Ski oder Schneeschuhe?

Schneeschuhe vor einer Schutzhütte. (Foto: Malte Hübner)

Für gemäßigte Winterwanderungen auf präparierten Wegen mögen noch normale Bergstiefel reichen, bei etwas mehr Schnee dann mit Gamaschen. Doch wenn es weiter Richtung Norden geht, wenn der Schnee tiefer wird, dann braucht es Schneeschuhe oder Fjellski. Aber was eignet sich besser?

Schneeschuhe

Mit Schneeschuhen meine ich keine normalen Stiefel für den Winter. Schneeschuhe sind im Prinzip Vergrößerungen der Auflagefläche des Schuhs und verhindern so das Einsinken im Tiefschnee. Früher waren diese Vergößerungen aus Holzrahmen, die mit einem Geflecht aus Lederriemen bespannt waren. Heute haben Topmodelle einen Alurahmen, der mit Plastikflächen verschraubt ist (Bsp.: MSR Lightning Ascent). Im mittleren Preissegment finden sich meistens Vollplastikschneeschuhe, die je nach Modell mit Zackenleisten aus Metall verstärkt sind (Bsp.: MSR Evo). Oben auf dem Schuh ist eine Bindung angebracht, in der man seine normalen (Winter-)Bergstiefel befestigen kann.
Die Größe des Schneeschuhs sollte sich nach dem Gewicht des Trägers inklusive Kleidung und Gepäck richten. Für hochwertige Modelle gibt es oft Verlängerungen.

Fjellski

Fjellski sind breite Langlauf-/Backcountry-Ski für ungespurtes Gelände. Da der Begriff Backcountry-Ski jedoch auch im Skibergsteigen verwendet wird und klassische Langlaufski aus dem deutschen Mittelgebirge zu schmal für Tiefschnee wären, trifft es der Begriff Fjellski (oder schwedisch Fjällski) besser. Diese sind etwas breiter und haben in der Regel eine Stahlkante zum Traversieren von vereisten Hängen. Es gibt Modelle mit Schuppen (sog. No-wax, Bsp.: Fischer E99 Crown) und Modelle mit Wachsfläche in der Mitte des Skis (Bsp.: Åsnes Amundsen). Diese Flächen sind zum Abstoßen in der Vorwärtsbewegung nötig. Schuppenskis sind etwas weniger pflegebedürftig. Die Norweger schwören auf das Wachsen und sind damit schneller unterwegs. Oben auf dem Ski braucht es noch eine spezielle Bindung, zu der wiederum der passende Schuh gehört. Zu den Unterschieden dort gibt es in einiger Zeit einen eigenen Artikel.
Die Tragfähigkeit hängt von der Länge und Breite des Skis ab. Auch hier kommt es also auf das Gewicht des Nutzers an. Hinzu kommt schließlich noch die Vorspannung des Skis. Eine zu geringe Spannung würde bedeuten, dass die Wachs-/Schuppenzone in der Gleitbewegung am Boden bremst. Diese soll nur beim Abstoßen vollflächig greifen. Eine zu hohe Spannung würde bedeuten, bei der Vorwärtsbewegung keinen Grip zu bekommen.

Für Schneeschuhe und Ski gilt bei beiden, dass in aller Regel mit Stöcken gegangen wird. Die ideale Länge haben diese, sofern der Unterarm noch im rechten Winkel zum Körper steht, wenn die Stöcke im Schnee stecken. Tiefschneeteller und eine lange Grifffläche machen des Handling einfacher (Bsp.: Komperdell BC Trail).

Doch was eignet sich nun besser?

Eine endgültige Antwort wird es nicht geben können, das zeigen schon die unzähligen Diskussionen in den einschlägigen Outdoorforen. Aber je nach Tourart spielen beide ihre unterschiedlichen Stärken aus:

Schneeschuhe

  • Gehtechnik ist relativ leicht zu erlernen (man stelle sich einfach den etwas O-beinigen Cowboy vor)
  • Anschaffung ist etwas günstiger als Fjellski
  • Im tiefen Pulverschnee, wie er vor allem in Wäldern vorkommt, kann man sich besser durchwühlen.
  • Auch mit Pulka ist man noch etwas wendiger. Wer also vielen Felsen und Sträuchern ausweichen muss, greift zu Schneeschuhen.
  • Steilere Anstiege sind möglich

Fjellski

  • Gleitfähigkeit! Bergab und auch im richtigen Schwung baut man so deutlich mehr Tempo auf.
  • Auf windgepresstem Schnee deutlich weniger einbrechen/einsinken
  • sehr guter Geradeauslauf und damit schneller, mit Wachsski und dem richtigen Wachs sogar noch schneller
  • in Kombination mit Steigfellen gute Variationsmöglichkeiten
  • Man wird im Winterfjell nicht ständig auf die Schneeschuhe angequatscht 😉

Wie gut muss ich Skifahren können?

Ganz im Ernst, ich bin ein miserabler Skifahrer und würde für eine längere Tour trotzdem immer die Fjellski empfehlen. Ich stapfe dann manchmal vor mich hin und versichere mir selbst, dass es ja schließlich „Ski-laufen“ heißt. Wenn es in steileres Gelände geht, nehme ich zusätzlich noch Schneeschuhe mit, um die Pulka den Berg hinauf und hinab zu bekommen.

Meine Einschätzung

Wer gut Ski fahren kann, sollte für Touren im Fjell keinen Gedanken an Schneeschuhe verlieren. Wer dennoch Schneeschuhe vorzieht oder damit auch im Mittelgebirge unterwegs sein will, dem empfehle ich, bei Vermietern nach ausgemusterten Modellen anzufragen. Dort habe ich vor einigen Jahren zwei Paar MSR-Evo für sehr günstiges Geld bekommen.

Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen? Dann freue ich mich über Kommentare.

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