt werden. So besteht der Vorteil, dass du den Rucksack samt Hüftgurt darüber ziehen kannst und einfach abwirfst, sobald du ihn lieber ziehen willst. Gerade bergauf und bergab ist es mit diesem Modell auf dem Rücken wahrscheinlich angenehmer.

Ein Rulk - halb Rucksack, halb Pulk
Ein Rulk – halb Rucksack, halb Pulk (Foto: Malte Hübner)

Und ist sie wirklich ultraleicht?

Ich finde mit 375 Gramm inklusive Karabinern darf sich diese Pulka ultraleicht nennen. Dazu kommt noch das Zugseil von 75 Gramm maximal. So fällt das Mehrgewicht auf dem Rücken nicht auf, bietet aber die geniale Zusatzfunktion Rulk (halb Rucksack, halb Pulk). Wie bei allen ultraleichten Dingen muss sie nun nur noch beweisen, dass sie auch robust genug ist. Die 15 Euro Materialkosten insgesamt lassen sich zwar verkraften, aber ich hoffe, wir haben da keinen Plastikmüll gebastelt.

Aufgerollt passt die Rollpulka in die Seitentasche des Rucksacks und wiegt fast nichts.
Aufgerollt passt die Rollpulka in die Seitentasche des Rucksacks und wiegt fast nichts. (Foto: Malte Hübner)

Wie gefällt dir das? Wäre das auch etwas für dich? Wenn du es deutlich robuster haben willst, dann empfehle ich dir stattdessen meinen Pulkaselbstbau mit Gestänge.

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Zweiter Blog-Geburtstag und Jahresrückblick https://www.winterfjell.de/zweiter-blog-geburtstag-und-jahresrueckblick/ https://www.winterfjell.de/zweiter-blog-geburtstag-und-jahresrueckblick/#comments Sun, 27 Oct 2019 07:02:15 +0000 https://www.winterfjell.de/?p=4469 Heute seit genau zwei Jahren gibt es an dieser Stelle meine Seite Winterfjell. Es ist also wieder Blog-Geburtstag! Ich möchte mir daher die Zeit nehmen, das letzte Jahr kurz Revue passieren zu lassen und auch ein paar Zahlen zu liefern. Zum Schluss gibt es auch noch die ersten Pläne für das Jahr 2020. Das letzte … Zweiter Blog-Geburtstag und Jahresrückblick weiterlesen

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Genüssliche Pause in der Sonne und kleine Werbeeinlage für Winterfjell
Genüssliche Pause in der Sonne und kleine Werbeeinlage für Winterfjell (Foto: Lutz Grünke)

Heute seit genau zwei Jahren gibt es an dieser Stelle meine Seite Winterfjell. Es ist also wieder Blog-Geburtstag! Ich möchte mir daher die Zeit nehmen, das letzte Jahr kurz Revue passieren zu lassen und auch ein paar Zahlen zu liefern. Zum Schluss gibt es auch noch die ersten Pläne für das Jahr 2020.

Das letzte Jahr liefert diese Beiträge

Im Vergleich zum ersten Jahr kamen 2019 zwar weniger Beiträge zusammen, ich freue mich aber über das stetige Wachstum des Themenumfangs. Inzwischen findest du hier wirklich vielfältige Informationen für deine eigenen Touren. Einzelne bestehende Beiträge aus der Anfangszeit habe ich überarbeiten müssen, damit sie aktuell bleiben. Zum Teil hatte ich neue Fotos gemacht, wo mir vorher noch Material fehlte. Zum Teil habe ich ein paar neue Dinge gelernt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Hier die Übersicht bis zum heutigen Blog-Geburtstag:

Besonders interessant waren für mich in diesem Jahr die drei unterschiedlichen Kooperationen, bei denen ich mich noch einmal bedanken möchte. Mein herzlicher Dank geht an Tobias Stork für das Überlassen des Roughstuff Nordländer Anoraks für einen ausführlichen Test, an Markus Gründel für den detaillierten Test verschiedener Thermosflaschen und an Simon Michalowicz für das interessante und inspiriende Interview mit ihm.

Was sonst im letzten Jahr geschah

Das Projekt Winterfjell „musste“ sich ein wenig professionalisieren. Vielleicht ist euch das gar nicht so klar, aber ich bin wie die meisten Menschen voll berufstätig. Gleichzeitig habe ich eine Familie, Freunde, bin gern draußen… und eines meiner Hobbies ist diese Seite. Damit die Ausgaben, die ich hineinstecke, mich nicht zu viel Geld kosten, habe ich daher beispielsweise einen Partnerlink zu Bergfreunde im Footer meiner Seite. Kaufst du über diesen Link dort ein, zahlst du nicht mehr als sonst. Nur bekomme ich im Fall des „Umweges über mich“ ein paar Prozent des Umsatzes ausgezahlt. Durch die Einnahmen konnte ich im letzten Jahr nun meine Server- und Webseitenkosten fast decken.

Was denkst du, wie lange hat es gedauert, bis ich ein Schreiben von offizieller Stelle im Briefkasten hatte? Keine zwei Wochen. Ich habe daher pflichtbewusst ein Gewerbe angemeldet (kostet natürlich wieder knapp 50 Euro) und bin Mitglied in der IHK Hannover geworden. Nun gebe ich natürlich auch alles in der Steuererklärung an und siehe da: Ich mache Verlust! Wer hätte das gedacht. Dieser ganze Aufwand ist wohl der Preis dafür, wenn alles etwas professioneller laufen soll.

Wintertour Rondane

Im März waren meine beiden Freunde Lutz und Thomas wieder mit mir auf Wintertour. Diesmal hat es uns in den Rondane Nationalpark verschlagen, wo wir trotz viel Wind eine schöne Runde gedreht haben. Sogar der Schnee passte, was dort nicht immer so sein soll. Ich freue mich schon auf unser nächstes Abenteuer!

Noch ein paar interessante Hardfacts

Damit sind es nun tatsächlich 52 Beiträge in zwei Jahren, also genau ein Beitrag alle zwei Wochen. Diesen Schnitt verdanke ich aber nur der hohen Schlagzahl aus dem ersten Jahr.

Ich habe noch einige Beiträge in Planung, die unmittelbar mit Wintertouren zusammenhängen. Da hätte ich vorher vermutet, dass sich das Thema schneller erschöpft. Oft könnte man einfach aus einem Überblicksartikel ein Thema herauspicken und es einzeln vertiefend angucken. Es gibt immer noch ein paar Details. Wenn du also einen bestimmten Wunsch hast, immer her damit.

Und was wird das Jahr 2020 bringen?

Bis zum Jahreswechsel ist noch etwas Zeit. Aber die Planung für eine Wintertour in nächsten Jahr laufen schon. Meine ältere Tochter hat mich gefragt, ob wir gemeinsam auf eine größere Tour gehen wollen. Das hat mich sehr gefreut und so stecke ich nun in der Vorplanung dazu. Die Osterferien in Niedersachsen liegen glücklicherweise so, dass wir dem größten Trubel entkommen könnten. Noch steht aber nicht alles fest. Vielleicht ist das auch eine Idee für einen Beitrag? Wintertour mit Kind? Ich würde ganz im Stile von Winterfjell mehr die organisatorischen Aspekte beleuchten, aber auch so ein Reisebericht wie bei 58GradNord wäre ja vielleicht einmal denkbar. Meine Tochter hat dafür mehr Talent als ich.

Nun freue ich mich aber auf das kommende Jahr mit Winterfjell.de und mit euch. Danke für eure Treue!

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Tourplanung und Anreise zur Wintertour https://www.winterfjell.de/tourplanung-und-anreise-zur-wintertour/ https://www.winterfjell.de/tourplanung-und-anreise-zur-wintertour/#comments Sat, 19 Oct 2019 06:16:35 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=1012 Vielleicht planst du deine erste Wintertour, vielleicht hast du schon einige Erfahrung und willst nun deine Planung und Anreise zur Wintertour neu überdenken. Ich möchte dir hier einen kleinen Leitfaden an die Hand geben, worauf du alles achten kannst. Dabei geht es mir vor allem darum, dass du deine Tour schon mit der Anreise genießen … Tourplanung und Anreise zur Wintertour weiterlesen

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Für mich ein schöner Moment der Anreise zur Wintertour: Der Fähranleger der Skandinavienfähre im Sonnenuntergang
Für mich ein schöner Moment der Anreise zur Wintertour: Der Fähranleger der Skandinavienfähre im Sonnenuntergang (Foto: Malte Hübner)

Vielleicht planst du deine erste Wintertour, vielleicht hast du schon einige Erfahrung und willst nun deine Planung und Anreise zur Wintertour neu überdenken. Ich möchte dir hier einen kleinen Leitfaden an die Hand geben, worauf du alles achten kannst. Dabei geht es mir vor allem darum, dass du deine Tour schon mit der Anreise genießen kannst und anschließend sicher wieder nach Hause kommst.

Zunächst eine kleine Übersicht, worum es in diesem Beitrag gehen soll:

  1. Tourgebiet auswählen
  2. Details recherchieren
  3. Ausrüstung anpassen
  4. Anreise zur Wintertour planen

Ganz bewusst habe ich die Planung der Anreise ganz nach hinten verschoben, obwohl davon natürlich auch die Entscheidung über das Tourziel abhängen kann. Für mich ist jedoch eine gute Wahl des Zielgebietes wichtiger. Hin kommt man irgendwie immer und falls doch nur mit sehr viel Aufwand, könntest du ja wieder oben anfangen.

Grundsätzliche Vorbereitung

Ganz zu Beginn solltest du eine kleine „Inventur“ machen, welche Wünsche du an deine Wintertour hast. Möchtest du vor allem die Natur erleben anstatt den Fokus auf viele Kilometer Strecke zu legen? Oder darf es ruhig etwas extremer sein und du verzichtest auf jegliches Backup mit Hütten? Oder hast du ganz andere Vorstellungen? Überleg einmal kurz, was dich (diesmal) daran reizt. Frage dich auch: Bist du dafür fit genug?

Als zweites macht es Sinn, einen Blick auf deine wichtigsten Ausrüstungsgegenstände zu werfen: Besitzt du eine Pulka und bist damit in der Lage, auch für eine längere Tour zu packen? Ist der Schlafsack warm und das Zelt sturmfest genug? Oder müssen größere Dinge angeschafft werden, sodass die Anreise zur Tour möglichst günstig ausfallen sollte?

Und als drittes ist natürlich wichtig, wie viel Zeit du zur Verfügung hast und ob du deinen Urlaub auch genehmigt bekommst. Eine Woche muss es für eine Wintertour schon mindestens sein, damit sich der Aufwand lohnt. Drei Wochen oder mehr sind andererseits schon besonders umfangreiche Touren. Ich persönlich finde mindestens 6 Tage im Winterfjell nötig, um dort mental vollständig anzukommen. Die Anreise käme dann noch dazu, die aber je nach Art unterschiedlich lang sein kann. Doch dazu später mehr.

