Fjellski wachsen leicht gemacht

Änderung der Schneetemperatur und steilere Anstiege lassen uns erneut die Fjellski wachsen
Änderung der Schneetemperatur und steilere Anstiege lassen uns erneut die Fjellski wachsen (Foto: Malte Hübner)

„Achtung, Skiwachs kann Gespräche eröffnen und führt teils zu erheblichen Diskussionen.“ Das wäre wohl der nötige Hinweis, der auf jedes Wachs gedruckt werden sollte. Denn über wenige Dinge kommt man im Winterfjell so schnell ins Gespräch, wie darüber, welches Wachs man gerade aufgetragen hat und wie gut es damit läuft. Gleichzeitig scheint richtiges Wachsen für Fjellski eine Wissenschaft für sich zu sein und ein Buch mit sieben Siegeln. Die einen lassen die Finger davon und wählen lieber Schuppenski, die anderen diskutieren liebend gern ihre Erfahrungen und Tricks untereinander. Hier bekommst du einen Überblick, welche Möglichkeiten du beim Fjellski wachsen hast und worauf es dabei zu achten gilt.

Muss ich meine Fjellski unterwegs wachsen?

Nein, musst du nicht. Wer nur ab und zu auf seinen Ski steht und sich nicht weiter damit beschäftigen will, kommt mit Fjellski mit Schuppen (no-wax) in aller Regel gut aus. Auch ich fahre Schuppenski und nutze nur im seltenen Bedarfsfall etwas Gleitwachs gegen das Stollen des Schnees unter dem Belag. Anders sieht es bei Wachsski aus: Ein Wachsski findet ohne Wachs keinen halt und muss gewachst werden. Dafür kann er schneller gleiten und damit etwas kraftsparender eingesetzt werden – richtiges Wachsen einmal vorausgesetzt.

Worum geht es beim Wachsen der Fjellski?

Ein Fjellski lässt sich grob in zwei Zonen unterteilen, die Gleitzone und die Steigzone. Die Gleitzone im vorderen und hinteren Drittel des Skis dient zum Gleiten. Für besseres Gleiten kannst du auf allen Skimodellen Gleitwachs (glide wax) benutzen.

Die Steigzone befindet sich in der Mitte des Skis und du benötigst sie, um dich nach vorne abzustoßen. Die Steigzone braucht daher etwas, womit du Halt im Schnee findest. Bei Schuppenski sind das die Schuppen und bei Wachsski verwendest du dafür ein Steigwachs (kick wax). Beim Andrücken des Skis pressen sich die Schneekristalle in das Wachs und du bekommst so den nötigen Grip zum Abstoßen nach vorne. Die Bezeichnung anderer Hersteller lautet entsprechend auch grip wax. Bei einem Wachsski hättest du ohne dieses Wachs keinen Grip und kämst kaum von der Stelle. Insofern ist Steigwachs bei Wachsski zwingend notwendig.

Jetzt ist es aber so, dass im Skisport und dort besonders beim Langlauf eine gewisse Obsession entstanden ist und nicht selten fast genauso viel Zeit und Energie für das Wachsen verwendent wird wie für die spätere Ausfahrt. Maschinelle Grundreinigungen des Belags, die Pflege mit etlichen Chemikalien und die eigene Skiwerkstatt im Keller sind aber für Wintertouren im Fjell höchstens in der Vorbereitung umsetzbar. Es gibt zu dem Thema auch unzählige Tutorials im Netz und man kann eine Menge Geld dafür ausgeben. Für die alljährliche Grundpflege deiner Ski empfehle ich dir eher einen einfachen Ski-Service beim Händler, wo deinem Fjellski neben der Belagspflege mit einem festen Heißwachs zum Beispiel auch gleich die Stahlkanten geschliffen werden können. Aber wie wachst du es unterwegs?

Was brauche ich zum Wachsen unterwegs im Fjell?

Willst du unterwegs deine Fjellski wachsen, brauchst du dazu das passende Wachs, Klister, einen Korkwürfel zum Auftragen und eine Plastikspachtel sowie Wachsentferner und einen Lappen zum Entfernen des Wachses. Das passt alles in einen kleinen Beutel.

Bronzebürsten, Kupferbürsten, Nylonbürsten, Metallklingen und Abziehklingen aus Acryl, Heißwachse, Gleitwachse zum Einbügeln, Pülverchen und etliche Sprays sind dem Rennsport vorbehalten und dürfen zuhause bleiben oder müssen erst gar nicht angeschafft werden.

