Zuggeschirr für die Pulka

Ein Zuggeschirr für die Pulka überträgt das Gewicht des Schlittens auf deine Hüften und sollte daher gut gepolstert sein. (Foto: Malte Hübner)

Drei Dinge brauchst du zum Ziehen deines Gepäckschlittens: die Pulka selbst, ein Gestänge (oder Zugseil) und ein Zuggeschirr. Mit dem Zuggeschirr lässt sich die Last des Schlittens auf die Hüfte übertragen, sodass du dich zum Ziehen mit dem ganzen Körper in dein Gespann stemmen kannst.

Einfache Modelle besitzen nur einen Hüftgurt, Expeditionsmodelle haben in der Regel noch zusätzliche Schultergurte. Worauf du zusätzlich achten kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Anzuziehen wie ein Rucksackgurt

Du trägst deinen Pulka-Gurt wie einen normalen gepolsterten Rucksackhüftgurt über deinem Beckenknochen. Bei einem Modell mit Schulterriemen streifst du diese über die Schultern, ziehst sie aber nicht zu fest. Am besten sitzen sie so, dass sie gerade nicht rutschen.

Das Gestänge oder Zugseil wird daraufhin rechts und links in die Ösen eingehängt und schon kann es losgehen. Das Ganze ist also wirklich einfach. Du kannst auch problemlos zusätzlich einen kleinen Tagesrucksack tragen.

Es gibt von Fjellpulken aber auch spezielle Pulka-Rucksäcke mit vormontierten Ösen am Hüftgurt. Du kannst im Zweifel auch deinen bisherigen Rucksack mit Schlaufen tunen, um die Pulka zu ziehen. Allerdings rate ich dir dann zu einem Rucksackmodell mit dickem Hüftgurt. Ziehe das Gewicht deiner Pulka besser nicht ausschließlich über die Schulterträger, da es eine große körperliche Belastung darstellt.

Befestigung des Gestänges

Idealerweise hat dein Pulka Zuggeschirr an der Seite mehrere Einhängepunkte, damit du es entsprechend auf die Breite deiner Hüfte einstellen kannst. Die Karabiner deines Gestänges hängst du in die passende Öse an der Seite des Gurtes bzw. leicht nach hinten versetzt. So bohrt sich das Gestänge bei einem Sturz nicht in deinen Rücken.

Damit das Gestänge von der Pulka bis zur Hüfte schön parallel läuft, habe ich mein selbstgebautes Pulkagestänge sogar in der Breite auf meine Hüfte samt Gurt angepasst.

Auch ein Zugseil hänge ich rechts und links ein und führe es dann als Y zu einem Seil zusammen. So verteilt sich die Last besser auf den Gurt.

Ruckdämpfer

Beim Laufen wird deine Pulka immer ein wenig ruckeln. Dieses Ruckeln überträgt sich über die Zugvorrichtung auch auf deinen Körper. Daher empfehle ich dir einen Ruckdämpfer. Bei den Modellen von Fjellpulken ist solch ein Dämpfer bereits integriert, aber du kannst dir auch schnell selbst helfen. Nimm einfach eine ausreichend dicke Gummikordel (min. 6 mm) und knote sie zu einer Schlaufe mit 10 cm Durchmesser. Diese legst du dann doppelt und hängst sie zwischen Gurt und Gestänge. Beim Zugseil kannst du den Dämpfer auch ins Seil knoten.

Bei dem günstigen Modell von Tatonka kannst du die D-Ringe an der Seite verstellen. (Foto: Malte Hübner)

Worauf du bei einem Pulkagurt achten musst

Dein Pulka Zuggeschirr muss sehr robust sein, da das Ziehen und ständige Ruckeln an den Ösen eine große Belastung darstellen. Nicht selten wiegt eine Pulka über 35 Kilo, manchmal bis zu 50 Kilo.

Kritische Punkte sind daher die Einhängeösen und deren Befestigung. Schau dir also genau die Nähte und die Verarbeitung an. Auch die Schnalle vorne sollte stabil gebaut sein. Eine Schnalle aus Kunststoff hat dabei Vorteile vor einer Metallschnalle, weil letztere eher zum Vereisen neigt. Wenn du Karabiner am Zuggurt befestigst, wähle diese groß genug, damit sie handschuhtauglich sind.

