Die richtige Zeltwahl

Morgens ist das gesamte Winterzelt übergefroren.
Morgens ist das gesamte Winterzelt übergefroren. (Foto: Malte Hübner)

Ein Winterzelt muss stabil sein, soll genügend Platz und vielleicht sogar ein kleines bisschen Luxus bieten. Das Zelt ist dein Wetterschutz vor Schnee und Wind und somit kommt der Zeltwahl eine bedeutende Rolle zu.
Es gibt verschiedene Zeltformen und -typen für die unterschiedlichsten Unternehmungen. Leider sind die üblichen Kuppelzelte für die meisten Winterabenteuer etwas zu klein und UL-Lavvus oder Einbogenzelte oft nicht robust genug für das erwartbare Wetter. In den meisten Fällen finden sich die stabilsten Winterzelte unter den Expeditionszelten. Meine beiden Favoriten bei der Zeltwahl sind geodätische Zelte oder Tunnelzelte.

Die Qual der Zeltwahl: Geodät oder Tunnel

Vorweg möchte ich sagen, dass ich im Winterfjell schon in Tunneln und Geodäten, in Basislagern im Lavvu mit und ohne Zeltofen und im deutschen Mittelgebirge auch im UL-Lavvu geschlafen habe. Ein Tunnel wäre im Fjell für eine kleine Gruppe meine erste Wahl als Winterzelt. Warum?

Tunnelzelte

Der größte Vorteil eines Tunnelzeltes ist sein großes Platzangebot. Durch die steil ansteigenden Gestängebögen ergibt sich eine große Kopffreiheit, welche dir schnell eine aufrechte Sitzposition ermöglicht. Im Verhältnis von Platz zu Gewicht haben Tunnel den großen Vorteil, dass sie mit relativ wenigen Stangen auskommen. Tunnelzelte lassen sich auch bei Wind oft unkompliziert aufbauen. Das sind auch die Gründe, warum die Zeltwahl bei klassischen Wintertouren in Skandinavien überwiegend auf diesen Zelttyp fällt.

Der Schnee hat sich auf der windabgewandten Seite gesammelt. Das Tunnelzelt stand also richtig ausgerichtet zum Wind.
Der Schnee hat sich auf der windabgewandten Seite gesammelt. Das Tunnelzelt stand also richtig ausgerichtet zum Wind. (Foto: Malte Hübner)

Größter Nachteil eines Tunnelzeltes ist seine Anfälligkeit gegen starken Seitenwind. Du musst es also möglichst in Windrichtung aufstellen, damit nur die schmale Seite vom Wind getroffen wird. Tunnelzelte sind nicht freistehend und müssen daher gut mit Schneeankern fixiert werden. Für die Enden bieten sich dafür die Ski und Skistöcke oder auch Schneeschuhe an. Schwierig wird es jedoch auf Fels oder blankem Eis. Ist ein Tunnel bei Wind nicht richtig abgespannt, neigt er zum lauten Flattern.

Geodätische Zelte

„Geodäten“ haben den Vorteil, dass sie sehr windstabil sind, da sich die Gestängebögen an mehreren Stellen kreuzen und so den Druck besser ableiten können. Mehr Gestängebögen bedeuten aber auch ein höheres Gewicht bei gleichem Innenraum. Dafür sind geodätische Zelte in vielen Fällen freistehend und vertragen Seitenwind besser. Ihr Aufbau ist etwas komplizierter, da die Gestänge meist unterschiedliche Längen haben.

Ein Geodät mit Außengestänge lässt sich auch mit dicken Handschuhen gut aufbauen und ist ein extrem windstabiles Winterzelt.
Ein Geodät mit Außengestänge lässt sich auch mit dicken Handschuhen gut aufbauen und ist ein extrem windstabiles Winterzelt. (Foto: Malte Hübner)

Solo auf Tour wählte ich als Winterzelt den abgebildeten Geodäten, ich habe mich also sogar für ein Einwandzelt entschieden. Mehr dazu findest du bei dem Abschnitt zu Einwandzelten weiter unten.