Tourgebiet auswählen

Es kommen so viele schöne Ecken in Frage. Es gibt viele Naturreservate und durch das Jedermannsrecht kannst du deine Tour eigentlich überall starten, genügend Schnee einmal vorausgesetzt. Bestimmt gibt es also wundervolle Tourgebiete, die ich nun sträflich vernachlässige, aber ich möchte dir lieber drei konkrete Beispiele nennen. (Wenn du schon selbst weißt, wohin es gehen soll, überspring die Vorschläge einfach.)

  1. Auf Bushcraft-Tour nach Grövelsjön
  2. Expedition Hardangervidda
  3. Klassiker nördlicher Kungsleden

Warum diese drei? Ich bin davon überzeugt, dass damit drei verschiedene Typen Wintertour gut veranschaulicht werden. Diese sehen für mich etwas zugespitzt so aus:

Auf Bushcraft-Tour nach Grövelsjön

Die Anreise nach Grövelsjön ist auch mit dem Auto noch gut machbar und so kannst du sogar ein Lavvu und einen Zeltofen mitbringen. Rund um die STF Fjällstation in Grövelsjön kannst du dich dann in den Wald schlagen oder bis ins Hochfjell wandern. Mit Lavvu und Ofen bietet sich der Wald eher an. Für deinen Zeltofen verwendest du natürlich nur Totholz. Sobald das Lavvu steht, hast du ein wunderbares Basecamp und kannst von dort aus Tagestouren unternehmen. Die umgebenden Berge sind Richtung Norden ausreichend hoch für abwechslungsreiche Ausflüge, die Lawinengefahr ist (außer an Steilhängen) aber überschaubar. Vorteil dieser Tour ist die Erreichbarkeit des Autos beziehungsweise der Fjällstation innerhalb eines Tages und das feste Basislager mit Trocknungsmöglichkeit. Du kannst außerdem jeden Tag entscheiden, wie sehr du dich verausgaben willst, kannst Feuer machen und dir einen Löffel schnitzen.

Expedition Hardangervidda

In der Hardangervidda übten schon Nansen und Amundsen für ihre Polarexpeditionen, weil die Bedingungen hier ähnlich sein können. In der Hochebene kann es sehr windig werden und dazu entsprechend kalt. Diese Tour stellt also ein wenig mehr Anforderungen an deine Ausrüstung und ebenfalls genug Übung im Umgang damit. Gleichzeitig kommst du von Oslo ganz wunderbar mit dem Bus nach Haukeliseter. Von dort läufst du in 10 Tagen nach Norden bis Finse. Der Wind kommt in der Regel aus Südwesten, steht dir also wenig im Gesicht. Von Finse fährt der Zug zurück nach Oslo. Wenn du es also ein wenig rauer haben willst, bietet sich die „Vidda“ dafür immer an. Gleichzeitig gibt es hier Hütten als Backup, die du aber nicht nutzen musst. Wer es noch „wilder“ möchte, muss in den Sarek Nationalpark gehen, aber dann bist du bitte auch so versiert, dass du diese Seite nicht mehr brauchst. 😛

Klassiker nördlicher Kungsleden

Auch wenn es in der Hardangervidda einige Hütten gibt, variieren die Abstände dort mehr als auf dem nördlichen Kungsleden zwischen Abisko und Nikkaluokta, wo du maximal zwischen 15-22 km pro Abschnitt planen musst. Diese Tour kann man damit getrost als einen Klassiker bezeichnen und entsprechend stark ist er um die Osterfeiertage auch frequentiert. Wenn du täglich in den Hütten übernachten willst, solltest du nicht exakt die nordischen Osterferien wählen. Da wird es erfahrungsgemäß voll. Gleichzeitig macht das diese Route aber auch relativ sicher. Die Anreise ist dafür nur mit Flug oder Zug stressfrei möglich, für eine Autofahrt im Winter ist es meiner Meinung nach viel zu weit.

Also: Wohin auf Wintertour?

Wie du siehst, gibt es verschiedene Arten von Wintertouren und entsprechend sind das hier nur Beispiele. Du kannst dir diese Vorschläge auch auf andere Gebiete übersetzen. Wichtig ist nur, sich im Vorhinein zuhause genug Gedanken dazu zu machen, was man eigentlich möchte. Dazu kommt dann die Frage nach der persönlichen Fitness, um die Distanzen und Etappenlängen sinnvoll zu planen.

Distanzen im Winter

Ich persönlich plane auf einer reinen Zelttour inzwischen nur noch mit maximal 15 km am Tag. Bei gutem Wetter bleibt immer noch Luft nach oben, aber im Pulverschnee ist es uns auch schon passiert, dass wir im einstelligen Bereich geblieben sind. Wird eine Hütte angesteuert, kann man vielleicht auch mit 20 km rechnen, weil einfach weniger Zeit für den Zeltaufbau benötigt wird und man sich schneller erholen kann. Mein Tipp: Lass es lieber langsam angehen und dreh im Zweifel noch ein paar Schleifen durch die Seitentäler.

Zwischen den Hütten können sehr unterschiedliche Distanzen liegen und du solltest dich nicht gleich an norwegischen Skifahrern messen.
Zwischen den Hütten können sehr unterschiedliche Distanzen liegen und du solltest dich nicht gleich an norwegischen Skifahrern messen. (Foto: Malte Hübner)

Rundtour oder Strecke?

Das sind die beiden typischen Varianten. Bei einer Rundtour wird die Anreise meist ein wenig einfacher, weil du Teile deiner Ausrüstung am Ausgangspunkt hinterlassen kannst. Seien es nur normale Schuhe und eine frische Unterhose für die Rückfahrt oder auch der Skisack und das Rollbrett für die Pulka. Vielleicht bietet sich eh eine Nacht im Hotel vor Ort an, dann kann man dort meist freundlich nach Lagermöglichkeiten fragen.

Variationen einer Rundtour können ebenfalls sinnvoll sein. Damit meine ich mehrere Schleifen um einen zentralen Ort, bei denen man sich nie wirklich weit vom Ausgangspunkt entfernt und trotzdem abseits im Zelt übernachtet. Gerade für den Anfang kann das sehr hilfreich sein.

Dennoch kenne ich das Gefühl, dass man irgendwie weiter vorankommt, wenn man eine Strecke abläuft. Selbst wenn man von dort letztendlich mit Bus, Bahn und Taxi wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren muss, wirkt es in meinem Kopf „besser“. Gegen diese Denkweise kämpfe ich regelmäßig an.

Details zum Tourgebiet recherchieren

Hast du dich nun für ein Tourenziel entschieden, solltest du dich an die Recherche der Details machen. Fangen wir einmal mit dem Zeitpunkt an.

Zeitpunkt der Tour

Wichtig finde ich zunächst immer, ob und wann die Hütten geöffnet haben. Das lässt sich für Schweden und Norwegen schnell auf den Seiten der Tourismusverbände STF und DNT nachschauen.

Für Norwegen ist es außerdem relevant, den Zeitraum der Wintermarkierungen zu recherchieren. Diese sogenannten kvistede ruter sind mit Birkenreisig gesteckte Markierungen auf den Winterwegen, die verlässlich nur um die Osterfeiertage vorzufinden sind. Je weiter entfernt deine Tour zeitlich von diesen Feiertagen ist, desto wichtiger ist dieser Tipp. Bitte verlasse dich bei deiner Planung nicht vollständig auf diese Markierungen. Teilweise stecken sie zwar schon früher, bei schlechtem Schnee oder garstigem Wetter aber eben manchmal auch erst später als angegeben. Die schwedischen Markierungen aus roten Kreuzen stehen übrigens oft das ganze Jahr. Wenn du abseits der beliebten Wege gehst, darfst du natürlich nicht mit Markierungen rechnen.

In diesem Fall lohnt sich auch ein Blick auf die Skooterkarten. Dort findest du die ausgewiesenen Strecken für die Schneemobile. Das ist leider ein ambivalentes Thema. Zum einen sind diese Gefährte teilweise so laut und stinkend, dass du ihnen lieber aus dem Weg gehen willst. Zum anderen läuft es sich auf den verfestigten Spuren deutlich leichter, besonders bei Pulverschnee.

Ein letzter Tipp aus der Erfahrung ist ebenfalls, sich die Ferienzeiten der nordischen Länder anzuschauen, da dort deutlich mehr Betrieb herrscht. Skitouren über die Osterfeiertage sind sogar ein Teil des Nationalstolzes.

In der Dämmerung und im Whiteout sind gesteckte Routen besonders hilfreich.
In der Dämmerung und im Whiteout sind gesteckte Routen besonders hilfreich. (Foto: Malte Hübner)

Steigungen und Gefälle

Für dieses Thema ist ein wenig Kartenkunde nötig, bei der du dir die Steigungen auf der Karte einmal genauer anschauen solltest. Da ich selbst nicht besonders gut Ski fahre, achte ich immer auf möglichst flache Hänge. Und dabei bin ich noch nicht einmal bei Hängen, an denen die Lawinengefahr steigt, sondern bei reiner Pulkatauglichkeit.

Wenn du deine Tour so wie ich mit einem digitalen Routenplaner vorbereitest, dann kannst du dir dort in der Regel das Höhenprofil ausgeben lassen. Damit lassen sich die steilen Stücke schnell identifizieren.

Gefahrenanalyse für Wintertouren

Welche Gefahren lauern in meinem Wintertourgebiet? Worauf sollte ich achten?

Lawinengefährdung

Wo wir gerade bei den steilen Hängen waren, komme ich direkt zur Lawinengefahr. Gemeinhin gilt, dass Hänge mit einer Neigung von mehr als 30° Grad als lawinengefährdet gelten. Da ich in fast allen Fällen mit einer Pulka unterwegs war, habe ich solche Hänge aber bisher eh möglichst vermieden. Das wäre mir einfach zu anstrengend. Bedenke aber bitte trotzdem, dass du immer auch versehentlich in steilere Gebiete kommen kannst und einen Blick dafür haben solltest. Auch hält eine Lawine nicht einfach am Fuße des Berges an, sondern donnert noch ein Stück weiter. Ein wenig Abstand zu steilen Hängen ist daher sehr sinnvoll.

Ich bin absolut kein Experte für Lawinen und verhalte mich in der Abschätzung daher sehr konservativ. Wenn du mehr dazu wissen willst, solltest du dich eher im Bergsport oder beim Skitourengehen umhören. Es gibt dort auf jeden Fall eine Menge professioneller Kurse dazu. Für die nördlichen Winterourgegenden lässt sich aber in der Regel gut um steile Stücke herum planen. Wenn du dennoch einen Blick auf die Lawinenprognose wirfst, ist das sicher hilfreich. Es gibt Lawinenprognose für Schweden, Norwegen und viele andere Länder.

Gletscherspalten und Steilkaten

Du meinst es ernst, oder? Wenn du direkt über einen Gletscher wandern willst, dann solltest du dich auch mit Gletscherspalten und Spaltenbergung befassen. Das würde hier aber den Rahmen sprengen, denn auf den normalen Touren kommt diese Gefahr einfach nicht vor. Auch hier rate ich dir einen Blick in den Bergsport.

