Kälte und Frieren

In der Pause braucht man bei der Kälte eine Daunenjacke, um nicht zu frieren.
In der Pause braucht man bei der Kälte eine Daunenjacke, um nicht zu frieren. (Foto: L. Grünke)

Was als kalt empfunden wird, hängt vor allem vom subjektiven Kälteempfinden der frierenden Person ab. Es gibt eben Frostbeulen und hartgesottene Frauen und Männer.
Draußen muss unser Körper selbst für Wärme sorgen. Er ist das Wärmekraftwerk und unsere Kleidung die Isolation. In der Regel wärmt Kleidung nicht, sondern isoliert und hält die Wärme am Körper. Wir frieren, wenn entweder nicht genug Wärme produziert wird oder die Isolation nicht ausreicht.

Warum verlieren wir Wärme?

Der Körper gibt über die Haut und Atmung ständig Wärme nach außen ab. Dies geschieht vor allem durch Wärmestrahlung (Radiation), Wärmeleitung (Konduktion) oder Wärmetransport über die Luft (Konvektion).

Die Kleidung hat die Aufgabe, die erwärmte Luft am Körper zu halten. Dazu bietet sich zum Beispiel dicke, winddichte Oberbekleidung an. Sitzt diese jedoch zu weit und locker wie ein Sack, würde sich bei Bewegung die erwärmte Luft im Inneren gegen kalte Außenluft austauschen. Winddurchlässiges Fleece kann bei Windstille genügen, selbst leichter Luftzug lässt einen darin jedoch auskühlen. Wärmeleitung spielt vor allem beim Sitzen oder Liegen auf eisigem Grund eine Rolle. Daher sollte immer eine ausreichend dicke Isomatte oder ein Sitzkissen genutzt werden.
Durch zu starkes Schwitzen kann die Isolationsschicht ihre Wirkung verlieren: Daune fällt zusammen, nasse Kleidung leitet die Wärme besser und mit der Verdunstungskälte kommt eine weitere Form des Wärmeverlustes hinzu.

Wann frieren wir?

Sobald der Mensch zu viel Wärme verliert, weicht die Körpertemperatur von den konstanten 37° Celsius ab und man friert. Dabei handelt es sich zunächst um ein Warnsignal des Körpers vor Unterkühlung.
Der Körper reagiert entsprechend mit aufeinander aufbauenden Abwehrmechanismen:

  1. Die Blutgefäße in der Hautoberfläche ziehen sich zusammen und es fließt weniger Blut durch die äußeren Hautschichten. Füße und Hände frieren meist zuerst.
  2. Der Körper versucht durch Muskelbewegung Wärme zu erzeugen. Wir fangen an zu zittern und mit den Zähnen zu klappern.
  3. Der Körper zieht das Blut in der Körpermitte zusammen, um die wichtigen Organe warm zu halten. Die Nasenspitze und Ohren werden kalt, die Lippen werden blau. Finger und Füße haben ein leichtes Taubheitsgefühl.
  4. Ab hier hört das bloße Frieren auf und ernsthafte Schäden treten ein: Es kommt zu einer Unterkühlung und im schlimmsten Falle zu Erfrierungen.

Frieren Frauen eher als Männer?

Einen Hauptfaktor für den Schutz gegen das Frieren macht der Muskelanteil der Körpermasse aus. Insofern haben Männer einen kleinen physiologischen Vorteil, wenn sie denn trainiert sind. In der Praxis hängt das Frieren von so vielen Faktoren (Müdigkeit, Erschöpfung, Hunger, Gesundheitszustand, mentale Verfassung…) ab, dass sich mir noch kein wesentlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern gezeigt hat.

Feuchte vs. trockene Kälte

Ich persönlich empfinde den Temperaturbereich zwischen -5° und 0° Celsius am unangenehmsten. Diese Kälte krabbelt unter alle Schichten, alles wird klamm und auch nachts muss man mit sehr viel Kondensfeuchtigkeit rechnen. Ab -10° Celsius kann die Luft kaum noch Feuchtigkeit aufnehmen und diese trockene Kälte empfinde ich als sehr viel angenehmer. Bis etwa -25° Celsius kann ich mich gut mit den Temperaturen arrangieren, danach wird es richtig kalt. Allerdings habe ich niedrige Temperaturen in Europa auch erst einmal erlebt, wenn man den einberechneten Chillfaktor einmal vernachlässigt.

Können wir uns das Frieren abtrainieren?

Wie warm kann ein erster Frühlingstag bei 12° Celsius sein und wie kalt empfinden wir diese Temperatur im Herbst? Unser Kälteempfinden ist vor allem eine Gewohnheitssache. Nach mehreren Tagen im Schnee wird uns in der Wohnung ein Shirt reichen. Wir können uns also ein wenig gegen Kälte immunisieren und bei großen Temperaturunterschieden hilft es, ein paar Tage zum Akklimatisieren einzuplanen.

Was hilft gegen das Frieren?

Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass Alkohol so ziemlich das schlechteste ist, was man gegen das Frieren wählen kann. Neben den erweiterten Blutgefäßen als körperliche Reaktion (mehr Wärme wird abgegeben!) können wir nicht mehr alle Warnsignale richtig einordnen.
Besser wären heißer Tee oder heiße Suppe. Gewürze wie Chilli oder Ingwer kurbeln den Kreislauf an und sorgen so für noch mehr Wärme. Vor dem Schlafen sollte der Körper immer warm sein. Ich empfehle drei schnelle Runden ums Zelt nach dem letzten Austreten. Auch eine Wärmflasche wirkt wahre Wunder. Vor allem gilt es, aus dem Wind zu kommen und genügend Isolierschichten (Daunenjacke, Schlafsack, Isomatte) anzulegen.
Auf eine heiße Dusche sollte man übrigens nicht zu schnell zurückgreifen, sondern sich erst ausreichend aufwärmen, damit das Herz-Kreislauf-System nicht überfordert wird. In der Regel steht uns dieser Luxus auf Tour aber sowieso selten zur Verfügung. Ein Problem weniger!

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