Eine Art Hybrid aus Tunnel und Geodät stellt das Quadratic Zelt von The Theory Works dar, das ich ausführlich testen durfte. Es lässt sich mit zwei zusätzlichen Stangen von einem Tunnel in einen Halbgeodäten verwandeln und steht dann sehr stabil.

Anforderungen an ein Winterzelt

Natürlich gelten die gleichen Kriterien wie an die gesamte Ausrüstung, mit einem Schwerpunkt auf die Robustheit. Denn ein Winterzelt muss zu allererst windstabil, besser sturmstabil sein. In einer ausgesetzten Winterlandschaft bietet kein Strauch mehr Schutz und die Winde fallen im Winter durchaus stärker aus. Wichtig ist deshalb auch die Wahl des richtigen Zeltplatzes bei Wind.

Ein Winterzelt sollte daher über sehr viele Abspannmöglichkeiten und zusätzliche Befestigungspunkte für weitere Abspannschnüre verfügen. Diese Zeltschnüre sollten stark genug ausfallen und sich mit Handschuhen bedienen lassen.

Ein Gestänge mit 9 mm Durchmesser ist in 95% aller Fälle absolut ausreichend, auch das Keron von Hilleberg hatte viele Jahre lang nur 9 mm. Nun sind es häufiger 10 mm bei wenig Mehrgewicht und höchster Verlässlichkeit. Ein noch stärkerer Durchmesser würde hingegen den Biegeradius beschränken und macht das Gestänge empfindlicher statt stabiler.

Das Gewebe sollte im Idealfall 40 d, mindestens aber 30 d Stärke aufweisen. Das d steht in diesem Fall für „Denier“ und gibt die Faserstärke im Gewebe an. Ein Ripstopgewebe ist zu empfehlen, da es das Weiterreißen bei Beschädigungen verlangsamt. Ebenso ist eine Silikonbeschichtung die bessere Wahl. Zwar wirst du dann häufiger nachspannen müssen, wenn es feucht wird, aber insgesamt ist das Material reißfester.

Das Winterzelt darf keine zu großen geraden Flächen aufweisen, damit sich kein Schnee auf ihm sammelt. Es würde sonst von der Schneelast erdrückt.

Snowflaps ja oder nein?

Die Seitenwände des Zeltes sollten bis zum Boden herunter gezogen sein, damit kein Flugschnee eindringen kann. Sonst wird bei Wind die gesamte Apsis über kurz oder lang eingeschneit sein. Ein kleines Loch kann erstaunlich viel Schnee hineinlassen! Alternativ kannst du am Rand den Spalt mit Schnee verschließen. Reinrassige Winterzelte haben an den Seiten Schneelappen, engl. Snowflaps, auf die der Schnee zum Abdichten geschaufelt wird. Ich habe sie bisher nur selten vermisst und halte es eher für eine Frage der Philosophie.

Zwei typische Marken, die man oft auf Wintertouren sieht, sowohl mit ihren Tunneln als auch mit ihren Geodäten, sind Helsport in der Kategorie Expedition (x-trem) und Hilleberg mit der Black Label Serie. Helsport hat Snowflaps serienmäßig an den Expeditionszelten. Hilleberg verzichtet in der Standardausführung bewusst darauf, bietet sie aber als Sonderbestellung an. Bo Hilleberg gibt seine Meinung dazu in diesem Video zum Besten:

Mehr Platz nötig

Über die grundlegenden Anforderungen hinaus solltest du sehr viel mehr Platzbedarf pro Person einplanen als in Sommermonaten, da die Schlafsäcke dicker sind und die gesamte Ausrüstung mehr Volumen einnimmt. Ein Hilleberg Keron 4 GT ist im Sommer ein komfortables 4-Personen-Zelt, hat uns im Winter aber zu dritt gerade so gereicht. Für zwei Personen sollte dein Winterzelt entsprechend mindestens für 3-Personen-Zelt gebaut sein.

Einen enormen Vorteil hat eine Apsis, idealerweise sogar zwei Apsiden. Dort koche ich bei sehr schlechtem Wetter, Ausrüstung kann gelagert und sogar die Morgentoilette muss manchmal an diesem windgeschützen Ort verrichtet werden. Bei zwei Apsiden fällt auch das Innenzelt nicht zum Fußende hin ab und so ist auch das Innenzelt geräumiger. Ich mag es lieber, da man dann auch in seiner Liegerichtung weniger eingeschränkt ist. Außerdem ist bei geraden Tunnel-Modellen oft ein Vorteil, dass alle Stangensegmente gleich lang sind und ein Ersatzgestänge überall passt.