Ein Wachs-Set in Reisegröße mit dem sich fast alle Bedingungen abdecken lassen
Ein Wachs-Set in Reisegröße mit dem sich fast alle Bedingungen abdecken lassen (Foto: Swix/Brav)

Vorbereitung des Wachsens

Auch unterwegs solltest du deine Fjellski vor dem Wachsen immer abtrocknen. Bei gutem Wetter stellst du sie aufrecht in die Sonne, aber sonst tut es auch ein Lappen oder der Ärmel. Eis kannst du an der Stahlkante des anderes Skis abstreifen. Alte Wachsreste müssen eventuell entfernt werden, dazu steht unten mehr. Nun musst du schauen, welches Wachs du benötigst.

Gleitwachs auftragen

Gleitwachs sorgt für ein etwas besseres Gleiten und darf nur auf die Gleitzone des Fjellskis aufgetragen werden, niemals aber in der Steigzone. Manche tragen hartes Gleitwachs zuhause als Vorbereitung für die Tour mit einem Wachseisen (Bügeleisen) auf. Das dient auch zur allgemeinen Pflege des Belags. Diese Schicht „Grundwachs“ hat aber eine begrenzte Haltbarkeit auf der Tour und ein entsprechendes Nachwachsen ist unterwegs ohne Strom nicht möglich. Praktikable Gleitwachse müssen daher flüssig sein, entweder zum Sprühen oder zum Auftragen mit einem Schwamm-Applikator. Ohne Bügeln haben sie aber den Nachteil, noch kürzer zu haften und sich je nach Schneebedingungen schneller abzureiben. „Vermeidbare Wachse“ sind außerdem schnell ein Umweltproblem. Ob sie also wirklich nötig sind, darüber lässt sich streiten.

Ich nutze flüssiges Gleitwachs unterwegs daher nur selten bei besonders übler Schneebeschaffenheit, wenn das Zeug am Ski oder Steigfell kleben bleibt wie Kaugummi. Bei gefrästen Schuppen kann spezielles Gleitwachs wie das Toko Express Grip & Glide dieses sogenannte Stollen ebenfalls verhindern. Es kann das Problem aber auch verschlimmern und am Ende hängt alles von der Kombination Wachs und Schnee ab. Bei starker Stollenbildung ist es jedenfalls einen Versuch wert und du kannst auch dein Steigfell damit behandeln.

Steigwachs für den Grip

Vorweg: Steigwachs ist nur für Wachsski gedacht und darf niemals in die Schuppen eines no-wax Ski aufgetragen werden. Auch mit chemischem Wachsentferner braucht es etwas Zeit, das Wachs dort wieder herauszubekommen.

Auf einem Wachsski ist das Steigwachs aber das wichtigste Wachs und wird dort in der Steigzone aufgetragen. Diese beginnt je nach Ski mindestens 20 cm vor der Schuhspitze und reicht bis etwa 5 cm hinter die Hacke. Das ist jedenfalls eine grobe Orientierung. Bei sehr weichem Schnee oder Neuschnee kann es nötig sein, einen längeren Bereich zu wachsen, um Halt zu finden. Damit lassen sich dann auch schwere Pulkas bis 50 Kilo noch sanfte Hänge hochziehen.

Steigwachs auftragen

Je nach Temperatur des Schnees wählst du das passende Wachs aus. Zu den verschiedenen Sorten kommen später noch mehr Informationen. Am besten wärmst du die Packung schon vor dem Auftragen etwas in der Hosentasche vor. Anschließend reißt du einen kleinen Streifen Alufolie ab, um das Wachs wie einen Klebestift aufzutragen. Du reibst das Wachs der Länge nach mit leichtem Druck auf die Steigzone, ohne die Rille in der Mitte auszufüllen. Bei härterem Wachs ist möglicherweise mehr Druck nötig, aber beginne besser immer mit weniger Druck und trage im Zweifel eine zweite Schicht nach. Es muss dabei nicht jeder Quadratzentimeter bestrichen sein. Den Wachs-Stick kannst du mit einer Kappe wieder verschließen.

