Erste Hilfe im Winter

Ein Fachbuch über Erste Hilfe im Winter und Sommer kann ein Einstieg sein, ersetzt aber keinen Lehrgang (Foto: Malte Hübner)

Unterkühlung und Erfrierungen sind im Winter die größten Gefahren. Zwar unterscheidet sich Erste Hilfe im Winter in ihren Grundzügen kaum von der medizinischen Erstversorgung in anderen Jahreszeiten, aber es gibt viele Irrtümer über die richtige Versorgung im Ernstfall. Stattdessen sollten gerade bei Minusgraden alle Handgriffe sitzen. Es könnte Leben retten.

Basiswissen

Um mit medizinischen Notfällen umgehen zu lernen, empfehle ich jeder Person einen allgemeinen Erste Hilfe Kurs sowie eine regelmäßige Auffrischung des Gelernten. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, kann alternativ auch umfangreiche Kurse zu Erster Hilfe Outdoor besuchen, wie sie manche spezialisierte Anbieter im Programm haben. Hier wird häufig besonders auf typische Outdoorverletzungen oder -gefahren eingegangen oder auch gleich in der Natur der praktische Umgang erlernt.

Keine dieser Schulungen kann jedoch eine professionelle medizinische Versorgung im Notfall ersetzen, wie sie nur langjährig ausgebildetes Fachpersonal liefern kann. An dieser Stelle sei daher auch darauf hingewiesen, dass es sich bei meinen Schilderungen um ein erstes Informationsangebot zu dem Thema handelt und nicht um medizinischen Rat im Notfall.

Die typischen Verletzungen

Zu den typischen Verletzungen zählen Wunden wie Abschürfungen, Prellungen, Brandwunden und Blutungen oder traumatische Verletzungen wie Brüche und Bänderrisse.

Hier unterscheidet sich das Vorgehen nicht von der normalen Erstversorgung, wie sie im Kurs erlernt wird. Ich gehe daher hier nicht darauf ein, sondern setze die Kenntnisse dazu voraus. Da dieses Thema dennoch sehr umfangreich ist, empfehle ich zur Beschäftigung damit das Buch „Erste Hilfe unterwegs“ von Armin Wirth. Auch für den Überblick zum Thema Unterkühlung und Erfrierung beziehe ich mich überwiegend auf dieses Buch.

Gefahr Unterkühlung

Nach Definition liegt eine Unterkühlung vor, wenn die Körpertemperatur der betroffenen Person unter 35° Celsius fällt. In diesem Fall handelt es sich um eine relevante Störung des Wärmehaushaltes. Es ist also mehr als „nur“ Frieren. Unterschieden wird anschließend nach einer leichten und schweren Unterkühlung.

Leichte Unterkühlung

Bei einer Körpertemperatur unter 35° Celsius aber noch über 32° Celsius gilt die Person als leicht unterkühlt. In diesem Fall ist erste Hilfe noch als Eigenmaßnahme möglich.

Eine leichte Unterkühlung ist an verschiedenen Symptomen zu erkennen. Dazu gehören

  • Zittern und ein Kältegefühl
  • Erregungszustand und zunehmende Müdigkeit/Erschöpfung
  • Schmerzen an den Extremitäten
  • bläulich-blasse Haut und blaue Lippen
  • schneller Puls
  • erhöhter Blutdruck
  • vertiefte Atmung
  • unkoordinierter Gang
  • stolpern über Ski oder Schwierigkeiten im mäßig schweren Gelände zu gehen

Für den Verdacht einer Unterkühlung reichen bereits einzelne Anzeichen aus. Da Erschöpfung und Anstrengung mit schnellem Puls oft in einer schwierigen Passage oder bei körperlicher Verausgabung auftreten, ist gerade auch in Bewegung darauf zu achten, wie es um einen selbst und die anderen Mitgliedern der Gruppe steht.

Gegenmaßnahmen bei leichter Unterkühlung

Zeigen sich Anzeichen einer leichten Unterkühlung, besteht Handlungsbedarf. Die unterkühlte Person muss schnellstens aus der kalten Umgebung entfernt und windgeschützt gelagert werden. In der Regel wird dafür das Zelt aufgebaut oder notfalls kann ein Biwaksack oder eine Schneehöhle helfen.

