Navigation im Winter und bei Whiteout

Die Navigation im Winter ist bei solch einer weißen Suppe gar nicht so einfach, zumal wir bei der Überquerung des Sees schnell herausfanden, wer von uns Rechts- und wer Linksdrall hat. (Foto: Lutz Grünke)

Bei der Navigation im Winter wird die Orientierung an den farbigen Wegmarkierungen aus dem Sommer schwierig, weil diese in der Regel vom Schnee verdeckt sind. Die von den Tourismusverbänden mit Birkenreisig oder Holzkreuzen markierten Routen werden teilweise nur um die Osterfeiertage gesteckt. Aber selbst mit diesen Orientierungshilfen ist es wichtig, sich im Gelände selbstständig zurechtfinden zu können. Dafür sollte der Umgang mit Karte und Kompass sicher eingeübt sein.

Karte und Kompass? Warum kein GPS?

Ein GPS ist batteriebetrieben und hat ein Display. Dadurch ist es empfindlicher als Karte und Kompass. Im Notfall bist du also schnell auf diese traditionellen Navigationsmittel angewiesen und solltest sie daher gut beherrschen. Mit etwas Übung ist das auch nicht sonderlich schwer. Und wer mit Karte und Kompass umgehen kann, soll dann auch gerne wieder ein GPS mit auf Tour nehmen. Die regelmäßige Positionsbestimmung ist damit schließlich deutlich bequemer.

Worauf es bei Karten ankommt

Grundsätzlich eignen sich nur topografische Karten und keine Straßenkarten, da letztere das Gelände nicht ausreichend darstellen. Auf topografischen Karten sind dagegen Höhenlinien eingezeichnet, damit Berge und Täler gut erkennbar sind. Nur so lässt sich einschätzen, ob die Hangneigung einer unbekannten Region begehbar ist oder nicht. Viele Karten setzen zusätzlich auf eine Schraffierung oder Schummerung zur Reliefdarstellung. Bei der Schummerung wird der Schatten der Berge durch eine imaginäre Sonne angedeutet, sodass diese Karten besonders plastisch wirken.

Der Maßstab einer guten Karte für die Navigation im Winter liegt zwischen 1:50.000 und 1:100.000. Karten mit größeren Maßstäben (1:25.000) sind oft unpraktisch, weil man schnell ein Kartenblatt am Tag durchlaufen kann. Ein Kilometer in der Natur entspricht bereits vier Zentimetern auf der Karte. Andersherum verhält es sich mit kleineren Maßstäben. Während 1:100.000 für die einigermaßen überschaubare Hochebene noch praktikabel ist, ist spätestens bei kleineren Maßstäben nicht mehr ausreichend zu erkennen, wo vielleicht ein steiler Abhang wartet.

Die ideale Karte für das Gebirge hat den Maßstab 1:50.000, in überschaubaren Regionen reicht 1:100.000 aus.

Hilfreiche Informationen auf Karten finden sich oft in der Legende

  • Hütten (sind diese bewirtschaftet oder nicht)
  • markierte Winterrouten (Das norwegische Birkenreisig wird oft nur um Ostern gesteckt, die schwedischen Holzkreuze stehen auf festem Grund meist länger)
  • Wasserkraftanlagen, da dort das Eis der Seen brüchig kein kann
  • Nottelefone
  • teilweise Bus-/Bahnhaltestellen für den Ausstieg aus der Tour (Ob auch ein Bus fährt sollte bereits vor der Tour recherchiert werden!)

Für die meisten Touren kopiere ich mir meine Karte farbig und laminiere die Blätter ein. Meist reichen dafür 2-4 Blätter für die geplante Route. Die Karte kommt dann sicher in das Gepäck, die Kopien in eine Kartentasche, die ich mir umhänge. So habe ich immer alles griffbereit.

Papierkarten nur GPS-tauglich kaufen

Damit eine Papierkarte gemeinsam mit dem GPS verwendet werden kann, muss sie darauf mit einem UTM-Gitter vorbereitet sein. Das UTM-Gitter unterteilt die Erde in 60 Meridianstreifen mit einer Ausdehnung von je 6 Längengraden. Diese sind von der Datumsgrenze in 180° östlicher Richtung beginnend durchnummeriert. Gleichzeitig erfolgt eine Einteilung in 20 Breitenbänder zwischen dem 84° Breitengrad Nord und dem 80° Breitengrad Süd. Sie werden von Süden nach Norden verlaufend mit Buchstaben benannt. Diese nun also mit Zahl und Buchstaben versehenen Felder erlauben eine erste Orientierung, wo auf dem Planeten wir uns überhaupt befinden. Deutschland liegt beispielsweise im Zonenfeld 32U.

Positionsbestimmung im UTM-Gitter

Warum ist das UTM-Gitter so wichtig? Weil es mit diesem geodätischen Gitter deutlich leichter ist, Koordinaten zu berechnen und zu übertragen. Geografische Maßstäbe mit Stunden, Minuten und Sekunden sind dafür nicht praktikabel. Im UTM-Gitter wird die Position zunächst mit dem Zonenfeld benannt. Dieses Zonenfeld wird mittig vom Hauptmeridian geschnitten, der einen Vorgabewert von 500 km hat, um negative Vorzeichen bei der Ortsbestimmung zu vermeiden. Ausgehend von diesem Meridian wird nun der Ostwert (oder Rechtswert) in Kilometern bzw. Metern bestimmt. Der dazugehörige Nordwert (oder Hochwert) gibt den Abstand zum Äquator in Kilometern bzw. Metern an.

Ein schöner Start- oder Zielpunkt für Wintertouren liegt im Zonenfeld 32V

Sein Ostwert ist 418109 m und damit kleiner als der Vorgabewert des Hauptmeridians von 500 km (500.000 m). Der Punkt liegt also westlich davon, genau genommen 81891 Meter westlich davon (500.000 – 81.891 = 418109).