Lebenswichtige Lüfter

Bei den Lüftern ist darauf zu achten, dass diese möglichst hoch angesetzt sind, um nicht über Nacht vom Schnee verschlossen zu werden. Außerdem sollten die Lüfter verschließbar sein, um bei starkem Schneetreiben das Eindringen von Flugschnee zu unterbinden.

Vorsicht! Wenn sowohl der Spalt am Außenzelt mit Schnee verschlossen ist und alle Lüfter geschlossen sind, kann kaum Sauerstoff in das Zelt gelangen. Wenn dann noch der Kocher läuft, droht schnell eine Vergiftung! Kohlenstoffdioxid CO2 ist geruchlos und führt über Schläfrigkeit zu Bewusstlosigkeit und Tod. Es sammelt sich am Boden, da es schwerer als Luft ist. Ebenfalls ist Kohlenstoffmonoxid CO in geringer Konzentration gefährlich, aber leichter als Luft. Wer also morgens wieder aufwachen möchte, schließt niemals alle Lüfter.

Moskitonetze an den Lüftern halten etwas Flugschnee ab, sind sonst aber unwichtig. Denn das ist der große Vorteil auf Wintertouren: Es gibt keine Mücken!

Funktionieren Einwandzelte im Winter?

Es gibt spezielle Bergzelte, die ohne Innenzelt auskommen. Bei diesen ist der Boden fest mit dem Außenzelt verbunden, sodass sich ein geschlossener Innenraum bildet. Daher haben diese Zelte meist keine richtige Apsis, wobei es bei Mountain Hardwear Modelle mit Reißverschluss im Boden gibt, um Schnee holen zu können. Das durch das Fehlen eines Innenzeltes eingesparte Gewicht kommt durch ein stabileres Gestänge oft direkt wieder oben drauf. Es handelt sich hier also meist nicht um ultraleichte Ausrüstung, sondern Spezialzelte. Leider neigen Einwandzelte zu stärkerer Kondenswasserbildung.

Ein erprobtes und verbreitetes Modell war das Mountain Hardwear EV3, wobei es eher für zwei Personen zu empfehlen war. Du siehst es auf dem Foto oben. Der Nachfolger heißt inzwischen ACI 3. Dieses Zelt wird in vier sich kreuzende Gestängebögen eingehängt, nachdem es am Boden liegend verankert wurde. Dadurch lässt es sich auch bei starkem Wind sehr gut alleine und mit dicken Handschuhen aufbauen. Durch vier Lüfter ist es trotz Einwandkonstruktion nicht zu feucht im Inneren. Leider hat es keine Apsis zum Kochen und ist damit nicht das perfekte Winterzelt für Wintertouren im Fjäll. Auf meinen Solotouren habe ich dennoch gute Erfahrungen damit gemacht.

Und was ist mit Lavvus als Winterzelt?

Lavvus sind Einstangenzelte und erinnern an die indianischen Tippis, sind aber samischen Ursprungs. Sie können mit speziellen Zeltöfen beheizt werden. In der Baumwollausführung wie zum Beispiel von Tentipi kann sogar Feuer in ihnen gemacht werden. Dafür ist der Baumwollstoff natürlich schwerer.

Für unsere festen Zeltlager mit der Familie reicht ein Helsport Finnmark mit Helsport Zeltofen gut für vier Personen für das Schlafen und Aufhalten, obwohl das Zelt für 6-8 Personen angegeben wird. Sonst würde es schnell eng werden. Einmal habe ich gesehen, wie ein Schlafsackfußteil versehentlich an den heißen Ofen gekommen ist und der Kunststoff schnell wegschmolz. Die Familie, die unseren Zeltofen zum Testen geliehen hatte, wird sich dann wohl doch so schnell keinen eigenen Ofen angeschafft haben.

