Winterfjell https://www.winterfjell.de Wintertouren im hohen Norden Fri, 04 Sep 2020 17:51:17 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.5.1 137796831 Nützliche Apps für Wintertouren https://www.winterfjell.de/nuetzliche-apps-fuer-wintertouren/ https://www.winterfjell.de/nuetzliche-apps-fuer-wintertouren/#respond Tue, 18 Aug 2020 17:50:00 +0000 https://www.winterfjell.de/?p=4507 Mein Smartphone ist zu meinem ständigen Begleiter geworden und das macht sich vor allem in der Planung und Vorbereitung meiner Reisen bemerkbar. Auch wenn ich das Telefon in der Kälte tagsüber meist ausgeschaltet lasse, begleitet es mich dennoch auf den Touren in den hohen Norden. Hier möchte ich nun eine kleine Liste über nützliche Apps … Nützliche Apps für Wintertouren weiterlesen

Der Beitrag Nützliche Apps für Wintertouren erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
Winterfjell ist auf dem Smartphone immer eine gute Idee
Winterfjell ist auf dem Smartphone immer eine gute Idee (Foto: Malte Hübner)

Mein Smartphone ist zu meinem ständigen Begleiter geworden und das macht sich vor allem in der Planung und Vorbereitung meiner Reisen bemerkbar. Auch wenn ich das Telefon in der Kälte tagsüber meist ausgeschaltet lasse, begleitet es mich dennoch auf den Touren in den hohen Norden. Hier möchte ich nun eine kleine Liste über nützliche Apps für Wintertouren vorstellen.

Liste nützlicher Apps für Wintertouren

Liebe Apple-User, es tut mir leid. Ihr müsst jetzt sehr stark sein und eure Apps für Wintertouren leider selbst im App Store suchen. Die direkten Links hier gehen alle in den Playstore von Android. Ich besitze schlicht keine Apple-Geräte mehr und habe keinen Zugang zum App Store, aber ihr schafft das schon.

An- und Abreise

Skandinavien ist traditionell einen Schritt weiter als Deutschland, wenn es um das bargeldlose Bezahlen geht. Beim Reisen mit Apps scheinen beide aber relativ gleichauf. In den meisten Fällen kannst du ohne Papierticket auskommen und brauchst nur den QR-Code aus der App. Das Papierticket mitzunehmen schadet natürlich trotzdem nicht, es kann aber sicher im Handgepäck verstaut bleiben.

  • SAS – flySAS fliegt in den Norden und mit der englischen App kannst du deine Flüge buchen, verwalten und einchecken.
  • Norwegian – Die alternative Fluggesellschaft für den hohen Norden bietet die gleichen Funktionen wie die schwedische Schwestergesellschaft.
  • Rentalcars – Falls du in eine abgelegene Region willst, hilft manchmal nur ein Mietwagen, die in Skandinavien aber allgemein nicht günstig sind.
  • Sj.se – Für die Zugreise in Schweden bietet diese schwedische App den nötigen Funktionsumfang für Ticketbuchung und -kontrolle.
  • Vy.no – Was die Schweden können, können die Norweger natürlich auch. Hier sind sogar einige Buslinien mit abgebildet. Die App ist in norwegischer Sprache.
  • Deutsche Bahn – Die Reise beginnt ja meistens in Deutschland und so schlecht kommt die Deutsche Bahn gar nicht weg, wenn es um das Reisen mit Pulka geht.
  • Busse in Skandinavien haben teilweise eigene Apps (zum Beispiel LTN), teilweise findet man sie in Apps wie Moovit.
  • Tiefergehende Details zum Thema findest du übrigens in dem Beitrag zu Tourplanung und Anreise zur Wintertour.
YR.no ist der zuverlässigste Wetterdienst für den hohen Norden
YR.no ist der zuverlässigste Wetterdienst für den hohen Norden (Foto: Malte Hübner)

Wetterberichte

Auf der Tour selbst ist Handyempfang Glückssache, aber bei der Anreise gehört ein letzter Check wohl immer dazu. Die jeweiligen Wetterdienste der Länder haben eigene Apps, die beide gut funktionieren.

  • Yr.no – Diese norwegische App sollte inzwischen auch allen deutschen Outdoorern bekannt sein, denn die Wettervorhersagen nach dem norwegischen Modell sind oft erstaunlich präzise.
  • Smhi.se – Für Schweden bietet sich diese schwedische App mindestens als Ergänzung an, da sie zusätzlich über ein abgebildetes Niederschlagsradar verfügt.
  • klart Väder – Die App vereint die beiden Wetterberichte von yr.no und smhi.se in einer App, lädt bei schlechtem Empfang nach meiner Erfahrung aber etwas langsamer.
  • Varsom Regobs – Zum Wetterbericht passt immer auch gut der Lawinenbericht, den du für Norwegen in dieser norwegischen App findest. Wer einen Tipp für Schweden hat, immer her damit.

Unterkünfte

Oft bietet sich eine erste Nacht in einem kleinen Hotel oder einer Hütte zum Klimatisieren und Sortieren der Ausrüstung an. Auch die letzte Nacht vor der Abreise verbinde ich gerne mit einer Dusche. Zur Unterkunftssuche bieten sich folgende Apps für Wintertouren an:

  • Booking.com, tripadvisor oder hrs – Das sind die klassischen Buchungsportale, in denen du Hotels, Hostels und Apartments findest. Manchmal lohnt sich der Anruf direkt bei der Unterkunft, die dir ein eigenes Angebot machen.
  • Airbnb – Die Ferienwohnungsplattform hat sich zu einer Alternative zu den bestehenden Plattformen entwickelt, allerdings finden sich die Angebote eher in Ballungsräumen.
  • Norcamp – Diese Campingplatz-App liefert dir eine gute Übersicht. Gerade in Norwegen sind Hütten auf Campingplätzen keine Seltenheit. So musst du nicht einmal im Zelt schlafen.
  • Ut.no – Die Hütten des norwegischen Tourismusverbandes (und die meisten privatwirtschaftlichen Hütten) liegen oft an den schönsten Plätzen im Fjell. Diese norwegische App zeigt dir wo.
  • DNT Hyttebetaling – Wenn du auf einer selbstbedienten Hütte übernachtest oder auch nur deinen Proviant aufstockst, kannst du mit dieser App bezahlen. Großes Plus: Wenn du kein Netz hast, speichert der Warenkorb alles für später.
  • DNT Medlem – Deine DNT Mitgliedskarte hast du hiermit digital dabei. Als Backup vielleicht nützlich, aber ich habe lieber ein Kärtchen dabei und lasse das Handy aus.
  • STF I FJÄLLEN – Die schwedischen Hütten und Fjällstationen finden sich in dieser schwedischen App.  (Achtung! Download bei Drittanbieter, da diese wunderschöne App momentan nicht mehr im Playstore zu finden ist.)
  • STF – Zusätzlich bietet der STF eine schwedische App, mit der du deine Mitgliedskarte digital mitführen kannst. Auch deine Buchungen kannst du darin verwalten, allerdings lassen sich nicht alle Hütten im Voraus für nur eine Nacht buchen. Du kommst aber immer unter und sei es, im Matratzenlager.
Locus Map Pro zeigt durch die Schummerung gut die Hangsituation am Tjäktjapass
Locus Map Pro zeigt durch die Schummerung gut die Hangsituation am Tjäktjapass (Foto: Malte Hübner)

Navigation

Das Smartphone ist zur Navigation im Fjäll bei Minusgraden nicht die beste Wahl. Der Akku hält nicht sonderlich lange und handschuhtauglich ist es auch nicht. Da empfehle ich zur tiefergehenden Lektüre meinen Beitrag zur Navigation im Winter. Als Backup oder zum entspannten Umplanen auf der Hütte ist ein Smartphone aber sehr wertvoll.

  • Norgeskart und Norgeskart Outdoor – Beide bieten dir hochwertige topografische Karten. Ich mag die erste lieber, weil es ein Winterrouten Overlay gibt. Das mit 40 NOK pro Jahr sehr günstige Abo ist sein Geld wert.
  • Locus Map Pro – Es gibt viele Navigationsapps, aber diese ist meiner Meinung nach die beste. Du kannst zum Beispiel gpx-Dateien bearbeiten und speichern und hochwertige Karten offline nutzen. Der einmalige Anschaffungspreis von knapp 10 Euro ist gerechtfertigt.
  • Google Earth – Die 3D Satellitenbilder und Panoramafotos helfen dir besonders dabei, Hangneigungen und Geländebeschaffenheit einzuschätzen.
  • Peakfinder – Diese App ist eher eine Spielerei und nicht ernsthaft zur Navigation zu verwenden. Du kannst damit als Augmented Reality die Namen der Gipfel um dich herum anzeigen lassen. Lade die Regionsdaten (meist so um 25 MB) am besten im WLAN herunter.
  • Wenn du ein Handnavigationsgerät für den Outdooreinsatz dabei hast, könnten dazu passende Apps wie Garmin Connect sinnvoll sein. Damit kannst du beispielsweise Tracks übertragen.
  • Hast du einen Notsender wie den Garmin inReach mini dabei, brauchst du für den vollen Funktionsumfang die App Earthmate.

Polarlichtvorhersage

Lohnt sich der abendliche Blick aus dem Zelt? Oder kannst du beruhigt im Schlafsack liegen bleiben? Eine gute Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit von Polarlichtern abzuschätzen, geben dir diese Apps für Wintertouren:

  • Aurora – Ich habe verschiedene Apps getestet, diese App zur Polarlichtvorhersage gefällt mir am besten.
  • Google Sky Map – Diese App hat sich hier herein geschummelt. Sie sagt natürlich keine Aurora Borealis voraus, bildet aber den Sternenhimmel in AR ab.

Bildbearbeitung

Die Voraussetzung dafür ist wohl eine Steckdose in der Nähe. Aber wenn du dein Smartphone und deine Kamera miteinander verbinden kannst, dann hast du mit den folgenden beiden Apps gute Bildbearbeitungsinstrumente mit nur kleinen Unterschieden:

  • Photoshop Express – Einfache Bildbearbeitung aus dem Hause Adobe.
  • Snapseed – Ebenso einfache Bildbearbeitung aus dem Hause Google.

Übersetzer und Sprachtrainer

Wenn du eine skandinavische Sprache beherrscht, kommst du damit auch in den angrenzenden Ländern oft recht weit. Die nordischen Sprachen kann man auch ganz gut lernen. Oder es kommt eine Übersetzer App mit.

  • Google Übersetzer – Diese App bietet dir die Möglichkeit, einzelne Sprachpakete offline verfügbar zu machen. So kannst du auch in der Hütte Hinweisschilder übersetzen.
  • Babbel – Das ist nur ein Beispiel für eine Sprachlernapp, mit der ich ganz gute Erfahrungen gemacht habe. In der schwedischen Variante gibt es zum Beispiel auch eine Lektion Land und Leute mit Begriffen wie „Baumgrenze“. Babbel erfordert ein Abonnement für die volle Nutzung.
Ordnung bei den Apps für Wintertouren
Ordnung bei den Apps für Wintertouren (Foto: Malte Hübner)

Unterhaltung

Ich nutze zwar klassisch weiterhin meinen MP3-Player, aber grundsätzlich geht das auch mit Apps hervorragend. Ob du jetzt Hörbücher, Musik oder sogar Filme bevorzugst, sei die selbst überlassen. Spotify, Audible und andere Anbieter sind wohl hinreichend bekannt.

Und das wichtigste zum Schluss

Von allen Apps für Wintertouren ist eine natürlich am wichtigsten: Du kannst dir in deinem Browser auch meine Seite zum Startbildschirm hinzufügen und sie dann wie eine App mit dem Klick auf das Icon starten. So hast du schnellen Zugriff auf alle Artikel bei Winterfjell. 😉

Das ist die Liste an Apps, die ich mehr oder weniger regelmäßig nutze. Hast du eigene Apps oder Tipps für mich? Dann freue ich mich über jeden Hinweis.

Wenn du dir über deinen Akku Sorgen machst, dann findest du mit dem Artikel Stromversorgung mit Akkus im Winter einen guten Weg, um dort weiterzulesen.

Jetzt bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Der Beitrag Nützliche Apps für Wintertouren erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
https://www.winterfjell.de/nuetzliche-apps-fuer-wintertouren/feed/ 0 4507
Ein wenig Wärme im Zelt https://www.winterfjell.de/ein-wenig-waerme-im-zelt/ https://www.winterfjell.de/ein-wenig-waerme-im-zelt/#comments Thu, 11 Jun 2020 07:04:41 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=343 Sobald die Sonne im winterlichen Fjell verschwindet, wird es merklich kälter. Das Zelt schützt dich zwar vor dem eisigen Wind, aber für ein wenig Wärme im Zelt braucht es mehr, da es kaum isoliert. Die einzige dauerhafte Heizquelle ist deine Körperwärme und dein Schlafsack kann damit richtig gemütlich werden. Voraussetzung ist aber, dass du nicht … Ein wenig Wärme im Zelt weiterlesen

Der Beitrag Ein wenig Wärme im Zelt erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
Den wahren Luxus eines Zeltofens im Lavvu können wir uns nur im Basislager gönnen. Unterwegs mit Pulka braucht es andere Ideen für etwas Wärme im Zelt.
Den wahren Luxus eines Zeltofens im Lavvu können wir uns nur im Basislager gönnen. Unterwegs mit Pulka braucht es andere Ideen für etwas Wärme im Zelt. (Foto: Malte Hübner)

Sobald die Sonne im winterlichen Fjell verschwindet, wird es merklich kälter. Das Zelt schützt dich zwar vor dem eisigen Wind, aber für ein wenig Wärme im Zelt braucht es mehr, da es kaum isoliert. Die einzige dauerhafte Heizquelle ist deine Körperwärme und dein Schlafsack kann damit richtig gemütlich werden. Voraussetzung ist aber, dass du nicht zu ausgepowert bist und noch genug innere Wärme erzeugen kannst. Für etwas zusätzliche Wärme gibt es verschiedene Möglichkeiten, die ich dir hier vorstellen möchte.

Eine kleine Gaslaterne

Als meine Kinder noch klein waren und gewickelt werden mussten, hatten wir im Frühjahr oder Herbst immer eine kleine Zeltlaterne mit Gaskartusche mit auf Tour. Diese gibt im Zelt erstaunlich viel Wärme von sich. Bei sehr niedrigen Temperaturen wärmt sich das Zelt dadurch zwar nur um wenige Grad auf, aber vielleicht reicht das, um sich kurz umzuziehen oder die Finger aufzuwärmen.