Anschließend reibst du mit einem Korkwürfel von vorn nach hinten das Wachs fest. Dadurch verbindet sich das Wachs besser mit dem Skibelag und verteilt sich gleichmäßiger darauf. Wenn du mehrere Schichten Wachs auftragen willst, wird jede einzelne Schicht zuerst verkorkt und dann die nächste aufgetragen. Wachs für wärmeren Schnee wird dicker aufgetragen bzw. in mehreren Schichten. Bei hartem Wachs reicht meist eine Schicht.

Fortgeschrittene können auch zwei verschiedene Wachse miteinander kombinieren, wobei dann oft ein längerer Bereich mit einem härteren Wachs behandelt wird und nur ein kurzer Abschnitt von 25 cm direkt unter dem Fuß mit einem weicheren Wachs für wärmeren Schnee. Vergiss auch hier nicht, jede Schicht zu verkorken.

Kleiner Tipp: Wenn du es dir unterwegs einfacher machen willst, markierst du mit einem wasserfesten Filzstift an der Flanke des Skis deine Steigzone oder eine Skala in 10 cm Schritten. So hast du auch unterwegs schnell den Überblick und wachst beide Ski identisch.

How To Kick Wax Cross-Country Skis - No nonsense

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Klister für nassen Schnee

Klister ist noch einmal eine ganz besondere Form des Steigwachses. Er ist sehr weich und kommt daher nicht als Stick, sondern in der Tube. Beim Auftragen neigt er dazu, Fäden zu ziehen und macht definitiv mehr Sauerei als Steigwachs. Er wird vor allem dann eingesetzt, wenn normales Steigwachs nicht mehr funktioniert, weil die Schneekristalle transformiert sind und ihre kristalline Struktur verloren haben. Das passiert zum Beispiel bei nassem oder sehr altem Schnee. Mit Klister solltest du nicht die gesamte Steigzone deiner Fjellski wachsen, sondern gut 10 cm weniger, da er dicker aufträgt als Steigwachs. Vor der Verwendung ist es beim Klister noch viel wichtiger, ihn in der Hosentasche oder der Hand so gut wie möglich vorzuwärmen. Er wird dann wellenförmig rechts und links der Mittelrille aufgetragen und mit dem Daumen oder einem Plastikspachtel verstrichen. Zu dicke Anhaftungen oder Klumpen sollten vermieden werden. Abschließend wird er leicht verkorkt.

Kleiner Tipp: Das weiche Wachs „Red silver“ mit dem Kürzel V60 ist ebenfalls sehr weich und verhält sich ähnlich wie Klister.

How to apply klister on your skis

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Welches Wachs nehmen und wie kombinieren?

Das richtige Wachs für Fjellski richtet sich nach der Temperatur und Beschaffenheit des Schnees. Das Wachs muss zu den Schneekristallen passen, damit diese sich beim Anpressen in den Wachs drücken und beim Abstoßen wieder davon lösen. Wachse für kühlere Temperaturen sind härter, bei wärmerem Schnee nimmt man ein weicheres Wachs. Die Temperaturen werden dabei im Schatten in der Luft gemessen. Dafür reicht ein einfaches Gefrierschrankthermometer. Es gibt zwar auch extra Schneethermometer, aber die sind für unsere Anforderungen unnötig und für den Rennsport gedacht.

Bei der Beschaffenheit des Schnees unterscheidet man zwischen Neuschnee, Altschnee, trockenem und feuchten Schnee. Wenn Schnee seine Kristallstruktur durch leichtes Anschmelzen und erneutes Frieren oder durch Windpressen verliert, sprechen wir von transformiertem Schnee. Dies ist bei Altschnee häufiger der Fall, er wirkt dann auch grobkörniger. Gleichzeitig ist Schnee, der bei niedrigen Temperaturen fällt, weniger feucht als Neuschnee bei 0° Celsius oder höher. In der Praxis wird bei den Temperaturangaben auf den Wachs-Sorten nur zwischen Neuschnee und Altschnee unterschieden. Eine erste Orientierung als Empfehlung für das passende Wachs findest du auf Im Wachs-Rechner von Skisporet.no, aber besser guckst du vor Ort nach den Bedingungen und entscheidest (ohne Internet) selbst.

Übersicht Skiwachs und Klister

In der Regel reicht ein Wachs aus und man braucht die Sorten nicht miteinander kombinieren. Die richtige Temperatur steht auf der Verpackung des Wachses und du findest eine Übersicht in der nachfolgenden Tabelle. Die Farbangaben und Wachs-Kürzel stammen von der norwegischen Marke Swix. Die Farben haben sich aber auch bei den meisten anderen großen Anbietern durchgesetzt, im Einzelfall können die Temperaturangaben aber abweichen.

