Besser bergauf mit Steigfellen für Ski

Am Hang zerrt die Pulka von hinten an dir? Du kommst kaum voran? Reichen die Schuppen beim Schuppenski oder der Klister beim Wachsski nicht mehr aus, geht es bergauf mit Steigfellen leichter. (Foto: Malte Hübner)

Wenn die schwere Pulka während des Anstiegs an dir zieht und die Ski nicht mehr so richtig Halt finden, dann solltest du es mit Steigfellen probieren. Steigfelle, auch Skifelle oder Haftfelle genannt, sind vielen eher als Aufstiegshilfe vom alpinen Tourengehen bekannt. Es gibt sie jedoch auch als schmale Variante für Fjellski. Dabei sind sie sowohl für Wachs- als auch für Schuppenski geeignet. Es kommen unterschiedliche Konstruktionen und Fellmaterialien zum Einsatz.

Konstruktionen

Für Fjellski eignen sich schmale gerade geschnittene Felle. Für beliebte Skimodelle wie den Fischer E99 sollten diese 5 cm breit sein, damit die Stahlkanten noch frei bleiben. Wer andere Formen wünscht, kann sich Felle auch selbst zuschneiden.
Klassische Konstruktionen gehen über die gesamte Länge des Skis und werden vorne mit einer Öse über die Skispitze gehängt. Anschließend werden sie unter leichter Spannung bis nach hinten angeklebt. Am Ende befindet sich dann ein Haken, der über das Ende der Ski gehebelt wird und das Fell so auch auf etwas Spannung hält, wenn der Kleber sich vom Ski lösen sollte. Unterschiedliche Hersteller haben verschiedene Konstruktionen, wobei die Grundidee dabei identisch bleibt.

Kurzfelle werden nicht über die gesamte Fläche geklebt, sondern bedeckten nur die Steigzone in der Mitte des Skis. Die beste Befestigung dafür ist eine kleine Mulde kurz vor der Steigzone, in die das Kurzfell eingehängt wird. Skandinavische Hersteller haben so etwas öfter verbaut. Kurzfelle haben den Vorteil, dass die Stahlkanten der Ski an den unbefellten Stellen noch besser greifen können. Die Skier bieten damit mehr Seitenhalt und schnellere Abfahrten sind möglich. Mit einer schweren Pulka sind Langfelle aber griffiger.

Langfelle bremsen bei der Abfahrt etwas, was mir als miserabler Skifahrer sogar entgegenkommt. Teilweise fahre ich daher den ganzen Tag mit Steigfellen am Ski.

Kleber für Steigfelle

Die Skifelle haften nicht von allein an den Ski, sondern sind mit einem speziellen wiederverwendbaren Kleber ausgestattet. Dieser ist beim Kauf bereits aufgetragen und wird von einer Folie abgedeckt. Bei pfleglichem Umgang hält dieser Kleber einige Jahre oder sogar die gesamte Lebensdauer eines Skifells. Am meisten machen Staub und Dreck dem Kleber zu schaffen. Aber auch Eiskristalle, die auf die Klebefläche gelangen, können dieser schaden. Auf Gipfelsockerl findest du eine hervorragende Übersicht, wie man seine Klebefelle pflegt. Kleben nur einzelne Stellen nicht mehr, kann Kleber nachgetragen werden. Intakte Felle können aber auch von ihrem alten Kleber bereinigt werden, um neuen Kleber aufzutragen.

Das wichtigste sind die Fell-Materialien

Drei Materialien sind mir für Skifelle bekannt:

  1. Mohair (Haare der Angoraziege)
  2. Kunstfelle aus Synthetik
  3. eine Materialmischung aus beidem

(Die aus alten Geschichten bekannten Robbenfelle sollten wohl schwieriger zu bekommen sein.)

Allen Fellen gleich ist ihre Struktur. Die Fasern werden so verwoben, dass ihre Enden nach hinten zeigen. Dadurch ist ein Gleiten nach vorne nahezu ungestört möglich, wohingegen sich die Fasern bei der Rückwärtsbewegung in den Schnee schieben und so ein Zurückrutschen verhindern.

Mohairfelle sind zwar nicht so langlebig wie Kunstfasern, haben aber die besten Gleiteigenschaften. Außerdem stollen (Verkleben von Schnee unter dem Fell) sie weniger und nehmen weniger Feuchtigkeit auf. Ein Beispiel sind die Contour Guide Backcountry.