Eine kleine Laterne mit Edelstahlgitter (statt Glas) ist robust und findet schnell noch einen Platz im Gepäck. Ein Beispiel ist die Primus Micron Laterne. Denke beim Betrieb aber immer an ausreichend Frischluftzufuhr und hänge sie am besten auf, damit sie nicht umkippen kann. Auch mit solch einer Laterne besteht immer Feuergefahr! Verwende sie nicht, wenn du dabei einschlafen könntest. Im freiluft-blog findest du alles zum richtigen Umgang und dem Einbrennen des Glühstrumpfes.

Der einzige Haken: Licht gibt es zwar umsonst dazu, aber selbst gute Gaskartuschen funktionieren bei sehr niedrigen Temperaturen (unter -15°) nicht mehr zuverlässig, weil das Gas in der Kartusche nicht verdampft.

Den Kocher laufen lassen

Es ist naheliegend und verlockend, den Winterkocher nach dem Schneeschmelzen noch ein wenig weiterlaufen zu lassen. Aber es ist auch sehr gefährlich. Während du deine Zeltlaterne noch aufhängen kannst und sie mit Gas recht sicher betreibst, ist so ein Benzinkocher ein wahrer Flammenwerfer und unbeobachtet wirklich gefährlich.

  • offene Flamme: es steht dann kein Topf drauf, der die Flamme abschirmt (ein leerer Topf würde überhitzen und Wasser im Topf für Kondensfeuchte sorgen)
  • regelmäßige Wartung: der Druck des Kochers muss regelmäßig kontrolliert werden
  • große Gefahr: Risiko einer CO/CO2-Vergiftung bei geringer Frischluftzufuhr

Der Kocher ist eine verlässliche Wärmequelle, wenn du das Zelt schnell aufwärmen musst, weil zum Beispiel jemand ins Eis eingebrochen ist. Du solltest es dir aber sonst gut überlegen, ob es dir die Gefahren wert sind, deine Ausrüstung abzufackeln oder nicht wieder aufzuwachen. Und wenn du den Kocher doch nutzt, setze dich dabei besser hin, damit du nicht einschläfst.

Zeltofen ultralight

Ein Zeltofen aus Edelstahl ist eine großartige Erfindung und wir nutzen solch eine Heizung in unserem Lavvu, wenn wir als Familie oder Gruppe im Winter im Basislager wohnen. Aber selbst mit meiner Pulka möchte ich dieses 13-Kilo-Monster nicht über längere Strecken transportieren.

Anders sähe es mit einem ultraleichten Zeltofen aus Titan wie dem Titanium Goat aus. Solche Modelle lassen sich in der Regel falten oder auseinander bauen. Das Gewicht wäre mit unter 2 Kilo auch noch vertretbar. Ich selbst habe keine Erfahrung mit solchen UL-Zeltöfen und habe es auch noch nicht ernsthaft in Erwägung gezogen, da es auf meinen bisherigen Touren einfach zu wenig Holz gab. Natürlich kommt nur Totholz in Frage und dieses wird meist unter viel Schnee verborgen sein. Vielleicht mag ja jemand seine Erfahrung damit ergänzen.

Ganz klarer Vorteil eines Ofens wäre es, abends im Zelt Wärme für 2-3 Stunden zu produzieren. Du erreichst bis zu 30° Celsius Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur. Danach sollte der Körper wieder aufgeheizt sein und über Nacht geht der Ofen eh aus. So könntest du dich also einmal am Tag ordentlich aufwärmen und deine Kleidung trocknen.

In der Regel sind Lavvus besser belüftet, aber auch hier gilt der Hinweis: Denke bitte an genug Sauerstoffzufuhr, damit du morgens wieder aufwachst.

Taschenofen

Gute Taschenöfen gibt es mit Kohlestäbchen und mit Benzintank, benötigen also beide einen Brennstoff. Und da liegt bei den Kohlestäbchen auch schon der erste Nachteil. Diese müssen für eine saubere Verbrennung sehr trocken gelagert werden und brechen leicht. Sauber verstaut taugen sie aber für eine Wintertour und geben ein paar Stunden angenehme Wärme.

Die Benzintaschenöfen haben einen Katalysator zur „Verbrennung“. Ich nutze bisher ein etwas teureres Modell des japanischen Herstellers Peacock. Dieser Handwärmer funktioniert dafür zuverlässig und es läuft auch nichts aus. Und Benzin hast du meistens bereits für den Kocher dabei. Ich empfehle aber möglichst sauberes Benzin und keines von der Tankstelle.

Wichtig für die korrekte Funktionsweise ist, dass der Ofen sich in seiner Tasche oder dem Schlafsack befindet und nicht zu viel Sauerstoff (kaum Wärmeentwicklung) und nicht zu wenig Sauerstoff (Ofen geht aus) bekommt.

Ich habe drei Verwendungen für meinen Taschenofen:

  • Innentasche der Daunenjacke, wenn man abends noch draußen sitzt
  • Schlafsack vorwärmen
  • Stiefel vorwärmen oder etwas trocknen

Ein Taschenofen verbrennt so langsam, dass du für einige Stunden Wärme hast. Er ist also ein echter Tipp für etwas Wärme im Zelt!

Wärmflasche

Meinen Schlafsack wärme ich noch lieber mit einer Wärmflasche vor. Diese wird beim abendlichen Schneeschmelzen gefüllt und kommt dann in den Schlafsack. Natürlich schleppe ich keine Gummi-Wärmflasche mit, sondern nutze eine Weithalsflasche mit einem Liter Fassungsvermögen. Der Schlafsack ist dann angenehm temperiert, wenn ich hineinsteige. Bevor die Flasche morgens wieder kalt ist, trinke ich sie meist über Nacht noch aus. Das ist auch gut so, weil ich tagsüber nicht genug trinke.

Einwegwärmer

Einwegwärmer gibt es in verschiedenen Größen und Formen. Sie funktionieren auf der Grundlage einer chemischen Reaktion nach ihrer Aktivierung. Anschließend geben sie etwa 2-3 Stunden lang Wärme ab. Zwei von diesen kleinen Helfern kann man gut im Gepäck haben, gerade auch für die Versorgung bei leichter Unterkühlung. Dort kommt dann ein Einweg-Wärme-Pad unter jede Achsel der unterkühlten Person in den Schlafsack bis der Kocher warm genug ist, um eine richtige Wärmflasche zu füllen.

Leider sind die chemischen Wärmespender nicht immer ganz zuverlässig. Ich habe sogar den Eindruck, dass sie bei wirklich tiefen Temperaturen unter -20° Celsius nicht mehr richtig funktionieren. Also gerade dann, wenn man sie vielleicht wirklich gut gebrauchen kann.

Aneinander kuscheln

Ob als Pärchen eng aneinander oder einfach nur aufgereiht wie die Sardinen in der Büchse, je mehr Menschen nah beieinander liegen, desto wärmer wird es. Wer am meisten friert, kommt also in die Mitte.

Bitte fallt als Paar nicht auf die Idee koppelbarer Schlafsäcke herein. Die viele Luft im Inneren müsst ihr zusätzlich erwärmen, sodass diese Variante am Ende kälter ist als ein eigener Winterschlafsack.

Am Essen und Trinken wärmen

Nach einem langen Tag in großer Kälte freue ich mich auf mein Zelt, meinen Schlafsack und einen Haufen Kalorien, um den Speicher wieder aufzufüllen. Besonders angenehm ist es natürlich, wenn das Essen dafür schön heiß ist. Das wohlige Gefühl, welches sich danach von innen einstellt, ist einfach zu schön: Satt, warm, müde. Jetzt noch einen Tee oder eine heiße Schokolade hinterher und die Welt ist wieder in Ordnung.

Alkohol solltest du hingegen nicht zum Aufwärmen nehmen, das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Auf einen kleinen Schuss Rum im Kakao verzichten wir dennoch ungern.

In eine Hütte gehen

Wenn dir die Abende im Zelt zu kalt sind, eignet sich in den meisten Gebieten eine Hütte des DNT, STF oder privaten Betreibers als warmer Rückzugsort. Die Skandinavier können erfahrungsgemäß sowieso nicht verstehen, warum die Leute im Zelt schlafen, wenn es doch eine warme Hütte in der Nähe gibt.

Da die Nächte im Zelt aber nun einmal ihren eigenen Charme haben, taugen die Hütten gut als Backup für besonders kalte Nächte oder Unwetter. Auch eine ausgedehnte Mittagspause in einer Hütte kann dir den Tag versüßen.

Problematisch: elektrische Wärmespender

Für den Skisport gibt es elektrische Schuhwärmer als Einlegesohle oder beheizbare Handschuhe. Problematisch sind dabei immer die Akkus. Erstens leiden die Akkus in der andauernden Kälte und haben gerade einmal Kapazität für einen Tag. Und zweitens hast du in der Regel keine Möglichkeit, diese wieder aufzufüllen. Mit einem Solarpanel bräuchtest du mindestens einen Tag bei optimalen Bedingungen. Für einen einzigen Tag Wärme sind alle diese Modelle daher leider zu schwer und erscheinen mir ungeeignet.

Wie sorgen andere für Wärme im Zelt?

Ich habe mich hier eher auf die Wärme „von außen“, also durch eine Heizquelle konzentriert. Wie du sonst für eine wärmere Nacht im Schlafsack sorgen kannst, beschreiben dir Alex von Bergreif.de im Artikel „Zelten im Winter – So bleibst Du selbst bei Minusgraden schön warm im Schlafsack!“ und Axel von Outdoorseite.de mit dem Beitrag „Camping im Winter – Tipps für das Übernachten im Freien“.

Jetzt bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Der Beitrag Ein wenig Wärme im Zelt erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
https://www.winterfjell.de/ein-wenig-waerme-im-zelt/feed/ 2 343
The Theory Works Quadratic Expeditionszelt im Test https://www.winterfjell.de/the-theory-works-quadratic-expeditionszelt-im-test/ https://www.winterfjell.de/the-theory-works-quadratic-expeditionszelt-im-test/#respond Sun, 24 May 2020 14:09:27 +0000 https://www.winterfjell.de/?p=5081 Zelte habe ich eigentlich genug, wenn es überhaupt diesen Zustand gibt. Aber dennoch interessieren mich Konzepte, die etwas Neues ausprobieren. Durch Zufall bin ich vor kurzem bei der Recherche auf einen Tunnel mit Geodät-Qualitäten in wintertauglicher Ausstattung von The Theory Works gestoßen. Das musste ich mir doch einmal genauer anschauen. Der Kontakt zum Unternehmen war … The Theory Works Quadratic Expeditionszelt im Test weiterlesen

Der Beitrag The Theory Works Quadratic Expeditionszelt im Test erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>

Zelte habe ich eigentlich genug, wenn es überhaupt diesen Zustand gibt. Aber dennoch interessieren mich Konzepte, die etwas Neues ausprobieren. Durch Zufall bin ich vor kurzem bei der Recherche auf einen Tunnel mit Geodät-Qualitäten in wintertauglicher Ausstattung von The Theory Works gestoßen. Das musste ich mir doch einmal genauer anschauen. Der Kontakt zum Unternehmen war schnell hergestellt und glücklicherweise gab es meine gewünschte Konfiguration als Testzelt, denn The Theory Works stellt modulare Zelte her, die es in verschiedenen Ausstattungsmerkmalen gibt.

Expeditionszelt statt Leichtbau

Die leichten Zusammenstellungen haben die Kollegen vom Freiluft-Blog und der Outdoorseite schon getestet, dort kannst du alles darüber nachlesen, wenn du mehr erfahren willst. Bei mir hat die auf Gewicht getrimmte Ausstattungslinie weniger Interesse geweckt als die Expeditionsausstattung mit 40 Denier Außenzelt, 9 mm Gestänge und Snowflaps. Ich beziehe mich in diesem Test daher ausschließlich auf die expeditionstaugliche Ausstattung von Snow Outer, Winter Inner und dem genannten Expeditionsgestänge.

Das Zelt wurde mir von The Theory Works leihweise und ohne Auflagen kostenlos zur Verfügung gestellt. Bei dem Test hat mir Markus Gründel helfend und fachsimpelnd zur Seite gestanden. Mein Dank geht daher an beide!

Innenzelt

Das Innenzelt gefällt mir besonders gut. Zu allererst ist es ausreichend groß für zwei Personen bis 1,90 m mit ihren Winterschlafsäcken. Zwar wäre es damit voll ausgefüllt, aber es handelt sich schließlich um ein Bergzelt. Die sind sonst knapper bemessen. Viele nehmen daher in der weiten skandinavischen Winterlandschaft zu zweit lieber ein Drei-Personen-Zelt, benötigen dann aber auch deutlich mehr Standfläche. Beim Quadratic passen zwei 60 cm breite Matten nebeneinander hinein und damit ist es als Winterzelt groß genug. Die Sitzhöhe ist an den niedrigeren Eingängen ausreichend hoch, in der Mitte hast du selbst mit einer dicken Isomatte genug Kopffreiheit.

Das Innenzelt wirkt angenehm groß und hell. Gleichzeitig gefallen mir die vielen Taschen.
Das Innenzelt wirkt angenehm groß und hell. Gleichzeitig gefallen mir die vielen Taschen. (Foto: Malte Hübner)

Die Eingänge

Das gesamte Zelt ist symmetrisch geschnitten und so kann das Innenzelt in beide Richtungen benutzt werden. Während eine Apsis als Eingang dient, können große Ausrüstungsteile wie die Rucksäcke in der anderen Apsis lagern. Im Inneren des Zeltes finden sich genug kleine Taschen, um von Brille über Uhr bis zu Stirnlampe alles zu verstauen. Auch Schlaufen für Wäscheleinen oder ein optional bestellbares Deckennetz sind reichlich vorhanden. So lässt sich leichter Ordnung halten und das Innenzelt wirkt sehr durchdacht.

Die Türen sind vollflächig mit Mesh und winddichtem Material hinterlegt. So kannst du dich im Innenzelt komplett abkapseln. Das ist für ein Winterzelt wichtig, da Triebschnee durch jeden noch so kleinen Spalt gelangt. Was ich sehr mag: Die geöffnete Tür hängt nicht nach unten, wie bei vielen anderen Zelten, sondern kommt in eine große Tasche direkt neben dem Eingang. Es gibt zwar auch die klassische Schlaufe zum Aufrollen der Tür, aber die besagte Tasche macht es so viel einfacher. Die Zipper mit Repschnur laufen alle flüssig, auch mit Handschuhen. Eingehängt ist das Innenzelt nicht mit Gummis, sondern Stoffschlaufen mit Ring und Knebel, es hängt aber kein bisschen durch.

