Isomatte aus Schaum oder Luftmatratze

Die dicke Isomatte aus Evazote-Schaum nimmt in der Pulka viel Platz weg und kommt daher außen ans Gestänge.
Die dicke Isomatte aus Evazote-Schaum nimmt in der Pulka viel Platz weg und kommt daher außen ans Gestänge. (Foto: Malte Hübner)

Nach einem langen Tag auf Wintertour freue ich mich auf meinen Schlafsack, etwas Warmes zu essen und darauf, mich ins Zelt zu verkriechen. Der Schlafsack allein kann natürlich nicht ausreichend warmhalten, da seine Isolation nach unten durch das Körpergewicht plattgedrückt wird. Da könntest du auch gleich auf dem blanken Boden liegen. Daher braucht es eine gute Isolierung nach unten. Aber ist eine Isomatte aus Schaumstoff oder eine Luftmatratze besser geeignet?

Basics Luftmatratzen im Winter

Reine Luftmatratzen ohne aufwendig unterteilte Luftkammern oder zusätzliche Isolation scheiden direkt aus. Sie würden nicht ausreichend isolieren, da die Luft im Inneren der Matte vom Körper erwärmt werden müsste. Gleichzeitig wird dabei aber zu viel Wärme an den Boden abgegeben, weil die Luft im Inneren der Matte zirkuliert. Viele Hersteller lösen dieses Problem mit einer Isolation aus Schaumstoff oder Daune in der Matte. Es handelt sich also eher um Thermo-Luftmatratzen. Bei Topmodellen wie der Exped Downmat befinden sich Daunen in den Luftkammern, die das Zirkulieren der Luft verhindern. Andere Modelle haben statt Daunen eine Kunststoffisolation, ein aufgeklebtes Fleece in der Matte oder setzen auf eine Unterteilung der großen Luftkammern in viele kleine Kammern. Alle diese Lösungen verhindern den Wärmefluss.

Grundsätzlich gilt: Luftmatratzen haben immer Luft in sich und entsprechend ein Ventil zum Aufblasen und Ablassen. Auch die „selbstaufblasenden“ Modelle zähle ich folglich dazu.

Sorgen für Komfort: TAR Prolite, Prolite Plus oder seatosummit UL insulated
Sorgen für Komfort: TAR Prolite, Prolite Plus oder seatosummit UL insulated (Foto: Malte Hübner)

Vor- und Nachteile von Luftmatratzen im Winter

Vorteile Luftmatratze

  • sie sind bequemer und bieten mehr Liegekomfort besonders für Seitenschläfer
  • aufblasbare Matten sind deutlich kleiner verstaubar und passen in jeden Rucksack
  • die meisten Matten lassen sich vom Härtegrad etwas anpassen

Nachteile Luftmatratze

  • schon ein kleines Loch kann die Matte unbrauchbar machen
  • beim Aufpusten mit dem Mund kann Luftfeuchtigkeit eindringen, welche dann als Kondenswasser kaum wieder aus der Matte zu bekommen ist und für Schimmel oder Auflösen des Klebers sorgen könnte; Eiskristalle könnten den Schaumstoff schädigen
  • Kälte kann die Klebeverbindungen schwächen, da nicht jeder Kleber ausreichend temperaturbeständig ist; die Folge ist eine „delamination of death“, also fette Blasen in der Matte, leider irreparabel!
  • Je nach Bauart empfinden manche Menschen die längst angeordneten Luftkanäle als schaukliger als quer angeordnete oder umgekehrt

Zusammenfassen lässt sich also, dass du bei Thermo-Luftmatratzen eher eine robuste Version wählen solltest, die dann mit einem Pumpsack aufgeblasen wird. Ein kleines Reparaturset darf im Gepäck ebenfalls nicht fehlen.

Basics Schaummatten im Winter

Schaummatten sind vollständig aus Schaumstoff und werden gerollt oder gefaltet. Es gibt Schaumstoff aus offenzelligem und geschlossenzelligem Material. Offene Zellen wie bei billigen PE-Matten lassen Wasser eindringen und sind damit unbrauchbar. Das beste Material ist geschlossenzellig und aus Evazote, einem PU-Schaum. Genaugenommen ist in diesem Schaum natürlich auch Luft eingeschlossen, aber sie kann eben nicht abgelassen werden. Die einfachen Matten aus Evazote gibt es in verschiedener Materialstärke und Materialdichte. Bei der Dichte ist EV30 das flexiblere und etwas weichere Material und damit besser für Liegematten geeignet. Es lässt sich auch noch gut rollen. EV50 hingegen ist etwas steifer und dichter, also besser für Sitzkissen oder für dicke Wintermatten.

Vor- und Nachteile von Schaumisomatten im Winter

Vorteile Schaummatten

  • sie sind nahezu unzerstörbar, nur zu viel Sonne lässt sie altern
  • sie lassen sich reparieren oder Ecken können zum Abpolstern z. B. einer Druckstelle am Fuß einfach abgeschnitten werden
  • sie haben eine sehr hohe Isolationswirkung, schon 2 cm dicke Evazote-Matten reichen für nahezu jede Wintertour in Europa aus

Nachteile Schaummatten

  • sie sind sperrig; das Packmaß einer Evazote Winter mit 190x60x2 cm ist eine Rolle von 60 cm Breite und mindestens 20 cm Durchmesser (siehe Titelfoto)
  • sie sind härter und damit nicht sonderlich bequem, vor allem bei mehreren Nächten

Wenn es um Sicherheit geht, wird Evazote die bessere Variante sein, auch wenn man dann eben etwas härter liegt.

