Fotografie im Winter

Die Fotografie im Winter kann zu magischen Bildern und tollen Stimmungen führen. Selbst Kinder sind davon fasziniert. (Foto: Malte Hübner)

Funkelnde Eiskristalle, eine vom Schnee neu geformte Landschaft oder fesselnde Polarlichter lassen ein Fotografenherz höher schlagen. Andererseits ist Tageslicht im Winter ein knappes gut und oft ist es einfach zu kalt, um lange auf den idealen Moment für die perfekte Foto zu warten. Und zuletzt sollte man sich Gedanken über seine Ausrüstung machen, da sie auch in bitterer Kälte verlässlich funktionieren soll.

Akkus im Winter

Wer schon meinen Beitrag zu Stromversorgung im Winter gelesen hat, wird bei kälteempfindlicher Kameraausrüstung zuerst an die Akkus denken. Grundsätzlich leiden alle Akkus bei Kälte und stellen weniger Kapazität zur Verfügung. Allerdings sind die deutlich größeren DSLR Akkus nach meiner Erfahrung weniger empfindlich als zum Beispiel der kleine Akku einer Pocketkamera. Andererseits passt diese in die Jackentasche.

Ab und zu lese ich in anderen Blogs, dass man die Akkus zwischen den Einsätzen in der Innentasche vorwärmen könne. Das halte ich nicht besonders praktikabel. Schnappschüsse wären unmöglich, zum Einlegen des Akkus müssten die Handschuhe umständlich an- und ausgezogen werden und am Ende wären dadurch ziemlich sicher viel weniger Fotos auf der Speicherkarte.

In der Hardangervidda sind einmal ca. 80 Rentiere direkt hinter einer Anhöhe quer vor mir vorbeigezogen. Sie waren in dem Moment vielleicht nur 25 Meter von mir entfernt, weil die Anhöhe mich vorher verdeckte. Leider habe ich in dem Moment nicht schnell genug meine Handschuhe ausbekommen und die Kameratasche geöffnet. Hätte ich dann noch einen Akku einlegen müssen, hätte ich nicht einmal mehr Fotos von hinten machen können.

Für die übrigen Akkus empfiehlt es sich jedoch, diese an einem trockenen und warmen Ort zu verwahren.

Tipp vom Profi

Der erfahrene Eis-und-Schnee-Fotograf Martin Hülle hat vor einiger Zeit den Tipp gegeben, bei einer Spiegelreflexkamera einen speziellen Batteriegriff für das Hochformat zu verwenden, in den auch normale AA-Batterien passen. Dort können dann Lithium-Batterien verwendet werden.

Ich habe zwar selbst keine Erfahrung mit diesem Trick, aber diese Lösung hätte den großen Vorteil, dass bei einer sorgsam zusammengestellten Ausrüstung, wieder fast alle Geräte mit dem gleichen Batterietyp verwendet werden können.

Akkus sparen

Ebenfalls können gute Akkus wie eneloops verwendet werden, die man mit der entsprechenden Ausrüstung auch unterwegs laden kann. Die Originalakkus der DSLR würden zum Laden länger brauchen, halten dafür aber auch länger.

Den größten Stromverbrauch haben interner Blitz, Display und Langzeitbelichtungen. Auf den internen Blitz würde ich verzichten und bei Bedarf einen externen mitschleppen. Ich kenne im Winter aber nur wenige Verwendungsmöglichkeiten dafür. Das Display sollte man bei der Bildkontrolle auf ein kurzes Timeout setzen. Um die sehr helle Displaybeleuchtung kommt man bei sonnigem Wetter im Schnee leider nicht drum herum. Langzeitbelichtungen sind gerade für Nachtaufnahmen oder Polarlichter nötig. Hier muss man etwas haushalten.

Feuchte durch Kondensation

Die Elektronik und Mechanik der Kamera kommt in der Regel gut mit der Kälte zurecht, auch bei -20° Celsius. Jedenfalls solange die Kamera nicht zu schnell aufgewärmt wird, denn dann würde sich Kondensfeuchte an der kalten Kamera niederschlagen.