Die Tür kann direkt in der Tasche neben dem Eingang verstaut werden und ist so deutlich handschuhtauglicher als andere Methoden.
Die Tür kann direkt in der Tasche neben dem Eingang verstaut werden und ist so deutlich handschuhtauglicher als andere Methoden. (Foto: Markus Gründel)

Der Boden

Die Bodenwanne ist sauber verarbeitet und wirft keine Falten, alle Nähte waren sorgfältig getaped. Die Apsis wäre mir zum Kochen beim geschlossenen Quadratic Expeditionszelt etwas zu klein. Mit Gas oder Spiritus mag es noch funktionieren, den Benzinkocher betreibe ich lieber in einer großen Apsis mit genug Abstand zum Zeltstoff.

Achtung! Der Hersteller rät davon ab, im Zelt zu kochen und weist deutlich auf die Gefahren hin. Aber natürlich kommt man auf Wintertouren durchaus in Situationen, wo man dennoch im Zelt kocht.

Die Apsis reicht zum Anziehen der Stiefel und zum Aufbewahren von Ausrüstung, ist aber zum Kochen eher zu knapp bemessen.
Die Apsis reicht zum Anziehen der Stiefel und zum Aufbewahren von Ausrüstung, ist aber zum Kochen eher zu knapp bemessen. (Foto: Malte Hübner)

Außen am Innenzelt finden sich zusätzliche Gurtbänder für die Seitenstangen, zu denen ich nachher noch einmal komme. Diese Gurte sind für die hohe Windstabilität unersetzlich, aber sie verkleinern den nutzbaren Raum der Apsis im Winter etwas. Ich habe mir nämlich bei ausreichend hoher Schneedecke angewöhnt, in der Apsis einen Graben auszuheben, um besser sitzen zu können oder darin zu kochen. Hebt man jetzt solch einen Graben aus, dann stört das innenliegende Gurtband des Dreiecks auf beiden Seiten etwas.

Die Gurtbänder nehmen die Kraft der Seitenstangen auf.
Die Gurtbänder nehmen die Kraft der Seitenstangen auf. (Foto: Malte Hübner)

Außenzelt

Fange ich beim Außenzelt mal mit dem kritischen Teil an: Die Abspannschnüre sind mit 2 Metern zu kurz. Da fehlt mir mindestens ein Meter, um im Schnee eine Festung zu bauen. Meiner Meinung nach wurde hier wie bei vielen Herstellern am falschen Ende Gewicht gespart. Nun kommt aber das Prinzip der Modularität von The Theory Works zum Tragen, denn du kannst die Schnüre beim Bestellprozess einfach weglassen und deine eigenen nehmen. Die Idee: Auch hier könnte man zwischen den normalen 2 Metern und einem Expeditionsset mit 3 Metern auswählen.

Die Zeltschnüre beim Quadratic Outer sind für meinen Geschmack zu kurz.
Die Zeltschnüre beim Quadratic Outer sind für meinen Geschmack zu kurz. (Foto: Malte Hübner)

Unabhängig von der Länge wirken die Zeltschnüre robust und die Lineloc Klemmen sind einfach die besten. Auch die zwei Abspannpunkte an jedem Bogen und jeder Seite sind solide mit dem Gestängekanal vernäht. Zusätzlich finden sich zwei Abspannpunkte rechts und links oberhalb des Einganges, sodass du auf 16 Abspannpunkte für Zeltschnüre kommst. Zusätzlich benötigst du zwei Heringe pro Apsis, um diese aufzuspannen. Mit gesetzten 20 Heringen hättest du aber auch einen Bunker von Zelt. Wenn du zwei Schnüre an der Seite an einen Schneehering hängst, benötigst du insgesamt 14 Schneeheringe oder Schneeanker und wirst fast die gleiche Stabilität erreichen.

Das beidseitig silikonisierte 40 Denier Ripstop-Nylonmaterial des Außenzeltes ist winterfest und die Nähte sind gut verarbeitet. Laut Hersteller soll man die Nähte nach dem Kauf noch mit dem beiliegenden Seamsealer versiegeln, aber bei einem reinen Winterzelt würde ich mir die Arbeit nicht machen.

Alle Luftöffnungen liegen hoch genug: Links der Seitenlüfter, rechts der Lüfter in der Tür.
Alle Luftöffnungen liegen hoch genug: Links der Seitenlüfter, rechts der Lüfter in der Tür. (Foto: Malte Hübner)

Lüfter

Insgesamt verfügt das Quadratic Snow Outer über sechs Lüfter. Jeweils zwei Lüfter finden sich rechts und links der Eingänge. Diese sind mit Mesh hinterlegt und lassen sich von Innen mit einer zusätzlichen Lage Stoff schneedicht verschließen. Die Eingangstüren selbst sind ebenfalls als Lüfter nutzbar. Wie die Seitenlüfter auch, verfügt jede Tür über einen kleinen Steg zum Aufstellen des Lüfters. Der Lüfter in der Eingangstür ist nicht mit Mesh hinterlegt, aber dafür lässt sich die Tür entsprechend weit öffnen. Auch der Einstieg von oben in die Apsis ist dadurch sehr gut möglich, wenn sich unten am Zelt schon viel Schnee angesammelt hat.

Die Seitenlüfter sind von Innen komplett schneesicher zu verschließen, weil es dort sonst im Schneesturm Flugschnee hereindrückt.
Die Seitenlüfter sind von Innen komplett schneesicher zu verschließen, weil es dort sonst im Schneesturm Flugschnee hereindrückt. (Foto: Malte Hübner)

Der Unterschied beim The Theory Works Quadratic: Die Seitenstangen

Bis jetzt würde es sich bei dem Testzelt um einen gutes Tunnelzelt handeln. Aber nun kommt der große Unterschied zum Tragen. Das Quadratic Zelt von The Theory Works hat an den Seiten jeweils einen Kanal für eine Seitenstange. Durch diese Seitenstangen lässt sich das Zelt deutlich versteifen, sodass es weniger anfällig für Seitenwind wird. Im Prinzip erhältst du damit sogar fast einen freistehenden Tunnel und musst weniger auf den richtigen Zeltplatz bei Wind und Sturm achten.

Die Seitenstangen gibt es in verschiedenen Stärken. Neben einer leichten Carbonvariante, sind zwei Aluvarianten mit 9,7 mm und 11 mm Durchmesser erhältlich. Ich konnte beide testen und das dünnere Alugestänge würde mir an der Seite ausreichen. Das Gestänge mit 11 mm Durchmesser wäre zwar noch steifer, aber damit nicht zwangsweise stabiler. Ein windstabiles Zelt steht erst lange steif, beugt sich dann aber bei sehr starken Böen und kehrt danach in seine Ausgangsposition zurück. Daher würde ich es hier nicht übertreiben wollen. Außerdem spart es Gewicht. Noch mehr Gewicht spart es, wenn du nur eine Seitenstange mitnimmst und diese einsetzt, sobald der Wind deinen Tunnel von der Seite angreift.

Leider lassen sich die Seitenstangen beim aufgebauten Zelt nachträglich nur noch schwer einschieben. Du solltest es dir also direkt beim Aufbau überlegen. Der Aufbau ist allein übrigens möglich, aber im Sturm zu zweit einfacher. Die Seitenstangen müssen in eine Öse eingefädelt werden, was allein nur mit Hin- und Herlaufen von einem Zeltende zum anderen möglich ist. Ich würde es daher nur als eingeschränkt solo-tauglich einstufen.

Fast freistehend

Als Konsequenz von diesem System hast du ein paar mehr Gurte, Schnallen und Ösen als sonst an einem Zelt zu finden sind. Falls dich das irritiert, möchte ich noch einmal zeigen, wie gut sich das Zelt abspannen lässt, ohne einen einzigen Hering zu verwenden.

Im Notfall steht das Quadratic ohne einen einzigen Hering.
Im Notfall steht das Quadratic ohne einen einzigen Hering. (Foto: Malte Hübner)

Durch die Seitenstangen steht zumindest das Innenzelt vollständig aufgespannt, nur die beiden Apsiden hängen ohne Heringe durch. Eine Nacht zwischen Felsen auf einer Bergtour ließe sich so aber dennoch überstehen. Oder du bist einfach entspannter, wenn mal wieder so gar kein Hering im Pulverschnee halten will. Dieses Konzept zum Abspannen der Stangen kenne ich von meinem Mountain Hardwear EV3, welches sehr sturmerprobt ist.

Weitere Erkenntnisse aus dem Test

Es gibt neben den Seitenstangen auch noch eine Firststange, die höhere Schneelasten ermöglichen soll. Sie wird wohl eher gegen Windgeräusche gut sein und das Zelt ist auch so stabil genug. Sie würde ich eher weglassen als die Seitenstangen.

Die Gestängekanäle sind alle mit den entsprechenden Stangenlängen markiert und damit ist der Aufbau recht einfach gemacht. Allerdings würde ich mir hier eine bessere (steifere) Öffnung zum Einfädeln wünschen, besonders mit dicken Handschuhen.

Die Snowflaps finden sich nur an den Apsiden. Im Bereich des Innenzeltes solltest du daher etwas mehr Schnee aufschaufeln, da auch durch den Spalt dort Flugschnee eindringen kann.  Ohne Snowflaps wäre das Zelt übrigens 120 g leichter und ist im Shop als All-Year Outer erhältlich. Ich weiß, dass es zu Snowflaps sehr verschiedene Meinungen gibt.

Mit allen Stangen bleibt das Zelt auch beim Umsetzen in Form.
Mit allen Stangen bleibt das Zelt auch beim Umsetzen in Form. (Foto: Malte Hübner)

Das Gewicht meiner Konfiguration würde nach Liste 3807 g wiegen. Auf der Waage dann die Überraschung: Es stimmt! Bei welchem Hersteller erlebt man denn sowas noch? Wer das Zelt im Packsack transportieren will, sollte noch etwa 60 Gramm dafür draufrechnen. Bei mir käme es aber eh als eine lange „Zeltwurst“ oben auf die Pulka. Das Gewicht ist in dieser Konfiguration nicht leicht für ein 2-Personen-Zelt, aber dafür mit Sicherheit sehr sturmsicher und absolut wintertauglich!

Fazit zum The Theory Works Quadratic

Das Zelt ist ein Bunker. Ich möchte es sogar in eine Liga mit etablierten Zelten wie dem The North Face VE 25 oder dem Mountain Hardwear EV 3 (heute ACI 3) zählen. Zwar werden diese beiden als 3-Personen-Zelte gehandelt, haben aber mit etwa 150 cm Breite realistisch auch nur Platz für zwei Personen in Winterschlafsäcken. Dabei schlägt das Quadratic das VE 25 durch den gemeinsamen Aufbau von Außen- und Innenzelt und beim Gewicht. Das EV 3 hat im Vergleich keine Apsis zum Kochen und verfügt über kein Innenzelt. Preislich ist das Quadratic sehr fair kalkuliert. Genau dort sehe ich eine gute Nische für das The Theory Works Quadratic Expeditionszelt und würde es als Bergzelt sofort in Betracht ziehen. Für den skandinavischen Winter wären mir die Apsis wohl etwas zu klein, zumal mein Kaitum 3 GT mit riesiger Apsis ähnlich viel wiegt, allerdings eben nicht so gern Seitenwind mag. Worauf es mir bei meiner Zeltwahl noch ankommt, findest du im Beitrag über Winterzelte.

Jetzt bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Der Beitrag The Theory Works Quadratic Expeditionszelt im Test erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
https://www.winterfjell.de/the-theory-works-quadratic-expeditionszelt-im-test/feed/ 0 5081
Der südliche Kungsleden im Winter – Toursteckbrief https://www.winterfjell.de/der-suedliche-kungsleden-im-winter-toursteckbrief/ https://www.winterfjell.de/der-suedliche-kungsleden-im-winter-toursteckbrief/#respond Sun, 03 May 2020 07:54:34 +0000 https://www.winterfjell.de/?p=2607 Der südliche Kungsleden im Winter ist so etwas wie eine Einstiegsdroge in Wintertouren und läuft durch eine wunderschöne Region. Der hier vorgestellte Abschnitt ist eine entspannte Anfängertour für eine Woche Urlaub. Einfache Infrastruktur ist auf dem Weg vorhanden, nur die An- und Abreise sind etwas mühsamer als an anderen Orten. Gesamtlänge: ca. 66 km Etappen: … Der südliche Kungsleden im Winter – Toursteckbrief weiterlesen

Der Beitrag Der südliche Kungsleden im Winter – Toursteckbrief erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
Der südliche Kungsleden im Winter ist auf diesem Abschnitt besonders schön und erstreckt sich über zwei Kartenblätter
Der südliche Kungsleden im Winter ist auf diesem Abschnitt besonders schön und erstreckt sich über zwei Kartenblätter (Foto: Malte Hübner)

Der südliche Kungsleden im Winter ist so etwas wie eine Einstiegsdroge in Wintertouren und läuft durch eine wunderschöne Region. Der hier vorgestellte Abschnitt ist eine entspannte Anfängertour für eine Woche Urlaub. Einfache Infrastruktur ist auf dem Weg vorhanden, nur die An- und Abreise sind etwas mühsamer als an anderen Orten.

Gesamtlänge: ca. 66 km
Etappen: 5 Etappen
Wegmarkierungen: in der Regel wintermarkiert
Beste Reisezeit: Ende Februar bis Ende März
Landkarte: Fjällkartan Z8 und W1 oder Calazo Fjällkarte C08

Tourcharakter:

  • als reine Hüttentour machbar, allerdings mit längerer erster Etappe
  • sowohl mit Schneeschuhen als auch mit Ski begehbar
  • insgesamt anfängertauglich
  • weder überlaufen noch einsam
  • keine Rundtour (Startpunkt mit Auto 150 km entfernt)
  • mit Backup, An- und Abreise gut in einer Woche Urlaub machbar

Besonderheiten:

Vor allem in Schweden gibt es außerhalb von Nationalparks viel Scooterverkehr. Das romantische Bild vom Dahingleiten über den Schnee stimmt dann leider nicht mehr, denn diese Schneemobile machen mächtig Krach. Es klingt eher wie der Nachbar, der den Rasen mäht, am Sonntag, um Sieben Uhr früh. Südlich von Fjällnäs ist der Scooterverkehr aber eingeschränkt, daher ist es hier ruhiger und ich kann den Abschnitt gut empfehlen.

