Welcher Kocher ist der beste Winterkocher?

Draußen stürmte es und so blieb nichts anderes übrig, als in der Apsis den Winterkocher anzuschmeißen. Da auf dieser Tour „richtig“ gekocht wurde, hätte ein Spiritusbrenner nicht ausgereicht. (Foto: Malte Hübner)

Auf wenige Dinge muss man sich auf einer Wintertour so sehr verlassen können wie auf Zelt, Schlafsack und Kocher. Der Kocher ist unabdingbar notwendig, um Schnee zu schmelzen. Ohne Wasser könnten wir weder Getränke noch Essen zubereiten und hätten recht schnell ein Problem. Aber nicht jeder Kocher ist für den Winter geeignet und nicht jedes Modell ist fehlertolerant genug. Ich fasse daher zusammen, worauf du bei einem Winterkocher achten solltest.

Welche Kocher kommen weniger infrage?

Stell dir vor, du kommst nach einem anstrengenden Tag mit Tiefschnee und Wind am späten Nachmittag an eine Stelle, wo du dein Zelt aufbauen möchtest. Schnell trinkst du noch den letzten warmen Schluck Tee aus deiner Isolierkanne und kurz danach steht das Zelt auch schon. Der Hunger treibt dich dazu, dich dem Abendessen zu widmen. Du brauchst also heißes Wasser für neuen Tee und zum Kochen. Egal wie deine Verpflegung aussieht, ob du also selber kochst oder Outdoor-Fertiggerichte zubereitest, ohne Wasser geht es nicht. Doch dann streikt dein Aufschraubkocher. Es kommt kein Gas aus der Kartusche. Für ein offenes Feuer ist es meistens zu windig, noch öfter fehlt dir im Winterfjell dafür einfach der Brennstoff. Zwei Kocharten sind daher nicht zu empfehlen:

Holzbrenner

Wer das nordische Fjell im Sommer kennt, wird ahnen, dass es im Winter schwierig sein wird, trockenes Holz zum Verbrennen zu finden. Hobos oder Holzöfen sind im Winter daher keine geeignete Variante für klassische Wintertouren. In den Wäldern Lapplands mag ein Lavvu mit Holzofen noch praktikabel sein, dabei würde es sich aber wohl eher um ein Basecamp in „Holznähe“ handeln. In der Hochebene wie der Hardangervidda findet man einfach kein Totholz. Frisches Holz kommt sowieso nicht in Frage.

Gasbrenner zum Aufschrauben

Gaskartuschen beinhalten flüssiges Gas unter Druck. Damit das Gas nach oben aus der Kartusche strömen kann, muss es verdampfen. Die nötige Temperatur liegt dafür je nach Gasgemisch bei ca. 0° bis -40° Celsius. Wird diese Temperatur unterschritten, kann der Inhalt nicht mehr gasförmig entweichen. Das Gas bleibt in der Kartusche, der Kocher bleibt kalt. Dieses Problem tritt bei allen Aufschraubkochern oder Gaskochern ohne Vergaserschleife auf.

Spezielle Gase wie Propan können im Winter theoretisch bis -40° Celsius genutzt werden. Das klingt doch perfekt. Leider stehen die Gasflaschen dafür unter extremen Druck, sodass die kleinen leichten Kartuschen für Propan ungeeignet sind und nur die sackschweren Haushaltsflaschen diesen Druck aushalten. Den leichten Campingkartuschen ist manchmal lediglich ein Anteil Propan beigemischt. Ein Gasgemisch mit einem möglichst hohen Propananteil zündet dann bei großer Kälte noch sehr zuverlässig – zumindest bis der Propananteil verbraucht ist. Der Anteil Butan oder Isobutan bleibt anschließend leider in der Kartusche zurück oder kann nur in der warmen Selbstversorgerhütte zum Kochen verwendet werden.

Gibt es kein Wintergas?

Leider gibt es für die Veränderung des Siedepunktes noch keine Additive. Ein mit Winterdiesel vergleichbares Wintergas gibt es daher nicht.

Die Firma Primus hat jedoch spezielle Winterkartuschen entwickelt, die auf der Innenseite mit einer Art Vlies beklebt sind. Dieses saugt sich voll und bietet so mehr Oberfläche, wodurch im Grenzbereich mehr flüssiges Gas verdunsten kann. Das schafft ein paar Grad mehr Spielraum, hat aber auf Dauer ebenfalls seine Grenze bei ca. -11 Grad durch den Isobutananteil. Leider ist die aufwendige Konstruktion der Kartuschen und das spezielle Gasgemisch aus Isobutan und Propan auch nicht ganz günstig.