Lavvu mit Zeltofen, als Winterzelt eher etwas für das Basecamp
Lavvu mit Zeltofen, als Winterzelt eher etwas für das Basecamp (Foto: Malte Hübner)

In größeren Gruppen kann ein Lavvu als Koch- und Gruppenzelt für geselliges Beisammensein und weniger Kondens in den Schlafzelten sorgen. Dann lohnt sich der Mehraufwand des zusätzlichen Aufbaus, denn Lavvus müssen dank ihrer Konstruktion komplett abgespannt werden. Daher lohnen sich Lavvus wegen ihres Gewichts nur auf Touren mit Basislager, mit Hundeschlitten oder in bewaldeten Gebieten, wo du dann wenigstens ein nettes Feuer (im Ofen) entzünden kannst. Für eine Tour mit täglichem Aufbau ist ein großes Lavvu also eher nicht das richtige Winterzelt.

Dennoch für mich denkbar: Für eine Tour mit bis zu 6 Personen in mehreren Zelten würde ich wahrscheinlich ein UL-Lavvu (Pyramidentarp) mitnehmen, um es als Koch- und Gruppenzelt zwischen die anderen Zelte zu stellen. Das Innenzelt braucht man in dem Fall nicht und hebt sich lieber Bänke aus dem Schnee aus.

Tipps und Tricks für dein Winterzelt

  • Für sehr windgeplagte Gegenden wie die Piteraq-Zone in Grönland können die Zeltstangen gedoppelt werden. Große Firmen wie Hilleberg bieten diese als Zubehör an und auch die Gestängekanäle sind dafür ausgelegt, zwei Stangen aufzunehmen. In Skandinavien ist das in der Regel nicht nötig. Nützlicher für ein Plus an Stabilität sind zuerst weitere Abspannleinen, sauberes Abspannen und gute Schneeheringe.
  • An die Reißverschlüsse sollten kurze Kordeln gebunden werden, damit du sie auch mit Handschuhen gut greifen kannst. Außerdem klimpern sie dann im Wind weniger.
  • Die Spanner der Zeltschnüre sollten am Ende der Schnur zum Zelt sitzen und nicht am Ende zum Hering, damit du sie besser nachspannen kannst und sie nicht in Eis und Schnee versinken.
  • Wer mit einer Pulka unterwegs ist, kann wertvolle Aufbauzeit sparen, indem man die Gestängesegmente mit Klebeband so miteinander verklebt, dass man nur ein oder zwei teilbare Segmente übrig behält. Das Gestänge kann damit sogar halb im Kanal verbleiben und das Zelt wird anschließend um das Gestänge gewickelt.
  • Wer möchte, kann sich einen speziellen Pulkasack für das Zelt nähen. In diesen wird das der Länge nach aufgerollte Zelt als eine Art Wurst geschoben und dann oben auf den Pulka geschnallt. Das funktioniert auch mit den getapeten Stangen.
  • Verfügt dein Winterzelt über eine Apsis, kannst du bei genügend Schnee den Raum in der Apsis enorm vergrößern, indem du einen Graben aushebst. So kann nahezu Stehhöhe erreicht werden und du kannst darin mit genug Abstand zur Zeltdecke kochen.
  • Auch in gut belüfteten Zelten wird sich durch das Kochen mit entsprechend hoher Luftfeuchtigkeit im Inneren eine Raureifschicht an der Zeltwand bilden. Diese lässt sich gut mit Schneeklumpen aufnehmen. Reif entfernst du am besten immer vor dem Zusammenpacken, ansonsten können die Zeltlagen bei ungünstigen Temperaturen (Auftauen in der Sonne plus anschließende Minusgrade) aneinander festfrieren.
  • Mit einer Gaslaterne und anderen Tricks bekommst du etwas Wärme ins Zelt.

Jetzt bist du an der Reihe. Gefällt dir der Beitrag oder möchtest du etwas ergänzen? Dann freue ich mich über deinen Kommentar.

3 Kommentare zu „Die richtige Zeltwahl

  1. Hallo Malte,

    zunächst herzlichen Dank für Deine tollen Beiträge!
    Wir haben auch einen Tunnel (den wir auf Wintertour im Norden dabei haben) und das EV3 (bislang für die Alpen).