Anreise und Abreise:

Die Anreise nach Funäsdalen ist mit Bus ab Mora (oder in 9 Stunden sogar von Stockholm) möglich, danach muss man Glück haben, dass die weiteren Verbindungen nach Tänndalen gut passen oder sich für die letzten 10 km ein Taxi nehmen. In Tänndalen kannst du die erste Nacht verbringen. Das winzige Dorf liegt in einem beliebten Skigebiet und so gibt es dort auch Übernachtungsmöglichkeiten.

Bei der Abreise fährt von Grövelsjön ein Bus bis Idre, von wo du über Mora wieder Anschluss an Fernverbindungen oder dein dort geparktes Auto hast.

Der südliche Kungsleden im Winter – Etappenbeschreibungen

Es gibt am südlichen Kungsleden mehre Rasthütten, die Schutz bieten können. Diese sind nicht zum geplanten Übernachten gedacht, aber es spricht nichts dagegen, sein Zelt in der Nähe aufzuschlagen. Die Etappenlängen zwischen den folgenden Hütten sind so gewählt, dass sie anfängertauglich sind.

Tag 1: Tänndalen – Skedbrostuga (ca. 21 km, zu Beginn An- und Abstieg, später ohne große Höhenunterschiede)

Die erste Etappe ist die längste und erfordert daher etwas Kondition. Wenn du eh mit Zelt unterwegs bist, kannst du die Tour gerne kürzen und die restlichen Kilometer an den nächsten Tag hängen. Diese erste Etappe ist dabei sogar schon eine kleine Abkürzung, denn den eigentlichen Kungsleden erreichst du erst nach etwa 6,5 km.

Aus Tänndalen folgst du dem Winterweg in Richtung Süden in die Berge. Auf diesen Winterwegen sind meist Birkenzweige (Ruskmarkering) gesteckt, es fahren aber auch Scooter. Immer weiter aufsteigend folgst du dem Weg auf den Sattel zwischen Vättafjället und Rödfjället, bis du den höchsten Punkt dieser Etappe nach knapp 7 km erreicht hast. Kurz darauf steigst du fast 300 Höhenmeter mit ordentlichem Gefälle ab und kommst in einen Birkenwald und vorbei an einer Kote namens Broktjärnskojan. Mit dem Zelt könnte hier schon eine erste Etappe enden. Sobald der Wald sich nach wenigen Kilometern öffnet, bist du am See Dalstenshån. Von dort sind es noch etwa 5 km Weg mit wenig Steigungen und am nächsten See befindet sich schon die Skedbrostuga, die etwas südöstlich liegt.

Tag 2: Skedbrostuga – Rogenstuga (ca. 12 km ohne nennenswerte Höhenunterschiede)

Von der Skedbrostugan gilt es heute, zu der Rogenstugan zu gelangen. Bei gutem Wetter ist die gesteckte Route direkt über den Rogen ein Traum, da du hier ein eindrucksvolles Panorama vorfindest. Allerdings bist du dem Westwind dort voll ausgesetzt, da der See natürlich keinen Windschutz bietet. Der erste Abschnitt über den Rödsjön ist noch etwas geschützter.

Wer Kraft und Lust hat, kann die 250 Höhenmeter auf den Bustvålen erklimmen und hat einen wunderbaren Blick über das Naturreservat Rogen. Über die südöstliche Flanke des Bustvålen geht es steil hinauf und du kannst die Pulka unten stehen lassen. Der „Umweg“ beträgt dann insgesamt etwa 2 km. Der weitere Weg zur Stuga führt immer am Ostufer des Rogens entlang (bei guten Eisbedingungen auf dem See mit Ruskmarkering) und du kannst die Rogenstugan nach knapp 7 km nicht verfehlen.

Tag 3: Rogenstuga – Storrödtjärnstuga (ca. 12 km mit leichtem Anstieg am Ende)

Zu Beginn kannst du dem See auf dem Eis Richtung Süden folgen und triffst genau an seiner Südspitze wieder auf den Sommer- und Winterweg. Den Großteil dieser Etappe hast du nun schon hinter dir.

Nach einem leichten Anstieg von gut 100 Höhenmetern gelangst du zurück ins Kahlfjäll und betritts damit Dalarna Län. Die Storrödtsjärn Fjällstuga liegt kurz darauf direkt vor dir.

Tag 4: Storrödtjärnstuga – Hävlingenstuga (ca. 9 km mit moderatem Anstieg und anschließender Abfahrt)

Der vierte Tag lässt sich noch entspannter angehen und bleibt von den Kilometern einstellig. Nach einem moderaten Anstieg kommst du etwa bei der Hälfte der Strecke und fast am höchsten Punkt an einen Windschutz vorbei. Bei gutem Wetter bleibt hier sicher Zeit für eine ausgedehnte Mittagspause und ein Sonnenbad. Danach geht es eine Weile bergab, bis du unten an einen See gelangst. Am gegenüberliegenden Ufer findest du die Hävlingenstuga, die nicht vom STF betreut wird.

Tag 5: Hävlingenstuga – Grövelsjön Fjällstation (ca. 12 km mit leichtem Anstieg und anschließendem Abstieg)

Die letzte Etappe bringt dich nach Grövelsjön, ohne dir noch besonderes Können oder viel Kondition abzuverlangen. Die ersten 8 km geht es immer wieder leicht bergauf. Ab dort geht es die restlichen Kilometer fast nur noch bergab, mit Pulka und Ski aber noch machbar. In Grövelsjön warten dann plötzlich wieder alle Annehmlichkeiten vom Shop, über Buffet, Sauna und Dusche auf dich. Ich empfehle daher, hier die Tour ausklingen zu lassen und nicht überhastet abzureisen.

Wenn du noch etwas Zeit hast, ist auch ein Abstecher nach Norwegen in Form einer Tagestour von hier noch möglich. So ganz ohne Pulka und schweres Gepäck…

Für deine weitere Vorbereitung helfen dir vielleicht noch die Beiträge zu Tourplanung und Anreise und über Apps auf Wintertouren.

Nun ruft der südliche Kungsleden im Winter und du bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Der Beitrag Der südliche Kungsleden im Winter – Toursteckbrief erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
https://www.winterfjell.de/der-suedliche-kungsleden-im-winter-toursteckbrief/feed/ 0 2607
Isomatte aus Schaum oder Luftmatratze https://www.winterfjell.de/isomatte-aus-schaum-oder-luftmatratze/ https://www.winterfjell.de/isomatte-aus-schaum-oder-luftmatratze/#respond Mon, 27 Apr 2020 09:00:29 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=335 Nach einem langen Tag auf Wintertour freue ich mich auf meinen Schlafsack, etwas Warmes zu essen und darauf, mich ins Zelt zu verkriechen. Der Schlafsack allein kann natürlich nicht ausreichend warmhalten, da seine Isolation nach unten durch das Körpergewicht plattgedrückt wird. Da könntest du auch gleich auf dem blanken Boden liegen. Daher braucht es eine … Isomatte aus Schaum oder Luftmatratze weiterlesen

Der Beitrag Isomatte aus Schaum oder Luftmatratze erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
Die dicke Isomatte aus Evazote-Schaum nimmt in der Pulka viel Platz weg und kommt daher außen ans Gestänge.
Die dicke Isomatte aus Evazote-Schaum nimmt in der Pulka viel Platz weg und kommt daher außen ans Gestänge. (Foto: Malte Hübner)

Nach einem langen Tag auf Wintertour freue ich mich auf meinen Schlafsack, etwas Warmes zu essen und darauf, mich ins Zelt zu verkriechen. Der Schlafsack allein kann natürlich nicht ausreichend warmhalten, da seine Isolation nach unten durch das Körpergewicht plattgedrückt wird. Da könntest du auch gleich auf dem blanken Boden liegen. Daher braucht es eine gute Isolierung nach unten. Aber ist eine Isomatte aus Schaumstoff oder eine Luftmatratze besser geeignet?

Basics Luftmatratzen im Winter

Reine Luftmatratzen ohne aufwendig unterteilte Luftkammern oder zusätzliche Isolation scheiden direkt aus. Sie würden nicht ausreichend isolieren, da die Luft im Inneren der Matte vom Körper erwärmt werden müsste. Gleichzeitig wird dabei aber zu viel Wärme an den Boden abgegeben, weil die Luft im Inneren der Matte zirkuliert. Viele Hersteller lösen dieses Problem mit einer Isolation aus Schaumstoff oder Daune in der Matte. Es handelt sich also eher um Thermo-Luftmatratzen. Bei Topmodellen wie der Exped Downmat befinden sich Daunen in den Luftkammern, die das Zirkulieren der Luft verhindern. Andere Modelle haben statt Daunen eine Kunststoffisolation, ein aufgeklebtes Fleece in der Matte oder setzen auf eine Unterteilung der großen Luftkammern in viele kleine Kammern. Alle diese Lösungen verhindern den Wärmefluss.

Grundsätzlich gilt: Luftmatratzen haben immer Luft in sich und entsprechend ein Ventil zum Aufblasen und Ablassen. Auch die „selbstaufblasenden“ Modelle zähle ich folglich dazu.

Sorgen für Komfort: TAR Prolite, Prolite Plus oder seatosummit UL insulated
Sorgen für Komfort: TAR Prolite, Prolite Plus oder seatosummit UL insulated (Foto: Malte Hübner)

Vor- und Nachteile von Luftmatratzen im Winter

Vorteile Luftmatratze

  • sie sind bequemer und bieten mehr Liegekomfort besonders für Seitenschläfer
  • aufblasbare Matten sind deutlich kleiner verstaubar und passen in jeden Rucksack
  • die meisten Matten lassen sich vom Härtegrad etwas anpassen

Nachteile Luftmatratze

  • schon ein kleines Loch kann die Matte unbrauchbar machen
  • beim Aufpusten mit dem Mund kann Luftfeuchtigkeit eindringen, welche dann als Kondenswasser kaum wieder aus der Matte zu bekommen ist und für Schimmel oder Auflösen des Klebers sorgen könnte; Eiskristalle könnten den Schaumstoff schädigen
  • Kälte kann die Klebeverbindungen schwächen, da nicht jeder Kleber ausreichend temperaturbeständig ist; die Folge ist eine „delamination of death“, also fette Blasen in der Matte, leider irreparabel!
  • Je nach Bauart empfinden manche Menschen die längst angeordneten Luftkanäle als schaukliger als quer angeordnete oder umgekehrt

Zusammenfassen lässt sich also, dass du bei Thermo-Luftmatratzen eher eine robuste Version wählen solltest, die dann mit einem Pumpsack aufgeblasen wird. Ein kleines Reparaturset darf im Gepäck ebenfalls nicht fehlen.

Basics Schaummatten im Winter

Schaummatten sind vollständig aus Schaumstoff und werden gerollt oder gefaltet. Es gibt Schaumstoff aus offenzelligem und geschlossenzelligem Material. Offene Zellen wie bei billigen PE-Matten lassen Wasser eindringen und sind damit unbrauchbar. Das beste Material ist geschlossenzellig und aus Evazote, einem PU-Schaum. Genaugenommen ist in diesem Schaum natürlich auch Luft eingeschlossen, aber sie kann eben nicht abgelassen werden. Die einfachen Matten aus Evazote gibt es in verschiedener Materialstärke und Materialdichte. Bei der Dichte ist EV30 das flexiblere und etwas weichere Material und damit besser für Liegematten geeignet. Es lässt sich auch noch gut rollen. EV50 hingegen ist etwas steifer und dichter, also besser für Sitzkissen oder für dicke Wintermatten.

Vor- und Nachteile von Schaumisomatten im Winter

Vorteile Schaummatten

  • sie sind nahezu unzerstörbar, nur zu viel Sonne lässt sie altern
  • sie lassen sich reparieren oder Ecken können zum Abpolstern z. B. einer Druckstelle am Fuß einfach abgeschnitten werden
  • sie haben eine sehr hohe Isolationswirkung, schon 2 cm dicke Evazote-Matten reichen für nahezu jede Wintertour in Europa aus

Nachteile Schaummatten

  • sie sind sperrig; das Packmaß einer Evazote Winter mit 190x60x2 cm ist eine Rolle von 60 cm Breite und mindestens 20 cm Durchmesser (siehe Titelfoto)
  • sie sind härter und damit nicht sonderlich bequem, vor allem bei mehreren Nächten

Wenn es um Sicherheit geht, wird Evazote die bessere Variante sein, auch wenn man dann eben etwas härter liegt.

Woran erkenne ich, ob die Isomatte ausreichend ist?

Der R-Wert kennzeichnet den Wärmedurchgangswiderstand einer Isomatte. Dieser hängt vor allem von der Dicke und dem Material ab. Den R-Wert mehrerer Matten kannst du ganz einfach addieren.

Grundsätzliche Regeln

  • je höher der R-Wert, umso besser ist die Isolationswirkung einer Matte.
  • je höher der R-Wert, umso geringer ist der Wärmeverlust nach unten.
  • je dicker die Matte (aus demselben Material), umso höher ist der R-Wert.

Temperatur und R-Wert

Was heißt das jetzt konkret? Mit welchen R-Wert solltest du für deine Matte im Winter mindestens rechnen? Dafür habe ich folgendes Diagramm für dich entworfen:

Welchen R-Wert brauche ich mindestens bei X° Celsius?
Welchen R-Wert brauche ich mindestens bei X° Celsius? (Diagramm: Malte Hübner)

Über den R-Wert lässt sich nun theoretisch einschätzen, wie niedrig die tiefste Temperatur noch sein kann, ohne zu frieren. Eine gute Tabelle mit Beispielen für Referenzmatten findet sich im Outdoorwiki von Outdoorseiten.net unter R-Wert. Ein Probeliegen unter echten Bedingungen schadet natürlich nie.

Besser eine Matte oder eine Kombination?