Steilkanten kann es natürlich umso öfter geben und du solltest dir das Gebiet deiner Wintertour daraufhin genau anschauen. Gerade im Whiteout bei null Sicht solltest du genau wissen, wo dir solche Kanten auflauern könnten. Entsprechend solltest du auch auf besser auflösende Karten mit einem Maßstab von 1:50.000 setzen, da kleinere Steilstücke auf 1:100.000 nicht mehr abgebildet werden (können). Ich empfehle, solche Stellen bei schlechtem Wetter weiträumig zu umgehen. Bei guter Sicht hat man von solchen steil abfallenden Kanten natürlich oft einen großartigen Ausblick,

Offenes Wasser

Wir mussten auf einer Tour einmal einen relativ langen Umweg in Kauf nehmen, weil wir blind einer Scooterspur gefolgt sind, die einfacher zu laufen war. Wir wussten sogar, dass wir irgendwann an das andere Ufer des Flusses mussten, aber von weiter oben sah das unproblematisch aus. Bei genauerer Betrachtung wurde dann jedoch schnell klar, dass die Schneebrücken über dem Wasser nicht tragfähig für uns waren. Von festem Eis konnte gar keine Rede sein. Also mussten wir weit zurücklaufen, um einen Übergang zu finden. Mit einem besseren Blick auf die Karte hätten wir es vielleicht vermeiden können, da der Winterweg – auch wenn zu dem Zeitpunkt nicht gesteckt – eindeutig auf der anderen Seite verlief und schon früh über eine Brücke nach drüben ging. Winterwege über Brücken machen mich seither immer stutzig und ich schaue genau hin, ob das nicht einen guten Grund hat.

Es sieht zwar einfach aus, aber über diesen kleinen Fluss gab es weder tragfähiges Eis noch Schneebrücken.
Es sieht zwar einfach aus, aber über diesen kleinen Fluss gab es weder tragfähiges Eis noch Schneebrücken. (Foto: Malte Hübner)

Neben Flüssen kann es natürlich auch sein, dass die Seen (noch) nicht ausreichend zugefroren sind. Wenn die gesteckte Route an einem See also plötzlich große Schlenker vollzieht, hat das sicher ebenfalls einen Grund. Du solltest dann nicht einfach schnurgerade queren. Ein anderer Grund für instabiles Seeeis kann der Betrieb von Wasserkraftanlagen sein. Dabei hatte der See schon eine erste Eisdecke, bevor weiter Wasser für die Energiegewinnung abgelassen wurde. Meist bricht und senkt sich das Eis dann, die Oberfläche kommt weniger zur Ruhe und gerade an den Ufern bilden sich die interessantesten Eisformationen durch die verbleibenden Schollen. Es kann aber auch passieren, dass sich die Eisdecke nicht vollständig setzt oder wieder verfestigt. Auch hier ist Vorsicht geboten. Dies gilt in besonderem Maße für die unmittelbare Umgebung um die Kraftwerke und Abflüsse. Hier ist die größte Bewegung im Spiel.

Ausstiegsmöglichkeiten

Natürlich hoffen wir insgeheim, dass alles klappt und wir nach einer großartigen Tour wohlbehalten wieder zuhause ankommen. Dennoch geht manchmal etwas schief oder es läuft einfach „ganz normal anders“. Letzteres ist zum Beispiel für mich der Umstand, dass man seine Tour auf Grund der Schnee- oder Wetterbedingungen im verträglichen Rahmen anpassen oder verkürzen muss. Das gehört einfach dazu.

In jedem Falle ist es beruhigend, sich im Vorfeld Gedanken über mögliche Ausstiegspunkte zu machen. Was ist der kürzeste (Zeit/Strecke/Schwierigkeit einbeziehen!) Weg aus dem Fjell? Gibt es vielleicht eine Straße oder einen Bahnhof, den man anpeilen kann? Ab wo ist Umdrehen sinnvoller und ab wo ist der Weg zum Ziel die bessere Alternative? Gibt es eventuell einen regulären Scooter- oder sogar Helitransport (Beispiel Kebnekaise Fjällstation)? Am besten hast du an verschiedenen Punkten deiner Tour solche Ausstiegsszenarien im Hinterkopf. Ich bastele mir dafür sogar die Tracks vorher und spiele sie auf mein GPS.

Anpassen der Ausrüstung für die jeweilige Tour

Hast du dich nun also für dein Tourgebiet entschieden und auch alle Detail-Infos recherchiert, kannst du deine Ausrüstung anpassen. Dazu möchte ich dir noch ein paar Beispielfragen liefern, an denen du dich entlang hangeln kannst.

  • Für welche Wetterbedingungen musst du dich kleiden? Kann es feucht-kalt werden oder eher windig? Schaue dir die Kategorie „Været som var“ (Wie das Wetter war) bei yr.no an und passe deine Kleidung und den Schlafsack entsprechend an.
  • Wirst du Stellen ohne Schnee vorfinden oder wird es sehr steil? Überdenke die Wahl zwischen Rucksack und Pulka.
  • Gibt es Gefahren, auf die du dich speziell vorbereiten musst? Für eine Gletscherquerung mit Spaltengefahr sind Hüftgurt, Seil, Eisschraube und Eispickel die Standardausrüstung. Aber das ist meiner Meinung nach wirklich eine andere Liga.
  • Ist bei einer geplanten Hüttentour mit sehr langen Distanzen doch ein kleines Zelt sinnvoll oder reicht der Windsack für den Notfall? Überschätze dich nicht und plane weise.
  • Solltest du dir sicherheitshalber einen Notsender mitnehmen, damit du Hilfe verständigen kannst? Solche Notsender gibt es von verschiedenen Herstellern wie SPOT oder Garmin in seiner inreach Sparte. Solch einen Sender kannst du dir inklusive Datentarif für 79 Euro/30 Tage mieten. Auch aus der Seefahrt sind PLBs (Personal Locator Beacon) erhältlich, die an Land genauso funktionieren. Zwei Dinge möchte ich dir dazu jedoch empfehlen: Zum einen schafft dir kein Notsender so viel Sicherheit wie Vorsicht, gute Vorbereitung und Routine in den typischen Situationen auf Wintertour. Kenne deine Leistungsgrenzen und deine Ausrüstung schon VOR der Tour in und auswendig. Und zum anderen denke bitte auch an die GEOS-Bergeversicherung oder deinen DAV-Mitgliedsbeitrag, damit du später nicht auf den Kosten sitzen bleibst.

Die Anreise zur Wintertour

Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten, auf deine Wintertour anzureisen. Sprechen wir hier von den südlicheren Gebieten wie Hardangervidda und südlichem Kungsleden oder der Finnmark ganz im Norden, dann ist das alles noch Skandinavien. Die Anreise mit dem Auto oder dem Zug ist dabei also prinzipiell machbar. Aber auch mit dem Flugzeug ist eine Anreise durchaus denkbar, gerade wenn du wenig Zeit hast. Dafür stellt dich der Flug vor das Problem des Brennstofftransportes. Ich gehe daher einfach nacheinander auf alle Möglichkeiten ein.

Anreise mit dem eigenen Auto

Gerade mit dem Auto bietet es sich an, von Deutschland aus mit einer Nachtfähre nach Schweden oder Norwegen überzusetzen. Unter ökologischen Gesichtspunkten ist das Auto dabei möglichst voll besetzt. Zu dritt haben wir gerade so in einen Kombi gepasst und konnten uns beim Fahren gut abwechseln. Die Rückbank mussten wir für die Pulkas allerdings zu zwei Dritteln umklappen. Platzsparend ist es auf jeden Fall, wenn ihr die Pulkas ineinander stapeln könnt. Das ist ein klares Plus für die Paris Schlitten.

Wäre das Auto auch so voll gewesen, wenn wir keine Kühlbox mit auf die Anreise zur Wintertour genommen hätten?
Wäre das Auto auch so voll gewesen, wenn wir keine Kühlbox mit auf die Anreise zur Wintertour genommen hätten? (Foto: Malte Hübner)

Ein Mietwagen rechnet sich meistens nicht, weil die Kombination aus vielen Kilometern und langer Standzeit vor Ort in der Regel zu teuer ist. Solltest du es doch in Erwägung ziehen, erkundige dich nach den Bedingungen für Grenzübertritte, Fährfahrten, Winterreifen, zusätzlichen Fahrern und den Inklusivkilometern.

Die Mautgebühren kannst du recht zuverlässig mit dem Routenplaner von viaMichelin ausrechnen. Wenn du sehr regelmäßig fährst oder sehr weite Strecken zurücklegst, lohnt sich eventuell ein Blick auf den Maut-Eintreiber EasyGo. Die Mautgeräte von BroBizz, AutoPASS und Scandlines kannst du damit weiterverwenden. Die Post mit der Mautgebühr kommt aber nach Wochen und Monaten auch ohne Gerät bei dir an und die Preise sind verträglich, wie ich finde.

Anreise mit dem Zug

Ebenfalls entspannt kann die Anreise zur Wintertour mit dem Zug sein, wenn man nur nicht zu oft umsteigen muss. Wie schön waren die Zeiten, als es noch durchgehende Liegewagen aus vielen deutschen Städten nach Stockholm gab. Von Hannover müsste ich inzwischen in Hamburg und Kopenhagen oder in Berlin umsteigen. Von Stockholm erwischt man dann mit etwas Glück einen durchgehenden Liegewagen bis nach Lappland.

Bis zu zwei Nächte im Zug müsstest du dafür dennoch einplanen und ich gebe zu: Das konnte ich früher besser ab als heute. Dennoch bietet der Zug Komfort, den du sonst nicht hast. Du kannst dich auf dem Gang bewegen und im Bordbistro verpflegen. Es gibt mehrere Toiletten und die skandinavischen Züge sind in der Regel sauberer und komfortabler als die deutschen. So finden sich oft noch kleine Gepäckabteile, die für Ski und Pulka gedacht sind. In Norwegen musste ich meine Pulka bisher anmelden und eine kleine Gebühr bezahlen; sie kam dann in ein Abteil beim Speisewagen.

In Schweden kann man sie durchaus auch mit in ein Abteil nehmen, wenn man entweder als kleine Gruppe ein Abteil für sich hat oder das Abteil nicht voll ausgebucht ist. Etwas trickreich ist dann aber der Weg durch den Gang und die enge Abteiltür. Hier sind schmalere und kürzere Pulkas klar im Vorteil. Für den Umstieg ist auf einer Bahnreise ein kleines Rollbrett für die Pulka besonders wichtig.

Die schwedische Eisenbahn findest du auf sj.se und die norwegische Staatsbahn heißt seit 2019 vy.no und betreibt auch Fernbusse. Auch auf der Seite der Deutschen Bahn kannst du die Verbindungen recherchieren, aber nicht immer buchen.

Es gibt auch immer noch die Möglichkeit, mit einem Interrailticket zu reisen, allerdings ist bei den Nachtzügen Vorsicht geboten, ob diese aufpreispflichtig sind. Damit habe ich leider keine Erfahrung.