Wann die Person sich noch selbst helfen kann

Feuchte Kleidung oder Schuhe sollten sofort gegen trockene und ausreichend warme Kleidung getauscht werden, die weit genug ist, um die Blutzirkulation nicht zu behindern.

Ist die unterkühlte Person noch bei vollem Bewusstsein, sollte diese sich möglichst durch körperliche Bewegung aktiv beteiligen. Gut sind dafür Kniebeugen, Liegestütze, Armkreisen und leichtes Hüpfen geeignet.

Wann es Hilfe durch anderen braucht

Sobald eine Bewusstseinsstörung bei der Patientin oder dem Patienten bemerkt wird, sollte das passive Aufwärmen bevorzugt werden. Die Person kommt in einen warmen Schlafsack, natürlich mit einer ausreichend dicken Isomatte gegen die Bodenkälte. Als Position eignen sich die Rückenlage oder im Zweifel auch die stabile Seitenlage. Anschließend wird ein Wärmepaket in Form einer Wärmflasche in Kleidung eingewickelt (sonst zu heiß!) und ausschließlich am Hals rechts und links und auf den Leisten im Schritt platziert. Beim Aufwärmen sollten die Vitalzeichen regelmäßig kontrolliert werden.

Erst wenn die unterkühlte Person wieder bei vollem Bewusstsein ist, sollten warme, gezuckerte Getränke wie Tee und hochkalorische Nahrung gegeben werden. Wichtig ist, dass die Person auch bei Appetitlosigkeit etwas zu sich nimmt. Der Appetit geht im Winter zurück, der Körper braucht für sein Kraftwerk allerdings dringend „Brennstoff“.
Zur Erholung sollte ein Pausentag mit guter Ernährung eingelegt werden.

Schwere Unterkühlung

Eine schwere Unterkühlung liegt vor, wenn die Körpertemperatur unter 32° Celsius fällt. Andere Quellen sprechen sogar bereits bei einer Temperatur von unter 34° Celsius davon. Es gibt also eine Grauzone im Verlauf zwischen leichter und schwerer Unterkühlung. Wenn bei einer leichten Unterkühlung noch eigene erste Hilfe gefordert ist, so sollten im schweren Fall keine eigenen Maßnahmen mehr durchgeführt werden und professionelle Hilfe ist dringend zu bevorzugen.

Die Symptome für eine schwere Unterkühlung sind

  • deutliche Bewusstseinstrübung
  • Entscheidungsschwäche
  • Erinnerungslücken
  • Unterzuckerung
  • nachlassendes Schmerzempfinden
  • langsamer Puls
  • unregelmäßige Atmung
  • Herzrhythmusstörungen

Und wenn die Körpertemperatur dann noch weiter fällt

  • schließlich weite Pupillen
  • keine Schmerzreflexe mehr
  • nur noch schwacher Puls
  • Extreme: Koma, Atemstillstand, Scheintod

Gegenmaßnahmen

Bei einer schweren Unterkühlung besteht die Gefahr eines lebensbedrohlichen Herzkammerflimmerns durch Erschütterungen. Die unterkühlte Person muss daher immer äußerst vorsichtig und behutsam bewegt oder transportiert werden.

Da zusätzlich beim Erwärmen der Person ein Wiedererwärmungsschock eintreten kann, ist professionelle Hilfe unbedingt vorzuziehen. Bei diesem Schock spielt die mit einer Unterkühlung häufig einhergehende Dehydration eine bedeutende Rolle. Wird die Person zu schnell erwärmt, öffnen sich die Blutgefäße der Extremitäten und das durch das Austrocknen verdickte Blut strömt zurück in die anderen Körperteile. Da das Blutvolumen im Körper dafür nicht ausreicht, sinkt der Blutdruck extrem schnell: der Schockzustand setzt ein.

Gleichzeitig wird das Blut in den zuvor undurchbluteten Körperteilen mit Stoffwechselabfällen verunreinigt und irritiert das Herz beim Zurückströmen zusätzlich.