Wachs-SorteWachs-KürzelNeuschnee °CAltschnee °C
Polar (black)V05-12/-25-15/-30
GreenV20-8/-15-10/-18
BlueV30-2/-10-5/-15
Blue extraV40-1/-7-3/-10
Violet specialV450/-3-2/-6
VioletV500-1/-3
Red specialV551/00/-2
Red silverV603/01/-1

Für sehr stark transformierten Schnee, für nassen Schnee und für Schnee, der nach dem Schmelzen wieder gefroren ist oder sogar für Eis bietet Klister den besseren Halt. Hier wird nicht zwischen Alt- und Neuschnee unterschieden, sondern nur nach der Temperatur.

Klister-SorteKlister-KürzelSchnee °C
UniversalK2210/-3
Blue IceKX300/-12
Violet specialKX351/-4
SilverKX40S2/-4
VioletKX454/-2
RedKX655/1
Red extraKX752/15

Wenn du dir unsicher bist, mit welcher Sorte du deine Fjellski wachsen sollst oder die Temperatur zwischen zwei möglichen Wachsen liegt, dann beginne besser mit einem härten Wachs für die kältere Temperatur. Nach 5 Minuten wirst du feststellen, ob es ausreicht. Im Zweifel kannst du nun das etwas weichere Wachs nachwachsen. Andersherum wäre das nicht so günstig. Ein zu weiches Wachs gleich zu Beginn kann zum Problem werden. Wenn sich die Temperatur absenkt, neigt zu warm gewähltes Wachs zum Stollen und muss komplett entfernt werden. Taste dich also besser langsam heran.

Kleiner Tipp: Bei weicherem Wachs kann es sinnvoll sein, noch mehr auf die Gehtechnik zu achten. Besonders bergan und bei wärmerem Schnee solltest du den Ski für besseren Halt bei jedem Schritt etwas fester antreten, um die Schneekristalle in das Wachs zu drücken.

Skiwachs als praktisches Set

Unterwegs wirst du nicht alle Sorten Skiwachs mitschleppen wollen und das ist auch gar nicht nötig. Eine kleinere Auswahl an Wachsen hat sich bei vielen bewährt und so hängen an einigen Hütten die Thermometer von Swix mit genau dieser Einteilung.

Wandthermometer von Swix mit Empfehlungen zum passenden Steigwachs oder Klister
Wandthermometer von Swix mit Empfehlungen zum passenden Steigwachs oder Klister (Abbildung: Swix/Brav)

Das Polarwachs lasse ich bewusst weg, da das grüne Wachs auch bei niedrigen Temperaturen noch passabel funktioniert und es in Skandinavien im Spätwinter selten tagsüber so viel kälter ist. Genauso ist grüner Klister vernachlässigbar. Wie immer gilt natürlich, dass du am besten mit deiner eigenen Erfahrung fährst.

  1. Grünes Steigwachs (V20) für trockenen, sehr kalten Schnee (alles unter -10° Celsius), der in der Hand sofort zerfällt
  2. Blaues Steigwachs (V30) für kalten Schnee (-10° bis -3° Celsius), der sich formen lässt, aber unter Druck zerfällt
  3. Violettes Steigwachs (V45) für mild kalten Schnee (-3° bis 0° Celsius), der sich formen lässt, ohne dass Wasser austritt
  4. Rotes Steigwachs (V60) für feuchten Schnee (1° bis +3° Celsius), der unter Druck bereits Wasser freigibt
  5. Blauer Klister (KX30) für vereisten, fest gefrorenen Schnee (unter 0° Celsius)
  6. Violetter Klister (KX45) für Firnschnee (um 0° Celsius)
  7. Roten Klister (KX65) für nassen Schnee (über 2° Celsius)

Wer mit noch weniger auskommen möchte, kann damit jederzeit selbst experimentieren. Auf einer kurzen Tour um Ostern ist es nicht mehr zwingend so frostig und ein Set aus V40 für kälteren Schnee und V55 für wärmeren Schnee kann zusammen mit Universal-Klister vollkommen ausreichen. Swix verkauft es auch als ein mögliches Wachs-Set für „alle Bedingungen“, aber dann solltest du dich auf den Wetterbericht verlassen können.

