Skibindungen und Skistiefel

Auf meinen Touren habe ich bisher auf eine Kabelbindung und die passenden Stiefel im NN75-System vertraut. Meine Stiefel fallen dabei zwei Nummern größer aus, damit auch noch genug Socken hinein passen. (Foto: Malte Hübner)

Auch wenn für die ersten Versuche Schneeschuhe eine gute Wahl sind, greifen doch die meisten Menschen auf Wintertouren im skandinavischen Fjell über kurz oder lang auf Fjellski zurück. Diese Art Ski sind breiter als Langlaufski, aber schmaler als Abfahrtski und vor allem weniger tailliert. Ebenso speziell sind die Bindungen wie zum Beispiel eine Kabelbindung im Telemarkstil, die den Ski und deine Stiefel miteinander verbinden. Welche Modelle sich dabei besser eignen und welche nicht, möchte ich kurz erläutern.

Warum keine normalen Abfahrtski mit Tourenbindung?

Deine normale Skiausrüstung zu nehmen, ist aus Kostengründen natürlich ein naheliegender Gedanke, würde aber wenig Freude bedeuten. Mit einer normalen Tourenbindung und den dazugehörigen steifen Skistiefeln, lässt sich der Fuß nämlich weniger bewegen und würde auf einer klassischen Wintertour zu wenig durchblutet. Du bekommst also damit kalte Füße. Die meisten Backcountry-Skistiefel sind deutlich weicher. Häufig werden sogar Stiefelmodelle aus Leder verwendet. Und auch die normalen Ski taugen nichts für traditionelle Wintertouren, besser sind die erwähnten Fjellski.

Geeignete Bindungen für Wintertouren

Die meisten Langlaufbindungen kommen grundsätzlich für den Einsatz auf Wintertouren in Frage. Wenn du schon eine Ausrüstung hast, dann kannst du damit natürlich deine ersten Gehversuche starten. Allerdings haben Langlaufski etwas zu wenig Auflagefläche für ungespurten Tiefschnee. Wenn du dir langfristig eine neue Backcountry-Ski-Ausrüstung zulegen möchtest, dann hilft dir vielleicht diese Übersicht über passende Bindungen für Wintertouren:

SNS und NNN

Die beiden Systeme SNS (Salomon Nordic System) und NNN Bindung (New Nordic Norm) sind sich von der Bauart sehr ähnlich, aber leider nicht untereinander kompatibel. Bei beiden ist vorne an der Schuhspitze ein Quersteg montiert, der in die Bindung einrastet. Ein Gummipuffer am Ski sorgt dafür, dass der Ski wieder ein seine Ausgangsposition zurück gedrückt wird.

Der Unterschied zwischen beiden Systemen ist der, dass bei SNS die Bindung einen langen Riegel von vorne bis hinten hat, der in das Profil der Stiefel passen muss. Bei dem NNN-System gibt es diesen nicht. Das Profil von sportlichen Langlaufstiefeln ist oft leider nicht zum längeren Laufen ohne Ski ausgelegt und dabei eher rutschig.

Ein Problem kann bei beiden Systemen das Festfrieren der Bindungsmechanik sein. Dann lässt diese sich nicht mehr öffnen und dir bleibt nichts anderes über, als sie aufzutauen oder den Stiefel am Ski zu lassen. Der Steg an Schuh kann ebenfalls vereisen und lässt sich dann nicht mehr einrasten. Das lässt sich aber mit etwas stochern schneller beheben. Sind sie deshalb ungeeignet? Die Schneebeschaffenheit und die Temperaturen müssen schon zufällig zusammenpassen, damit alles vereist. Nasser Sulzschnee und leichte Minusgrade können dazu führen. Bei tiefen Temperaturen sollte es kein Problem sein.

Die Bindungen sind im Langlauf in Mitteleuropa der Standard. Normale Langlaufstiefel sind meist zu wenig isoliert, es gibt aber auch gute Stiefel für Wintertouren mit diesen Systemen.

NNN BC für den rauen Einsatz

Eine Erweiterung des normalen NNN Systems stellt die Version BC dar. BC steht dabei für Backcountry, also den Einsatz außerhalb der Loipe. Durch eine breitere Bindungsplatte ist diese etwas wintertauglicher. Wenn also sowieso warme NNN Schuhe vorhanden sind und gut passen, reicht es vielleicht, bei der Bindung der Fjellski auf die Version NNN BC zurückzugreifen.

NN Bindung

Die NN Bindung wird vor allem in Skandinavien von vielen verwendet. Die beiden Buchstaben stehen für Nordic Norm, aber leider ist das System nicht mit der New Nordic Norm kompatibel. Der Stiefel ist bei NN anders gebaut. An seiner Spitze steht die Sohle wie ein Schnabel über. In dieser Spitze sind von unten drei Löcher, in welche drei Stifte der Bindung eingehakt werden. Anschließend wird von oben ein Riegel der Bindung über die Schuhspitze geklappt und der Schuh so fixiert. Das ist zwar etwas schwerer zu bedienen als die neueren Systeme, aber meiner Meinung nach robuster.