Zur Beantwortung kommt es vor allem auf den Platz im Gepäck, auf das Sicherheitsbedürfnis und den benötigten Liegekomfort an. Ein paar Beispiele meiner Kombinationen:

Auf einer Tour mit Auf- und Abbau an jedem Tag und wenn in der Pulka genug Platz ist, würde ich eine mitteldicke Evazote (mindestens 1,5 cm) wählen und dazu eine robuste Therm-a-rest (TAR) Prolite Plus für den Liegekomfort, da ich Seitenschläfer bin. Diese Thermo-Luftmatte hat bei mir bisher einfach alles mitgemacht. Mit Abstrichen wäre es eine TAR Prolite in Short (119 cm). Müsste ich mich weiter einschränken, wäre es eine dicke Evazote (~2 cm) und sonst nichts.

Thermarest Prolite Short auf Evazote Winter heißt Liegekomfort und genug Isolation
Thermarest Prolite Short auf Evazote Winter heißt Liegekomfort und genug Isolation (Foto: Malte Hübner)

Für ein festes Basiscamp würde ich hingegen eine Evazote Doublemat (200x100x0,4 cm) als vollflächigen Zeltteppich ausbreiten. Darauf käme entweder eine NeoAir AllSeason bzw. Xtherm oder eine Downmat bzw. Synmat von Exped. Alle diese Isomatten kommen an die Isolation von einer Evazote Winter heran oder übertreffen sie sogar, sind dabei aber deutlich bequemer. Da sie nicht jeden Tag aufgeblasen werden müssen, wird sich das Kondensproblem im Rahmen halten. Sollte sich nun doch ein Loch in einer der Matten ergeben, kann man im Basislager leichter flicken. Notfalls wäre die Doublemat gefaltet als Liegeunterlage genug Isolation.

Für eine Tour im Mittelgebirge in Deutschland würde ich eine TAR Prolite Plus mit einer ganzen oder halben TAR Z-lite kombinieren.

Thermarest Prolite Short auf Evazote Winter heißt Liegekomfort und genug Isolation
Bei geriffelten oder strukturierten Matten sammelt sich oft Kondensat in den Zwischenräumen (Foto: Malte Hübner)

Welche Matte kommt nach oben?

Welche Matte bei der Kombination von Thermo-Luftmatratze und Festschaummatte besser oben und welche unten liegt, ist schwer zu sagen. Für die Bequemlichkeit müsste die aufblasbare Isomatte oben liegen. Für die bessere Isolation müsste eigentlich die feste Matte oben drauf. Am besten probiert jede*r selbst, was besser passt und weniger rutscht. Allerdings empfehle ich, bei strukturierten Matten diese nach unten zu legen, da sich in den Zwischenräumen Kondensat sammelt. Dadurch kann der Schlafsack durchnässen. Das passiert bei ungünstigen Bedingungen zum Beispiel bei TAR Z-lite und Ridgerest oder auch der Matte von Seatosummit auf dem Foto.

Tipps und Tricks

  • Luftmatten mit Pumpsack aufpusten, um Feuchtigkeit in der Matte zu vermeiden
  • bei Luftmatten immer ein kleines Flickzeug dabeihaben und dies vor jeder Tour checken
  • die aufgerollte Evazote-Isomatte außen an die Pulka oder das Gestänge schnallen, um Platz zu sparen
  • Um beim Packen Zeit zu sparen, könnte auch ein Bedding Bag helfen
  • eine zusätzliche halbe TAR Z-lite kann auf Tour Sitzkissen, Kochmatte, Backup und vieles anderes sein
  • Rettungsdecken reflektieren zwar als Decke die Wärme, bringen aber als Unterlage im Winter überhaupt nichts außer Rascheln

Jetzt bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Der Beitrag Isomatte aus Schaum oder Luftmatratze erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
https://www.winterfjell.de/isomatte-aus-schaum-oder-luftmatratze/feed/ 0 335
Navigation im Winter und bei Whiteout https://www.winterfjell.de/navigation-im-winter-und-bei-whiteout/ https://www.winterfjell.de/navigation-im-winter-und-bei-whiteout/#respond Thu, 23 Apr 2020 06:58:57 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=358 Bei der Navigation im Winter läuft einiges anders als im Sommer, selbst wenn du auf viel begangenen Sommerwegen unterwegs bist. Die farbigen Markierungen an Steinen sind in der Regel vom Schnee bedeckt. Deswegen markieren die Tourismusverbände die Winterwege mit roten Holzkreuzen, Birkenreisig oder Bambusstäben. Leider geschieht auch das teilweise nur um die Osterfeiertage, weil dann … Navigation im Winter und bei Whiteout weiterlesen

Der Beitrag Navigation im Winter und bei Whiteout erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
Die Navigation im Winter ist bei Whiteoute schwierig, zumal wir bei der Überquerung des Sees entweder Rechts- oder Linksdrall hatten
Die Navigation im Winter ist bei Whiteout schwieriger, zumal wir bei der Überquerung des Sees entweder Rechts- oder Linksdrall hatten (Foto: Lutz Grünke)

Bei der Navigation im Winter läuft einiges anders als im Sommer, selbst wenn du auf viel begangenen Sommerwegen unterwegs bist. Die farbigen Markierungen an Steinen sind in der Regel vom Schnee bedeckt. Deswegen markieren die Tourismusverbände die Winterwege mit roten Holzkreuzen, Birkenreisig oder Bambusstäben. Leider geschieht auch das teilweise nur um die Osterfeiertage, weil dann am meisten los ist. Du solltest dich daher im Gelände immer auch ohne diese Orientierungshilfen selbstständig zurechtfinden können. Das beste Mittel dazu sind Karte und Kompass.

Karte und Kompass? Warum kein GPS?

Auch ein hochwertiges GPS ist batteriebetrieben und hat ein Display. Dadurch ist es insbesondere bei Kälte empfindlicher als Karte und Kompass. Im Notfall bist du schnell auf diese traditionellen Navigationsmittel angewiesen und solltest sie daher gut beherrschen. Mit etwas Übung ist das auch nicht schwer. Und wer mit Karte und Kompass umgehen kann, soll dann auch gerne wieder ein GPS mit auf Tour nehmen. Die regelmäßige Positionsbestimmung ist damit schließlich deutlich bequemer.

Persönlicher Hinweis: Das Wissen über gute Navigation fliegt leider niemandem zu und erfordert etwas Nachdenken. Nimm dir also Zeit für das Thema und lese in für dich passenden Häppchen.

Worauf es bei Karten ankommt

Grundsätzlich eignen sich nur echte topografische Karten und keine Straßenkarten, da letztere das Gelände nicht ausreichend darstellen. Auf topografischen Karten sind dagegen Höhenlinien eingezeichnet, damit Berge und Täler gut erkennbar sind. Nur so lässt sich einschätzen, ob die Hangneigung einer unbekannten Region begehbar ist oder nicht. Viele Karten setzen zusätzlich auf eine Schraffierung oder Schummerung zur Reliefdarstellung. Bei der Schummerung wird der Schatten der Berge durch eine imaginäre Sonne angedeutet, sodass diese Karten besonders plastisch wirken.

Der Maßstab einer guten Karte für die Navigation im Winter liegt zwischen 1:50.000 und 1:100.000. Karten mit größeren Maßstäben (1:25.000) sind oft unpraktisch, weil man schnell ein Kartenblatt am Tag durchlaufen kann. Ein Kilometer in der Natur entspricht bereits vier Zentimetern auf der Karte. Andersherum verhält es sich mit kleineren Maßstäben. Während 1:100.000 für die einigermaßen überschaubare Hochebene noch praktikabel ist, ist spätestens bei kleineren Maßstäben nicht mehr ausreichend zu erkennen, wo vielleicht ein steiler Abhang wartet.

Die ideale Karte für das Gebirge hat den Maßstab 1:50.000, in überschaubaren Regionen reicht 1:100.000 aus.

Hilfreiche Informationen auf Karten finden sich oft in der Legende

  • Hütten (sind diese bewirtschaftet oder nicht?)
  • markierte Winterrouten (Das norwegische Birkenreisig wird oft nur um Ostern gesteckt, die schwedischen Holzkreuze stehen auf festem Grund meist länger)
  • Wasserkraftanlagen, da dort das Eis der Seen brüchig kein kann
  • Nottelefone
  • teilweise Bus-/Bahnhaltestellen für den Ausstieg aus der Tour (Ob auch ein Bus fährt sollte bereits vor der Tour recherchiert werden!)

Für die Touren in neue Regionen kopiere ich mir meine Karte farbig eins zu eins, trage das UTM-Gitter nach und laminiere die Blätter ein. Meist reichen dafür 2-4 Blätter für die geplante Route. Die Karte kommt dann sicher in das Gepäck, die Kopien in eine Kartentasche, die ich mir umhänge. So habe ich immer alles griffbereit.

Übrigens sind die samischen Ortsnamen häufig sprechende Namen und sagen viel über die Beschaffenheit des Geländes aus. Auch das kann bei der Orientierung helfen.

Papierkarten nur GPS-tauglich kaufen

Damit eine Papierkarte gemeinsam mit dem GPS verwendet werden kann, muss sie darauf mit einem UTM-Gitter vorbereitet sein. Das UTM-Gitter unterteilt die Erde in 60 Meridianstreifen mit einer Ausdehnung von je 6 Längengraden. Diese sind von der Datumsgrenze in 180° östlicher Richtung beginnend durchnummeriert. Gleichzeitig erfolgt eine Einteilung in 20 Breitenbänder zwischen dem 84° Breitengrad Nord und dem 80° Breitengrad Süd. Sie werden von Süden nach Norden verlaufend mit Buchstaben benannt. Diese nun also mit Zahl und Buchstaben versehenen Felder erlauben eine erste Orientierung, wo auf dem Planeten wir uns überhaupt befinden. Deutschland liegt beispielsweise im Zonenfeld 32U.

Positionsbestimmung im UTM-Gitter

Warum ist das UTM-Gitter so wichtig? Weil es mit diesem geodätischen Gitter deutlich leichter ist, Koordinaten zu berechnen und zu übertragen. Geografische Maßstäbe mit Stunden, Minuten und Sekunden sind dafür nicht praktikabel. Im UTM-Gitter wird die Position zunächst mit dem Zonenfeld benannt. Dieses Zonenfeld wird mittig vom Hauptmeridian geschnitten, der einen Vorgabewert von 500 km hat, um negative Vorzeichen bei der Ortsbestimmung zu vermeiden. Ausgehend von diesem Meridian wird nun der Ostwert (oder Rechtswert) in Kilometern bzw. Metern bestimmt. Der dazugehörige Nordwert (oder Hochwert) gibt den Abstand zum Äquator in Kilometern bzw. Metern an.

Landkarte der Hardangervidda im Maßstab 1:100.000 mit UTM-Gitter
Landkarte der Hardangervidda im Maßstab 1:100.000 mit UTM-Gitter (Foto: Malte Hübner)

Ein schöner Start- oder Zielpunkt für Wintertouren liegt im Zonenfeld 32V

Sein Ostwert ist 418109 m und damit kleiner als der Vorgabewert des Hauptmeridians von 500 km (500.000 m). Der Punkt liegt also westlich davon, genau genommen 81891 Meter westlich davon (500.000 – 81.891 = 418.109).

Sein Nordwert lautet 6719347 m, da er 6719,3 km nördlich des Äquators liegt. Damit lässt sich der genaue Punkt festlegen. In diesem Fall handelt es sich übrigens um den Bahnhof Finse in der Hardangervidda. Als ein Wert formuliert liegt dieser Ort genau bei 32V 418109 6719347.

Das klingt für dich unglaublich kompliziert? In der Theorie mag das stimmen, aber in der Praxis wird es dir schnell einleuchten. Nimm dir einmal eine Karte mit UTM-Gitter und den dazugehörigen Werten am Rand. Stelle dein GPS richtig ein und trage von der Karte Punkte anhand der UTM-Koordinaten ein.

Einfacher Planzeiger zum Übertragen von GPS-Koordinaten auf die Landkarte und umgekehrt
Einfacher Planzeiger zum Übertragen von GPS-Koordinaten auf die Landkarte und umgekehrt (Foto: Malte Hübner)

Übertragen der GPS-Position auf die Karte und umgekehrt

Für das Übertragen des Wertes muss das UTM-Gitter auf der Karte eingezeichnet und das GPS auf dieses geodätische Gitter eingestellt sein, da es sonst zu erheblichen Abweichungen kommt. In der Regel ist das Kartenbezugssystem dafür WGS 84 und muss immer identisch eingestellt sein. Das schwedische Kartenbezugssystem SWEREF 99 TM ist zum Glück weitestgehend identisch mit WGS 84. Wenn die Linien des UTM-Gitters auf der Karte nicht durchgezeichnet, sondern nur am Rand angegeben sind, solltest du diese auf jeden Fall nachtragen. Mithilfe eines Planzeigers oder deiner Kompassplatte (Achtung! immer den richtigen Kartenmaßstab beachten!) kann nun der Wert abgelesen und übertragen werden. Einen einfachen Planzeiger wie auf dem Foto kannst du dir auch selbst auf stabile Folie drucken. Für die typischen Maßstäbe stelle ich dir hier vier Dateien zum Download bereit:

Drucke sie möglichst mit einem Laserdrucker auf geeignete Folie aus dem Bürobedarf. Achte darauf, dass dein PDF-Programm die Größe nicht an das Papier anpasst oder den Maßstab anders beeinflusst. Im Zweifel kannst du nach dem Druck kurz nachmessen, ob die Maße stimmen.

Mit diesem einfachen, aber sehr funktionalen Planzeiger solltest du einfach ein paar Tage lang bei jeder Wanderung üben, bis es sitzt. Leider halten sie nicht ewig und sind bei Wind auch leicht zu verlieren.

Worauf solltest du bei einem GPS-Gerät achten?

Zunächst solltest du darauf achten, dich auch ohne Outdoor-GPS orientieren zu können. Der Glaube, dass ein GPS genau genug sei, um im Schneesturm sicher die Hütte zu finden, bleibt leider ein Aberglaube. In einer solchen Situation helfen zwar auch keine Karte und kein Kompass mehr, aber die vermeintliche Sicherheit eines GPS führt wohl eher dazu, weiterzugehen als sich mit dem Windsack einzugraben. Eine umfassende und sehr kritische Diskussion findet sich bei den Outdoorseiten unter Orientierung im Schneesturm.