Typische Fehler beim Wachsen für Fjellski

Insgesamt gesehen, ist es viel leichter, das richtige Wachs für kalte Temperaturen zu finden als für wärmeren Schnee. Bei letzterem braucht es mehr Gespür und Erfahrung, die es bekanntlich nur durch Fehler gibt. Die zwei häufigsten Fehler sind:

Du hast ein zu hartes Skiwachs gewählt bzw. ist der Schnee zu warm und die Schneekristalle damit zu weich. Beim Anpressen des Skis auf den Schnee werden die Kristalle zerdrückt anstatt sich in das Wachs zu drücken. Du rutscht nach hinten durch. In diesem Fall kann mit einem weicheren Wachs nachgewachst werden und das alte Wachs muss dafür nicht einmal zwingend entfernt werden.

Du hast ein zu weiches Skiwachs gewählt bzw. ist der Schnee zu kalt. Die Kristalle drücken sich dann zwar beim Anpressen in das Wachs, aber sie lösen sich beim Gleiten nicht wieder heraus. An den ersten Schneekristallen haften sich schnell weitere an und es kommt zu Stollenbildung. Hier helfen nur das vollständige Entfernen und ein neuer Versuch.

Wie lange hält das Wachs auf dem Ski?

Die Haltbarkeit hängt besonders von den Schneebedingungen ab. Das ist auch der Hauptgrund, warum sich viele gegen Wachsski entscheiden. Denn bei ungünstigen Bedingungen musst du mehrmals am Tag nach- bzw. umwachsen. Dass du jede Stunde zum Wachsen anhalten musst, kommt dennoch sehr selten vor und lässt sich selbst dann gut mit der normalen kurzen Trinkpause verbinden. Nur wenn du dich dann auch noch in der Wahl vertust und altes Wachs entfernen musst, kostet das Zeit und Wachsentferner. Das passiert gerade am Anfang manchmal und dann lernst du halt daraus. Ein passend gewachster Ski wird trotzdem immer schneller laufen als ein Schuppenski und das macht natürlich wieder gute Laune.

Wenn die Bedingungen so schlecht sind, dass du ständig nachwachsen musst, dann solltest du bergan besser auf Steigfelle wechseln. Auf hartem Steigwachs kannst du die Felle direkt aufbringen. Weiches Wachs oder Klister sollte vorher mit dem Spachtel entfernt werden, weil es sonst am Fellkleber hängen bleibt und seine Haftung reduziert.

Wie kommt das Wachs wieder vom Ski herunter?

Wenn sich die Temperatur des Schnees über den Tag verändert oder du dich beim Wachsen deiner Ski schlicht verschätzt hast, dann kann es nötig sein, die Wachsschicht wieder vom Ski zu bekommen. War das ursprünglich gewählte Wachs zu hart, kannst du mit weicherem Wachs einfach darüber wachsen. Andersherum musst du das alte Wachs auf jeden Fall entfernen. Das gröbste kannst du mit dem Plastikspachtel abschaben. Für die vollständige Reinigung gibt es speziellen Wachsentferner zu kaufen. Je öfter du dich verwachst oder sich die Bedingungen ändern, desto mehr brauchst du davon. Gerade als Anfänger ist etwas Backup also nicht verkehrt.

Clean your skis for wax | Swix School

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Notfalls lässt sich das Skiwachs auch mit Petroleum oder Benzin aus deinem Kocher entfernen. Achte dabei aber auf deine Haut, da besonders Benzin sehr flüchtig ist und Kälteschäden hervorrufen kann. Außerdem gehören deine Wachsreste und Brennstoffe genauso wie das Skiwachs nicht in die Natur, sondern in deinen Müllbeutel. Nutze also einen Lappen, entsorge Reste richtig und verschütte keinen Brennstoff.

Umweltaspekt bei Gleitwachsen

Es ist klar: Skiwachse sind allesamt Stoffe, die so in der Natur nicht vorkommen. Besonders problematisch waren dabei immer die Wachse, die polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) enthielten. Lange Zeit hieß es, dass ohne die Verwendung von Fluor kein haltbares oder gut funktionierendes Gleitwachs zu produzieren sei und auch in Steigwachsen war es zu finden. Leider gelangt das Wachs über Ski aber in die Natur und in belebten Skigebieten ließ sich Fluor dann auch allerorts nachweisen, teilweise sogar im Fisch. Menschen, die täglich Ski mit solchen Wachsen präparieren, sind ebenfalls deutlich stärker belastet. Details dieses Problems und einen kleinen Abriss der Geschichte des Skiwachses findest du in dem wissenschaftlichen Artikel „Was kommt nach den fluorierten Wachsen?“ von Peter Bützer. Er forscht zu E-Indigo, einem pflanzlichen und umweltverträglichen Ersatz von Fluor.

