Isomatte aus Schaum oder Luftmatratze

Die dicke Isomatte aus Evazote-Schaum nimmt in der Pulka viel Platz weg und kommt daher außen ans Gestänge. (Foto: Malte Hübner)

Nach einem langen Tag freue ich mich auf meinen Schlafsack, etwas warmes zu essen und darauf, mich ins Zelt zu verkriechen. Der Schlafsack allein kann leider nicht ausreichend warm halten, da seine Isolation nach unten durch das Gewicht der Schläferin oder des Schläfers platt gedrückt wird. Ich könnte dann auch gleich auf dem blanken Boden liegen. Daher braucht es eine gute Isolierung nach unten. Dafür bieten sich Isomatten aus Schaumstoff oder Luftmatratzen an.

Luftmatratzen

Reine Luftmatratzen ohne unterteilte Luftkammern oder zusätzliche Isolation scheiden direkt aus. Sie würden nicht ausreichend isolieren, da die Luft im Inneren der Matte vom Körper erwärmt werden müsste, gleichzeitig aber zu viel Wärme an den Boden abgegeben wird. Viele Hersteller lösen dieses Problem mit einer Isolation aus Schaumstoff oder Daune in der Matte. Es handelt sich also eher um Thermo-Luftmatratzen. Bei Topmodellen wie der Exped Downmat befinden sich Daunen in den Luftkammern, die verhindern, dass die Luft innen zirkuliert. Andere Modelle haben statt Daunen eine Kunststoffisolation, ein aufgeklebtes Fleece in der Matte oder setzen auf eine Unterteilung der Luftkammern in viele kleine Kammern. Alle die Lösungen verhindern ebenfalls den Wärmefluss.

Grundsätzlich gilt: Luftmatratzen haben immer Luft in sich und entsprechend ein Ventil zum Aufblasen und Ablassen. Auch die „selbstaufblasenden“ Modelle zähle ich folglich dazu.

Schaummatten

Schaummatten sind vollständig aus Schaumstoff und werden gerollt oder gefaltet. Es gibt Schaumstoff aus offenzelligem und geschlossenzelligem Material. Offene Zellen wie bei billigen PE-Matten lassen Wasser eindringen und sind damit unbrauchbar. Das beste Material ist geschlossenzellig und aus Evazote, einem PU-Schaum. Die einfachen Matten aus Evazote gibt es in verschiedener Materialstärke und Materialdichte. Bei der Dichte ist EV30 das flexiblere und etwas weichere Material und damit besser für Liegematten geeignet, die sich auch noch gut rollen lassen sollen. EV50 hingegen ist etwas steifer und dichter, also besser für Sitzkissen oder für dicke Wintermatten. EV70 kommt fast nur noch für feste Verbauung oder als Auftriebskörper in Frage.

Schauen wir uns die Vor- und Nachteile von Luftmatratzen an:

Vorteile Luftmatratze

  • sie sind bequemer und bieten mehr Liegekomfort besonders bei Seitenschläfern
  • aufblasbare Matten sind deutlich kleiner verstaubar und passen in jeden Rucksack
  • die meisten Matten lassen sich vom Härtegrad etwas anpassen

Nachteile Luftmatratze

  • schon ein kleines Loch kann die Matte unbrauchbar machen
  • beim Aufpusten mit dem Mund kann Luftfeuchtigkeit eindringen, welche dann als Kondenswasser kaum wieder aus der Matte zu bekommen ist und für Schimmel oder Auflösen des Klebers sorgen könnte; Eiskristalle könnten den Schaumstoff schädigen
  • Kälte kann die Klebeverbindungen schwächen, da nicht jeder Kleber ausreichend temperaturbeständig ist; die Folge ist eine „delamination of death“, also fette Blasen in der Matte
  • Je nach Bauart empfinden manche Menschen die längst angeordneten Luftkanäle als schaukeliger als quer angeordnete oder umgekehrt

Zusammenfassen lässt sich also, dass bei Thermo-Luftmatratzen eher eine robuste Version gewählt werden sollte, die dann mit einem Pumpsack aufgeblasen werden sollte. Ein kleines Reperaturset darf im Gepäck ebenfalls nicht fehlen.