Woran erkenne ich, ob die Isomatte ausreichend ist?

Der R-Wert kennzeichnet den Wärmedurchgangswiderstand einer Isomatte. Dieser hängt vor allem von der Dicke und dem Material ab. Den R-Wert mehrerer Matten kannst du ganz einfach addieren.

Grundsätzliche Regeln

  • je höher der R-Wert, umso besser ist die Isolationswirkung einer Matte.
  • je höher der R-Wert, umso geringer ist der Wärmeverlust nach unten.
  • je dicker die Matte (aus demselben Material), umso höher ist der R-Wert.

Temperatur und R-Wert

Was heißt das jetzt konkret? Mit welchen R-Wert solltest du für deine Matte im Winter mindestens rechnen? Dafür habe ich folgendes Diagramm für dich entworfen:

Welchen R-Wert brauche ich mindestens bei X° Celsius?
Welchen R-Wert brauche ich mindestens bei X° Celsius? (Diagramm: Malte Hübner)

Über den R-Wert lässt sich nun theoretisch einschätzen, wie niedrig die tiefste Temperatur noch sein kann, ohne zu frieren. Eine gute Tabelle mit Beispielen für Referenzmatten findet sich im Outdoorwiki von Outdoorseiten.net unter R-Wert. Ein Probeliegen unter echten Bedingungen schadet natürlich nie.

Besser eine Matte oder eine Kombination?

Zur Beantwortung kommt es vor allem auf den Platz im Gepäck, auf das Sicherheitsbedürfnis und den benötigten Liegekomfort an. Ein paar Beispiele meiner Kombinationen:

Auf einer Tour mit Auf- und Abbau an jedem Tag und wenn in der Pulka genug Platz ist, würde ich eine mitteldicke Evazote (mindestens 1,5 cm) wählen und dazu eine robuste Therm-a-rest (TAR) Prolite Plus für den Liegekomfort, da ich Seitenschläfer bin. Diese Thermo-Luftmatte hat bei mir bisher einfach alles mitgemacht. Mit Abstrichen wäre es eine TAR Prolite in Short (119 cm). Müsste ich mich weiter einschränken, wäre es eine dicke Evazote (~2 cm) und sonst nichts.

Thermarest Prolite Short auf Evazote Winter heißt Liegekomfort und genug Isolation
Thermarest Prolite Short auf Evazote Winter heißt Liegekomfort und genug Isolation (Foto: Malte Hübner)

Für ein festes Basiscamp würde ich hingegen eine Evazote Doublemat (200x100x0,4 cm) als vollflächigen Zeltteppich ausbreiten. Darauf käme entweder eine NeoAir AllSeason bzw. Xtherm oder eine Downmat bzw. Synmat von Exped. Alle diese Isomatten kommen an die Isolation von einer Evazote Winter heran oder übertreffen sie sogar, sind dabei aber deutlich bequemer. Da sie nicht jeden Tag aufgeblasen werden müssen, wird sich das Kondensproblem im Rahmen halten. Sollte sich nun doch ein Loch in einer der Matten ergeben, kann man im Basislager leichter flicken. Notfalls wäre die Doublemat gefaltet als Liegeunterlage genug Isolation.

Für eine Tour im Mittelgebirge in Deutschland würde ich eine TAR Prolite Plus mit einer ganzen oder halben TAR Z-lite kombinieren.

Thermarest Prolite Short auf Evazote Winter heißt Liegekomfort und genug Isolation
Bei geriffelten oder strukturierten Matten sammelt sich oft Kondensat in den Zwischenräumen (Foto: Malte Hübner)

Welche Matte kommt nach oben?

Welche Matte bei der Kombination von Thermo-Luftmatratze und Festschaummatte besser oben und welche unten liegt, ist schwer zu sagen. Für die Bequemlichkeit müsste die aufblasbare Isomatte oben liegen. Für die bessere Isolation müsste eigentlich die feste Matte oben drauf. Am besten probiert jede*r selbst, was besser passt und weniger rutscht. Allerdings empfehle ich, bei strukturierten Matten diese nach unten zu legen, da sich in den Zwischenräumen Kondensat sammelt. Dadurch kann der Schlafsack durchnässen. Das passiert bei ungünstigen Bedingungen zum Beispiel bei TAR Z-lite und Ridgerest oder auch der Matte von Seatosummit auf dem Foto.

Tipps und Tricks

  • Luftmatten mit Pumpsack aufpusten, um Feuchtigkeit in der Matte zu vermeiden
  • bei Luftmatten immer ein kleines Flickzeug dabeihaben und dies vor jeder Tour checken
  • die aufgerollte Evazote-Isomatte außen an die Pulka oder das Gestänge schnallen, um Platz zu sparen
  • Um beim Packen Zeit zu sparen, könnte auch ein Bedding Bag helfen
  • eine zusätzliche halbe TAR Z-lite kann auf Tour Sitzkissen, Kochmatte, Backup und vieles anderes sein
  • Rettungsdecken reflektieren zwar als Decke die Wärme, bringen aber als Unterlage im Winter überhaupt nichts außer Rascheln

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