Sofern alle Vitalfunktionen stabil sind, ist es daher angebracht, die Person mit einer schweren Unterkühlung in diesem Zustand zu lassen und Hilfe anzufordern. Selbst einige Tage ohne Erwärmung können in diesem Zustand überlebt werden.

Ausnahme: Nach einem Sturz ins Wasser und einer schnell eintretenden schweren Unterkühlung kann und sollte die Person direkt erwärmt werden.

Und wenn es keine professionelle Hilfe gibt?

Nur in diesem Fall kann die Person ähnlich wie bei leichter Unterkühlung behandelt werden. Wärmflaschen in Kleidung eingewickelt werden an Hals, auf die Leisten und zusätzlich an die Seiten des Brustkorbs gelegt und regelmäßig ausgetauscht. Die Flaschen dürfen nicht zu heiß sein! Alle Vitalfunktionen müssen dauerhaft überwacht werden. Bei Scheintod durch Unterkühlung besteht die Gefahr, zu früh mit einer Reanimation zu beginnen. Diese darf erst durchgeführt werden, wenn mindestens 3 Minuten lang sicher kein Puls und keine Atmung festgestellt wurde. Die Person darf nicht bewegt werden. Warme Getränke dürfen auf keinen Fall gegeben werden, bevor die Person wieder bei Bewusstsein ist. Nach Übergang in den Zustand der leichten Unterkühlung wird wie dort beschrieben fortgefahren.

Aber noch einmal: Bei einer schweren Unterkühlung ist die Evakuierung oberstes Ziel!

Erfrierungen

Bei Erfrierungen handelt es sich um lokale Gewebeschädigungen durch intensive örtliche Kälteeinwirkung. Meistens treten Erfrierungen im Zuge einer allgemeinen Unterkühlung auf.

In dem Fall einer schweren Unterkühlung stellt diese die größere Gefahr dar und entsprechend müssen zunächst Gegenmaßnahmen gegen Unterkühlung durchgeführt werden. Die weitere Unterteilung in vier Grade der Erfrierung spielt vielleicht in der Klinik eine Rolle, aber auf Tour sind die feinen Differenzierung nicht ausschlaggebend

Leichte Erfrierungen

Eine leichte Erfrierung liegt vor, wenn der betroffene Körperteil weiß und kalt ist und nur noch eingeschränkt Gefühl zeigt. Das darunterliegende Gewebe ist dann noch weich und flexibel. Oft zeigt sich spätestens beim Abtasten ein brennender Schmerz, es können sich Frostbeulen mit Blasenbildung und leichte Schwellungen bilden.

Gegenmaßnahmen

Auch bei Erfrierungen sollte die Person möglichst schnell in eine warme Unterkunft oder wenigstens das Zelt gebracht werden, um keiner weiteren Kälte ausgesetzt zu werden. Anders als bei Unterkühlung sollten erfrorene Körperteil möglichst rasch aufgewärmt werden. Dazu eignet sich am besten ein Wasserbad mit 38°-40° Celsius Wassertemperatur. Der Körperteil sollte darin für 20-40 Minuten aufgewärmt werden. Zusätzlich sollte ein Blutverdünner wie Aspirin gegeben werden (alle 6 Stunden über 10 Tage oder bis zur nächsten medizinischen Hilfe). Lockere Verbände oder Abpolstern helfen gegen Druckstellen und –schmerzen.

Achtung! Der erfrorene Körperteil verfügt über kein Gefühl mehr, sodass zu heißes Wasser nicht wahrgenommen wird. Daher sollte die Wassertemperatur ständig überwacht werden.

Achtung! Liegt die Körpertemperatur unter 32° Celsius, muss nach dem Verfahren bei Unterkühlung gehandelt werden.

Weiterhin kann die Haut-zu-Haut Erwärmung genutzt werden, wobei die Finger oder Zehen auf den Bauch der Begleitung oder in die eigene Achselhöhle gesteckt werden.

Gegen Schwellungen hilft eine erhöhte Lagerung des betroffenen Körperteils. Blasen werden grundsätzlich nicht geöffnet und es muss darauf geachtet werden, dass die Haut an den betroffenen Stellen sauber und trocken gehalten wird. Auch eine antiseptische Behandlung ist anzuraten.