Anreise mit dem Bus

Alternativ zum Zug gibt es noch die Fernbusse. Vor einigen Jahren bin ich damit für 39 Euro non-stop von Hannover bis nach Oslo gefahren. Die Pulka war nach einigen E-Mails an den Betreiber kein Problem und galt als vorangemeldetes Skigepäck. Sie kam einfach fertig gepackt unten in den Gepäckraum des Busses. Die Fahrt hat zwar 16 Stunden gedauert, aber durch die Fährüberfahrt zwischen Deutschland und Dänemark und regelmäßige Stopps über 10 Minuten in den größeren Städten konnte man sich immer mal die Beine vertreten. Momentan gibt es Fernbusse von Berlin, die direkt bis Oslo durchfahren. Nach Stockholm kommst du zum Beispiel ab Hamburg mit einem Umstieg in Göteborg. Preislich sind diese Anreise zur Wintertour meistens unschlagbar günstig, der Komfort aber entsprechend eingeschränkt. Ein übergreifendes Suchportal ist die Busliniensuche.

Warten in Hannover auf den Fernbus von Paris nach Oslo, um von dort in die Hardangervidda zu gelangen.
Warten in Hannover auf den Fernbus von Paris nach Oslo, um von dort in die Hardangervidda zu gelangen. (Foto: Sebastian Dymala)

Vor Ort kannst du schließlich die regionalen Busse nutzen, die etwas besser auf Ski und Pulka eingestellt sind. Hier zahlst du zwar inzwischen auch oft eine Gebühr für den zusätzlichen Transport, aber du wirst zumindest nicht mehr komisch angeguckt. Beachte aber immer genau die Daten der Winterfahrpläne.

Ähnlich wie in Deutschland gibt es Skandinavien etliche unterschiedliche regionale Busunternehmen. Sobald du also dein Tourgebiet ausgewählt hast, kannst du für die Anreise zur Wintertour nach den lokalen Bussen schauen. Eine gute Übersicht findest du auf den Skandinavien-Links. Es macht auch Sinn, sich den Fahrplan der benötigten Linie ausgedruckt mitzunehmen, da du unterwegs kein mobiles Netz haben wirst.

Anreise mit der Fähre

Die Anreise zur Wintertour mit der Fähre ist genau genommen kein Verkehrsmittel für sich allein, weil du damit natürlich nicht bis ins Fjell kommst. Dennoch wirst du bei den Fahrten mit Zug, Bus oder Auto auch in den zwischenzeitlichen Genuss einer Fährfahrt kommen. Lassen wir diese kurzen Verbindungen einmal außer Acht, gibt es sehr komfortable Nachtfähren von Deutschland nach Schweden oder Norwegen. Die Verbindung Kiel – Göteborg wird dabei nur von den Annehmlichkeiten an Bord der Verbindung Kiel – Oslo geschlagen. Das gilt allerdings auch preislich. Wer hungrig von der Tour zurückkommt, kann diesen Preis vielleicht am zubuchbaren Buffet wieder „einarbeiten“.

Reist du ohne Auto mit der Fähre an, um dann in den ÖPNV im Zielland zu wechseln, musst du deine Pulka unten im Frachtraum lassen. Dort kommst du während der Überfahrt aber nicht mehr hin, sodass du mit Bedacht packen musst.

Ich mag die Anreise mit der Fähre, weil ich an der Küste aufgewachsen bin und mir so immer mein Pensum Meerluft hole. Leider sind die großen Pötte selbst nicht unbedingt klimafreundlich, auch wenn sie besser abschneiden als Kreuzfahrtschiffe und im Gegensatz dazu eine Strecke zum endgültigen Ziel zurücklegen.

Die großen Fährlinien rufen durchaus unterschiedliche Preise auf, bieten dafür aber auch sehr unterschiedlichen (zubuchbaren) Komfort:

Anreise mit dem Flugzeug

Die Anreise zur Wintertour mit dem Flugzeug wird meiner Meinung nach erst bei den wirklich nördlichen Regionen interessant, auch wenn die Preise zunächst verlockend wirken. Die Schwierigkeiten mit klaren Gewichtsbegrenzungen und Gepäckbestimmungen sorgen dann aber für weitere Kosten und logistische Herausforderungen. Auf der anderen Seite ist diese Art zu reisen wirklich schnell und du kommst bei guten Verbindungen innerhalb eines Tages direkt ins Fjell.

Gepäckbestimmungen

Bei vielen Airlines kannst du die Pulka als Sportgepäck aufgeben oder kommst sogar als reguläres Sperrgepäck mit ihr ins Flugzeug. Wichtig ist in beiden Fällen, sich vorher genau zu erkundigen und sich die Mitnahme von der Fluggesellschaft bestätigen zu lassen. Die Gewichtsbeschränkungen gelten auch hier und so kann zum Beispiel bei SAS ein zusätzliches Gepäckstück bis 23 Kilo günstiger sein, als eine Pulka, die zwischen den regulären 23 und maximalen 30 Kilo nur bis zu 7 Kilo „Übergewicht“ hat. Du nimst für den gleichen Preis also 16 Kilo mehr mit.

Das gleiche gilt für Ski, die am besten in einem Skisack transportiert werden. Hier bietet es sich an, den Skisack mit anderen Gegenständen aufzufüllen, die aber eindeutig als Skiausrüstung gelten sollten. Skistöcke, Pulkagestänge, Wachs, Skifelle usw. sollten kein Problem sein. Bei manchen Airlines wird aber auch das Skigepäck auf die Freigepäckgrenzen angerechnet.

Das ist auch der Teil, der mich am meisten nervt, weil ich nicht schon zu Hause sinnvoll vorpacken kann und dann zu Beginn der Tour erst einmal Chaos habe. Alles folgt der passenden Gewichtsverteilung und ich muss hoffen, dass auch wirklich alle Gepäckstücke rechtzeitig ankommen.

Gefahrgut

Beachte bitte auch die Mitnahmeregelungen von Gefahrgut. Brennstoffe jeglicher Art sind im Aufgabegepäck streng verboten. Du darfst ein Feuerzeug in der Hosentasche mit in das Flugzeug nehmen, aber das reicht natürlich nicht für die Tour. Du musst also am Zielort zunächst noch den passenden Brennstoff und Ersatzfeuerzeuge bzw. Streichhölzer besorgen.

Problematisch kann die Mitnahme eines Benzinkochers und den dazugehörigen leeren Brennstoffflaschen sein. Sobald diese verdächtig nach Benzin riechen, werden sie dir aus dem Gepäck genommen werden und du stehst erst einmal ohne da. Viele spülen ihre Kocher daher vor dem Flug gut aus und lassen ihn lange auslüften. Apfelsaft, Cola und Pfefferminztee funktionieren. Auch von Speiseöl habe ich schon gehört.

Die Zeitersparnis durch den Flug kann also schnell wieder verpuffen, wenn du noch Zeit für den Einkauf einrechnen musst. Da der Flug nach wie vor nicht die ökologische Variante ist, schlage ich dir außerdem eine Spende für ein Klimaprojekt vor. Diese kannst du zum Beispiel über atmosfair sinnvoll einsetzen.

Anreise mit dem Taxi

Gerade bei der Anreise mit dem Flugzeug kann es nötig sein, sich ein Taxi vom Flughafen aus zu nehmen. Vom Kiruna Airport kannst du dich so zum Beispiel für ca. 180 Euro nach Nikkaluokta bringen lassen, wenn du den letzten Bus bereits verpasst hast. Das spart zwar im Vergleich zu einer Übernachtung in Kiruna nicht wirklich Geld, aber dafür stehst du am nächsten Morgen direkt am Start deiner Tour. Das Taxi solltest du dir möglichst vorbestellen und auch deine Pulka und Ski als Gepäck mit angeben.

Weitere Tipps für die Anreise zur Wintertour

  • Fast egal mit welchem Verkehrsmittel du unterwegs bist, immer lohnt sich ein sehr leichter Tagesrucksack als zusätzliches Gepäckstück. Hinein packst du deinen Proviant, vielleicht etwas Wechselwäsche und deine Wertsachen. Im Flugzeug wird das dein Handgepäck, im Zug und Bus kommt er mit zu deinem Platz und auf der Autofähre mit in die Kabine.
  • Ich vermute, wir alle haben einen großen Anteil an Naturverbundenheit und Liebe für die winterliche Landschaft als Motivation für unsere Wintertouren. Wir sollten den Schutz der Natur deshalb respektieren und bei der Anreise zur Wintertour unseren ökologischen Fußabdruck generell beachten. Ich bin mir im Klaren, dass eine Winterwanderung im Harz immer ökologischer wäre als eine Reise nach Skandinavien, aber dieser Vergleich heißt ja nicht, dass ich gar nicht mehr reisen darf. Schau doch aber einfach ganz pragmatisch, wo du CO2 einsparen kannst und minimiere ähnlich wie beim Gepäck auf das Nötigste. So mache ich es auch.
  • Auf einer Wintertour kann es passieren, dass du in deinem Gepäck schon alles dabei hast: Brennstoff, Lebensmittel und alle anderen Verbrauchsgüter. Wenn du dann ausschließlich im Zelt übernachtest, lässt du kein Geld in der Reiseregion. Nutzt du dann aber selbstverständlich die markierten Routen oder bist auch für die Hütteninfrastruktur dankbar, dann werde doch einfach Mitglied im Tourismusverband und unterstütze eine gute Sache.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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Hilfreiche Gadgets auf Wintertour https://www.winterfjell.de/hilfreiche-gadgets-auf-wintertour/ https://www.winterfjell.de/hilfreiche-gadgets-auf-wintertour/#respond Sat, 24 Aug 2019 07:40:45 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=398 Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns das Leben versüßen. Deswegen geht es in diesem Beitrag um hilfreiche Gadgets auf Wintertour. Darunter verstehe ich vor allem die Dinge, die nicht zwingend auf deine Winterwanderung mitgenommen werden müssen, aber es dennoch etwas angenehmer oder auch interessanter machen. Oft handelt es sich dabei um die kleinen … Hilfreiche Gadgets auf Wintertour weiterlesen

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Playmobil ist im Winter absolut nicht nützlich, aber dennoch haben uns solche Gadgets auf Wintertour viel Spaß bereitet.
Playmobil ist im Winter absolut nicht nützlich, aber dennoch haben uns solche Gadgets auf Wintertour viel Spaß bereitet. (Foto: Lutz Grünke)

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns das Leben versüßen. Deswegen geht es in diesem Beitrag um hilfreiche Gadgets auf Wintertour. Darunter verstehe ich vor allem die Dinge, die nicht zwingend auf deine Winterwanderung mitgenommen werden müssen, aber es dennoch etwas angenehmer oder auch interessanter machen. Oft handelt es sich dabei um die kleinen Optimierungen, die sich erst von Tour zu Tour ergeben. Deswegen ist die Liste ein wenig spaßig gemeint, sicher nicht vollständig und ich freue mich über witzige und ernstgemeinte Ergänzungen.