    Der Kochgraben im Tunnel hat sich sehr bewährt, so dass wir auch bei gutem Wetter in der Früh und am Abend aus Bequemlichkeit immer in der Apsis gekocht haben. Folgende Frage dazu: Hast Du im EV3 auch gekocht und wenn ja, mit Benzin?

    Danke und liebe Grüße
    Marcus

    1. Hallo Marcus,
      zuerst herzlichen Dank für das Lob. Und auf deine Frage: Ja, das habe ich bei ganz argem Wetter tatsächlich gemacht, möchte es aber pauschal niemanden empfehlen. Das ist gefährlich und entgegen aller Herstellerhinweise. Gerade die kritische Phase des Anzündens und Vorwärmens habe ich in einer tiefen Mulde vor einem der Eingänge gemacht und dann den Kocher erst ins Zelt genommen, wenn er lief. Da er auf einem Brett befestigt ist, ging das. So konnte ich ihn auch auf den Zeltboden stellen. Auch Vorheizen mit Spiritus ist deutlich weniger gefährlich. Aus der Not habe ich meinen Benzinkocher mal mit einem Gemisch aus etwa 1/3 Benzin und 2/3 Petroleum betrieben und halte auch das für ungefährlicher als Reinbenzin.
      Ich war dabei aber immer alleine im Zelt und sehr konzentriert. Die meisten kleinen und großen Unglücke passieren beim Kochem, wenn man nur noch schnell… So meine Erfahrung. Wichtig ist natürlich auch die Frischluftzufuhr zu sichern, ein offener Lüfter reicht beim EV3 locker. Kondens bekommst du aber trotzdem immer.
      Viele Grüße
      Malte

  2. Hallo Malte,

    nach meinen Erfahrungen sind auf dem Fjell Zelte mit Snowflaps eindeutig besser. Sie halten Zugluft perfekt ab und sind sehr einfach mit ein paar Schippen Schnee befestigt. Nach einiger Zeit frieren die Snowflaps im Schnee fest. Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, dass die nichts bringen. Es ist mir unverständlich, dass Bo Hilleberg seine Zelte eingräbt und behauptet, das wäre genauso gut. Ich empfehle jedem, das mal bei Wind auf festem Schnee zu versuchen. Es ist ein ziemliches Stück Arbeit, ein Keron 4 GT so tief einzugraben, wie es auf dem Video von Bo Hilleberg zu sehen ist. Ich halte mich da eher an die Empfehlungen von Börge Ousland und seinem Team. Von Helsport gibt es auch ein sehr schönes Video, in dem der Aufbau im Schnee erklärt wird und der Umgang mit den Snowflaps gezeigt wird. Ich stecke allerdings meine Schneeheringe nicht wie in dem Video zu sehen ist von oben nach in den Schnee, sondern vergrabe sie quer im Schnee. Das hält so fest, dass man die Heringe am nächsten Morgen nur noch mit der Schaufel rausbekommt.

    Ich selbst habe früher ein The North Face VE25 verwendet, mittlerweile nehme ich nur noch Zelte aus der Helsport Extrem Serie. Die sind gleich beim Kauf fertig für diesen Einsatzbereich. Ich habe auch ein Keron 4GT, aber das nehme ich nicht mit in den Winter, da es eben keine Snowflaps hat. Nachrüsten lasse ich bleiben, da ich ja bessere Alternativen habe.

    Helsport oder Hilleberg, das wird auch oft diskutiert. Ich habe mehrere Zelte von beiden Herstellern und ich bevorzuge Helsport, aber mit erheblichen Bauchschmerzen. Durch die innenliegenden Gestängekanäle und die Snowflaps neigen die Helsportzelte weniger zum Flattern im Wind. Die silikonisierten Bodengewebe halten länger, ohne zu verkleben, wie bei den Hilleberg PU-Beschichtungen. Wir reden hier über 20+ Jahre, bei kürzeren Zeiträumen merkt man das nicht. Spannschnüre sind bei Hilleberg besser, ebenso die Gummis in den Gestängen. Die Gummis in den Helsportgestängen leiern nach wenigen Jahren aus und müssen erneuert werden. Das ist zwar einfach, aber es nervt. Helsportzelte sind in Deutschland nicht einfach zu bekommen, Ersatzteile sind sehr schwierig zu beschaffen, Anfragen direkt bei Helsport bleiben meist unbeantwortet. Service in Deutschland gleich Null, auch die wenigen deutschen Händler haben hier Probleme. In Norwegen ist das deutlich besser.