Schwere Erfrierungen

Der Körperteil färbt sich bei einer schweren Erfrierung tiefrot bis violett und später totenblass. Der Körperteil ist gefühllos, fühlt sich bei Berührung eisig an und meist besteht dabei auch kein Schmerzempfinden mehr.

Es kann auch zu bläulich-schwarzen Nekrosen kommen oder der Körperteil vereist total.

Gegenmaßnahmen

Außerhalb von extremen Expeditionen sollte die Tour in diesem Fall abgebrochen werden und medizinische Hilfe ist dringend nötig. Dies gilt auch immer dann, wenn gleichzeitig eine schwere Unterkühlung oder ein schlechter Allgemeinzustand vorliegen, weil die Behandlungsmöglichkeiten auf Tour dafür nicht ausreichen.

Wenn keine Evakuierung möglich ist, kann es sinnvoller sein, den erfrorenen Körperteil im gefrorenen Zustand zu belassen, bis medizinische Hilfe eintrifft oder wenigstens die nächste Hütte erreicht wurde.

Was sollte man auf gar keinen Fall tun?

Die gefrorene Stelle am Körper sollte…

  • …niemals massiert werden, weil dann die unteren Gewebeschichten ebenfalls zerstört werden können,
  • …auf keinen Fall mit trockener Hitze von einem Lagerfeuer oder einem Fön aufgetaut werden, da sie kein Gefühl für die Hitze hat,
  • …nie langsam aufgewärmt werden (anders als bei Unterkühlung!) und
  • …nie mit Schnee eingerieben werden.

Vorbeugen vor Erfrierungen

Es gibt einige Möglichkeiten, Erfrierungen vorzubeugen, die nicht durch Notsituationen oder Unfälle eingetreten sind.

  • Zu enge Schuhe verhindern den Blutfluss, sodass die Zehen schnell betroffen sind. Genug Platz im Schuh ist erst, wenn die Zehen die Außenwand nicht mehr berühren. Die Schuhe werden natürlich nur im Zelt ausgezogen.
  • Genauso verhält es sich mit den Handschuhen. Mindestens Linerhandschuhe oder besser dünne Fingerhandschuhe sind bei starken Minusgraden Pflicht, auch wenn kleinere Handarbeiten anfallen. In Bewegung eignen sich dicke Fausthandschuhe besser.
  • Kopf, Gesicht und Nacken sollten immer ausreichend bedeckt sein.
  • Gleichzeitig darf man nicht zu viel anziehen, um nicht zu schwitzen. Der Schweiß leitet die Wärme zu gut und spätestens in der nächsten Pause kühlt man rasch aus.
  • In Pausen sollte man immer eine warme Daunenjacke überziehen und auch den Reißverschluss schließen.
  • Im Winter ist es wichtig, viel zu trinken, da viel Flüssigkeit unbemerkt über den Atem verloren geht. Idealerweise handelt es sich dabei um Heißgetränke aus einer Thermoskanne.
  • Ebenso wichtig ist die Nahrungsversorgung mit Nüssen, Schokolade, Keksen und fetter Salami, damit der Körper als Wärmekraftwerk ausreichend Brennstoff vorfindet.
  • Einmal erfrorene Stellen dürfen auf keinen Fall erneut einfrieren. Die Isolation der empfindlichen Stelle ist daher sehr wichtig.
  • In der Vergangenheit kältegeschädigte Körperteile sind oft ein Leben lang deutlich empfindlicher und müssen besonders beobachtet werden.

Warnsymptome bei Bauchschmerzen

Eine zusätzliche Schwierigkeit unterwegs sind Bauchschmerzen, da wir dabei keine äußere Verletzung sehen können. Gehen diese Schmerzen über normale Schmerzen wie bei Sodbrennen, Magenverstimmung oder leichte Übelkeit hinaus, muss entschieden werden, ob die Person evakuiert und zu einer Ärztin oder einem Arzt gebracht werden sollte oder ob ein Pausentag vielleicht angebrachter wäre.