Vorteile Schaummatten

  • sie sind nahezu unzerstörbar, nur zu viel Sonne lässt sie altern
  • sie lassen sich kleben oder Ecken können zum Abpolstern z. B. einer Druckstelle am Fuß einfach abgeschnitten werden
  • sie haben eine sehr hohe Isolationswirkung, schon 2 cm dicke Evazote-Matten reichen für nahezu jede Wintertour in Europa aus

Nachteile Schaummatten

  • sie sind sperrig; das Packmaß einer Evazote Winter mit 190x60x2 cm ist eine Rolle von 60 cm Breite und mindestens 20 cm Durchmesser (siehe Titelfoto)
  • sie sind härter und damit nicht sonderlich bequem

Wenn es um Sicherheit geht, wird also die Evazote die bessere Variante sein, auch wenn man dann eben etwas härter liegt.

Woran erkenne ich, ob die Isomatte ausreichend ist?

Der R-Wert kennzeichnet den Wärmedurchgangswiderstand einer Isomatte. Dieser hängt vor allem von der Dicke und dem Material ab. Aber auch die Oberfläche eines Materials kann die Isolation begünstigen, z. B. bilden die Rillen bei der Therm-a-rest Ridgerest Solar ein Luftpolster, während die alubedampfte Oberfläche die Körperwärme stärker reflektieren soll.

Grundsätzliche Regeln

  • je höher der R-Wert, um so besser ist die Isolationswirkung einer Matte.
  • je höher der R-Wert, um so geringer ist der Wärmeverlust nach unten.
  • je dicker die Matte (aus demselben Material), um so höher ist der R-Wert.

Temperatur und R-Wert

Über den R-Wert lässt sich nun theoretisch einschätzen, wie tief die tiefste Temperatur noch sein kann, ohne zu frieren. Eine gute Tabelle mit Beispielen für Referenzmatten findet sich im Outdoorwiki von Outdoorseiten.net unter R-Wert.

Besser eine Matte oder eine Kombination?

Zur Beantwortung kommt es vor allem auf den Platz im Gepäck, auf das Sicherheitsbedürfnis und den benötigten Liegekomfort an.

Auf einer Tour mit Auf- und Abbau an jedem Tag und wenn in der Pulka genug Platz ist, würde ich eine mitteldicke Evazote (mindestens 1,5 cm) wählen und dazu eine robuste Therm-a-rest (TAR) Prolite Plus für den Liegekomfort, da ich Seitenschläfer bin. Diese Thermo-Luftmatte hat bei mir bisher einfach alles mitgemacht. Müsste ich mich weiter einschränken, wäre es eine dicke Evazote (~2 cm) und sonst nichts.

Für ein festes Basiscamp würde ich hingegen eine Evazote Doublemat (200x100x0,4 cm) als vollflächigen Zeltteppich ausbreiten. Darauf käme entweder eine NeoAir AllSeason bzw. Xtherm oder eine Downmat bzw. Synmat von Exped. Alle diese Isomatten kommen an die Isolation von einer Evazote Winter heran oder übetreffen sie sogar, sind dabei aber deutlich bequemer. Da sie nicht jeden Tag aufgeblasen werden müssen, sollte sich das Kondensproblem im Rahmen halten. Sollte sich nun doch ein Loch in einer der Matten ergeben, kann man im Basislager leichter flicken. Notfalls wäre die Doublemat gefaltet als Liegeunterlage genug Isolation.

Für eine Tour im Mittelgebirge in Deutschland würde ich eine TAR Prolite Plus mit einer ganzen oder halben TAR Z-lite kombinieren.

Wo bei der Kombination von Thermo-Luftmatratze und Festschaummatte welche Matte oben und welche unten liegt, ist schwer zu sagen. Für die Bequemlichkeit müsste die aufblasbare Isomatte oben liegen, für die bessere Isolation eigentlich die feste Matte. Am besten probiert jede oder jeder selbst, was besser passt und weniger rutscht.

Tipps und Tricks

  • Luftmatten mit Pumpsack aufpusten, um Feuchtigkeit in der Matte zu vermeiden
  • bei Luftmatten immer ein kleines Flickzeug dabei haben
  • die aufgerollte Evazote-Isomatte außen an die Pulka oder das Gestänge schnallen, um Platz zu sparen
  • eine zusätzliche halbe TAR Z-lite kann auf Tour Sitzkissen, Kochmatte, Backup und vieles anderes sein!

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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