Dennoch hilft ein Navigationsgerät unterwegs zur Orientierung und z. B. Einschätzung der Reststrecke enorm. Deswegen habe auch ich gerne ein solches Gerät dabei. Ich nutze auf Wintertouren ein Garmin gpsmap 66s und als Backup ein altes Garmin etrex Vista HCx. Die entscheidenden Vorteile für mich sind:

  • gutes Display, weil es sich auch ohne Hintergrundbeleuchtung noch gut ablesen lässt.
  • lange Laufzeit: Mit zwei AA-Lithium-Batterien komme ich bei Trackaufzeichnung zuverlässig 2 Tage weit, mit dem Vista HCx sogar noch weiter.
  • handschuhtauglich: Ohne Touchdisplay und stattdessen mit kleinem Joystick/Steuerplatte kann ich diese Geräte mit zwei Lagen Fausthandschuhen noch gut bedienen. Modelle mit Touchdisplay fallen raus.
  • Handy-Schnittstelle: Mit Bluetooth oder einem Adapter kommunizieren die Geräte mit meiner Locus pro App auf dem Smartphone, womit ich z. B. auf einer Hütte sehr komfortabel planen und Tracks anlegen kann.
  • Ich beherrsche das Menu inzwischen, was leider bei allen Geräten wenig intuitiv ist.

Mit Sicherheit bieten auch die neuen Garmin Modelle mit integrierten Notsender ausreichend Wintertauglichkeit. Allerdings möchte ich diese Funktionen getrennt wissen, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen. Überdies stört mich der interne Akku sehr. Wer ein günstiges Gerät sucht, dem empfehle ich einen Blick auf die 64er Modelle von Garmin.

GPS Grundfunktionen

Viele GPS-Geräte sind kleine Hightech-Spielzeuge, von denen wir auf Tour eigentlich nur wenig benötigen. Um das Thema nicht zu umfangreich werden zu lassen, zähle ich die nötigen Grundfunktionen daher nur kurz auf und empfehle zur weiteren Lektüre das Buch „GPS auf Outdoortouren“ von Uli Benker.

  • Position ablesen: Einschalten, auf Signal warten, Position mit Karte abgleichen – eine Handlung, die im Blindflug funktionieren sollte.
  • Trackfunktion: Diese Funktion besteht aus zwei Teilen. Die erste Funktion ist die Vorbereitung eines Tracks, dem du dann folgen kannst. Hast du zum Beispiel eine Tour gefunden, die du nachgehen willst, kannst du sie so einfach nutzen. Verlasse dich dabei bitte nie ausschließlich auf das GPS und beherrsche die Streckenführung auch ohne elektronisches Gerät. Die zweite Funktion ist die Trackaufzeichnung. So kannst du deinen Weg mitschneiden und anschließend zuhause teilen oder auswerten. Ich bin leider schlecht darin, morgens diese Funktion zu aktivieren.
  • Navigation zu einem Wegpunkt: Wie weit ist es bis zum nächsten Wegpunkt? Stimmt die Richtung? Egal ob der Wegpunkt nur ein Zwischenziel oder das Ende deiner Etappe ist, können das nützliche Informationen sein. Es ist in jedem Fall sinnvoll, die wichtigsten Wegpunkte wie Hütten vor der Tour einzutragen.
  • Abspeichern eines Wegpunktes: „Erinnerst du dich an diese eine Stelle, wo das Zelt perfekt hinter einem Stein geschützt stand und wir diesen tollen Blick über den See hatten?“ Ja, und das GPS speichert dir die exakte Position.
  • Sicherheit durch Plan B: Du hast die Möglichkeit zum Vorhalten von Tracks zum Ausstieg aus der Tour oder Varianten einzelner Abschnitte.

Wie dir vielleicht auffällt, braucht es für all diese Funktionen eigentlich noch keine Landkarte auf dem Gerät. Das ist richtig. Natürlich erleichtert es eine installierte Karte ungemein, sich zurechtzufinden, sie ist jedoch kein Muss. Wer die teuren Karten aus dem Handel scheut, kann es zunächst einfach mit Karten des OpenStreetMaps-Netzwerkes probieren.

Eigentlich gibt es nur eine Funktion, die an allen bisher von mir getesteten GPS-Empfängern unzuverlässig war: Der Kompass. Zwar stimmt das „Heading“ des Kurses, solange man in Bewegung ist, aber spätestens im Stillstand hat diese Funktion immer wieder Probleme bereitet. Es geht also nichts über einen klassischen Kompass zur Orientierung.

Was macht einen guten Kompass aus?

Die Anschaffung eines guten Wanderkompasses ist in der Regel eine einmalige Investition. Es gibt einige bekannte Marken wie Silva und Suunto oder Recta. Wichtige Eigenschaften eines Kompasses sind:

  • Lange Anlegekante, wovon mindestens eine Kante eine mm-Skala hat
  • Transparente Kompassplatte, möglichst mit zu deiner Karte passendem Planzeiger
  • Deutliche Nordlinien, Nordmarke und Magnetnadel
  • Ölgelagerte Nadel
  • einstellbare Missweisung
  • drehbare Kompassrose, handschuhtauglich
  • Einheiten in Grad
  • Spiegel (schon oft zu anderen Dingen wie zum Rasieren missbraucht)
Ein guter Kompass sollte dein steter Begleiter sein
Ein guter Kompass sollte dein steter Begleiter sein (Foto: Malte Hübner)

Kompass und sein Aufbau

Den grundlegenden Aufbau eines Kompasses solltest du dir auf den Bildern vom Outdoor Magazin anschauen, sofern er dir nicht bekannt ist. Für das Verständnis eines Kompasses ist es außerdem interessant, sich ein wenig mit einem Magnetfeld zu beschäftigen. Der Kompass kann durch folgende drei Kräfte abgelenkt werden:

  • Inklination
  • Deviation
  • Deklination

Die Inklination stellt die vertikale Ablenkung in Richtung Erdkern dar. Diese wird mit einem kleinen Gegengewicht an der Magnetnadel ausgeglichen.

Die Deviation ist die Ablenkung durch Magnete, Eisenteile oder elektromagnetische Felder. Du solltest daher bei der Navigation darauf achten, z. B. dein GPS nicht zu dicht an den Kompass zu halten.

Die Deklination ist die Abweichung des magnetischen Nord- bzw. Südpols vom geografischen Pol. Dieser Wert ist in guten Karten eingetragen und beschreibt den Winkel zwischen Meridianlinien und magnetischem Nord. In den Wintertourregionen innerhalb Europas ist die Deklination jedoch gerade so gering, dass sie vernachlässigt werden kann.

Missweisungskorrektur

Die Abweichung des magnetischen Nordpols vom geografischen Gitter aus der Karte kann bei guten Kompassen mit einer Missweisungskorrektur berichtigt werden. Dafür befindet sich in den meisten Fällen eine kleine Einstellschraube am Boden der Kompassrose.

Grundfunktionen eines Kompasses

Der Kompass dient für zwei Dinge:

  1. Groborientierung
  2. Feinorientierung

Die Groborientierung liefert dir zum Beispiel Gewissheit, dass du noch auf dem richtigen Kurs bist. Verläuft dein Weg ungefähr 190° Richtung Süden, hilft ein gelegentlicher Blick auf den Kompass, um zu sehen, dass du noch in die richtige Richtung läufst.

Für die Feinorientierung braucht es zwar etwas mehr, aber keine Sorge, viel umrechnen musst du nicht. Die wesentlichen zwei Funktionen sind die Kursbestimmung und die Standortbestimmung.

Kursbestimmung mit dem Kompass

Ich möchte hier nur kurz die wichtigsten Funktionen des Kompasses erwähnen und werde es bei einer Übersicht belassen. Ein Kompass bietet noch sehr viel mehr Möglichkeiten für fortgeschrittene Anwender*innen. Mir haben die Basiskenntnisse aus meiner Schulzeit immer gereicht. Für das „kleine Kompassdiplom“ gibt es den folgenden erstklassigen Videokurs zur Navigation mit Karte und Kompass von Kai „Sacki“ Sackmann.

Du weißt, wo du bist und wohin du willst? Dann kannst du dir den Zielpunkt (oder ein Zwischenziel) aus der Karte ablesen und mit dem Kompass Peilung aufnehmen. Dadurch erhältst du die Gradzahl, in welche Richtung du gehen musst.

Einnorden der Karte

Als erstes solltest du dir einen Überblick über dein Gebiet verschaffen und dafür die Karte einnorden. Das ist relativ einfach. Drehe die Kompassrose mit 0° auf die Nordmarkierung und lege die Anlegekante des Kompasses an die Kante deiner Karte oder die Nordlinien an. Drehe dich nun mit der Karte so lange, bis die Magnetnadel mit der Nordspitze direkt auf die Nordmarkierung zeigt. Karte, Kompass und dein Blick sind nun genau nach Norden ausgerichtet.

Bestimmung deines Kurses

Voraussetzung ist, dass du deinen genauen Standort kennst. Die Karte muss dafür jedoch nicht eingenordet sein.

Wähle dir als erstes auf der Karte einen Zielort in nicht zu großer Entfernung. Es ist besser, öfter neue Zwischenziele anzupeilen, weil es zu weniger Kursabweichungen führt. Lege nun die Anlegekante des Kompasses an deinen Standort und drehe die Kompassplatte mit dem Richtungspfeil so lange, bis die Anlegekante deinen Standort mit dem Zielort in einer Linie verbindet. Der Richtungspfeil muss dabei immer in Richtung des Zielortes zeigen!

Während du mit einer Hand den Kompass auf der Karte fixierst, drehst du mit der anderen Hand die Kompassrose so lange, bis die Nordlinien der Rose parallel zu den Nordlinien der Karte verlaufen. Wohin die Magnetnadel zeigt, ist hier noch egal. Du hast nun auf dem Kompass deinen Kurs bzw. die Marschzahl eingestellt. Deine Marschzahl ist der Winkel zwischen den Nordlinien der Kompassrose und dem Richtungspfeil.

Von Finse aus mit Marschzahl 167 Grad grob in Richtung Süden
Von Finse aus mit Marschzahl 167 Grad grob in Richtung Süden (Foto: Malte Hübner)

Kurs in die Landschaft übertragen

Halte den Kompass vor dir waagerecht und drehe dich mit dem Kompass so lange, bis die Magnetnadel mit ihrer Nordspitze direkt auf der Nordmarke liegt. Der Richtungspfeil auf der Kompassplatte zeigt nun exakt in die Richtung deines Kurses. Achte darauf, die Kompassrose nicht versehentlich zu verstellen oder notiere dir deine Marschzahl. Um den Kurs beim Gehen zu halten, solltest du dir eine markante Stelle in der Landschaft suchen, die möglichst genau dem Kurs entspricht. Diese Stelle ist dein Zwischenziel. Dort angekommen, kannst du den Kurs neu bestimmen und ein neues Zwischenziel anpeilen.

Das gleiche funktioniert bei schlechtem Wetter auch mit markanten Linien in der Landschaft. Suche dir aus der Karte z. B. eine Hügelkette, einen langen See, eine Straße oder eine Bahnlinie. Nun navigierst du in die Richtung dieser Auffanglinie und kannst dich dann dort wieder neu orientieren. Gerade bei Verlust der Orientierung kann das eine gute Möglichkeit sein, weiterzukommen.

Wenn du gar keine Sicht hast, bleibt dir nur, ständig auf den Kompass zu achten, um deinen Kurs möglichst genau zu halten. Es gibt für mich wenig Nervigeres auf Tour als das.

Standortbestimmung mit dem Kompass

Die Standortbestimmung im Fjell ist sehr stark von guter Sicht abhängig. Ohne Sicht ist es fast unmöglich, Punkte zum Anpeilen ausfindig zu machen. Manchmal hilft ein Standortwechsel auf einen Hügel. Aber dafür musst du natürlich ebenfalls noch etwas sehen können oder ungefähr wissen, wo du bist.

Wenn du deinen genauen Standort nicht kennst, kannst du nur versuchen, ihn mit dem Kompass zu bestimmen. Für die Standortbestimmung braucht es immer zwei sich kreuzende Linien als Referenz. Bei der Peilung mit einer Kartenstandlinie kennst du eine der beiden Linien schon (eine Straße, auf die du getroffen bist, oder ein Berg, See usw.) und peilst einen zweiten markanten Punkt an (Hütte, Gipfel usw.).

Sobald der Richtungspfeil deiner Kompassplatte auf den Punkt zeigt, drehst du an der Kompassrose bis die Nordspitze der Magnetnadel exakt auf die Nordmarke zeigt. Nun legst du den Kompass auf die Karte und musst die Nordlinien des Kompasses parallel zu den Nordlinien der Karte ausrichten. Schiebe den Kompass so lange hin und her, bis die Anlegekante direkt an den markanten Ort reicht. Dein Standort ist der Punkt, an dem sich deine Kartenlinie mit der Anlegekante schneidet.

Bei der Kreuzpeilung benötigen wir zwei markante Punkte in der Landschaft. Diese müssen klar aus der Karte erkennbar sein, was im Winterfjell gar nicht so leicht ist. Im Prinzip verfährst du wie oben. Allerdings musst du dir die Kartenlinie durch eine erste Peilung in die Karte einzeichnen. Die zweite Peilung zum zweiten Punkt ergibt dann den Schnittpunkt zweier Geraden und damit ebenfalls den Standort.

Die Peilung mit der Geraden aus zurückgelegtem Kurs als erste Linie ist ebenfalls möglich, aber eher unsicher. Oft weichen wir unbemerkt doch etwas vom Kurs ab, alleine schon, weil die Landschaft es erfordert.

Die Missweisung ist zumindest in Europa so gering, dass sie vernachlässigbar (unter 5°) ist. Daher gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Solltest du jedoch in anderen Regionen unterwegs sein, solltest du dem Thema mehr Beachtung schenken.

Woher bekomme ich gute Karten?

Meine Papierkarten beziehe ich in der Regel über die Geobuchhandlung Kiel. Nicht nur gibt es dort die größte Auswahl, mir gefällt auch die Suche über die digitale Karte sehr gut. So brauche ich nur auf die Region meiner Tour klicken und bekomme sofort alle verfügbaren Karten dazu angezeigt.

Bei den digitalen Karten greife ich in der Regel auf OSM-Karten zurück. Bei der Auswahl der Grundkarte kannst du manchmal etwas probieren, bis du eine Karte findest, die dir gefällt. Du findest unter dem Link auch weitere Hinweise zur Installation auf deinem Gerät.

