Fjellsicherheit mit dem Windsack

Ein Windsack wie dieser dient im Fjell bei Sturm und Unwetter als Schutz vor Schnee und Unterkühlung.
Ein Windsack wie dieser dient im Fjell bei Sturm und Unwetter als Schutz vor Schnee und Unterkühlung. (Foto: M. Hübner)

Wenn das Wetter im Fjell plötzlich umschlägt und dir der eiskalte Wind die Schneekristalle wie Sandpapier durchs Gesicht zieht, dann wird es Zeit für das sichere Zelt. Doch wenn es für den Aufbau schon zu stürmisch ist? Oder dein Zelt beschädigt? Oder durch einen Notfall keine Zeit mehr bleibt? Für diesen Fall tragen viele Wintertourer in Skandinavien einen Windsack (Vindsekk) mit sich, in den sie bei solchen Situationen kriechen.

Wenn wir Schutz brauchen

Das Szenario lässt sich natürlich beliebig anpassen, denn grundsätzlich ist ein Notbiwak ja eher etwas überraschendes oder ungeplantes. So schön ein Biwak in einer sternenklaren Nacht auch sein kann, bei Sturm und Unwetter bin ich lieber im Zelt oder noch lieber in einer Hütte. Auch wenn das Notbiwak nicht geplant war, sollte man natürlich auf solche Situationen vorbereitet sein und die passende Ausrüstung dabeihaben.

Windsack

Im Unterschied zu einer gegrabenen Schneehöhle bietet der Vindsekk oder zu Deutsch Windsack den Vorteil, dass man ihn auch bei niedriger Schneehöhe verwenden kann. Außerdem ist er nahezu sofort einsatzbereit, wenn man bei einem Notfall oder bei Erschöpfung Schutz sucht. Wer schon einmal eine Schneehöhle gegraben hat, weiß, wie lange das dauern kann.

Im Prinzip ist der Windsack nichts anderes als ein größerer Biwaksack mit ein paar Anpassungen. So finden sich Abspannmöglichkeiten an den Ecken und manche Modelle haben zusätzliche Gucklöcher oder Fenster. Wenn dein Modell keine Abspannmöglichkeiten hat, solltest du nachträglich einige annähen. Überhaupt lässt sich ein Windsack auch gut selbst nähen. Nach einer Idee von Skarja.de möchte ich das einmal veranschaulichen:

Windsack Ansicht von oben
Windsack Ansicht von oben (Abbildung: M. Hübner)

Ich verwende das Modell Bivybag Duo von Exped, da ich es auch als Biwaksack nutzen kann und im Notfall sogar als Poncho. Für zwei erwachsene Personen wird es darin aber schon sehr eng. So ist er eher als Notausrüstung einzustufen.

Klassische Windsäcke finden sich eher bei den skandinavischen Herstellern. Helsport Vindsekk und Hilleberg Windsack sind zwei gute Beispiele. Sie bieten auch mehreren Personen Platz. Auch andere Hersteller haben ähnliche Produkte im Angebot, die man dort unter dem Begriff Bothy Bag findet.

Nachteil an einem Windsack ist, dass er nur vor Wind schützt. Die isolierende Wirkung einer Schneehöhle kann er leider nicht liefern. Wenn die Schneebedingungen passen und noch genug Zeit für eine Schneehöhle ist, dann solltest du dir die Arbeit machen.

Schneeschaufel

Die Schneeschaufel gehört zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen auf einer Wintertour. Lawinen sind in den typischen Tourgebieten in Skandinavien zwar eher selten, aber dennoch eignen sich hochwertige Lawinenschaufeln aus dem Bergsport am besten. Man baut damit Schutzmauern, hebt Toilettenlöcher aus, befreit das Zelt vom Flugschnee, aber vor allem kann man damit Notbiwaks oder Schneehöhlen errichten.

Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer der Tour sollte eine eigene Schneeschaufel griffbereit in Rucksack oder Pulka haben. Wenigstens eine Schaufel und ein Windsack für zwei Personen gehören auch bei Hüttentouren ins Gepäck.

Isolation

Auch im Notbiwak oder in der Schneehöhle musst du dich vor der Kälte schützen. Eine Daunenjacke, ein Schlafsack und eine gute Isomatte gehören daher zusätzlich ins Gepäck.