Achtung! Es gibt allerdings auch noch einen Unterschied innerhalb des NN-Systems: Die Schuhspitze gibt es in Ausführungen mit 75 mm Breite (NN 75)  und nur 50 mm (NN 50) bei schmalen Stiefeln. Bindungen und Stiefel müssen hier von gleicher Breite sein!

Die Kraft wird bei der NN-Bindung über die Sohle übertragen. Durch die ausschließliche Fixierung an der Stiefelspitze hat der Schuh etwas weniger Fersenhalt als eine SNS-Bindung mit Balken durchs Profil oder eine Kabelbindung.

NN Kabelbindung im Telemarkstil

Diese Kabelbindungen erinnern an die alten Kabelsysteme vor einigen Jahrzehnten, sind aber deutlich weiter entwickelt. In der Regel führt zusätzlich zum NN-System eine Kabelbindung um die Ferse. Dort wird dieses Kabel mit einem Kipphebel am hinteren Sohlenrand auf leichte Spannung gebracht. So wird der Schuh stärker fixiert (und das System funktioniert selbst noch bei gebrochener Schuhsohle).Vereisen kann an einer Kabelbindung nichts.

Die verbreiteten Modelle sind die Modelle Chili und Cobra der norwegischen Firma Rottefella oder die amerikanischen Modelle der Firma Voilé. Achte beim Kauf auf die richtige Länge des Kabels passend zu deinem Stiefel. Ich empfehle auch eine einfache Steighilfe als Zubehör, sofern sie nicht vorhanden ist.

Allerdings haben auch Kabelbindungen Nachteile:

  1. Der erste nicht ganz so große Nachteil ist, dass du zum Spannen des Kipphebels in die Hocke gehen musst.
  2. Ein etwas größeres Problem kann werden, wenn der Draht um die Ferse nicht genügend Abstand vom Schuh hat. An dieser Stelle kann der Draht den Schuh durchscheuern. Schuh und Kabelbindung müssen daher nicht nur vom System zusammenpassen, sondern auch in der Praxis. Nimm also im Zweifel deine Stiefel oder Ski mit zum Kauf.

Die 75 mm NN-Bindung ist die klassische Bindung zum „Telemarken“. Wenn du mehr darüber erfahren willst, wie dieses System auch beim Abfahrtski verwendet wird, lies am besten den Artikel Telemarken bei Wikipedia.

Spezielle Polarfahrer-Bindungen

Da für die eisigen Temperaturen an den Polkappen „normale“ Tourenstiefel nicht immer ausreichend sind, gibt es dafür spezielle Bindungen. Eric Philips hat ein eigenes Modell für dicke Winterstiefel wie Kamiks entwickelt, welches aber eine sehr weiche Führung mit wenig Unterstützung für den Fuß hat. Es ist daher nicht dafür gedacht, längere Abfahrten im Schneepflug damit zu machen, sondern dient zum langen Geradeauslaufen über flaches Eis.

Montage der Skibindung

Idealerweise lässt du dir deine Bindung direkt im Laden montieren. Meist ist das kostenfrei oder zumindest sehr günstig möglich. Da aber nicht immer ein Laden um die Ecke ist, bleibt dir aber manchmal nur Do it yourself.

Meistens ist bei deinem neuen Bindungsset eine Schablone zur Montage dabei oder du findest eine im Internet. Frag ruhig auch in Foren oder beim Verkäufer/Hersteller danach. Wenn du gar nichts findest, musst du dir eine Schablone selbst erstellen: Die Löcher der Bindung werden auf Papier übertragen und dieses dann mit Tesafilm auf den Ski geklebt. So kannst du die Bohrungen sauber setzen. Verwende dafür am besten einen speziellen Bindungsbohrer passend zu deiner Schraubenweite und -länge. So borst du nicht zu tief.

Die richtige Position ist häufig auf dem Ski markiert. Ansonsten gilt: Je weiter hinten, desto mehr schwimmt der Ski im Tiefschnee auf. Weiter vorne macht den Ski etwas stabiler auf eisigem Untergrund.

Übrigens: Alte Löcher sollten immer verklebt werden, damit keine Feuchtigkeit in den Kern der Ski eindringen kann.

Reparatur-Set für die Tour

Mit den Jahren kann sich die Verschraubung der Bindung mit dem Ski lockern. Oder Teile der Bindung gehen kaputt. Ein sinnvolles Reparatur-Set sollte aus Ersatzteilen für die Bindung und 2-k-Kleber oder wenigstens Sekundenkleber und einem dicken Handbohrer bestehen. Andere schleppen sogar eine Ersatzbindung mit. Für die Stiefel wären Ersatzschnürsenkel und Schuhkleber wie freesole sinnvoll.