  1. Ein einfacher Windmesser schützt dich zwar nicht vor dem Wind, aber wenigstens kannst du im Tour-Logbuch damit genau eintragen, unter welchen Bedingungen du unterwegs warst. Die meisten Leute überschätzen sich bei den Windgeschwindigkeiten „nach Gefühl“ nämlich und so hast du Fakten, Fakten, Fakten.
  2. Mit einer Schneebürste kannst du abends die vereisten Stiefel oder andere Kleidungsstücke von Schnee und Eis reinigen, damit sie besser trocknen und du das Zeug nicht mit ins Zelt schleppst. Als Bürste eignen sich zum Beispiel harte Gemüsebürsten mit einer harten Schaberkante.
  3. Ohrenstöpsel (aka. Ohropax) schützen nicht nur vor den schnarchenden Zeltnachbarn, sondern sind auch sehr gut geeignet, im Schneesturm im Zelt zur Ruhe zu kommen. Wenn die Eiskristalle über das Zelt rauschen und der Wind die Zeltplane flattern lässt, tauchst du einfach mit den Ohrenstöpseln tief in deinen Schlafsack ab.
  4. Wenn du deine Pulka clever packen willst, ist vielleicht ein „Zeltbeutel“ ein Tipp. In diesen kommen alle Kleidungsstücke für den Abend und die wichtigsten Dinge, die du auf jeden Fall im Zelt brauchen wirst. So musst du nicht lange suchen und kommst schnell in deine trockenen Klamotten.
  5. Und wo wir bei Packsäcken sind: Es gibt Packsäcke mit Sichtfenster. Diese sind zwar etwas kälteempfindlicher, aber es soll ja Leute geben, die sonst immer ewig suchen müssen. Alternativ helfen auch verschiedenfarbige Packsäcke, in der Pulka etwas wiederzufinden.

  1. Mit einem Stativ gelingen dir bessere Aufnahmen, vor allem bei schlechteren Lichtbedingungen (Ich sage nur Polarlicht!). Dennoch musst du abwägen, ob dir ein richtiges Stativ das zusätzliche Gewicht wert ist oder ob ein kleines Gorillapod auf der umgedrehten Pulka schon reicht.
  2. Ebenfalls für die Fotografie ist ein Fernauslöser nützlich, damit du dich auch einmal selbst vor die Linse bekommst. Damit bist du flexibler als mit dem Selbstauslöser. Und wenn du in einen Auslöser mit Funk (statt IR) investierst, kannst du dich sogar aus noch größerer Entfernung aufnehmen. Neue Kameramodelle lassen sich zum Teil auch über Wifi vom Smartphone aus steuern.
  3. Wenn du auf deinem Android Smartphone professionelle Navigations-Apps wie Locus-Pro verwendest, dann kannst du die Routen oder Daten von dort mit einem USB-Kabel vom Handy auf das Garmin übertragen. Für neuere Garmin-Geräte empfehle ich die Apps von Garmin, für ältere Geräte die App „Exchanger for Garmin“ von Bulkodel Software.
  4. Willst du Rentiere beobachten oder vielleicht nur andere Wanderer wie sie stundenlang ihr Zelt eingraben? Dann macht ein leichtes Fernglas vielleicht Sinn. Ich habe zwar fast nie eins dabei, aber ich habe mir unterwegs schon öfter eins gewünscht.
  5. Playmobil für den Pausentag: Hilfreiche Gadgets auf Wintertour dürfen großen Spaß machen! Das hilft nämlich, den Pausentag in der Sonne mit Fotoarbeiten zu vertrödeln. Es gibt tatsächlich eine Pulka, Zelte, Ski, Kocher…einfach alles!
Dieser kleine Pulkawanderer war unser vierter Mann auf Tour
Dieser kleine Pulkawanderer war unser vierter Mann auf Tour (Foto: Lutz Grünke)

Das sind meine 10 Dinge als hilfreiche Gadgets auf Wintertour. Sicher fallen dir noch weitere ein. Dann hinterlasse mir doch bitte einen Kommentar damit.

Wenn du andere Tricks und Tipps für Wintertouren suchst, dann empfehle ich dir meine Übersichten dazu:

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Der Roughstuff Nordländer Anorak im Test https://www.winterfjell.de/der-roughstuff-nordlaender-anorak-im-test/ https://www.winterfjell.de/der-roughstuff-nordlaender-anorak-im-test/#comments Mon, 27 May 2019 14:18:06 +0000 https://www.winterfjell.de/?p=4236 Erinnerst du dich an meine Begeisterung für den Nordländer Anorak von Roughstuff, den ich auf der Outdoormesse in Friedrichshafen im Jahr 2018 das erste Mal entdeckte? Ich habe ihm im Rückblick sogar meinen ganz persönlichen Gold-Award verliehen. Um euch nun einen ausführlichen Test zu bieten, war schon ein bisschen Überzeugungsarbeit nötig. Denn natürlich hat das … Der Roughstuff Nordländer Anorak im Test weiterlesen

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Der Roughstuff Nordländer (links) im Test auf Wintertour im Rondane Nationalpark
Der Roughstuff Nordländer (links) im Test auf Wintertour im Rondane Nationalpark (Foto: Lutz Grünke)

Erinnerst du dich an meine Begeisterung für den Nordländer Anorak von Roughstuff, den ich auf der Outdoormesse in Friedrichshafen im Jahr 2018 das erste Mal entdeckte? Ich habe ihm im Rückblick sogar meinen ganz persönlichen Gold-Award verliehen.

Um euch nun einen ausführlichen Test zu bieten, war schon ein bisschen Überzeugungsarbeit nötig. Denn natürlich hat das Unternehmen nichts zu verschenken. Warum mir der Test so wichtig war und wie mein Ergebnis lautet, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Warum überhaupt ein Test vom Roughstuff Nordländer Anorak? Du hast doch schon einen.

Ja, das stimmt. Und ich bin mit meinem selbstgenähten etaproof-Anorak weiterhin sehr zufrieden. Und mein Beitrag darüber stellt auch einen Besuchermagnet dar. Er zählt nach wie vor zu den meistbesuchten Seiten auf Winterfjell. Oft erreichen mich Anfragen nach Tipps für eigene Nähprojekte anderer Nutzer*innen, die ich gerne beantworte. Manchmal kommen aber auch Anfragen von Leuten, die nicht selbst nähen können oder möchten. Diese wollen wissen, ob ich eine vergleichbare Jacke empfehlen kann, die käuflich zu erwerben ist. Und genau dort lag bisher mein Problem.

Meine bisherige Recherche lieferte leider kein vollständig zufriedenstellendes Produkt. Entweder handelte es sich nicht um einen Schlupfanorak (beispielsweise die Frede Jacke von Nordwärts) oder der Anorak fiel einfach sehr klein aus (Tilak Odin; leider in XXL so eng geschnitten wie eine L). Reine Baumwolle kam wegen des fehlenden Nässeschutzes gar nicht erst in Frage. Ich konnte also keine wirklich passende Alternative bieten. Das änderte sich schlagartig mit dem Nordländer Anorak, den ich nun schon öfter als Alternative zu einem eigenen Nähprojekt empfohlen habe. Ich möchte ihn daher mit meiner selbstgenähten Jacke ein wenig vergleichen. So siehst du die Unterschiede und damit verbundenen Vorteile der beiden Anoraks und kannst selbst entscheiden, was besser zu dir passt. Die rote Jacke auf den Bildern ist also entsprechend meine eigene Kreation.

Ergebnis der Vorgeschichte

Um die Vorgeschichte noch kurz abzuschließen: Nach der Messe blieb ich mit der Firma in Kontakt und wir diskutierten ein wenig über die Möglichkeiten eines Tests. Gleichzeitig habe ich eine Größenberatung bekommen, damit das Testmodell auch passt. Ich möchte mich an dieser Stelle für die tolle Unterstützung bei der Deubelskerle GmbH bedanken. Das Testmodell ist mir auf meine Initiative kostenfrei und ohne Auflagen zur Verfügung gestellt worden. Doch nun endlich zum Anorak selbst.

Die Umgebung hielt alle nötigen Bedingungen für einen ausführlichen Test bereit
Die Umgebung hielt alle nötigen Bedingungen für einen ausführlichen Test bereit (Foto: Lutz Grünke)

Nordländer Anorak von Roughstuff

Der Anorak ist zunächst einmal ein klassischer Schlupfanorak. Das Aus- und Anziehen ist also augenscheinlich mit etwas mehr Aufwand verbunden. Dafür kann nirgends der Wind hereinziehen und der weite, lange Schnitt schafft viel Bewegungsfreiheit. Außerdem ist dieser Stil unschlagbar und man sieht eben aus wie ein echter „Nordländer“! Gefällt mir.

Der Nordländer Anorak ist aus mittelschwerem Performance Cotton, welches in seinen Eigenschaften als analog zu den Marken etaproof oder Ventile gesehen werden kann. Die Materialien sind vergleichbar in ihrer Funktion. Diese liegt darin, aus extrem dünnen Baumwollfäden gesponnen zu sein, die zum einen winddicht und dennoch sehr atmungsaktiv sind, zum anderen aber bei Feuchtigkeit aufquellen. Dadurch wird der Stoff eine begrenzte Zeit lang wasserdicht. Ein Wachsen des Stoffes wie bei Baumwollmischgeweben üblich wäre in diesem Fall sogar kontraproduktiv, da hierdurch die Atmungsaktivität eingeschränkt würde.

Verarbeitung

Die Verarbeitung des Nordländers ist überaus positiv. Keine hängenden Fäden, alle Nähte sauber verarbeitet und schön gerade gezogen. Da kann ich als Laie natürlich nicht ganz mithalten. Der Stoff ist absolut winddicht und auch am Lagerfeuer brennt dir nicht jeder kleinste Funke ein Loch in den Stoff. Die Jacke wirkt in der Haptik sehr robust, was sie auf zwei längeren Touren nun auch bewiesen hat. Für Neulinge im Umgang mit dieser Art von Baumwolle sei der Hinweis gestattet, dass leichte Verfärbungen an stark beanspruchten Stellen vollkommen normal sind und die Funktion nicht beeinträchtigen.

Merke: Tragespuren sind Trophäen!

Nachdem mir vor kurzem ein Funke ein Loch in die neue Softshell gebrannt hatte, kam diesmal der Roughstuff Nordländer mit auf Tour
Nachdem mir vor kurzem ein Funke ein Loch in die neue Softshell gebrannt hatte, kam diesmal der Roughstuff Nordländer mit auf Tour (Foto: Malte Hübner)

Aufbau und Schnitt

Dass es sich um einen Schlupfanorak handelt, hatten wir geklärt. Besonders ist als zweites der Kragen des Nordländers zu nennen. Dieser lässt sich mit einem Zipper gut schließen und liegt auch schon ohne Benutzung der Kapuzeneinstellung dicht an. Der Zipper ist mit einem großen Keil hinterlegt, sodass zum einen kein Wind durch den Zipper pfeifen und zum anderen der Kragen auch bei geöffneten Zipper gut aufgestellt werden kann. Gerade wenn es mal etwas wärmer wird, lässt sich hier gut die Belüftung regulieren, ohne dass du die Jacke gleich ausziehen musst. Außerdem sieht es toll aus und erinnert an die klassischen Polaranoraks.

Die Kapuze hat zwar konstruktive Unterschiede zu meiner selbst genähten Jacke, beide erfüllen aber in ihrer Funktion die Ansprüche vollends. Denn beide Kapuzen sind etwas tunnelförmig geschnitten, damit das Gesicht gut vom Wind geschützt wird. Sowohl mit dünner als auch mit dicker Mütze lassen sie sich gut tragen und auch bei der Skibrille bleibt die Wahl noch frei, ob du sie lieber über die Kapuze ziehen magst oder darunter.

