Rückblick auf die OutDoor Messe Friedrichshafen 2018

Die Blogger Base war unser täglicher Anlaufpunkt auf der Outdoormesse in Friedrichshafen. Vielen Dank auch an das Outdoor Blogger Network. (Foto: Malte Hübner)

In den letzten Tagen war ich auf meiner ersten OutDoor Show als Winter-Blogger. Das war wirklich beeindruckend. Eine riesige Outdoormesse mit fast allen Vertretern der Branche. Natürlich möchte ich euch daran teilhaben lassen, was es so alles zu entdecken gab. Als erstes habe ich mir die skandinavischen Marken angeschaut.

Die Kleidung der Skandinavier

Bergans of Norway: Ich mag die Produkte grundsätzlich, aber leider nimmt auch Bergans nach und nach seine Nischenprodukte aus dem Sortiment. So gibt es den Nordmarka Anorak aus Baumwolle nicht mehr weiter. Noch vor 10 Jahren sind damit einige auf Wintertour gegangen und im hohen Norden sieht man auch heute noch oft diesen klassischen Polaranorak. Dazu möchte ich gern den interessanten O-Ton eines Bergans-Mitarbeiters ergänzen: „So ein Anorak ist ja eher ein typisches Fjällräven-Produkt. Es gibt da sicher einen Markt für. Obwohl diese Jacken ja wirklich komplett ohne Funktion sind, kaufen die Leute das. Eigentlich total unverständlich.“

Devold: Die Wollkleidung von Devold ist in Deutschland immer noch nicht bekannt genug, finde ich. Allerdings gibt es außer anderen Farben auch keine großen Neuigkeiten zu berichten.

Aclima: Neben der „normalen“ Unterwäsche hat Aclima Netzunterwäsche im Angebot. Laut Auskunft des Mitarbeiters wird darüber nachgedacht, diese in Zukunft aber nur noch in der Merino-Variante anzubieten. Allerdings ist die Polypropylen-Variante noch auf der Webseite zu finden und auch noch im Handel verfügbar. Mehr zu dieser Art der Unterwäsche findest du im Artikel zum winteroptimierten Zwiebelprinzip.

Norrøna: Hallo Bergans, hier gibt es noch einen Baumwollanorak und sogar einen wirklich schönen! Der Svalbard-Anorak ist nicht nur in den klassischen Fjell-Farben rot und blau zu bekommen, sondern auch in neuer Farbgebung grün/oliv.

Fjällräven: Hier gab es wenig neues zu entdecken, allerdings war vor allem die Sommerkollektion 2019 am Start. Größte Neuerung ist das Material Bergshell, das ich weiter unten bei den Highlights noch genauer beschreibe.

Lundhags Backcountry Stiefel (Foto: Malte Hübner)

Lundhags: Bei Lundhags habe ich mir eigentlich nur die Skistiefel genauer angeschaut, weil die einfach großartig sind. Dort gab es zwar keine neuen Modelle, aber warum sollte man gutes auch verbessern? Der Rest gehörte eher zur Sommerkollektion.

Ausrüstung aus Schweden

Primus: Die Primus StovePaw ist zwar nicht neu, aber ich habe sie erst auf der Messe entdeckt. Es handelt sich dabei um eine Unterlegplatte für Schnee, in die die meisten Multifuel-Kochermodelle von Primus eingeklickt werden können. So versinkt der Kocher nicht im Schnee. Schraubt man die StovePaw auf eine kleine Holzplatte, kann daneben auch noch die Brennstoffflasche befestigt werden.

Hilleberg: Bei den freistehenden Zelten hat Hilleberg Nachwuchs bekommen und jetzt auch das Allak für drei Personen im Programm. Mit Gepäck wird es für drei Leute zwar recht eng, für zwei Personen mit viel Gepäck oder Hund ist es aber ein großartiges Zelt.

Haglöfs, Optimus, Alfa, Helsport und Woolpower hatten zumindest am Stand keine interessanten Produktneuheiten. Leider hat sich nicht immer ein Gespräch ergeben. Klättermusen war leider nicht auf der Messe vertreten.