Der Trick, die Gaskartusche vor der Benutzung unter der Jacke aufzuwärmen, hat leider nur kurzen Erfolg. Der Verdampfungsprozess in der Kartusche sorgt für Verdampfungskälte. Daher kühlt sich die Kartusche beim Betrieb schnell selbst wieder ab.

Welche Kocher kannst du mit Einschränkungen nutzen?

Für den Anfang reicht vielleicht dein bisheriger Kocher und du möchtest nicht gleich einen teuren Winterkocher anschaffen.

Flüssiggasbrenner

Gas hat den besten Heizwert aller Brennstoffe und sollte daher nicht gleich komplett abgeschrieben werden. Da die Aufschraubkocher aber wie beschrieben nicht kältetauglich sind, braucht es einen Flüssiggaskocher. Gaskocher für flüssiges Gas verfügen über eine Vergaserschleife am Brennerkopf. Sobald der Kocher angezündet wurde, erhitzt die Flamme diesen Vergaser. Das durchströmende Gas erreicht dadurch zuverlässig seinen Siedepunkt und die Kartusche kann nun auf den Kopf gedreht werden, um mit flüssigem Gas zu kochen. So können auch Gasgemische mit höherem Siedepunkt wie Butan (-0,5° Celsius) verbraucht werden. Die prozentualen Gasbestandteile verändern sich dabei nicht, sodass auch bei einer fast leeren Kartusche noch genügend Propan zum Entzünden vorhanden ist. Zum Entzünden braucht der Kocher jedoch auf jeden Fall diesen Propananteil. Achte also beim Kauf auf die Zusammensetzung des Inhalts.

Wenn es also nicht allzu kalt wird, kannst du deinen Gaskocher verwenden, wenn er eine solche Vergaserspindel hat. Ich habe zum Beispiel gute Erfahrung mit dem Gaseinsatz für den Trangiakocher gemacht. Es gibt aber auch andere tolle Modelle wie den Optimus Vega oder Kovea Spider, die dann gleich der Ganzjahreskocher mit kleinen Abstrichen werden könnten.

Spiritusbrenner

Die meisten Brenner für Spiritus sind zuverlässige und robuste Kocher und damit eigentlich perfekte Begleiter für den Winter. Keine Dichtung kann kaputtgehen, kein Pumpenleder reißen, kein Kleinteil verschwinden. Leider hat Spiritus aber zwei Nachteile: Zum einen hat er keinen so hohen Wirkungsgrad wie andere Brennstoffe, zum anderen muss er bei sehr tiefen Temperaturen vorgeheizt werden. Mit Spiritus im Winter kochen, heißt also Zeit mitbringen.

Den Brenner kannst du gut verschlossen in deiner Jackentasche tragen, um seinen Inhalt warm zu halten. Da ich mich dabei schon ungeschickt angestellt habe, sichere ich den Brenner noch in einem Ziplock-Beutel gegen das Auslaufen.

Auf gemütlichen Solotouren greife ich gerne auf meinen Trangiabrenner zurück. Es gibt von Trangia auch einen Vorheiz-Kit für den Winter, ein Teelicht oder ein paar Bröckchen Esbit gehen im Zweifel auch.

Leider lässt sich ein Spiritusbrenner nicht regulieren und eine komplette Füllung brennt je nach Modell zwischen 20 und 30 Minuten. Zum Schneeschmelzen am Abend wirst du den Brenner also mindestens einmal nachfüllen müssen, eher zweimal. Achte bitte darauf, den Kocher kurz abkühlen zu lassen, damit sich der Spiritus nicht beim Auffüllen entzündet.

Am meisten schätze ich am Kochen mit Spiritus, dass es auch im Zelt relativ sorgenfrei funktioniert. Er ist daher auch auf Touren mit mehreren Leuten immer als Ersatzbrenner dabei, falls es bei Sturm doch einmal nötig wird, in der Apsis zu kochen. Nichts wäre schlimmer, als auf einer Wintertour ohne Kocher dazustehen.

Welche Winterkocher laufen auch bei strenger Kälte?

Benzin- oder Multifuelbrenner

Die meisten Leute auf Wintertouren nutzen Benzinkocher. Benzin brennt auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig, der Kocher muss jedoch vorgeheizt werden, damit das Benzin vergast. Das notwendige Vorheizen ist auch der größte Nachteil. Denn dabei können Stichflammen entstehen, die im Zelt eine große Gefahr darstellen. Stell dir nur einmal vor, die Flamme entzündet die Zeltdecke! Super-GAU!

