Skistöcke – ein vernachlässigter Ausrüstungs­gegenstand

Lange Skistöcke mit großen Schneetellern sind im losen Tiefschnee die beste Wahl. Normale Langlaufstöcke haben dabei keine Chance. (Foto: Malte Hübner)

Zugegebener Maßen wird Skistöcken auf Wintertouren nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Warum sich ein genauerer Blick jedoch lohnen könnte, erfährst du in diesem Artikel. Vorweg sei gesagt, dass der Stock vor allem stabil, lang genug und für dicke Handschuhe geeignet sein muss. Die Details und gute Beispiele findest du im Beitrag.

Das richtige Material

Für eine Wintertour muss ein Stock an erster Stelle stabil sein. Deine leichten Carbonstöcke vom Abfahrtski lässt du also besser gleich zuhause. Ein unbedachter Schritt mit der Stahlkante auf den Stock, ein blöder Sturz und der Stock zerbricht und lässt sich nicht mehr reparieren. Im Skiurlaub kostet das Geld und etwas Nerven, auf einer Wintertour in Skandinavien kann es das Ende der Tour bedeuten oder dich sogar in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

Das beste Material sind daher Stöcke aus Aluminium. Festlängenstöcke sind dabei stabiler als Teleskopstöcke, besonders wenn diese bis auf ihr Maximum ausgezogen sind. Fixlängen lassen sich bei einem Unfall auch leichter schienen. Leider ist es relativ schwer, Stöcke in Festlängen über 135 cm zu bekommen.

(Nur zur Vollständigkeit: Auch Holz- oder Bambusstöcke haben sicher viele Touren gesehen, sind aber nirgends zu bekommen.)

Die richtige Festlänge finden

Dein Skistock hat die richtige Länge für eine Wintertour, wenn er dir bis in die Achselhöhlen reicht. Für Menschen bis ca. 170 cm Körpergröße besteht daher eine große Auswahl an Festlängenstöcken, wenn man einfache Abfahrtstöcke wählt. Diese sind bis 135 cm Länge überall zu bekommen.

Für größere Menschen (wie auch mich) wird es da schon etwas schwieriger. Das einzige mir bekannte Modell, was es auch in Längen bis 165 cm gibt, ist der SWIX Mountain. Leider scheint er nicht in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lieferbar zu sein. Wenn es eh auf Tour nach Skandinavien gehen soll, besteht aber vielleicht die Möglichkeit, es sich dort in einen Store vorzubestellen. Die richtige Länge musst du dafür natürlich kennen.

Teleskopstöcke

Leichter ist es mit Teleskopstöcken, weil diese sich auf die optimale Länge anpassen lassen. Und Teleskopstöcke gibt es auch als längere Modelle als Festlängen. Unterwegs könntest du die Stöcke sogar an das Gelände anpassen. Ehrlich gesagt, greife ich aber meistens einfach um und verstelle die Länge auf Tour nur, wenn ich zwischen Ski und Schneeschuhen hin- und herwechseln muss.

Je länger ein Teleskopstock ausgezogen wird, desto instabiler wird er hingegen meist auch in sich. Die Verbindungsstelle ist der Schwachpunkt. Zweiteilige Stöcke sind daher stabiler als dreiteilige. Und es ist besser, den Stock nicht vollständig ausziehen zu müssen.

Als Verstellmechanismus ist ein Klemmmechanismus außen insgesamt unempfindlicher bei Eis und Schnee. Viele Modelle haben eine Rändelmutter auf der Gegenseite, sodass der Mechanismus sich etwas nachjustieren lässt, wenn er ausleiert. Das ist meiner Meinung nach eine der besten Neuerungen der letzten Jahre.

Wintertourtaugliche Griffe

Eine zusätzliche Grifffläche unter dem eigentlichen Griff ermöglicht ein tieferes Greifen beim Traversieren oder bergan gehen auf festem Schnee. Der gesamte Griff sollte dabei ohne scharfe Kanten geformt sein, da diese sonst in die Haut einschneiden, wenn du mal ohne Handschuhe gehst.

Praktisch ist ein möglichst schlanker Griff, damit man die Stöcke kopfüber gut in den Schnee rammen kann, um zum Beispiel das Zelt zu verankern oder den Schlafsack in der Mittagssonne an den Stöcken hängend lüften zu lassen.

Die Schlaufe oben muss groß genug sein, dass du auch noch mit deinen Fausthandschuhen gut hindurch passt. Anders als beim sportlichen Langlauf greift man auf Wintertouren auch eher nicht mit dem Daumen über das Schlaufenband, da dadurch die Durchblutung vermindert wird. Stattdessen fasst du einfach nur durch die Schlaufe an den Griff und schiebst die Hand nach unten, bis das Handgelenk in der Schlaufe locker aufliegt. Dadurch kannst du mit den Händen zwischendurch auch einfach mal lockerer greifen. Du baust den nötigen Schub dann aus dem Handgelenk in der Schlaufe auf. Dabei kannst du die Finger leicht bewegen, damit sie wieder durchblutet werden.

Bei Festlängen-Stöcken kann es nützlich sein, sich eine zweite Schlaufe aus Gurtband in die erste Schlaufe einzuhängen. So kannst du sowohl Kraft aus dem Handgelenk aufbauen, als auch tiefer greifen, wenn es länger bergauf geht.

Schneeteller statt „Untertassen“

Im Pulverschnee kann der Schneeteller gar nicht groß genug sein, damit der Stock nicht zu weit einsinkt. Und einsinken wird er selbst dann noch. Diesen Umstand solltest du auch für die richtige Länge bis in die Achselhöhle einberechnen.

Die wirklich großen Schneeteller mit einem Kreut aus Leder sind für Tiefschnee am besten geeignet, weil nur sie eine flexible große Fläche bieten. Die verbreiteten Plastikteller taugen natürlich auch, wären aber nicht mein Favorit. Normale Schneeteller von Langlaufstöcken sind zu klein und nicht für Tiefschnee geeignet.

Empfehlenswerte Stöcke

Meine Recherche hat eine kleine Auswahl zum Vorschein gebracht. Ich freue mich auf jeden Fall über Hinweise auf weitere Modelle.

Bei Festlängen für größeren Menschen empfehle ich einen Blick auf den SWIX Mountain.

Ich selbst nutze seit Jahren einen Teleskopstock, den Komperdell BC Trail mit einer maximalen Länge von 155 cm. Allerdings ist es die alte Ausführung mit schlankem Korkgriff und Leder-Schneetellern. Als Ersatz habe ich einen Leki Sherpa XL mit maximal 145 cm Länge dabei. Der wäre eigentlich etwas zu kurz für mich, ist aber halt vorhanden und nur für den Notfall.

Bei Leki gibt es auch noch den Aergon 2 oder den Tour Vario, die beide bis 150 cm ausgezogen werden können.

Komperdell hat mit dem Backcountry ein günstiges Modell bis 170 cm Länge, welches sich aber nur bei Outnorth so findet. Black Diamond hat zwei taugliche Stöcke bis 155 cm Länge im Programm, den Traverse und den Expedition 2.

Es gibt also ein paar Modelle, auf die sich ein Blick lohnt. Im Vergleich solltest du dich noch mehr mit der Wahl der richtigen Backcountry-Ski beschäftigen.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

2 Kommentare zu „Skistöcke – ein vernachlässigter Ausrüstungs­gegenstand

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