Andere relevante Marken für Wintertouren

Exped: Die Daunensocken haben inzwischen oben ein etwas abgesetztes Gummiband, was den Socken besser schließt, damit kein Schnee eindringen kann und die Wärme darin bleibt. Außerdem gibt es weitere Farben. Die VBL-Produkte werden sie weiterhin anbieten, obwohl sie ein Nischendasein führen und cocoon nach dem Ausstieg als Distributor von Exped in der Schweiz seit einem Jahr auch ein Konkurrenzprodukt hat.

Crispi: Wir können weiterhin auf Lederskistiefel von Crispi hoffen, auch wenn diese Schuhe nur in Skandinavien und kleinen Teilen von Deutschland, Frankreich und Japan nachgefragt werden. Auch die Entscheidung zwischen Stiefeln mit und ohne Membran können wir zukünftig selbst treffen, da weiterhin beide Varianten im Sortiment bleiben. Weitere Stiefelmarken findest du in meinem Artikel über Skistiefel und Skibindungen.

Komperdell: Erst vor kurzem hatte ich euch etwas zu Skistöcken geschrieben. Daher habe ich auch bei den großen Herstellern geschaut, was es neues gibt. Von Komperdell gab es nun die Auskunft, dass es nur noch Teleskopstöcke bis 145 cm Länge geben wird, weil für längere Größen kein Markt besteht. Wer es doch länger braucht, kann aber Festlängen auch in großen Größen direkt bei Komperdell bekommen. Die Tiefschneeteller mit Lederbespannung bleiben im Sortiment.

Vaude: Obwohl ich mich ja gerne mal auf Zeltausstellungen rumdrücke, hatte ich bisher keine Gelegenheit, mir das Power Sphaerio von Vaude einmal genauer anzuschauen. Auf der OutDoor Show stand es nun endlich einmal aufgebaut. Ich traue dem Zelt schon einiges zu, da es sich um einen Geodäten mit 10 mm Gestänge handelt. Ich kenne aber nur einen kurzen Erfahrungsbericht und kann mir noch keine endgültige Meinung bilden.

Stirnlampen für die Winternacht

BlackDiamond: Bei der Icon-Stirnlampe von BlackDiamond fehlt in Zukunft das dritte Band über den Kopf, das Batteriefach bleibt jedoch am Hinterkopf. Eine direkte Lademöglichkeit ist nicht gegeben, aber es gibt weiterhin ein anderes Akkupack als Zubehör, welches du dann direkt über USB laden kannst. Auch die Leuchtstärke bleibt bei 500 Lumen. Die Variante Icon Polar wird nicht mehr angeboten. Hier war das Batteriefach in einer extra Tasche, die man unter der Jacke tragen konnte. Insgesamt überzeugt mich das Modell nicht, da es nicht mehr zeitgemäß ist.

Fenix: Am Stand von Fenix war ich nur kurz, um mir die HP25R-Stirnlampe anzuschauen. Mit bis zu 1000 Lumen und einem Lithium Ionen Akku bringt sie viel Licht in die dunkle Winternacht. Sie ist unterwegs über Micro-USB wieder aufladbar und hat auch eine Rotlichtfunktion, z. B. für den nächtlichen Gang auf die Toilette, ohne die ganze Hütte aufzuwecken. Da der Akku am Hinterkopf sitzt, bleibt er unter einer Kapuze länger warm. Die Handschuhtauglichkeit ist durch zwei Schalter mit gutem Druckpunkt gegeben.

Zwei Overbags, doch sind beide ehrlich?

Wenn der Schlafsack nicht sicher für besonders kalte Tage reicht, ist ein Overbag eine sinnvolle Ergänzung. Ich selbst nutze in solchen Fällen den Carinthia XP Top und würde von einem Zugewinn an Wärme von 5-10° Celsius sprechen. Am Stand von Carinthia sagte man nun, dass sie 6° Celsius zusichern.

Das finde ich fair, weil es ehrlich und realistisch ist. Sehr gut.

Am Stand von Cocoon habe ich mir nun deren Over Bag angeschaut. Im Unterschied zum Carinthia-Modell ist dieser nur oben isoliert, wiegt dafür aber auch 350 Gramm weniger. Nun gibt der Hersteller hier bis zu 14° Celsius Temperaturgewinn an. Das klingt ja fast unglaublich. Sollte das Primaloft GoldFill tatsächlich so viel leistungsstärker sein als Carinthias G-Loft?

Vielleicht sollte hier einmal ein Test unter Realbedingungen her. Wer hat Lust?