Benzinkocher sind außerdem komplexer aufgebaut als alle anderen Kocher. Daher benötigen sie ein wenig mehr Pflege und Einarbeitung in die Materie.

Der Druck in der Brennstoffflasche wird durch eine Pumpe von Hand erzeugt. Zum einen braucht es dafür ein wenig Gefühl, damit nicht zu wenig Druck (schwache gelbe Kocherflamme) oder zu viel Druck (Flamme spritzt und rußt) entsteht. Zum anderen ist in der Pumpe ein kleines Leder verbaut, welches gerne im ungünstigsten Moment kaputtgeht. Für viele Hersteller findest du einzelne Pumpenleder bei ebay von einem türkischen Verkäufer. Wenn du dir bewusst bist, dass es keine Originalteile sind und der Hersteller dir bei Garantieansprüchen vielleicht zu Recht Schwierigkeiten macht, kannst du damit viel Geld sparen.

Die Pumpen von MSR hatten zumindest früher Plastiknasen, wo ein Verbindungsstück eingerastet wurde. Bei großer Kälte ist dieses Plastik wohl leider spröde geworden und brach. Der Winterkocher war damit außer Funktion. Inzwischen gibt es aber von MSR auch eine Arktis-Pumpe mit speziellem Kunststoff für die Verwendung ausschließlich unter 0° Celsius. Probleme mit häufiger Reinigung des Winterkochers kann ich nicht bestätigen.

Bei jedem Winterkocher müssen alle Verbindungsschläuche dicht sein. Die Dichtungen sollten daher vor und nach jeder Tour gut gereinigt, kontrolliert und eingefettet werden. Achte beim Nachkaufen auch darauf, nur Originalteile aus den jeweiligen Ersatzteilsets oder für den Brennstoff geeignete und temperaturstabile Dichtungsringe zu verwenden.

Bei qualitativ niedrigem oder verunreinigtem Benzin verrußen die Düsen eines Benzinkochers gerne. Bei der Verwendung von reinem Benzin hatte ich damit aber noch nie Probleme. Dennoch solltest du deine Düse mit dem Kocherwerkzeig regelmäßig reinigen.

Das klingt alles sehr negativ?

Nur, wenn du es einfach haben willst. Dann wähle lieber Spiritus und übe dich beim Kochen in Geduld. Das Positive am Benzinkocher ist seine enorme Heizleistung. Die Flamme lässt sich bei guten Modellen schön regulieren und auch Simmern ist möglich.

Du kannst leicht Topfgrößen von 2 bis 4 Litern auf einem Benzinkocher verwenden und bist damit bei kleinen Gruppen deutlich im Vorteil. Auf gemeinsamen Touren kochen wir daher bisher immer mit einem Optimus Nova Benzinkocher.

Ein Vorteil des Brennstoffes Benzin ist, dass es in der Regel einfach zu bekommen ist.

Viele Benzinkocher sind sogenannte Multifuelkocher, die neben Benzin auch Brennstoffe wie Petroleum, Kerosin oder Diesel verbrennen können. Teilweise muss man dafür die Düse wechseln. Petroleum ist etwas träger als Benzin und der Kocher muss daher gründlicher vorgeheizt werden. Dafür wäre eine Leckage weniger gefährlich als bei Benzin, da es nicht gleich zu einem Inferno führt.

Mit den Brennstoffen außer Benzin und Petroleum habe ich keine Erfahrung. Aus Berichten über Stichflammen und starke Rußbildung würde ich sie aber so einschätzen, dass sie mir – außer im absoluten Notfall – nicht in den Kocher kämen.

Zu beachten ist bei der Anreise mit dem Flugzeug, dass alle Benzinkocher absolut sauber und geruchsneutral sein müssen. Sonst kommen sie nicht durch die Sicherheitskontrollen. Das gilt zwar auch für Spirituskocher, aber diese lassen sich deutlich leichter reinigen als die Leitungen eines Benziners.

Benzin oder Spiritus – eine Glaubensfrage?

Wie du siehst, gibt es nicht den perfekten Winterkocher. Es kommt wie so oft darauf an, was du suchst und wofür du ihn verwenden möchtest. Wie oft wird für welche Anzahl an Personen wie lange bei welchen Temperaturen gekocht?