Damit dir kein Wind unter den Anorak weht, kannst du die Jacke an der Taille mit einem Kordelzug schließen. Das funktioniert recht gut und sitzt bei mir auf einer guten Höhe. Mein gleichgroßer Tourenpartner und Testkandidat Thomas ist jedoch der Meinung, dass der Taillenzug noch ein kleines wenig weiter unten sitzen könnte.

Wieder der kurze Vergleich: Da bei meiner eigenen Jacke der Gummizug im unteren Saum sitzt, lässt sich alles variabel auf die richtige Höhe schieben, sieht dafür aber natürlich deutlich sackiger aus.

Fünf Stunden Gegenwind mit gut 50 km/h und Schneetreiben waren zwar nicht angenehm, aber die Anoraks waren winddicht und blieben trocken
Fünf Stunden Gegenwind mit 15 m/s und Schneetreiben waren zwar nicht angenehm, aber die Anoraks waren winddicht und blieben trocken (Foto: Lutz Grünke)

Taschenkonzept

Das Taschenkonzept unterscheidet sich zwischen meinem Anorak und dem Nordländer stark. Bei meiner Jacke habe ich unten eine durchgehende Schlauchtasche mit zwei Reißverschlüssen und oben eine Känguruhtasche ebenfalls mit Zipper. Für das Aufwärmen der Hände ist hier eigentlich keine gedacht.

Der Nordländer Anorak hat stattdessen unten zwei Einschubtaschen mit Klappe, in denen sich sehr gut Handschuhe und Ersatzmütze oder Taschentücher verstauen lassen. Diese Taschen können zwar nicht vollständig verschlossen werden, aber bisher ist mir weder etwas herausgefallen noch ist im Schneesturm Triebschnee eingedrungen. Ich würde sie daher als relativ dicht bezeichnen.

Als obere Tasche findet sich eine Schlauchtasche, die mit warmen Wollfleece ausgefüttert ist. Zwar eignet sich diese Tasche nicht so gut, um darin Gegenstände zu verstauen, aber zum Aufwärmen der Hände ist sie großartig, sozusagen ein mobiler Muff. Auch mit klammen, kalten Fingern stellt sich schon nach kürzester Zeit ein wohliges Gefühl ein, sobald du die Hände in die Handwärmtasche schiebst. Auch die Höhe der Öffnungen passt perfekt, sodass die Arme und Hände eine gute Ruheposition haben. Du kannst so z. B. wunderbar herumstehen und von bisherigen Abenteuern berichten, ohne kalte Hände zu bekommen. Das führt mich auch zu der Wintertauglichkeit der Jacke.

Wintertauglichkeit

Die warme Handwärmertasche bietet einen enormen Komfort, aber das reicht natürlich noch nicht für unseren typischen, etwas speziellen Einsatz auf Wintertour. Wichtig sind ebenfalls die Möglichkeit, alles abzudichten und eine gute Passung zum Pulkagurt. Das haben wir auf einer Wintertour in der Rondane ausführlich erprobt und begutachtet. Mit windigen Tagen um 15 m/s bei -15° Celsius, aber auch 2° Celsius und Sonne hatten wir die besten Testbedingungen.

Kapuze

Die Windtauglichkeit ist durch die weite, aber gut verstellbare Kapuze absolut gegeben. Sie lässt sich dicht verschließen und bietet die Möglichkeit zum Nachrüsten eines Pelzkragens. Dieser ist jedoch nicht enthalten. Während mein Kapuzenfell einzuknöpfen ist, hat Roughstuff an seiner Nordländer einen einzipbaren Fellkrangen vorbereitet. Das gefällt mir ziemlich gut, weil es kein extra Zubehör mit Aufpreis ausmacht und einfach bis zum Ende gedacht ist.

Auch der Streifen zur Befestigung des Fells ist in jeder Jacke bereits vorhanden, das Fell hingegen musst du dir selbst suchen. Hintergrund ist, dass Roughstuff dir selbst die Entscheidung überlassen möchte, ob du Kunstfell oder echten Pelz verwenden willst. So kannst du z. B. auch gut von alten Jacken recyceln, denn der Pelz ist oft langlebiger als die Jacke. Sofern du dich für einen Naturpelz entscheidest, kann die Firma dir bei dem Kontakt zu einem erfahrenen Kürschner helfen. Meine Meinung dazu: Für den tiefen Winter kommt eigentlich nur Naturpelz in Frage. Bei Lifestyle ist ein Fellkragen meistens Quatsch.

Pulkakompatibel

Weiterhin muss natürlich auch ein Pulka-Zuggeschirr zu den Taschen und dem Schnitt des Anoraks passen. Zum Glück ist das geschickt gelöst, sodass der Gurt genau zwischen der oberen Schlauchtasche und den beiden unteren Taschen sitzt. Die Funktion bleibt damit vollständig erhalten, ohne dass es irgendwo drückt. Ebenso verhielt es sich mit einem großen 70 Liter Rucksack in der Pfalz, der Gurt saß auch dabei genau richtig.

Der Pulkagurt sitzt genau zwischen den Taschen und auch bei bestem Wetter ließ sich der Nordländer gut tragen
Der Pulkagurt sitzt genau zwischen den Taschen und auch bei bestem Wetter ließ sich der Nordländer gut tragen (Foto: Lutz Grünke)

Weitere Eigenschaften

Die Jacke sitzt in XXL bei mir (sonst XL) sehr gut und erlaubt auch noch genügend Schichten darunter. So wurde es mir letztendlich von Roughstuff empfohlen. Lasse dich dafür also im Zweifel ebenfalls beraten oder bestelle im schlimmsten Falle eine Auswahl, wovon du eine wieder zurückschickst. Die Schultern fallen gut, egal wie breit oder schmal du bist. Da ist der Schnitt einer klassischen Polarjacke einfach dankbar. Auch die Länge schützt die empfindlichen Körperstellen im Schritt und am Po ausreichend vor Wind. Vorne kann der Nordländer im Anorakbund für mehr Bewegungsfreiheit aufgeknöpft werden, wenn du z. B. mal ein Stück klettern willst.

Kritische Anmerkungen

  • Der Schnitt gefällt mir insgesamt sehr gut. Es gibt jedoch eine kleine Anmerkung zu der Ärmellänge am Serienmodell, die bei mir nur ausreichend ist. Versteht mich nicht falsch, sie ist noch nicht zu kurz, aber es reicht wirklich gerade so. Hätte ich mich ohne Beratung für das Modell in XL entschieden, wäre sie wahrscheinlich zu kurz. Auch Thomas ging es beim Tragen auf Tour so, obwohl er sonst ebenfalls XL trägt. Hier wären also 2 cm mehr eine gute Sache für unsere Proportionen. Das ist natürlich bei jedem anders und Roughstuff bietet daher an, den Schnitt der Jacke auf Wunsch vor der Fertigung anzupassen. Was ich dir raten will, ist zusammengefasst: Achte einfach darauf, dass die Ärmel bei dir lang genug sind. An den Ärmeln dienen Klettverschlüsse für eine gute Einstellbarkeit. Auf unserer Tour machte es daher mit Handschuhen sowieso nichts aus, da die Stulpen über den Ärmel saßen und alles abgedichtet war.
  • Ich würde wohl an verschiedenen Stellen kleine Druckknöpfe nachrüsten. Zum einen würde ich die Taschen unten damit zusätzlich etwas sichern. Zum anderen hätte ich am Ärmelbündchen eine Rastposition (ganz offen) und eine geschlossene Position (Arm möglichst eng umschlossen) mit Druckknöpfen ergänzt. So kann der Klettverschluss etwas unterstützt werden, wenn er doch mal vereist und nicht mehr richtig halten will. Lässt sich halt nur nicht in Serie fertigen, weil es auf den Arm angepasst werden müsste.
  • Was ich ebenfalls vermisst habe, ist eine Aufhängeschlaufe innen oder außen unter der Kapuze. Ich nutze so etwas gern, um die Jacke aufzuhängen.
  • Sehr lobenswert ist hingegen die Fertigung in Deutschland und die Nachhaltigkeit von einer Produktion ohne Schafstoffe wie PFC in der Baumwolle.

Fazit nach zwei Touren mit der Jacke

Natürlich sind wir alle etwas geprägt von der vielen Werbung der Outdoorindustrie für noch bessere Membranen und hochtechnische Stoffe, die man „unbedingt haben muss“. Klar kann man da etwas skeptisch sein, mit einer Baumwolljacke auf Wintertour zu gehen. Wenn du dann das erste Mal solch einen Anorak trägst, fühlt es sich auch auf der Haut plötzlich ganz anders an. Viele erleben das erste Tragegefühl als etwas kühler als in einer Hardshell.

Das liegt meiner Erfahrung nach ganz einfach daran, dass das Mikroklima in der Jacke deutlich weniger schwitzig ist als in einer Hardshell mit Membran. Das ist also eigentlich ein Pluspunkt. Spätestens in Bewegung wirst du hier den Vorteil erkennen, dass dein Schweiß schneller trocknet. Und gleichzeitig schützt die Jacke vor dem kühlen Wind. Zu sehr darfst du natürlich nicht schwitzen, denn wenn die Jacke nass wird, braucht sie einige Zeit zum Trocknen. Aber dann warst du auch zu warm angezogen.

Auch der Rucksackgurt vom großen Wanderrucksack passt bei mir gut am Roughstuff Nordländer Anora
Auch der Rucksackgurt vom großen Wanderrucksack passt bei mir gut am Roughstuff Nordländer Anorak (Foto: Malte Hübner)

Auch im Nieselregen der Südpfalz und am Lagerfeuer abends im Wald hat sich die Jacke bewährt und ich ziehe sie einer Softshell-Jacke vor. Kein Funke richtet etwas aus und solange es nicht in Strömen regnet, reicht der Nordlänger Anorak mit seinem Performance Cotton. Ich bin daher großer Fan von diesem Material und insbesondere der Jacke geworden.

Ich hoffe, das hilft dir in deiner Entscheidung weiter. Wenn du selber nähen magst, ist das eine tolle Erfahrung. Wenn du einfach nur eine Empfehlung für einen Polaranorak haben willst: Hier ist er, der Roughstuff Nordländer Anorak.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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Toilette und Körperpflege in der Kälte https://www.winterfjell.de/toilette-und-koerperpflege-in-der-kaelte/ https://www.winterfjell.de/toilette-und-koerperpflege-in-der-kaelte/#comments Wed, 08 May 2019 13:01:29 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=391 Worauf musst du bei der Körperpflege in der Kälte achten und wie verrichtest du eigentlich dein Geschäft? Beim kleinen Geschäft haben Männer einen Vorteil gegenüber Frauen, weil sie nur wenig Haut entblößen müssen. Die Frau muss nicht nur mehr Reißverschlüsse öffnen oder kompliziert die Träger und Gurte abstreifen, sondern sich auch in den Schnee und … Toilette und Körperpflege in der Kälte weiterlesen

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Der Weg zum Unausweichlichen kostet manchmal ein wenig Überwindung.
Der Weg zum Unausweichlichen kostet manchmal ein wenig Überwindung. (Foto: Lutz Grünke)

Worauf musst du bei der Körperpflege in der Kälte achten und wie verrichtest du eigentlich dein Geschäft? Beim kleinen Geschäft haben Männer einen Vorteil gegenüber Frauen, weil sie nur wenig Haut entblößen müssen. Die Frau muss nicht nur mehr Reißverschlüsse öffnen oder kompliziert die Träger und Gurte abstreifen, sondern sich auch in den Schnee und kalten Wind hocken. Die wirklich harten Kerle da draußen sind damit wohl eher die Frauen.