Schultergurte

Ob Schulterträger unbedingt nötig sind, wage ich zu bezweifeln. Wenn du nicht gerade eine mehrwöchige Expedition planst, würde dein Hüftgurt für das Gewicht der Pulka ausreichen. Schulterträger verleiten schnell dazu, zu viel Gewicht auf die Schultern zu übertragen. Und das wirst du am Abend spüren.

Andererseits lässt sich bei geschicktem Einsatz der Schulterriemen die Last oft besser variieren. So kannst du den Gurt abwechselnd etwas niedriger und etwas höher tragen, um Druckstellen zu vermeiden.

Kleiner Tipp: Du kannst die Schulterriemen mit simplen Gurtpolstern aus dem Armeeshop etwas aufbessern.

Übersicht über die verbreiteten Pulka Zuggeschirr Modelle

Es gibt eine gute Auswahl an Pulka Zuggurten zu erwerben. Die großen Hersteller haben beide jeweils ein Standard- und ein Expeditionsmodell im Angebot. Das Expeditionsmodell ist zusätzlich mit gepolsterten Schulterriemen ausgestattet oder einfach etwas dicker gepolstert. Käuflich erwerben kannst du folgende Modelle:


An dem Tatonka-Modell kann es sinnvoll sein, die Druckknöpfe an den D-Ringen einfach festzunähen, da diese sich bei sehr hoher Belastung sonst öffnen können. Dafür ist dieser Gurt preislich unschlagbar.

Oder du baust dir für den Anfang einen MYOG-Gurt selbst? Make your own Pulka Zuggeschirr!

Bei meinem Eigenbau habe ich mehrere Einhängepunkte angenäht. (Foto: Malte Hübner)

Pulkagurt selbst bauen

Alternativ zu den käuflichen Modellen kannst du dir auch einen einfachen Pulkagurt selbst bauen. Für die Näharbeiten solltest du jedoch über eine kräftige Nahmaschine verfügen, die auch durch mehrere Gurtbänder kommt.

Als Basis könnte dir ein Hüftgurt eines ausgedienten Rucksacks dienen oder du schaust dich nach einer Koppeltrage im Armeeshop um. Für meinen Pulka-Selbstbau habe ich mich ebenfalls an den Selbstbau eines Zuggeschirrs gewagt, greife inzwischen aber wieder auf meinen Tatonka Gurt zurück, weil er besser gepolstert ist.

Mein Zuggeschirr für die Pulka als Eigenbau ist sehr spärlich gepolstert, aber dafür klein verpackbar. (Foto: Malte Hübner)

Körperliche Belastung und das passende Training

Für die meisten von uns wird das Ziehen einer Pulka eine eher ungewöhnliche Belastung darstellen. Manche versuchen daher, sich körperlich darauf vorzubereiten und ziehen alte Autoreifen an ihrem Pulkagurt durch den Wald.

Das Reifenschleifen als Training ist aber wohl eher etwas für die Profis. Oft trainieren diese vor großen Polar- und Grönlandquerungen auf diese Weise und somit wird es wohl einen positiven Effekt haben. Aber wer von uns plant solch eine große Tour? Wir werden also nicht wochenlang im Gurt hängen und jeden Tag über 25 km Strecke machen (müssen).

Plane einfach deine Touretappen am Anfang der Tour so, dass diese dich nicht überfordern. Das ist erfahrungsgemäß das schönste Training. Falls du im Winter vor deiner Tour Schnee in der Nähe hast, kannst du natürlich mit Pulka im Wald trainieren, mit oder ohne Ski. Ein oder zwei kleine Testtouren sind sowieso Pflicht, bevor es das erste Mal losgeht.

Drei weitere Tipps

  • Ich persönlich setze in Pausen eher den gesamten Gurt ab, als dass ich das Gestänge aus dem Gurt aushänge. Das ist weniger fummelig. Macht ihr das auch so?
  • Manche befestigen noch ihre Kamera, ihr GPS oder ähnliches am Gurt, um immer alles griffbereit zu haben. Ich selbst mag das nicht so gern und habe lieber alles in einer der großen Taschen meines Etaproof-Anoraks. Die Kamera hat mein „Tourfotograf“ Lutz in einer Kameratasche umhängen.
  • Wenn du dich nicht zwischen den verschiedenen Modellen entscheiden kannst, lies einmal die Diskussion bei Outdoorseiten. Es gibt sehr unterschiedliche Erfahrungen mit fast allen Modellen und jeder hat irgendwie seinen eigenen Stil.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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