Speziell für den Winter aufbereitete Karten gibt es bei Frikart.no, sogar in verschiedenen Designs. Alternativ nutze ich auch gerne diese Garmin-Topo-Map. Bei der Vorbereitung meiner Tour nutze ich noch zwei weitere Quellen. Die erste dafür ist die Open Snow Map, wo die norwegischen gesteckten Routen eingetragen sind. Die Routen werden zwar nicht immer exakt gleich gesteckt, aber eine bessere Quelle kenne ich nicht. Meinen Track für das Navi baue ich dann manchmal grob anhand der Open Snow Map nach.

Die norwegischen Routen werden auch vom DNT veröffentlicht. Das Stichwort dafür ist die „Wintermarkierung“. Eine exakte Navigation im Winter ist nach diesen Karten leider nicht möglich. Stattdessen bieten sie aber wichtige Hinweise auf die Kalenderdaten der Markierung, die Art der Hütten und die Abstände der Abschnitte.

In Schweden ist mir keine vergleichbare Quelle bekannt. In den Papierkarten sind die markierten Winterwege dafür in der Regel zuverlässig zu finden.

Das GPS zeigt die gleiche Karte wie ich sie auch auf Papier dabei habe
Das GPS zeigt die gleiche Karte wie ich sie auch auf Papier dabei habe (Foto: Malte Hübner)

Mit etwas technischer Fingerfertigkeit lassen sich mehrere OSM-Karten miteinander als Overlay kombinieren. So hast du die Routen direkt in deiner normalen Karte integriert. Ich selbst nutze am liebsten eine Mischung aus OSM-Karten und heruntergeladenen Karten-Overlays, beispielsweise aus den topografischen Schwedenkarten (Achtung! Älteres Material, aber meist tauglich). So sehe ich auf dem Display das gleiche wie auf dem Papier. Das macht es deutlich einfacher, wenn ich unterwegs einen neuen Track erstellen möchte. Ein Autorouting ist meines Wissens noch nicht möglich. Eigentlich finde ich das sogar ganz gut. So bleibt es etwas Handarbeit.

Gibt es noch andere Möglichkeiten zu navigieren?

Beim Laufen gibt es neben Karte, Kompass und GPS noch gute andere Möglichkeiten, Kurs zu halten:

  • Gesteckte Routen der Tourismusverbände: Teilweise werden diese Routen aber nur in den Ferien gesteckt. Das ist übrigens ein guter Grund, die Tourismusverbände mit einer Mitgliedschaft zu unterstützen.
  • Folge einer Scooterspur, oft führen diese zu einer Hütte (Achtung: Überprüfe regelmäßig, ob sie noch dem eigenen Weg entspricht. Ich habe mich dabei schon vertan.)
  • Orientiere dich an der Windrichtung (Dafür musst du natürlich die Richtung kennen. Besonders genau ist es leider auch nicht, aber zumindest läufst du nicht im Kreis. Polarprofis haben dafür einen Bindfaden am Skistock.)
  • Vom Wind geformte Spuren in der Landschaft (Wenn es eine klare Hauptwindrichtung gibt, sieht man diese oft an den Schneeformationen.)
  • Sonnenstand (Dass die Erde sich dreht, ist klar, nä?)

Allerdings sind alle diese Navigationsmöglichkeiten fehleranfälliger als Karte und Kompass. Im Zusammenspiel sind es aber gute Ergänzungen, um den Kurs zu halten.

Bei guten Wetterbedingungen reicht es oft aus, sich am Gelände zu orientieren und den Weg nur ab und zu mit der Karte und dem Kompass abzugleichen. Dabei nimmt man auch am meisten die wunderschöne Landschaft wahr! Tage, an denen ich viel navigieren muss, kann zumindest ich weniger genießen.

Gesteckte Route hieß in diesem Fall, dass ab und zu mal ein Bambusstab steckte
Gesteckte Route hieß in diesem Fall, dass ab und zu mal ein Bambusstab steckte (Foto: Lutz Grünke)

Navigation im Whiteout

Whiteout bedeutet, dass die Konturen in deinem Blickfeld verschwimmen, weil es nebelig ist oder du im Schneesturm steckst. Alles um uns herum ist weiß. Du erkennst also weder den Horizont noch die Landschaft, noch nicht einmal die Unebenheiten im Schnee. Auch leichte Hanglagen sind schwer einzuschätzen, weil wir doch sehr an die visuelle Unterstützung des Gleichgewichtssinns gewöhnt sind.

Da die Landschaft kaum Anhaltspunkte mehr bietet, sind wir also auf Kompass, GPS und unseren Sinn für das Geradeauslaufen angewiesen. Die Navigation mit dem Kompass bedeutet, dass du im Prinzip dauerhaft auf ihn schauen musst, um den Kurs zu halten. Den Kurs musst du aus der Papierkarte bestimmen und solltest dir als Ziele immer eindeutige Auffanglinien suchen, die du auch im Whiteout nicht verfehlen kannst. Ein Bergmassiv könnte so etwas sein oder ein Seeufer. Das GPS zeigt dir dabei schon genauer, ob du auf Kurs bleibst. Aber wie du ja inzwischen gemerkt hast, verlasse ich mich nicht gern ausschließlich darauf.

In Kombination von Kompass und GPS kann man aber ganz gut vorankommen, vorausgesetzt man hat die notwendige Nervenstärke für den Blindflug. Man muss sich dabei schon voll auf seine Navigationsfähigkeiten verlassen können. Und es hilft, wenn man gut geradeaus laufen kann.

Bei einem Versuch, einen großen See im Whiteout zu queren, haben wir festgestellt, dass zwei von uns ohne visuelle Orientierung einen Linksdrall hatten und einer einen Rechtsdrall. Witzig daran fanden wir auch unsere Versuche, das auszugleichen. Fast immer kompensierten wir unbewusst zu stark und es trieb uns dafür in die entgegengesetzte Richtung vom Kurs ab.

Bedenke also bitte bei der Navigation im Whiteout immer, dass du dich verlaufen könntest. Im Schneesturm wäre es meistens besser, sich mit dem Windsack einzugraben und abzuwarten.

Jetzt bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Der Beitrag Navigation im Winter und bei Whiteout erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
https://www.winterfjell.de/navigation-im-winter-und-bei-whiteout/feed/ 0 358
Samische Ortsnamen und weitere Begriffe zum Kartenlesen https://www.winterfjell.de/samische-ortsnamen-und-weitere-begriffe-zum-kartenlesen/ https://www.winterfjell.de/samische-ortsnamen-und-weitere-begriffe-zum-kartenlesen/#respond Fri, 17 Apr 2020 12:27:27 +0000 https://www.winterfjell.de/?p=4877 Je höher du in den Norden Skandinaviens kommst, desto mehr samische Ortsnamen werden dir begegnen. Dabei handelt es sich oft um „sprechende Namen“ mit wichtigen Informationen über den Ort. Wenn du also weißt, was diese Begriffe bedeuten, kann das beim Kartenlesen und der Orientierung helfen. Zusätzlich zu den samischen Begriffen findest du weiter unten auch … Samische Ortsnamen und weitere Begriffe zum Kartenlesen weiterlesen

Der Beitrag Samische Ortsnamen und weitere Begriffe zum Kartenlesen erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
Samische Ortsnamen können dir viel über das Gelände sagen, wenn nicht gerade Riesen und anderen Fabelwesen im Spiel waren.
Samische Ortsnamen können dir viel über das Gelände sagen, wenn nicht gerade Riesen und anderen Fabelwesen im Spiel waren. (Foto: Malte Hübner)

Je höher du in den Norden Skandinaviens kommst, desto mehr samische Ortsnamen werden dir begegnen. Dabei handelt es sich oft um „sprechende Namen“ mit wichtigen Informationen über den Ort. Wenn du also weißt, was diese Begriffe bedeuten, kann das beim Kartenlesen und der Orientierung helfen. Zusätzlich zu den samischen Begriffen findest du weiter unten auch die häufigsten schwedischen und norwegischen Einträge auf Landkarten.

Bei einer Wintertour in Lappland bewegst du dich im samischen Siedlungsgebiet. Die Sami nennen das Gebiet selbst Sapmi und als indigenes Volk dehnt sich ihr Kulturraum natürlich unabhängig von den heutigen Nationalgrenzen von Schweden, Norwegen und Finnland aus. Entsprechend haben die meisten Orte Bezeichnungen in samischer Sprache. Diese differenziert sich bei vielen Begriffen in sinnvolle Unterscheidungen, welche für die ursprüngliche Lebensweise als Rentiernomaden im Gebirge nötig war. So gibt es allein für die Beschreibung der Berge Worte wie „oaivi“ (kopfförmiger Berg), „gájsse“ (steiler und hoher Berg), „tjåhkka“ (Berggipfel), „tjärro“ (Bergrücken), „várásj“ (kleiner Berg) und „várre“ (Berg). Ähnlich vielfältig sieht es bei Gewässern aus. Denn so konnte anhand der lokalen Ortsbezeichnung gleichzeitig die Beschaffenheit des Geländes mitbenannt werden. Und damit bietet es eine große Hilfe bei der Navigation im Fjell.

Ich habe dir die bekannten Begriffe einmal aufgelistet. Bei der Recherche in verschiedenen Landkarten existierten jedoch sehr unterschiedliche Schreibweisen. So wird ein g oft zu einem k, ein e zu einem i und ein v zu einem u. Dies hat vor allem mit der Aussprache zu tun, sodass sich die Schreibweise der Sprechweise angepasst hat. Ich habe daher die samische und die schwedisch angepasste Schreibweise übernommen, wo ich beide gefunden habe. Bitte leite dir andere Schreibweisen aus deinen Karten mithilfe der Begriffe hier selbst ab.

Samische Ortsnamen

áhpe großes Moor
ädno, ätno großer Fluss
ailip, alep westlicher, höher
bajip, pajep über, höher gelegen
bákte, bákti, pakte Felswand
gájsse, kaise steiler und hoher Berg, Hochgebirge
gårsså, kårså Schlucht, enges Tal
jávrre, jaure (Gebirgs-)See
jáurásj kleiner See
jiegge, jägge Moor
jiegna, jietnja, jekna Gletscher
jåhkå Bach, kleiner Fluss
láhko, lakko Hochebene, Gebirgsheide
lulip, lulep östlicher
luokta Bucht
luoppal kleiner, von einem Fluss durchflossener See
njárga Landzunge
njunjes , njunni Bergausläufer
oaivi kopfförmiger Berg
riehppe schwer zugängliches Tal, oft mit Gletscher
saiva, salva See
skájdde, skáldi Landzunge zwischen zwei Gewässern, die zusammenfließen
stuor groß
suolu, suolo kleine Insel
tjåhkka, cohkka Berggipfel
tjärro, corru Bergrücken
unna klein
vágge Trogtal
várásj kleiner Berg
várre Berg
vuobme Laub-(Wald)
vuolip, vuolep untere, niedriger gelegen

Schwedische Ortsnamen und Begriffe

In vielen Karten finden sich zusätzlich schwedische Ergänzungen, die ebenso zur Orientierung und Tourplanung helfen können.

berg Berg
bro Brücke (sommarbro nur im Sommer!)
båtled „Bootspfad“ mit Ruderboot oder Motorboot gegen Bezahlung
dal Tal
fångstarma Auffangzaun, oft nahe Hütte, um diese sicher zu finden
förbjudet område för terrängfordon verbotenes Gebiet für Geländefahrzeuge
förfallen zerfallen (z. B. bei alten Hütten)
glaciär Gletscher
hjälptelefon Nottelefon mit direkter Leitung zur Polizei
jökel Gletscher
kåta samische Hütte, teilweise offen
led Pfad (teils unterschieden in sommarled/vinterled)
låst verschlossen
raststuga Windschutzhütte, nicht für Übernachtungen vorgesehen
rengärde (manchmal: renstängel) Rentierzaun
renvaktarstuga Rentierzüchterhütte
topp/toppar Gipfel (Einzahl/Mehrzahl)
träsk Sumpf
sjö/sjön See, der See
stuga/stugor Hütte/Hütten
svag is schwaches Eis (Bei Wintertouren wichtig!)
vindskydd Windschutz aus Holz

Norwegische Ortsnamen und Begriffe

Viele Begriffe sind der schwedischen Sprache sehr ähnlich, weshalb ich auf Wiederholungen verzichte. Sie lassen sich trotz Unterschieden in einzelnen Buchstaben erschließen. Einzelne norwegische Begriffe findest du dennoch hier.

fjord Fjord
hovda Bergrücken, Erhöhung
hyyte Hütte
nuten Bergspitze
sti Pfad, Stieg
vatnet See
vidda Gebirgsebene

Natürlich gibt es auch in der finnischen Sprache viele Ortsbezeichnungen, die teilweise von der samischen Sprache beeinflusst wurden. Einen kurzen Artikel dazu findest du bei „This is finland“.

Jetzt bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Der Beitrag Samische Ortsnamen und weitere Begriffe zum Kartenlesen erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
https://www.winterfjell.de/samische-ortsnamen-und-weitere-begriffe-zum-kartenlesen/feed/ 0 4877
Die richtige Zeltwahl https://www.winterfjell.de/die-richtige-zeltwahl/ https://www.winterfjell.de/die-richtige-zeltwahl/#respond Thu, 16 Apr 2020 06:00:36 +0000 https://winterwandernblog.wordpress.com/?p=329 Das Zelt ist der Wetterschutz vor Schnee und Wind und somit kommt der Zeltwahl eine bedeutende Rolle zu. Es muss stabil sein, soll genügend Platz und vielleicht sogar ein kleines bisschen Luxus bieten. Es gibt verschiedene Zeltformen und -typen für die unterschiedlichsten Unternehmungen. Leider sind die üblichen Kuppelzelte für die meisten Winterabenteuer etwas zu klein … Die richtige Zeltwahl weiterlesen

Der Beitrag Die richtige Zeltwahl erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
Morgens ist das gesamte Zelt übergefroren.
Morgens ist das gesamte Zelt übergefroren. (Foto: Malte Hübner)

Das Zelt ist der Wetterschutz vor Schnee und Wind und somit kommt der Zeltwahl eine bedeutende Rolle zu. Es muss stabil sein, soll genügend Platz und vielleicht sogar ein kleines bisschen Luxus bieten.
Es gibt verschiedene Zeltformen und -typen für die unterschiedlichsten Unternehmungen. Leider sind die üblichen Kuppelzelte für die meisten Winterabenteuer etwas zu klein und UL-Lavvus oder Einbogenzelte oft nicht robust genug für das erwartbare Wetter. In den meisten Fällen finden sich die stabilsten Zelte unter den Expeditionszelten. Meine beiden Favoriten bei der Zeltwahl sind geodätische Zelte oder Tunnelzelte.