In der Regel führt eine Entzündung oder Verletzung eines der Organe aus dem Bauchraum zu einer Reizung des inneren Bauchfells. Diese Reizung führt zu Übelkeit und weiträumigen Schmerzen, lässt aber noch keine genaue Lokalisierung und damit kaum eine Diagnose zu. Erreicht die Entzündung das äußere Bauchfell, zieht sich die Bauchdecke zu einer brettharten Abwehrspannung zusammen und Schmerzen sind durch ein Klopfgefühl oder bei Erschütterung genauer lokalisierbar.

Wann muss die Person evakuiert werden?

Die verletzte Person sollte nun mit erhöhtem Oberkörper und leicht angewinkelten Knien gelagert werden. Um zu entscheiden, ob eine Evakuierung dringend erfolgen sollte, sind folgende Warnsymptome zu beachten:

  • Abwehrspannung an Bauchdecke
  • Starke Berührungsempfindlichkeit der Bauchdecke
  • Langanhaltendes Fieber oder Temperaturen über 40° Celsius
  • Hartnäckiges Erbrechen und/oder Durchfall, z. B. wenn Mageninhalt eigentlich bereits vollständig entleert
  • Blut aus Mund oder After
  • Bauchschmerzen, die nicht innerhalb von 12 h besser werden
  • Schmerzen, die zunehmend stärker werden und sich von einem allgemeinen zu einem lokalisierbaren Schmerz umwandeln
  • Anzeichen eines Volumenmangelschocks (durch Blutverlust oder Dehydrierung)

Natürlich sollte bei allen Bauschmerzen zunächst gemeinsam versucht werden, mögliche Ursachen zu eruieren. Können Lebensmittel verdorben gewesen sein? Sind alle betroffen oder hat nur eine Person davon gegessen? War das Essen durch Brennstoff verunreinigt? Gibt es starke Entzündungen am Körper, so dass eine Blutvergiftung aufgetreten sein könnte? Wurden Medikamente eingenommen? Führt die Person ab? Wie ist die Urinfarbe? Gab es sonstige Ereignisse, die zu Bauchschmerzen führen könnten?

Ab wann zum Arzt?

Die Situation ist lebensbedrohlich, wenn die Person durch den Flüssigkeitsverlust austrocknet. Wenn man eine Hautfalte am Arm zusammendrückt und diese stehen bleibt oder sich nur sehr langsam zurückbildet, handelt es sich um einen akuten Notfall, der einen Rettungseinsatz erfordert.
Auch bei Blut im Stuhl oder im Erbrochenem, bei starken Schmerzen, niedrigem Blutdruck bei schnellem Puls und bei Schwindel, gleichzeitigen Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen sollte der Weg dringend zum Arzt führen.

Schneeblindheit

Schneeblindheit ist im Prinzip nichts anderes als ein Sonnenbrand der Bindehaut der Augen. Wie beim Sonnenbrand verursacht die UV-Strahlung der Sonne eine Schädigung der Oberfläche. Durch die Reflexion des Schnees wirkt die Strahlung doppelt. Vermutlich spielt aber die Höhe eine größere Rolle als der Schnee, da vor allem Höhenbergsteiger darunter leiden.

Symptome von Schneeblindheit sind stark lichtempfindliche Augen, Tränenbildung, Kopfschmerzen, Augenschmerzen, brennende Lider beim Blinzeln, ein Nachlassen der Sehfähigkeit und das starke Wahrnehmen eines Halo-Effekts. Im schlimmsten Fall führt Schneeblindheit – wie der Name schon sagt – zum vorübergehenden völligen Erblinden.

Vermeiden von Schneeblindheit

Das beste Mittel ist es, die Augen mit einer guten Sonnen- oder Gletscherbrille vor der UV-Strahlung zu schützen. Diese sollte auch bei bedecktem Himmel getragen werden und muss am Rand eng am Gesicht anliegen, um Streulicht zu minimieren.