Neu oder wieder entdeckt

NorthAid: Die Notversorgung im Winter ist eine wichtige Sache, dazu kannst du auch in meinem Artikel über Erste Hilfe mehr lesen. NorthAid bietet dazu farblich kodierte und sehr umfangreiche Erste Hilfe Produkte und orientiert sich am Bedarf von Outdooraktivitäten. Ich hoffe sehr, dass sie damit auf dem deutschen Markt Fuß fassen.

Mawaii: Der umweltfreundliche Hersteller Mawaii hat auch eine Wintercreme mit Sonnen- und Wetterschutz im Sortiment, wusste ich gar nicht. Vielleicht werde ich die bei Gelegenheit einmal testen.

Pajak: Die polnische Marke Pajak hatte ich ganz vergessen und bin froh, auf der Messe über sie gestolpert zu sein. Besonders die Ghost Hose begeistert mich. Da ich meistens nur am Gesäß kalte Schenkel bekomme, ist so eine Daunenshorts genau das richtige. Mit einem durchgehenden Reißverschluss an beiden Beinen, ist die Hose auch in der Pause schnell übergezogen. Der „wärmste Schlafsack der Welt“ (Herstelleraussage zum Radical 16H) wäre mir mit 1000 Euro UVP allerdings etwas zu teuer.

Beim Termin am Ferrino-Stand erklärt die Chefin das neueste Schlafsackmodell (Foto: Malte Hübner)

Ferrino: Bei dieser italienischen Marke gibt es eine lange Tradition aus dem Höhenbergsteigen. Mit dem Schlafsack HL Revolution wird Ferrino einen Winterschlafsack bis -22° Celsius herausbringen, der ansonsten die Leistung des bisherigen Modells noch etwas übersteigt. Ehrlich gesagt, würde ich ihn gerne einmal länger ausprobieren, da ich mir die elastischen Nähte bei einem Winterschlafsack als sehr angenehm vorstellen kann.

Sonstiges

Nur kurz, dazu schreiben andere mehr:

  • Seatosummit Pillowsaver: Klettflächen auf der Matte, damit das Kissen nicht rutscht, ab Ende 2019 auch als Nachrüst-Kit. Hat mich wirklich überzeugt!
  • Seatosummit aufblasbares Daunenkissen AerosPillow: Eigentlich bläst man nur den unteren Teil ohne Daunen auf. Diese sind nur in der obersten Schicht und so vereint das Kissen sowohl das angenehme Gefühl eines Daunenkissens wie auch die Festigkeit eines Luftkissens.
  • Thermarest Uberlight: 250 Gramm in Regular und einen R-Wert von 2,0!

Die absoluten Highlights

Meinen ganz persönlichen Outdoor Industry Award verleihe ich mit drei Medaillen:

Bronze geht an Fjällräven für das Bergshell Material, welches wasserdicht und nachhaltig produziert ist. Es handelt sich um recyceltes Nylon, in welches ein Ripstop eingewebt wurde, welches nicht die Oberfläche des Materials verändert. Look&Feel sind daher eher bei einem Baumwollmischgewebe oder festem Cordura als bei Ripstop-Nylon. Es sieht sehr wertig aus und wird in einigen kommenden Rucksackmodellen verbaut werden.

Die Valandre Troll hat eine Kammerkonstruktion, bei der die Daunen im Ärmel nicht verrutschen. (Foto: Malte Hübner)

Silber geht an die Valandre Troll Jacket, eine leichte Daunenjacke für Wintertouren mit 290 Gramm Daunenfüllung. Sie verbindet kleines Packmaß, ausreichend Isolation und einen guten Schnitt. Außerdem sind ihre Kammern so konstruiert, dass die Daune auch im Ärmel nicht nach außen rutschen kann.

And the winner is…

Fachsimpeln auf hohem Niveau (Foto: Malte Hübner)

Gold geht eindeutig an Roughstuff für den Nordländer Anorak. Der Nordländer ist ein weiter Baumwollanorak im klassischen Schnitt einer Polarjacke. Ich liebe den Style und auch das angenehme Tragegefühl. Auch die Details wie ein mit Keil hinterlegter Kragen als auch der Taillienzug gefallen mir ausgesprochen gut. Wenn du nicht selbst nähen willst, dann wäre der Nordländer wohl mein Tipp. Erhältlich wird er ab Herbst sein, sodass du ihn noch einlaufen kannst, bevor es im Frühjahr auf Tour geht.