Wenn du auf Sicherheit setzen willst und beim Kochen viel Geduld hast, dann ist Spiritus die bessere Wahl. Halte deinen Spiritus so warm wie möglich und hab eine Möglichkeit zum Vorheizen des Brenners.

Wenn du für mehrere Leute kochen musst oder beim Schneeschmelzen etwas mehr Tempo vorlegen möchtest, bleibt der Griff zum Benzinkocher unausweichlich. Nimm dir dann auf den Touren vorher im Jahr aber viel Zeit, dich mit deinem Benzinbrenner vertraut zu machen. Lerne, wie man ihn auseinander- und wieder zusammenbaut. Könntest du im Zweifel das Pumpenleder wechseln? Hast du ein Ersatzteil-Kit parat? Kannst du die Menge Benzin für den Vorheizvorgang genau einschätzen? Usw.

Mein Koch-Setup

Sobald ich nicht alleine auf Tour war, griff ich zum Benzinkocher Optimus Nova, den ich im Windschutz des 25er Trangia verbaut hatte. Dadurch ergeben sich gleich drei Vorteile:

  • der Windschutz ist extrem stabil und kippt nicht einfach um
  • im Notfall kann der Spiritusbrenner direkt eingesetzt werden, was Gewicht spart
  • der Primus EtaPower Topf mit 2,1 Litern Fassungsvermögen passt perfekt in den Windschutz, sodass die Hitze den Topf sauber umfließt

Zur Sicherheit habe ich daher den Spiritusbrenner als Ersatz dabei und nehme manchmal noch die Trangia-Pfanne oder einen zweiten Topf mit, wenn auf Tour etwas mehr gekocht werden soll als Tütengerichte.

Andere geeignete Kochermodelle

Es gibt natürlich noch andere taugliche Winterkocher. Da ich mit meinem Optimus Nova aber seit einigen Jahren sehr zufrieden bin, kenne ich die anderen Modelle nur aus Berichten oder vom kurzen Ausprobieren. Hier ein paar Empfehlungen:

Weitere Tipps zum Kochen auf Wintertouren

  • Lege dir (besonders beim Kochen im Zelt!) immer alle Utensilien und Zutaten bereit, die du zum Kochen brauchst. Und ich meine wirklich alle. Die meisten unachtsamen Momente beim Kochen waren bei mir immer die, wo ich nur schnell noch etwas heraussuchen wollte.
  • Eine Unterlage aus leichtem Holz, lässt deinen Winterkocher stabil stehen und verhindert das Einsinken während des langen Schneeschmelzens. Viele schrauben ihren Kocher gegen das Verrutschen auch direkt auf das Brett.
  • Manche bauen sich eine kleine Kochkiste, wo das Kocherbrett für den Transport direkt reinpasst. So ist der Winterkocher gut geschützt.
  • Nutze immer einen Windschutz, damit die Flamme genau auf den Topfboden trifft. Das spart viel Energie.
  • Mit einer selbstgebastelten Isolationshülle für den Topf oder Tütengerichte kannst du dein Essen länger warmhalten. Die üblichen Scheibenschutzmatten und etwas Klebeband ergeben ein einfaches Pot Cozy. Du kannst dein Tütengericht aber auch einfach in deine Mütze stecken.
  • Wenn du draußen kochst, richte dir eine schöne Mulde im Schnee zu einer Kochecke her. Das schützt gut vor Wind. Baust du dir dann aber noch einen Sitz daneben, kannst du beim Fauchen des Kochers die Landschaft genießen.
  • Für das Kochen mit einem Benzinkocher im Zelt gibt es einen nützlichen Trick. Beim Aufdrehen des Kochers nach dem Vorheizen hältst du einen Topfdeckel über den Kocher, um das Zelt vor einer auftretenden Stichflamme zu schützen.
  • Wärmetauscher an Töpfen wie bei den EtaPower-Töpfen von Primus halte ich für sinnvoll, da so noch mehr Wärme an den Topf abgegeben wird. Wann ein Nachrüstset wie der Wärmetauscher von MSR sein zusätzliches Gewicht durch Brennstoffersparnis wieder rausholt, kann ich nicht einschätzen.
  • Ein Deckel auf dem Topf spart extrem viel Energie und verhindert große Mengen an Wasserdampf, den du sonst als Kondenswasser im Zelt hättest.
  • Denke beim Kochen im Zelt immer an ausreichende Belüftung, um keine CO-/CO2-Vergiftung zu riskieren. Koche oder heize nie mit deinem Winterkocher, wenn die Gefahr besteht, dabei einzuschlafen.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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