Die Qual der Zeltwahl: Geodät oder Tunnel

Vorweg möchte ich sagen, dass ich im Winterfjell schon in Tunneln und Geodäten, in Basislagern im Lavvu mit und ohne Zeltofen und im deutschen Mittelgebirge auch im UL-Lavvu geschlafen habe. Ein Tunnel wäre im Fjell für eine kleine Gruppe meine erste Wahl. Warum?

Tunnelzelte

Der größte Vorteil eines Tunnelzeltes ist sein großes Platzangebot. Durch die steil ansteigenden Gestängebögen ergibt sich eine große Kopffreiheit, welche dir schnell eine aufrechte Sitzposition ermöglicht. Im Verhältnis von Platz zu Gewicht haben Tunnel den großen Vorteil, dass sie mit relativ wenigen Stangen auskommen. Tunnelzelte lassen sich auch bei Wind oft unkompliziert aufbauen. Das sind auch die Gründe, warum die Zeltwahl bei klassischen Wintertouren in Skandinavien überwiegend auf diesen Zelttyp fällt.

Der Schnee hat sich auf der windabgewandten Seite gesammelt. Das Tunnelzelt stand also richtig ausgerichtet zum Wind.
Der Schnee hat sich auf der windabgewandten Seite gesammelt. Das Tunnelzelt stand also richtig ausgerichtet zum Wind. (Foto: Malte Hübner)

Größter Nachteil eines Tunnelzeltes ist seine Anfälligkeit gegen starken Seitenwind. Du musst es also möglichst in Windrichtung aufstellen, damit nur die schmale Seite vom Wind getroffen wird. Tunnelzelte sind nicht freistehend und müssen daher gut mit Schneeankern fixiert werden. Für die Enden bieten sich dafür die Skier und Skistöcke oder auch Schneeschuhe an. Schwierig wird es jedoch auf Fels oder blankem Eis. Ist ein Tunnel bei Wind nicht richtig abgespannt, neigt er zum lauten Flattern.

Geodätische Zelte

„Geodäten“ haben den Vorteil, dass sie sehr windstabil sind, da sich die Gestängebögen an mehreren Stellen kreuzen und so den Druck besser ableiten können. Mehr Gestängebögen bedeuten aber auch ein höheres Gewicht bei gleichem Innenraum. Dafür sind geodätische Zelte in vielen Fällen freistehend und vertragen Seitenwind besser. Ihr Aufbau ist etwas komplizierter, da die Gestänge meist unterschiedliche Längen haben.

Ein Geodät mit Außengestänge lässt sich auch mit dicken Handschuhen gut aufbauen und ist extrem windstabil.
Ein Geodät mit Außengestänge lässt sich auch mit dicken Handschuhen gut aufbauen und ist extrem windstabil.(Foto: Malte Hübner)

Solo auf Tour fiel meine Zeltwahl auf den abgebildeten Geodäten, ich habe mich also sogar für ein Einwandzelt entschieden. Mehr dazu findest du bei dem Abschnitt zu Einwandzelten weiter unten.

Anforderungen bei der Zeltwahl im Winter

Natürlich gelten die gleichen Kriterien wie an die gesamte Ausrüstung, mit einem Schwerpunkt auf die Robustheit. Denn ein Winterzelt muss zu allererst windstabil, besser sturmstabil sein. In einer ausgesetzten Winterlandschaft bietet kein Strauch mehr Schutz und die Winde fallen im Winter durchaus stärker aus. Wichtig ist deshalb auch die Wahl des richtigen Zeltplatzes bei Wind.

Ein Winterzelt sollte daher über sehr viele Abspannmöglichkeiten und zusätzliche Befestigungspunkte für weitere Abspannschnüre verfügen. Diese Zeltschnüre sollten stark genug ausfallen und sich mit Handschuhen bedienen lassen.

Ein Gestänge mit 9mm Durchmesser ist in 95% aller Fälle absolut ausreichend, auch das Keron von Hilleberg hatte viele Jahre lang nur 9mm. Nun sind es häufiger 10mm bei wenig Mehrgewicht und höchster Verlässlichkeit.

Das Gewebe sollte im Idealfall 40 d, mindestens aber 30 d Stärke aufweisen. Das d steht in diesem Fall für „Denier“ und gibt die Faserstärke im Gewebe an. Ein Ripstopgewebe ist zu empfehlen, da es das Weiterreißen bei Beschädigungen verlangsamt. Ebenso ist eine Silikonbeschichtung die bessere Wahl. Zwar wirst du dann häufiger nachspannen müssen, wenn es feucht wird, aber insgesamt ist das Material reißfester.

Das Zelt darf keine zu großen geraden Flächen aufweisen, damit sich kein Schnee auf ihm sammelt. Es würde sonst von der Schneelast erdrückt.

Snowflaps ja oder nein?

Die Seitenwände des Zeltes sollten bis zum Boden herunter gezogen sein, damit kein Flugschnee eindringen kann. Sonst wird bei Wind die gesamte Apsis über kurz oder lang eingeschneit sein. Ein kleines Loch kann erstaunlich viel Schnee hineinlassen! Alternativ kannst du am Rand den Spalt mit Schnee verschließen. Reinrassige Winterzelte haben an den Seiten Schneelappen, engl. Snowflaps, auf die der Schnee zum Abdichten geschaufelt wird. Ich habe sie bisher nur selten vermisst und halte es eher für eine Frage der Philosophie.

Zwei typische Marken, die man oft auf Wintertouren sieht, sowohl mit ihren Tunneln als auch mit ihren Geodäten, sind Helsport in der Kategorie x-trem und Hilleberg mit der Black Label Serie. Helsport hat Snowflaps serienmäßig an den Expeditionszelten. Hilleberg verzichtet in der Standardausführung bewusst darauf, bietet sie aber als Sonderbestellung an. Bo Hilleberg gibt seine Meinung dazu in diesem Video zum Besten:

Mehr Platz nötig

Über die grundlegenden Anforderungen hinaus solltest du sehr viel mehr Platzbedarf pro Person einplanen als in Sommermonaten, da die Schlafsäcke dicker sind und die gesamte Ausrüstung mehr Volumen einnimmt. Ein Hilleberg Keron 4 GT ist im Sommer ein komfortables 4-Personen-Zelt, hat uns im Winter aber zu dritt gerade so gereicht. Für zwei Personen sollte deine Zeltwahl entsprechend mindestens auf ein 3-Personen-Zelt fallen.

Einen enormen Vorteil hat eine Apsis, idealerweise sogar zwei Apsiden. Dort koche ich bei sehr schlechtem Wetter, Ausrüstung kann gelagert und sogar die Morgentoilette muss manchmal an diesem windgeschützen Ort verrichtet werden. Bei zwei Apsiden fällt auch das Innenzelt nicht zum Fußende hin ab und so ist auch das Innenzelt geräumiger. Ich mag es lieber, da man dann auch in seiner Liegerichtung weniger eingeschränkt ist. Außerdem ist bei geraden Tunnel-Modellen oft ein Vorteil, dass alle Stangensegmente gleich lang sind und ein Ersatzgestänge überall passt.

Lebenswichtige Lüfter

Bei den Lüftern ist darauf zu achten, dass diese möglichst hoch angesetzt sind, um nicht über Nacht vom Schnee verschlossen zu werden. Außerdem sollten die Lüfter verschließbar sein, um bei starkem Schneetreiben das Eindringen von Flugschnee zu unterbinden.

Vorsicht! Wenn sowohl der Spalt am Außenzelt mit Schnee verschlossen ist und alle Lüfter geschlossen sind, kann kaum Sauerstoff in das Zelt gelangen. Wenn dann noch der Kocher läuft, droht schnell eine Vergiftung! Kohlenstoffdioxid CO2 ist geruchlos und führt über Schläfrigkeit zu Bewusstlosigkeit und Tod. Es sammelt sich am Boden, da es schwerer als Luft ist. Ebenfalls ist Kohlenstoffmonoxid CO in geringer Konzentration gefährlich, aber leichter als Luft. Wer also morgens wieder aufwachen möchte, schließt niemals alle Lüfter.

Moskitonetze an den Lüftern halten etwas Flugschnee ab, sind sonst aber unwichtig. Denn das ist der große Vorteil auf Wintertouren: Es gibt keine Mücken!

Funktionieren Einwandzelte im Winter?

Es gibt spezielle Bergzelte, die ohne Innenzelt auskommen. Bei diesen ist der Boden fest mit dem Außenzelt verbunden, sodass sich ein geschlossener Innenraum bildet. Daher haben diese Zelte meist keine richtige Apsis, wobei es bei Mountain Hardwear Modelle mit Reißverschluss im Boden gibt, um Schnee holen zu können. Das durch das Fehlen eines Innenzeltes eingesparte Gewicht kommt durch ein stabileres Gestänge oft direkt wieder oben drauf. Es handelt sich hier also meist nicht um ultraleichte Ausrüstung, sondern Spezialzelte. Leider neigen Einwandzelte zu stärkerer Kondenswasserbildung.

Ein erprobtes und verbreitetes Modell war das Mountain Hardwear EV3, wobei es eher für zwei Personen zu empfehlen war. Du siehst es auf dem Foto oben. Der Nachfolger heißt inzwischen ACI 3. Dieses Zelt wird in vier sich kreuzende Gestängebögen eingehängt, nachdem es am Boden liegend verankert wurde. Dadurch lässt es sich auch bei starkem Wind sehr gut alleine und mit dicken Handschuhen aufbauen. Durch vier Lüfter ist es trotz Einwandkonstruktion nicht zu feucht im Inneren. Leider hat es keine Apsis zum Kochen und ist damit nicht die perfekte Zeltwahl für Wintertouren im Fjäll. Auf meinen Solotouren habe ich dennoch gute Erfahrungen damit gemacht.

Und was ist mit Lavvus?

Lavvus sind Einstangenzelte und erinnern an die indianischen Tippis, sind aber samischen Ursprungs. Sie können mit speziellen Zeltöfen beheizt werden. In der Baumwollausführung wie zum Beispiel von Tentipi kann sogar Feuer in ihnen gemacht werden. Dafür ist der Baumwollstoff natürlich schwerer.

Für unsere festen Zeltlager mit der Familie reicht ein Helsport Finnmark mit Helsport Zeltofen gut für vier Personen für das Schlafen und Aufhalten, obwohl das Zelt für 6-8 Personen angegeben wird. Sonst würde es schnell eng werden. Einmal habe ich gesehen, wie ein Schlafsackfußteil versehentlich an den heißen Ofen gekommen ist und der Kunststoff schnell wegschmolz. Die Familie, die unseren Zeltofen zum Testen geliehen hatte, wird sich dann wohl doch so schnell keinen eigenen Ofen angeschafft haben.

Lavvu mit Zeltofen
Lavvu mit Zeltofen (Foto: Malte Hübner)

In größeren Gruppen kann ein Lavvu als Koch- und Gruppenzelt für geselliges Beisammensein und weniger Kondens in den Schlafzelten sorgen. Dann lohnt sich der Mehraufwand des zusätzlichen Aufbaus, denn Lavvus müssen dank ihrer Konstruktion komplett abgespannt werden. Ansonsten lohnen sich Lavvus wegen ihres Gewichts nur auf Touren mit Basislager, mit Hundeschlitten oder in bewaldeten Gebieten, wo du dann wenigstens ein nettes Feuer (im Ofen) entzünden kannst. Für eine Tour mit täglichem Aufbau sind große Lavvus also eher nicht die beste Zeltwahl.

Dennoch für mich denkbar: Für eine Tour mit bis zu 6 Personen in mehreren Zelten würde ich wahrscheinlich ein UL-Lavvu wie mein ShangriLa 5 von Golite (oder den aktuellen Nachfolgern) mitnehmen, um es als Koch- und Gruppenzelt zwischen die anderen Zelte zu stellen. Das Innenzelt braucht man in dem Fall nicht und hebt sich lieber Bänke aus dem Schnee aus.

Tipps und Tricks

  • Für sehr windgeplagte Gegenden wie die Piteraq-Zone in Grönland können die Zeltstangen gedoppelt werden. Große Firmen wie Hilleberg bieten diese als Zubehör an und auch die Gestängekanäle sind dafür ausgelegt, zwei Stangen aufzunehmen. In Skandinavien ist das in der Regel nicht nötig. Nützlicher für ein Plus an Stabilität sind zuerst weitere Abspannleinen, sauberes Abspannen und gute Schneeheringe.
  • An die Reißverschlüsse sollten kurze Kordeln gebunden werden, damit du sie auch mit Handschuhen gut greifen kannst. Außerdem klimpern sie dann im Wind weniger.
  • Wer mit einer Pulka unterwegs ist, kann wertvolle Aufbauzeit sparen, indem man die Gestängesegmente mit Klebeband so miteinander verklebt, dass man nur ein oder zwei teilbare Segmente übrig behält. Das Gestänge kann damit sogar halb im Kanal verbleiben und das Zelt wird anschließend um das Gestänge gewickelt.
  • Wer möchte, kann sich einen speziellen Pulkasack für das Zelt nähen. In diesen wird das der Länge nach aufgerollte Zelt als eine Art Wurst geschoben und dann oben auf den Pulka geschnallt. Das funktioniert auch mit den getapeten Stangen.
  • Verfügt das Zelt über eine Apsis, kannst du bei genügend Schnee den Raum in der Apsis enorm vergrößern, indem du einen Graben aushebst. So kann nahezu Stehhöhe erreicht werden und du kannst darin mit genug Abstand zur Zeltdecke kochen.
  • Auch in gut belüfteten Zelten wird sich durch das Kochen mit entsprechend hoher Luftfeuchtigkeit im Inneren eine Raureifschicht an der Zeltwand bilden. Diese lässt sich gut mit Schneeklumpen aufnehmen. Reif entfernst du am besten immer vor dem Zusammenpacken, ansonsten können die Zeltlagen bei ungünstigen Temperaturen (Auftauen in der Sonne plus anschließende Minusgrade) aneinander festfrieren.
  • Mit einer Gaslaterne und anderen Tricks bekommst du etwas Wärme ins Zelt.

Jetzt bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Der Beitrag Die richtige Zeltwahl erschien zuerst auf Winterfjell.

]]>
https://www.winterfjell.de/die-richtige-zeltwahl/feed/ 0 329