Besonders beim Betreten einer warmen Hütte sollte man also vorsichtig sein und die Kamera langsam aufwärmen lassen. Die Feuchtigkeit am Gehäuse kann man mit einem Mikrofaserlappen aufnehmen. Problematisch wird es aber, wenn sich die Feuchtigkeit im Inneren des Objektivs bildet.

Ist die Kamera vor dem Betreten der Hütte in einer dünnen Kameratasche wie der Ortlieb Aqua Zoom verstaut, kann sie dort langsam aufwärmen und es dringt keine Feuchtigkeit zu ihr durch. Dicke Fototaschen oder -rucksäcke isolieren oft so gut, dass die Kamera ewig benötigt, um auf Zimmertemperatur zu kommen.

Die wichtigsten Einstellungen an der Kamera

Durch die vielen weißen Flächen im Winter kann es passieren, dass diese Bereiche auf dem Foto ausgefressen wirken, also keine Strukturen mehr erkennbar sind. Oder im matten Licht belichtet die Kamera zu kurz und das Foto wird zu dunkel. Die erste Schwierigkeit ist daher die korrekte Belichtung. So lange ein Objekt als Kontrast dient, funktionieren sowohl Autofokus als auch Belichtungsautomatik sehr gut. Bei Sonnenschein kann man daher sehr intuitiv fotografieren.

Schwieriger wird es im Schneetreiben oder bei vollkommen bedecktem Himmel. Hier sollte die Bildkontrolle auf der Kamera sehr genau durchgeführt und die Belichtung im Zweifel angepasst werden. Meine Nikon hat gute Ergebnisse erzielt, wenn ich die Belichtung um knapp eine Stufe verlängert (+1) habe. Das gleiche würde man mit einer Verdopplung der ISO-Zahl erreichen, allerdings mit mehr Bildrauschen.

Es empfiehlt sich, die Fotos im RAW-Format aufzunehmen und zuhause noch ein wenig Arbeit in den Kontrast und Weißabgleich zu stecken. Letzterer kann in der Automatik je nach Licht zu grau- oder blaustichigem Schnee führen. Hier ist Fotografie noch Handwerk.

Motivgestaltung

Nach all den technischen Voraussetzungen gehört zu einem gelungen Foto natürlich das Gespür für das richtige Motiv:

Hier reichen die Möglichkeiten von Landschaftspanoramen über Portraits bis zur Makroaufnahme. Bei gutem Wetter leuchten die Farben der bunten Outdoorkleidung oft umso intensiver, so dass sie einen schönen Kontrast zum Weiß ausmachen. Auch monochrome Schneelandschaften können magisch wirken, wenn sich dank Wolkenschlieren viele Abstufungen von „grau“ durch das Bild ziehen. Und die Eiskristalle an Zelt und Pulka können schöne Makros liefern.

Schöne Anreize kann man sich bei den Profis wie diesen holen:

Weitere Tipps und Tricks

  • für Langzeitbelichtungen ist ein Stativ nötig
  • um sich mit Pulka in der Weite selbst fotografieren zu können, kann ein Funkfernauslöser (Nicht IR!) genutzt werden
  • um auf dem Foto unverspurten Schnee vor der Gruppe vorzufinden, muss die Fotografin oder der Fotograf entweder einen weiten Bogen laufen oder eine parallele Strecke spuren
  • bei Sonnenschein ist eine Streulichtblende sinnvoll
  • auch Belichtungsreihen (HDR) können im Schnee die Kontrasttiefe erhöhen
  • noch kalte Zoomobjektive können durch das Zoomen wärmere Luft ins Innere pumpen und beschlagen dadurch auch von innen
  • auch bei Fotografie in der Kälte sind Fingerhandschuhe Pflicht; sonst sind die Finger schnell steif

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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