Wie gehe ich im Winter aufs Klo?

Die Männer haben bei schlechtem Wetter gern eine Pinkelflasche (engl. Peebottle) dabei. Im Schlafsack aufbewahrt könnte sie auslaufen und außerhalb würde der Inhalt unweigerlich einfrieren. Daher solltest du sie direkt in der Apsis ausleeren. Angeblich nutzen auch Frauen mit ein wenig Übung solch eine Flasche.

Absolute Gleichberechtigung erfahren beide dann beim großen Geschäft. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die meisten buddeln sich ein tiefes Loch in den Schnee und nutzen den Aushub für einen kleinen Windschutz, manch andere verrichten ihr Geschäft gleich in der Zeltapsis. Über den Geruch muss man sich nur kurz Sorgen machen, da anschließend alles einfriert und sich gut mit der Schneeschaufel entsorgen lässt. Ich würde dennoch empfehlen, nur eine Apsis des Zeltes dafür zu verwenden und diese strickt von der Koch-Apsis zu trennen. So kann dort zum Schmelzen weiter der vorhandene Schnee verwendet werden.

Sicher kostet das am Anfang etwas Überwindung und ist nur die Variante für echtes Mistwetter. Wenn du nicht allein unterwegs bist, greift es auch in die Intimsphäre der anderen ein. Zu Beginn ist daher zu empfehlen, dass die anderen sich am Morgen schon außerhalb des Zeltes aufhalten und z. B. ihre Pulka packen, während nach und nach jeder sein morgendliches Geschäft erledigt. Im Schneetreiben bei niedrigen Temperaturen ist alles andere einfach sehr unangenehm. Zumindest kostet mich das Entblößen immer am meisten Überwindung auf Tour.

Toilettenpapier

Das Toilettenpapier kannst du entweder in einer speziellen Hülle aus dem Outdoorbedarf aufbewahren oder du baust dir die genial-einfache Lösung eines Lesers nach: Die Rolle kommt in einen großen Ziplock-Beutel. Am unteren Ende fädelst du ein dünnes Gurtband durch den Beutel und die Rolle. So kannst du dir das Toilettenpapier umhängen, es wird nicht nass und du hast die Hände frei. Unten kannst du dir Blatt für Blatt herausziehen.

Nach der Benutzung solltest du das Papier entweder so weit wie möglich verbrennen lassen oder sammelst es in einer extra Mülltüte. Bitte bedenke, dass der Schnee es konserviert und im Frühjahr wieder freigibt.

Und wie wäscht man sich?

Das ist oft die erste Frage zur Körperpflege in der Kälte. Um ganz ehrlich zu sein: eigentlich so gut wie gar nicht. Eine richtige Wäsche ist im Winter Luxus und denen vorbehalten, die zwischendrin in Hütten einkehren. Denn Wasser muss erst aus Schnee geschmolzen und erhitzt werden, was wertvollen Brennstoff kostet. Darüber hinaus müsste man sich ausziehen und nasse Körperstellen werden dann sehr schnell kalt. Es könnte sogar gefährlich werden.

Für die Körperreinigung, so sie denn nötig ist, eignen sich besser Öl-Feuchttücher. Normale Feuchttücher frieren schneller ein als Öl-Feuchttücher, wobei auch letztere im Schlafsack oder der Innentasche vorgewärmt werden müssen. Pro Tag geht es dann mit einem Feuchttuch am Körper von oben nach unten: Gesicht und Hals, Achseln und dann durch den Schritt. Anschließend kann das Tuch verbrannt werden oder kommt in den Müllsack.

Für alle, die jetzt ihre Nase rümpfen, sei gesagt, dass sich bei kalten Temperaturen deutlich weniger Körpergeruch entwickelt.

Du kannst dir das immer noch nicht so richtig vorstellen? Dann hat Geertje Jacob in den Reisedepeschen einen schönen Text dazu geschrieben. In das „Das kälteste Klo der Welt“ beschreibt sie das „Geschäftliche“ ganz wunderbar.

Hautpflege in der eisigen Kälte

Die kalte Luft, vielleicht gepaart mit großer Trockenheit oder ein scharfer Wind, der die Eiskristalle wie Sandpapier durchs Gesicht ziehen lässt, all das beansprucht die Haut stärker als gewohnt. Eine gute Gesichtscreme ist daher hilfreich und einer der wichtigsten Teile der Körperpflege in der Kälte.

Mein Gesicht ist dank Wind und Wetter stärker beansprucht und benötigt daher mehr Körperpflege.
Mein Gesicht ist dank Wind und Wetter stärker beansprucht und benötigt daher mehr Körperpflege. (Foto: Lutz Grünke)

Normale Gesichtscreme enthält oft Wasser, welches auch noch nach dem Auftragen im Gesicht gefrieren kann und die Haut damit weiter strapaziert. Besser geeignet ist eine Creme auf Ölbasis wie zum Beispiel der Wind- und Wetterbalsam von Weleda. Besser sollte auch diese Creme in der Innentasche der Jacke warm gelagert werden, da sie sonst in der Tube sehr hart wird.

Zähne putzen

Auch Zahncreme würde einfrieren, wenn du sie nicht warmhältst. Eine einfache Alternative sind daher Zahnputztabletten wie die Denttabs 7, die man im Drogerieladen bekommt. Ansonsten funktioniert das Zähneputzen wie zuhause, hier gibt es keine Ausreden.

Keine Ahnung, ob Karies und Baktus ebenfalls Wintertouren machen, aber geputzt wird trotzdem.
Keine Ahnung, ob Karies und Baktus ebenfalls Wintertouren machen, aber geputzt wird trotzdem. (Foto: Lutz Grünke)

Sonnenschutz bei Schnee und Eis

Der Schnee sorgt für eine ähnliche Reflexion wie Wasser beim Paddeln und so kann die UV-Belastung im Winter deutlich höher ausfallen. Selbst wenn die Kraft der Sonne vielleicht nur für wenig Wärme sorgt, sollte dennoch immer Sonnencreme im Gesicht aufgetragen werden. Auch hier gilt, dass diese möglichst nur einen kleinen Wasseranteil enthalten sollte, wie es bei Produkten mit Namen „Sonnen- und Kälteschutz“ in der Regel gegeben ist. Kombinationen aus Gesichts- und Lippenpflegestiften mit hohem UV-Schutz funktionieren ebenfalls gut.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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Schneeheringe und Schneeanker https://www.winterfjell.de/schneeheringe-und-schneeanker/ https://www.winterfjell.de/schneeheringe-und-schneeanker/#comments Wed, 01 May 2019 12:02:33 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=388 Ein Zelt im Winter zu verankern, kann aufwendige Arbeit sein. Und ein absolut sauber abgespanntes Zelt ist im Winter Pflicht, da Stürme schwer ausfallen können und sich das Wetter gern sehr plötzlich ändert. Dann ist es nachts im Schlafsack liegend sehr beruhigend, wenn das Zelt vollkommen sicher steht. Je nach Schneehöhe und -beschaffenheit wird es … Schneeheringe und Schneeanker weiterlesen

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Mit Skiern und Skistöcken als Schneeheringe ist ein Zelt schneller aufgebaut.
Mit Skiern und Skistöcken als Schneeheringe ist ein Zelt schneller aufgebaut. (Foto: Malte Hübner)

Ein Zelt im Winter zu verankern, kann aufwendige Arbeit sein. Und ein absolut sauber abgespanntes Zelt ist im Winter Pflicht, da Stürme schwer ausfallen können und sich das Wetter gern sehr plötzlich ändert. Dann ist es nachts im Schlafsack liegend sehr beruhigend, wenn das Zelt vollkommen sicher steht.
Je nach Schneehöhe und -beschaffenheit wird es etwas schwerer sein, die Schneeheringe wirklich fest zu bekommen. Manchmal ist der Schnee zu pulverig oder das Zelt steht direkt auf Eis. Für beides gibt es spezielle Heringe oder Techniken als Lösung.

Mögliche Schneeheringe oder Schneeanker

  • Skier
  • Skistöcke
  • Schneeschuhe
  • spezielle Schneeheringe
  • spezielle Schneeanker
  • Schneesäcke oder -beutel
  • (alles andere, was sich irgendwie eingraben lässt)
  • (bei wenig Schnee eignen sich auch Steine zum Abspannen)

Skier, Skistöcke und Schneeschuhe

Oft ist das Zelt damit sehr schnell verankert und du hast diese Dinge eh dabei. Alle drei Gegenstände können aufrecht in tiefen Schnee gesteckt werden, die Skistöcke natürlich mit dem Schneeteller nach oben. Ist der Schnee nicht tief genug, werden sie stattdessen quer eingegraben so wie Schneeheringe. Achte besonders bei den Skiern darauf, dass die Zeltleinen nicht von den scharfen Stahlkanten beschädigt werden. Der große Nachteil dieser Art der Befestigung ist der Umstand, dass du dich dann meistens nicht mehr weit vom aufgebauten Zelt entfernen kannst. Denn ohne Ski wird das schwierig. Denke also an alternative Schneeheringe für Pausentage.

Schneeheringe

Schneeheringe haben eine größere Fläche als Standardheringe, um im Schnee besseren Halt zu finden. Oft sind sie zwischen 25 und 50 cm lang, bei etwa 3 bis 5 cm Breite. Das Material ist in der Regel Aluminium, weil Kunststoff nicht so temperaturbeständig ist und spröde werden kann.

Über die Fläche des Herings befinden sich oft Bohrungen mit etwa 10-15 mm Durchmesser. Neben der (minimalen) Gewichtseinsparung dienen diese Löcher dazu, dass der komprimierte Schnee in den Zwischenräumen aneinander friert und den Hering so fester im Schnee hält. Außerdem sind in den Bohrungen mittig oft ca. 50 cm lange Reepschnüre befestigt, an deren Ende sich ein Karabiner befindet. So kann der Hering als T-Anker quer vergraben werden und die Abspannschnur des Zeltes kann anschließend beim Aufbau einfach eingehängt werden. Diese Variante hält deutlich besser, als es mit langen normalen Sandheringen der Fall wäre. Allerdings gehen Sandheringe als Behelf ebenfalls.

Normale Schneeheringe haben etwa 30 cm Länge (Foto: Lutz Grünke)
Normale Schneeheringe haben etwa 30 cm Länge (Foto: Lutz Grünke)

Meiner Erfahrung nach halten bereits 30 cm lange Schneeheringe große Kräfte aus, wenn sie sauber vergraben wurden und der Schnee ausreichend komprimiert ist. Ich habe allerdings aktuell auch vier alte Hampton Works Schneeheringe mit 50 cm Länge dabei, die es dort nicht mehr gibt. Meistens habe ich diese „Schwerter“ nicht gebraucht oder nur als Ersatz für die „Ski/Stöcke-Lösung“. Suchst du dennoch lange Schneeschiffe, schau mal bei Helsport.