 

Bau eines Notbiwaks

Der optimale Ort für ein Notbiwak bietet einen natürlichen Windschutz durch Felsen, ein paar Bäume oder auch nur eine Hügelkuppe. Der Windsack eignet sich aber auch bei nicht ganz optimalen Orten. Dafür gehst du wie folgt vor:

  1. Prüfen der Schneehöhe mit dem Skistock, einer Lawinensonde oder einer Zeltstange. Du brauchst eine Tiefe von mindestens 50 cm.
  2. Die Pulkas oder Rucksäcke werden als Windschutz zum Graben aufgestellt.
  3. Nun beginnst du eine Liegefläche von 2 Metern Länge und 1,5 Metern Breite auszuheben. Mit den Skistöcken kannst du dir die Fläche gut abstecken.
  4. Der Aushub wird möglichst in Blockform direkt als Schneemauer zum Schutz vor Wind weiterverwendet.
  5. Du solltest mindestens 40 cm tief ausschachten, besser noch tiefer. Wenn der Schnee es nicht zulässt, baue deine Schneemauer höher.
  6. Zusammen mit dem Windschutz brauchst du eine Höhe von 70 cm.
  7. Anschließend wird der Windsack an den Skiern über die Schneemauer so befestigt, dass er etwas niedriger als die Kante der Mauer abgespannt wird. Am anderen Ende fixieren die Skistöcke den Sack.
Windsack als Notbiwak Seitenansicht
Windsack als Notbiwak Seitenansicht (Abbildung: M. Hübner)

Pause und Rast im Windsack

Wenn du nicht biwakieren, sondern nur rasten willst, bietet ein Windsack noch eine zweite Möglichkeit. Auch zum Ablesen der Karte, bestimmen der Koordinaten mit dem GPS oder zum Umziehen bietet er schnellen Schutz vor Wind und Schnee.

Sitzende Rast im Windsack Seitenansicht
Sitzende Rast im Windsack Seitenansicht (Abbildung: M. Hübner)

Der Rucksack kann dabei gut in den Fußraum gelegt werden und ist damit noch erreichbar. Die gerollte oder gefaltete Isomatte dient zum Sitzen.

 

Schneehöhle

Auch eine Schneehöhle zu bauen, erfordert ein wenig Erfahrung. Zunächst muss ein geeigneter Ort wie eine Schneewechte für eine Höhle oder eine tiefe Stelle im Schnee für eine Kantengrube gefunden werden.

Eine Kantengrube lässt sich am leichtesten graben und wäre daher die erste Wahl. Dafür muss nur ein Graben so tief wie möglich (bis Stehhöhe) ausgehoben werden. Diese bietet bereits ersten Schutz vor dem Wind. Zur Seite kann dann die Höhle vergrößert werden, zum Beispiel um eine Sitzgelegenheit oder eine Bank zum Liegen. Anschließend wird die Höhle oben mit Schneeblöcken verschlossen. Reichen die Schneeblöcke nicht, können die Ski als Stütze dienen oder der Windsack als Plane verbaut werden. Bilder und Eindrücke einer Kantengrube gibt es auf der Seite UT.no vom norwegischen Tourismusverband und dem norwegischen Fernsehen

Alternativ kann eine Schneehöhle von der Seite in eine Wechte oder einen Hang gegraben werden. Wenn genug Schnee liegt und dieser bereits lang genug liegt und verfestigt ist, dann kann die Höhle auch zu einer traditionellen Schneehöhle für mehrere Personen ausgebaut werden. Die Bedingungen für beide Varianten müssen aber wirklich stimmen.

 

Notfälle vorbereiten und einüben

Ein Notbiwak oder eine Kantengrube zu bauen, sollte vorher gut eingeübt werden. Es ist wichtig, dass alle Gruppenmitglieder das Vorgehen kennen und vor allem praktisch beherrschen. Gut geeignet ist dafür zum Beispiel ein erster Tag nach der Anreise zum Akklimatisieren und Packen der Pulka. Wer will, kann dann natürlich gleich vor der Hütte schlafen.

Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen? Dann freue ich mich über Kommentare.

 

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