Kunstfelle sind die robuste Variante und haben damit auf Harsch und Eis einen deutlichen Vorteil. Bei Gleiteigenschaften, der Bremswirkung nach hinten, dem Stollen und der Aufnahme von Feuchtigkeit hat Mohair zwar die Nase vorn, aber schlecht sind Kunstfasern hier auch nicht. Wenn man nicht gerade im nassen Sulzschnee mit Steigfellen aus Kunstfaser unterwegs ist, sollte es kaum Unterschiede geben. Die mir bekannten Kunstfaserfelle von Åsnes finde ich nur noch als Kurzfelle für Åsnes-Ski.

Materialmixe versuchen, die Vorteile beider Fellarten zu verbinden. Es gibt unterschiedliche Zusammensetzungen der Anteile beider, meistens überwiegt aber der Mohair-Anteil. Ich selbst nutze die Contour Hybrid Backcountry Felle. Kaufgrund war aber ehrlich gesagt der Mangel an Alternativen zu dem Zeitpunkt. Ob die Mohair-Variante von Contour oder die Hybrid besser sind, kann ich nicht einschätzen.

Felle lagern

Wenn man die Felle unterwegs abzieht, sollte man nicht wie oft gesehen die Klebeflächen aufeinander kleben, sondern das mitgelieferte Mesh dafür verwenden. Damit sich kein Dreck auf dem Fell ansammeln kann, verstaust du es am besten in einem kleinen Packsack. Denke aber daran, die Felle am Ende der Tour noch einmal richtig zu pflegen.

Zuhause solltest du die Felle als erstes gut trocken. Danach kannst du sie entweder wieder auf die Folie kleben oder sie locker aufgerollt auf dem Mesh an einem trockenen Ort bei maximal Zimmertemperatur lagern. Für Mohairfelle kann es sinnvoll sein, einen Tropfen Lavendelöl in den Stausack zu geben, um Motten fern zu halten.

Felle unterwegs reparieren

In den meisten Fällen wird nur der Kleber nicht mehr vollflächig haften. Es gibt dafür kleine Haftkleberpads für den Notfall. Denke aber daran, die Pads wieder abzuziehen, bevor das Fell warm wird. Danach wird es fast unmöglich.
Wenn Felle einreißen, kann man diese provisorisch mit festem Garn oder Zahnseide nähen. Für die Halterungen hinten und vorne sollte man ein wenig Draht, Kabelbinder und Klebeband zum Improvisieren in der Werkzeugtasche parat haben.

Tipps und Tricks für unterwegs

  • die Ski vor dem Auffellen von Schnee und Eis befreien und idealerweise gut abtrocknen und ablüften
  • Felle unter der Jacke oder im Schlafsack vorwärmen
  • sehr nasse Stellen oder Wasserkontakt sollte vermieden werden, da auch Mohairfelle dann vereisen können
  • die Felle nicht über dem Kocher oder direkt am Ofen in der Hütte trocknen, weil der Kleber unter der Hitze leidet
  • das Wasser stattdessen sofort abstreifen oder mit Schnee aufnehmen; auch ein Mikrofaserlappen hilft wahre Wunder
  • gegen das Stollen der Felle hilft das Einreiben mit einem Wachsriegel oder ein einfaches Imprägnierspray auf Silikonbasis
  • Fransen am Fellrand werden mit einer Nagelschere abgeschnitten und das Fell anschließend von der Fellseite aus mit einem Feuerzeug versiegelt, um den Kleber nicht zu erhitzen
  • weiches Wachs (rot) sollte mit einem Spatel vom Wachsski entfernt werden, bevor das Fell aufgeklebt wird; festes dünn aufgetragenes Wachs kann direkt beklebt werden

Alternativen zum Laufen mit Steigfellen?

Mit Schuppenski kannst du bis zu einem gewissen Grad vorankommen. Auch hier ist es sinnvoll, die Schuppen zu pflegen, damit sie nicht stollen. Bei Wachsski kann spezielles Steigwachs noch deutlich effizienter sein, erfordert aber im Umgang gute Kenntnis und Fähigkeiten, die ich selbst leider nicht habe. Eine gute Übersicht findet sich in den Outdoorseiten im Outdoor-Wiki. Je steiler es wird, desto sinnvoller sind dennoch gute Steigfelle.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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