Im Europäischen Wirtschaftsraum wurden rund 20 Tonnen Fluorwachs pro Jahr produziert. Da von den großen Herstellern offensichtlich keine eigenen ernsthaften Bemühungen erkennbar waren und nur kleine Wachs-Schmieden ausschließlich fluorfreie Skiwachse auf den Markt brachten, musste die Politik als Gesetzgeber eine Verordnung schaffen. Mit der EU-Verordnung 2019/1021 (sog. „POP-Verordnung“) und der EG-Verordnung 1907/2006 (sog. „REACH“-Verordnung) samt ihrer Anpassungen ist seit 2022 der Besitz, die Anwendung, der Handel oder die Abgabe von Produkten, die C8-Fluorcarbone/PFOA enthalten, verboten. Ab der Saison 2022/23 untersagt auch der Internationale Skiverband Fluorwachse bei ihren Rennen und überprüft die Rennställe entsprechend mit neu entwickelten Methoden.

Und siehe da, alle große Marken bieten inzwischen fluorfreie Skiwachse an, versehen ihre Etiketten mit dem Hinweis PFC-frei und schreiben über ihre große Nachhaltigkeit. Allerdings wird auch hier getrickst, wie folgendes Beispiel zeigt: Das Label „Regulation 2020 PFC“ von Toko schließt nur die hochproblematischen und daher verbotenen C8-Fluorverbindungen aus, nicht aber fluorierte Alternativen wie C6- oder C10-Fluorverbindungen. Nur die „PFC-free“ gelabelten Produkte sind bei Toko vollständig fluorfrei. Du musst also immer genau hinschauen, bevor du deine Fjellski wachsen kannst, ohne der Umwelt übermäßig zu schaden.

Fjellski wachsen – geht das umweltfreundlich?

Hast du noch Skiwachse mit Fluorverbindungen im Schrank stehen, solltest du diese der Umwelt zuliebe aussortieren und fachgerecht entsorgen. Auch danach kannst du dich immer fragen, wie viel Chemie denn überhaupt nötig ist. Muss dein Ski gleiten wie bei einem professionellen Langlaufrennen, wenn du sowieso eine schwere Pulka hinter dir herziehst? Wohl kaum. Vielleicht reicht es, den Ski einmal im Jahr mit einem fluorfreien Heißwachs zu wachsen, um den Belag zu konservieren und dann nur im „Notfall“ ein fluorfreies Flüssigwachs zu nutzen. Das ist jedenfalls mein Ergebnis.

Steigwachse sind übrigens insgesamt unproblematischer, weil sie nicht auf die stark wasserabstoßenden Gleiteigenschaften des hydrophoben Fluors angewiesen sind. Dennoch reiben sie sich ab und gelangen auf diesem Wege in die Umwelt. Einen Wachsski kannst du ohne Steigwachs jedoch nicht fahren und somit musst du deine Fjellski wachsen oder sie eben stehen lassen. Einen ökologischen Fußabdruck hat unser Hobby sowieso immer, aber es lohnt sich, die eigene Nachhaltigkeit zu reflektieren.

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Wachshersteller

Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl an Herstellern von Skiwachsen und ich kann euch leider keinen umfassenden Vergleich der verschiedenen Marken untereinander bieten. Ich sehe aber nicht, wo es die entscheidenden Unterschiede geben soll und würde vor allem nach der Verfügbarkeit entscheiden. Fluorfreie Wachse bieten wie beschrieben inzwischen alle Hersteller an. Die beiden bekanntesten Marken sind die ersten beiden in der Liste und gehören zum selben Unternehmen namens Brav:

Zusätzlich gibt es unzählige kleine Marken, die meist aus dem Bedarf entstanden sind, fluorcarbonfreie Wachse zu entwickeln, bevor die großen Marken diesen Schritt gegangen sind. Wenn du dort einen ganz besonderen Tipp hast, lass es mich gerne wissen.

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