    Aber auch Hillebergzelte sind nicht so perfekt wie viele gerne behaupten. Die Black Label Tunnelzelte sind von Material und Verarbeitung gut. Ich habe aber auch schon abgelöste Beschichtungen an den Gestängekanälen bei einem neu gekauften, zwei Jahre altem Namatj gehabt. Reklamation von Hilleberg wurde nicht akzeptiert, angeblich wurde das Zelt feucht gelagert. Das ist eine Frechheit, da es immer sorgfältig getrocknet und locker im Baumwollsack in einem trockenen Raum gelagert wurde. Ich habe auch zwei Gestängebrüche bei einem Saitaris der ersten Generation gehabt, ohne dass das Zelt starken Belastungen ausgesetzt wurde. Das Nylon-Innenzeltgewebe der ersten Hillebergzelte war eine Katastrophe, jeder Kondenstropfen produzierte beim Auftreffen auf das Innenzelt einen kleinen Sprühnebel im Zelt. Das habe ich bei Helsport und The North Face nicht erlebt. Die neuen Innenzeltgewebe bei Hilleberg sind aber besser.

    Trotzdem ist der Service von Hilleberg in Deutschland deutlich besser, die Zelte sind leicht zu beschaffen. Die Black Label Tunnelzelte werden auch oft, aber nur mit Snowflaps, bei den Anbietern für Südpoltouren verwendet.

    Bei den Lavvus ist es einfach, die Helsport Varanger-Modelle und das Finnmark sind einfach klasse. Im letzten Corona-Winter habe ich mein Varanger 4-6 vier Monate im Garten stehen gehabt und öfter drin geschlafen. Es hat Sturm, Regen, Schnee und Kälte (-17 Grad) ohne Probleme weggesteckt, ich konnte keinerlei Verschleiß feststellen. Der Helsport Ofen heizt hervorragend, allerdings nerven mich die oxidierenden Ofenrohre ein bisschen. Warum die nicht auch aus rostfreiem Stahl sondern aus verzinktem Blech gefertigt werden, ist ein Geheimnis von Helsport. Bei Kälte ist das Innenzelt sehr zu empfehlen, es puffert den Kältegradienten spürbar ab. Eine erhöhte Liegefläche ist übrings spürbar wärmer. Wer hier über eine Neuanschaffung nachdenkt, sollte sich für die Varanger Camp Serie entscheiden, der normale Eingang ist bei Regen nicht geschützt und weniger gut. Zur Größe: Mit dem Ofen ist das Varanger 4-6 für mich ein bequemes Zweipersonenzelt. Man bedenke hier den notwendigen Sicherheitsabstand zum Ofen und auch die erheblichen Temperaturdifferenz nach außen. Etwas Abstand hilft. Mit zwei Helinox Liegen ist das recht bequem. Ein Lavvu ist keine Hütte, wenn der Ofen aus ist, wird es schnell kalt. Aber man kann alles trocknen und sich aufwärmen. Für einen längeren Wildnisaufenthalt mit Transportmöglichkeit wie einem Kanu oder einem Schlitten würde ich in bewaldeten Gebieten heute immer so ein Zelt mit einem Ofen mitnehmen. Aber nicht beim Cool Camping im Fjell. Ein Feuer im Zelt würde ich wegen der Rauchentwicklung nicht machen.

    Meine Schneeheringe sind von Helsport, hergestellt werden die von Hampton Works. Dort sind sie aber seltsamerweise nicht zu bekommen. Ich benutze eine Kombination aus den langen und den kurzen Schneeheringen. Ich habe an den Schneeheringen eine Schnurverlängerung mit einem kleinen Alukarabiner befestigt. den Alukarabiner kann man dann sehr einfach an den Abspannleinen befestigen.

    Viele Grüße,

    Günther

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