Die klassische Version im Sami-Style ist so zwar nicht für den Markt vorgesehen, aber sieht richtig gut aus! (Foto: Malte Hübner)
Schöne Details wie der hinterlegte Zipper am Kragen und ein Hüftzug zum Schließen nach unten. (Foto: Malte Hübner)

Sympathiepreis

Snaps zu Midsommar auf der Pressekonferenz der SOG (Foto: Malte Hübner)

Der Preis der Herzen geht an Petra Hilleberg, die morgens mit dem kostenlosen Shuttlebus zur Messe fährt, auch wenn man dort keinen Sitzplatz bekommt. Die Herzlichkeit der Schweden durften wir auch bei der Pressekonferenz der Scandinavien Outdoor Group spüren und bedanken uns für Fisch, Krabben und Snaps.

Vielen Dank und ein kleiner Ausblick

Natürlich war ich auch noch an weiteren Ständen als den hier genannten, aber da drehte es sich dann nicht um Ausrüstungen für Wintertouren, sondern um andere Möglichkeiten wie Packrafts oder Bikepacking. Die Messe ist einfach riesig und bietet für alle etwas.

An dieser Stelle möchte ich mich vor allem bei der Messe Friedrichshafen und dem Outdoor Blogger Network bedanken, die uns Bloggern den Besuch erst so richtig angenehm machten. Die Blogger Base war täglich unser zentraler Anlaufpunkt und es gab viele Speaker und Messerundgänge extra für uns. Es war auch schön, mit den anderen Bloggern bei einem Workshop über Blog-Reichweiten und Kooperationen mit Herstellern zu diskutieren. Viele liebe Grüße an euch alle.

Da die OutDoor durch ein Mitgliedervotum der European Outdoor Group entschieden hat, ab 2019 nach München umzuziehen, ist der Fortgang der Outdoormesse gerade etwas offen. Zum Beispiel ist nicht sicher, ob es auch in München wieder die Möglichkeit geben wird, sich als Blogger akkreditieren zu lassen und den gleichen Service erwarten zu können, den Friedrichshafen uns bot. Ich hoffe sehr, dass die Messe München auf das Outdoor Blogger Network als Kooperationspartner zurückgreifen wird, da sich dort eben die nötige Vorerfahrung findet.

Die Messe Friedrichshafen wird übrigens eine eigene Nachfolgemesse ausrichten. Dadurch wird sie vielleicht kleiner, aber manchmal heißt das ja auch feiner. O-Ton eines Ausstellers aus Deutschland: „Die Messe geht nach München, aber ohne uns. Ist mir scheißegal, wir zelten hier nächstes Jahr so oder so, zur Not einfach ohne die Messe!“

4 Kommentare zu „Rückblick auf die OutDoor Messe Friedrichshafen 2018

  1. Herzlichen Dank für den schnellen und so inspirierenden Überblick über die Dinge, die ich verpasst habe. Also so einen Overbag teste ich gerne mal, die Roughstuff Anoraks finde ich auch klasse. Super, dass du den skandinavischen Fokus in deinem Artikel beibehalten hast.

    1. Vielen Dank für dein Feedback, liebe Geertje.
      Ab jetzt werden die Tage offiziell wieder kürzer und damit steht der kommende Testwinter ja quasi vor der Tür. 😀
      Glad Midsommar dir und deiner Familie!

  2. Vielen Dank für den Bericht.
    Konntest du diese neuen Carbon Pulken mal in die Hand nehmen?
    Besteht der Anorak von Roughstuff aus Baumwolle oder Loden?

    1. Gerne!
      Der Anorak besteht aus Baumwolle, genauer gesagt aus Performance Cotton. Sehr „ähnlich zum EtaProof“, aber nicht unter dem Label Eta, denn ‚Eta® is registred trademark of Stotz & Co. AG, Zurich‘.
      Pulka-Hersteller waren leider gar nicht vor Ort, daher leider keine Carbon Pulken. Aber wir könnten die Hersteller zusammen anschreiben, fragen dort nach drei, vier Testexemplaren und düsen damit nächsten März etwas über den südlichen Kungsleden. Was meinste? Haben wir einen Chance? 😀

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