Sollten die Löcher an einer Bindung unterwegs ausreißen und nicht zu kleben sein, ist es meist sinnvoller, die ganze Bindung ca. 1,5 cm nach hinten zu versetzen. Zu nah an der alten Bohrung hält das neue Loch nicht, zu weit versetzt hat der Ski andere Fahreigenschaften.

Was noch in dein Reparatur-Set auf Tour gehörst, kannst du im Artikel „Werkzeug auf Wintertouren“ nachlesen.

Die passenden Stiefel zu deiner Bindung

Solltest du zuerst die Stiefel wählen oder zuerst die Bindung? Am besten beides zusammen! Das System muss natürlich zueinander passen, aber vor allem soll es sich für deinen Fuß gut anfühlen. Der Stiefel sollte zunächst einmal etwas größer ausfallen, damit deine drei Lagen Socken noch hinein passen. So vermeidest du kalte Füße.

Knickstellen kurz hinter der Zehenkappe können zu Druckstellen führen und behindern die Durchblutung. Gerade bei weicheren Lederstiefeln solltest du darauf achten. Andererseits führen weiche Stiefel insgesamt zu einer besseren Durchblutung der Füße. Damit frierst du also weniger.

Stiefel mit Schnürsenkeln halte ich für sehr geeignet. Es gibt auch Modelle, die mit einer Schnalle geschlossen werden. Diese gibt bestimmt besseren Halt, lässt sich aber unterwegs nicht reparieren.

Noch drei weitere Tipps:

  1. Für die Lederpflege empfehle ich einfaches Stiefelwachs.
  2. Wer zwischendurch auch ohne Ski laufen muss, sollte einen Blick auf das Profil werfen.
  3. Bei Gletschertouren sollte man vorher probieren, ob die Steigeisen auch an die Stiefel passen.

Übersicht über erprobte Stiefel für Wintertouren

Wirklich gute Skistiefel-Manufakturen für Wintertouren finden sich entweder im hohen Norden oder in Italien.

Die beiden italienischen Hersteller Andrew und Crispi halten eine Auswahl an Stiefeln für die NN-Bindung vor. Beispiele für Schnürstiefel sind:

  • Andrew Expedition Laces: ein Lederstiefel mit hohem Schaft und Schnürsenkeln, mitteldick und nicht zusätzlich isoliert, aber damit auch im deutschen Winter gut zu tragen
  • Andrew Artico Rubber: Ähnlich dem Expedition Laces, aber mit Geröllschutz aus Gummi und Verstärkungen und höherer Schnürung am Schaft
  • Crispi Antarctic: mittelhoher Lederstiefel zum Schnüren mit Thinsulate-Futter, was ihn etwas wärmer macht
  • Crispi Sydpolen GTX: ähnliches Modell, allerdings mit Gore-Tex Futter

Und mit zusätzlichen Schnallen:

  • Andrew Zenith: Lederstiefel mit etwas niedrigerem Schaft, aber dafür einer zusätzlichen Schnalle über das Gelenk
  • Crispi Svartisen GTX: NNN-Schuh mit technischen Details wie einem Skelettrahmen mit Gelenk, Schnallen und Gore-Tex Futter

Bei den Skandinaviern finden sich folgende Modelle:

Gibt es noch weitere Modelle?

Natürlich gibt es noch weitere Modelle von diesen und anderen Herstellern. Mit den Kunststoffmodellen von Fischer wie dem Combi BCX 875  konnte ich mich – im Gegensatz zu deren großartigen Fjellski E99 crown – noch nicht anfreunden. Zumindest bei Globetrotter gab es lange ein Montagsmodell, wo der Kleber nicht gehalten hat oder die Zehenkappe brüchig wurde. Möglicherweise hat Fischer da inzwischen nachgebessert, im Sortiment sind sie aber nicht wieder aufgenommen worden.

Mein Leser Andreas hat gute Erfahrungen mit dem Baffin 3Pin Expedition gemacht, der leider momentan ausverkauft ist. Alternativ hat Baffin den 3Pin Guide Pro im Sortiment. Beides sind Gummi-Kunststoff-Stiefel für arktische Temperaturen.

Für warme Füße braucht es am Ende nicht nur die richtigen Stiefel, dazu mehr an anderer Stelle: Wie man warme Füße behält.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

 

2 Kommentare zu „Skibindungen und Skistiefel

    1. Moin Geertje, du hattest es ja in Facebook schon angemerkt, aber vielleicht für die Nachwelt: Der Guide Expedition scheint der Nachfolger vom Husky zu sein. Jedenfalls gibt es ihn momentan nicht auf Ludhags Seite. Das Video in deinem Beitrag zeigt den Stiefel ja ganz gut. Viele Grüße, Malte vom Winterfjell 🙂

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