Erste Hilfe bei Schneeblindheit

Schneeblindheit ist wie ein Sonnenbrand meist schmerzhaft aber ungefährlich, sofern kein völliger Verlust der Sehkraft vorliegt. Meist reicht es aus, bei den ersten Anzeichen von Schneeblindheit in das Zelt zu kriechen und die Augen vor noch mehr Licht und Strahlung zu schützen. Aspirin oder spülende Augentropfen können den Schmerz lindern.

Ist die Sehkraft bereits deutlich beeinträchtigt, reicht ein Pausentag in der Regel zur Regeneration aus. Wie bei Erfrierungen auch sind Menschen empfindlicher, die bereits einmal betroffen waren.

Absetzen eines Notrufs

Unabdingbar ist ein geladenes Handy! Der Notruf per Handy (112) ist in allen europäischen Ländern gleich. Das Handy wählt sich automatisch in das stärkste verfügbare Netz ein und der Anruf wird an die Notrufzentrale weitergeleitet. Außerdem funktioniert dies auch ohne Guthaben und ohne SIM-Karte.

Einen Notruf absetzen ist einfach:

  1. Wählen der 112
  2. beantworten aller Fragen
  3. erst auflegen, wenn sich der Gesprächspartner verabschiedet
  4. warten bis der Rettungsdienst vor Ort ist

Mehr braucht es tatsächlich nicht, um erfolgreich die Rettungskette in Gang zu setzen. Natürlich ist eine akteulle (GPS-)Position dafür sehr hilfreich.

Wer außerdem einen Notsender wie den SPOT Messenger dabei hat, kann mit diesem in Notsituationen entweder Hilfe von eingeweihten Personen anfordern oder ein Notsignal absetzen. Dieses alarmiert direkt den weltweiten GEOS-Notdienst, der dann die nächstgelegenen Rettungsdienste informiert. In diesem Fall ist eine Bergeversicherung über GEOS zu empfehlen.

In manchen Gegenden gibt es auch Nottetelefone auf (Schutz-)Hütten. Diese sind natürlich dem Notfall vorbehalten, aber eine freundliche Nachfrage, wie lang der Schneesturm, in dem man gerade steckt, noch dauert, ist den meisten Rettungsdiensten lieber als ein Ausrücken.

Anlegen eines Erste Hilfe Sets für Wintertouren

Erst Ausbildung, dann Materialzusammenstellung!

Wer mit seinem Erste Hilfe Set nicht umgehen kann, dem nützt auch das beste Set nichts. Und wer gut ausgebildet ist, der weiß, was in sein Set gehört. Ich möchte dennoch einen Überblick geben, was meiner Meinung nach in ein Erste Hilfe Paket für Wintertouren gehört.

  • Standardausrüstung Verbandmaterialien, Binden, Wundschnellverbände und Kompressen und Wundauflagen
  • 2 Rettungsdecken
  • Schere
  • Sporttape
  • Aspirin zur Blutverdünnung
  • Ibuprofen 400 und 800 retard (letztere sollten nicht geteilt werden, da retard erst im Darm wirkt)
  • Loperamid
  • Blasenpflaster
  • Klammerpflaster oder Wundnahtstreifen
  • SAM Splint Schiene
  • 3M Reston gegen Druckstellen
  • Hirschtalg für die Füße und gegen den bösen Wolf, im Schritt
  • evtl. Schmerzgel
  • Einweg-Skalpell z. B. für Blasen
  • einige Alkoholtupfer
  • Pinzetten
  • Fieberthermometer
  • Betaisadona
  • Breitbandantibiotika (z. B.bei  Blasenentzündungen)
  • evtl. Einweghandschuhe
  • evtl. Hydrocortisoncreme bei Erfrierungen (darf nicht in der Nähe der Augen angewendet werden)
  • evtl. Augentropfen bei Schneeblindheit

Nutzlos sind bei Kälte

  • nahezu alle Salben, da sie einfrieren (manche müssen halt trotzdem mit)
  • Wundsprays (aus demselben Grund)
  • chemische Wärmepads funktionieren bei großer Kälte nur sehr schlecht
  • Kältekompressen 🙂

Erste Hilfe im Winter ist ein ganz schön umfangreiches Thema, das man immer kennen und hoffentlich nie brauchen sollte. Bleibt gesund und passt auf euch auf!

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.