Wenn du einfach alles fertig kaufen willst: Zwei komplette Modelle inkl. Reepschnur und Karabiner gibt es in vielen Shops; den sehr teuren Hilleberg Schneehering (endlich mit Metallkarabiner statt Plastik!) und den von Fjällräven. Ich habe mir meine alle selbst umgebaut.

Schneeanker

Schneeanker sind im Wesentlichen Schneeheringe in einer eher quadratischen Form und werden ansonsten analog verwendet. Bei Schneeankern gibt es jedoch auch gute Modelle aus Kunststoff. Ein bewährtes Modell ist der Schneeanker von SwissPiranha. Da er immer noch ein wenig den Status eines Geheimtipps hat, möchte ich ihn euch gerne etwas genauer vorstellen.

Kurzer Test: Die SwissPiranha Schneeanker

Für meinen Test habe ich den Schneeanker von SwissPirnaha kostenlos, jedoch ohne Auflagen zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung lässt sich davon zwar nicht beeinflussen, aber ich fühle mich der Transparenz verpflichtet. Die Initiative ging in diesem Falle von mir aus, da ich schon einiges gutes über ihn gehört hatte.

Durch seine spezielle Kunststoffmischung bleibt er laut Hersteller bis -50° Celsius elastisch. Kunststoff wird nämlich sonst bei Kälte schnell spröde. Ich wäre zwar beim Ausgraben mit der Schaufel immer etwas vorsichtig, aber bei meinem Test auf Tour haben sie anstandslos alles mitgemacht. Im harten Vergleich wird Alu auf lange Sicht wohl dennoch haltbarer sein, aber meine Sorgen haben sich nicht bestätigt.

Die großen Vorteile des SwissPiranha Snow and Sand Anchors (oft kurz SSA abgekürzt) sind sein wirklich schneller Einsatz und sein leichtes Gewicht. Die Aufbauanleitung von SwissPiranha selbst findet ihr als Youtube-Video auf deren Kanal.

So funktioniert das auf jeden Fall auch. Bei unserem Test hat sich aber eine noch schnellere Möglichkeit ergeben, wenn der Schnee nicht allzu locker ist. Diese Variante möchte ich euch kurz mit ein paar Bildern veranschaulichen.

Das Blatt der Schneeschaufel wird mit einem Winkel von 30-45° in den Schnee gesteckt
Das Blatt der Schneeschaufel wird mit einem Winkel von 30-45° in den Schnee gesteckt (Foto: Lutz Grünke)
Anschließend wird der SwissPiranha Schneehering vor das Schaufelblatt gesteckt
Anschließend wird der SwissPiranha Schneehering vor das Schaufelblatt gesteckt (Foto: Lutz Grünke)
So sieht es fertig aus, wobei der Schneehering noch tiefer versenkt werden kann
So sieht es fertig aus, wobei der Schneehering noch tiefer versenkt werden kann (Foto: Lutz Grünke)
Mit einem leichten Ruck schneidet sich die Schnur in den Schnee
Mit einem leichten Ruck schneidet sich die Schnur in den Schnee (Foto: Lutz Grünke)
Die SwissPirnaha Schneeheringe sitzen deutlich fester als ich erwartet hätte
Die SwissPirnaha Schneeheringe sitzen deutlich fester als ich erwartet hätte (Foto: Lutz Grünke)

Insgesamt überzeugen mich die Schneeanker von SwissPiranha vor allem durch ihren festen Sitz und ihre sehr schnelle Aufbauzeit. Das Einfädeln der Zeltschnur ist mit ein wenig Übung bei mir schneller von der Hand gegangen, als das Einhängen der Schneesäcke. Gerade im Sturm ist diese Zeitersparnis ein wahrer Segen. Sie haben sich daher einen festen Platz in meiner Zusammenstellung auf Tour verdient.

Eine Sache muss ich aber noch loswerden: Liebes Team von SwissPiranha, warum in aller Welt tackert ihr das Pappschild an den Staubeutel? Wäre da nicht eine weniger invasive Befestigung möglich?

Was gibt es noch Vergleichbares?

Deutlich teurer, aber aus Aluminium ist der MSR Snow Fluke, der sogar schon zur Spaltenbergung verwendet wurde. Ähnlich, aber kleiner ist von MSR der ToughStake, der sich bei festem Schnee schnell stecken lässt.

Schneesäcke oder -beutel

Dabei handelt es sich um kleine Säckchen, die mit Schnee gefüllt und dann zugezogen werden. Anschließend werden sie vergraben und das Kordelende mit Hilfe eines Karabiners an die Abspannschnur gehängt. Letztendlich eignet sich dafür jeder Stausack, es gibt aber auch fertige Säckchen von Exped oder MSR zu kaufen. Das Modell von Exped ist etwas fummeliger.

Das füllen der Schneesäcke gelingt umso besser, je fester der Schnee ist.
Das füllen der Schneesäcke gelingt umso besser, je fester der Schnee ist. (Foto: Lutz Grünke)
Den Schneesack anschließend vergraben
Den Schneesack anschließend vergraben (Foto: Lutz Grünke)
Zuletzt den Schneesack bedecken und alles komprimieren
Zuletzt den Schneesack bedecken und alles komprimieren (Foto: Lutz Grünke)

Der Vorteil der Säcke ist ihr leichtes Gewicht, sodass du eigentlich immer welche als Backup dabeihaben kannst. Auch im steinigen Gelände lassen sich kleine Steine hineinfüllen und dann hinter größeren Blöcken verkeilen. Ich finde die Modelle von Exped jedoch relativ „frimelig“, weil sich ständig die Schnüre ineinander verheddern. Mein Tipp wäre daher: Solche Säckchen sind ein sehr gut geeignetes Nähprojekt zum Üben!

MYOG-Schneeheringe aus Abflussrohr

Relativ häufig findet man in Foren selbstgebaute Heringe (Make Your Own Gear) aus Abflussrohren. Diese grauen Rohre aus dem Baumarkt werden der Länge nach geteilt und dann in 30 cm lange Streifen zersägt. Über eine Kordel in der Mitte funktionieren sie dann wie Schneeheringe. Jedenfalls sollten sie so funktionieren, denn das Material der Plastikrohre ist nicht auf strenge Minusgrade ausgelegt und kann beim Ausgraben mit deiner Schaufel in Kontakt kommen und dann brechen oder splittern. Sie sind also vielleicht eher etwas für den milden deutschen Winter bis -10° Celsius.

Halbiertes Bambusrohr eignet sich als Material für selbstgebaute Heringe hingegen besser. Allerdings wird es dadurch schnell so teuer, dass es sich preislich zu gekauften Schneeheringen nichts mehr nimmt.

Wie viele Schneeheringe brauche ich?

Je nach Winterzelt sollten ausreichend Heringe oder Schneeanker vorhanden sein. Es lohnt sich, eine Variation für unterschiedliche Untergründe mitzunehmen, um kombinieren zu können. Grundsätzlich sollte für jede Abspannmöglichkeit ein Hering/Anker vorhanden sein. Etwas Ersatz schadet nicht.

Als aktuelles Setup habe ich 4 lange 50 cm Schneeheringe von Hampton Works, 6 kurze 30 cm Schneeheringe von MSR, 4 SwissPiranha Schneeanker und 4 Schneesäcke von Exped dabei. Mein Keron 4 GT von Hilleberg hat aber auch 14 Abspannpunkte für einen normalen Aufbau. In schneearmen Regionen kommen noch 6 normale Zeltnägel mit.

Wie setze ich die Schneeheringe richtig?

Für das Setzen von Schneeheringen/Ankern/Beuteln muss der Schnee komprimiert sein. Wenn dies nicht durch Setzen und Wind bereits geschehen ist, sollte zu Beginn also immer erst eine ausreichend große Fläche (Zelt + Raum für das Setzen der Heringe) mit den Skiern oder Schneeschuhen platt getreten werden. Nach einiger Zeit wird der Schnee dadurch fester. Beim Eingraben der Heringe wird nun immer nur ein kleines Loch geöffnet, der Hering wie ein T-Anker darin versenkt und das Loch wieder verschlossen. Nun wird der Schnee erneut komprimiert und man wartet besser noch kurz, bis der Frost den Boden ausreichend verfestigt hat. Anschließend können die Abspannleinen eingehängt und gestrafft werden.

Wer einen großen Tunnel vom Format eines Hilleberg Keron sturmfest abspannen möchte, ist dankbar für jeden Ski oder Stock, da diese deutlich leichter zu setzen sind.

Zunächst einen T-Schlitz für den Hering stechen
Zunächst einen T-Schlitz für den Hering stechen (Foto: Lutz Grünke)
Anschließend den Hering möglichst tief darin versenken
Anschließend den Hering möglichst tief darin versenken (Foto: Lutz Grünke)
Den Hering vergraben
Den Hering vergraben (Foto: Lutz Grünke)
Den Schnee gut komprimieren
Den Schnee gut komprimieren (Foto: Lutz Grünke)
Die Zeltleinen vorsichtig spannen
Die Zeltleinen vorsichtig spannen (Foto: Lutz Grünke)

Verankerung auf Eisflächen

In Eisflächen bekommt man keinen Hering hinein, nicht einmal mit einem Hammer. Wer also auf einer blanken Eisfläche sein Zelt errichten muss, braucht eine Alternative. Am einfachsten ließe sich das Problem mit ausreichend vielen Eisschrauben lösen, die aber erstens teuer wären und außer vielleicht auf dem Baikalsee zu viel Ballast.

Aus dem Eisklettern lässt sich daher die Methode der Abalakow-Sanduhr abschauen, die nach ihrem Erfinder Jewgeni Michailowitsch Abalakow benannt wurde. Für diese Sanduhr werden mit nur einer Eisschraube zwei Bohrungen mit einem Winkel von etwa 60° so zueinander gesetzt, dass sich die Löcher am tiefsten Punkt der Bohrung treffen. Anschließend führt man in ein Loch eine Reepschnurschlinge ein und „fischt“ diese mit einer Fahrradspeiche durch das andere Loch hinaus. In die so gefädelte Sanduhr lässt sich wiederum mit Hilfe eines Karabiners das Zelt einhängen. Diese Methode ist zwar sehr zeitaufwendig, hält aber extrem gut.

Die Alternative wäre es, mit der Eisschraube einzelne Löcher zu bohren und Standardheringe darin zu verkeilen. Unter dem Zug der Schnur und dem Hering als Hebel kann dieser sich jedoch lösen, weil Eis unter Druck schmilzt. Außerdem bräuchte man dafür wiederum eine große Zahl ansonsten eher nutzloser dünner Heringe.

Die Variante mit langen Zimmermannsnägeln kann ich nicht empfehlen. Erstens ist das Eis wirklich sehr hart und splittert beim Einschlagen schnell, zweitens ist es gar nicht so einfach, die Dinger wieder herauszubekommen.

Genauso wichtig wie ein gut abgespanntes Zelt ist die richtige Zeltplatzwahl bei Wind.

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