Sein Nordwert lautet 6719347 m, da er 6719,3 km nördlich des Äquators liegt. Damit lässt sich der genaue Punkt festlegen. In diesem Fall handelt es sich übrigens um den Bahnhof Finse in der Hardangervidda. Als ein Wert formuliert liegt dieser Ort genau bei 32V 418109 6719347.

Das klingt für dich unglaublich kompliziert? In der Theorie mag das stimmen, aber in der Praxis wird es dir schnell einleuchten. Nimm dir einmal eine Karte mit UTM-Gitter und den dazugehörigen Werten am Rand. Stelle dein GPS richtig ein und trage von der Karte Punkte anhand der UTM-Koordinaten ein.

Übertragen der GPS-Position auf die Karte und umgekehrt

Für das Übertragen des Wertes muss das UTM-Gitter auf der Karte eingezeichnet und das GPS auf dieses geodätische Gitter eingestellt sein, da es sonst zu erheblichen Abweichungen kommt. In der Regel ist das Kartenbezugssystem dafür WGS 84 und muss immer identisch eingestellt sein. Wenn die Linien des UTM-Gitters auf der Karte nicht durchgezeichnet, sondern nur am Rand angegeben sind, solltest du diese auf jeden Fall nachtragen. Mithilfe eines Planzeigers oder deiner Kompassplatte (Achtung! immer den richtigen Kartenmaßstab beachten!) kann nun der Wert abgelesen und übertragen werden. Einen einfachen Planzeiger kannst du dir auch selbst auf Folie drucken. Damit sollte einfach ein paar Tage lang bei jeder Wanderung geübt werden, bis es sitzt.

Worauf solltest du bei einem GPS-Gerät achten?

Zunächst solltest du darauf achten, dich auch ohne GPS orientieren zu können. Auch der Glaube, dass ein GPS genau genug sei, um im Schneesturm eine Hütte zu finden, bleibt leider ein Aberglaube. In einer solchen Situation hilft zwar auch keine Karte und kein Kompass mehr, aber die vermeintliche Sicherheit eines GPS führt wohl eher dazu, weiterzugehen als sich mit dem Windsack einzugraben. Eine umfassende und sehr kritische Diskussion findet sich bei den Outdoorseiten unter Orientierung im Schneesturm.

Dennoch hilft ein Navigationsgerät unterwegs zur Orientierung und z. B. Einschätzung der Reststrecke enorm. Deswegen habe auch ich gerne ein solches Gerät dabei. Obwohl ich auch ein neueres Garmin Oregon 500 besitze, nutze ich auf Wintertouren ausschließlich ein altes Garmin etrex Vista HCx. Die entscheidenden Vorteile für mich sind:

  • gutes Display, weil es sich auch ohne Hintergrundbeleuchtung noch gut ablesen lässt.
  • lange Laufzeit: Mit zwei AA-Lithium-Batterien komme ich bei Trackaufzeichnung über den ganzen Tag mindestens 2-3 Tage weit, manchmal länger.
  • handschuhtauglich: Ohne Touchdisplay und stattdessen mit kleinem Joystick kann ich dieses Gerät mit zwei Lagen Fausthandschuhen noch gut bedienen. Alles andere wäre impraktikabel.
  • Handy-Schnittstelle: Mit einem Adapter kommuniziert mein etrex mit meiner Locus pro App auf dem Smartphone, womit ich z. B. auf einer Hütte sehr komfortabel planen und Tracks anlegen kann.
  • Ich beherrsche das Menu, was leider bei allen Geräten wenig intuitiv ist.

Mit Sicherheit bieten auch die ganz neuen Garmin 64er-Modelle die volle Winterkompabilität. Mein letztes Gespräch mit Garmin auf einer Outdoormesse ergab jedoch, dass bei meiner Nutzungsform der Umstieg noch nicht zu empfehlen sei, zumal ich meist OSM-Karten nutze. Wer aber gern ein neues Gerät kaufen möchte, dem empfehle ich einen Blick auf die 64er Modelle.

GPS Grundfunktionen

Viele GPS-Geräte sind kleine Hightech-Spielzeuge, von denen wir auf Tour eigentlich nur wenig benötigen. Um das Thema nicht zu umfangreich werden zu lassen, zähle ich die nötigen Grundfunktionen daher nur kurz auf und empfehle zur weiteren Lektüre das Buch „GPS auf Outdoortouren“ von Uli Benker.

  • Position ablesen: Einschalten, auf Signal warten, Position mit Karte abgleichen – eine Handlung, die im Blindflug funktionieren sollte.
  • Trackfunktion: Diese Funktion besteht aus zwei Teilen. Die erste Funktion ist die Vorbereitung eines Tracks, dem du dann folgen kannst. Hast du zum Beispiel eine Tour gefunden, die du nachgehen willst, kannst du sie so einfach nutzen. Verlasse dich dabei bitte nie ausschließlich auf das GPS und beherrsche die Streckenführung auch ohne elektronisches Gerät. Die zweite Funktion ist die Trackaufzeichnung. So kannst du deinen Weg mitschneiden und anschließend zuhause teilen oder auswerten. Ich bin leider schlecht darin, morgens diese Funktion zu aktivieren.
  • Navigation zu einem Wegpunkt: Wie weit ist es bis zum nächsten Wegpunkt? Stimmt die Richtung? Egal ob der Wegpunkt nur ein Zwischenziel oder das Ende deiner Etappe ist, können das nützliche Informationen sein. Es ist in jedem Fall sinnvoll, die wichtigsten Wegpunkte wie Hütten vor der Tour einzutragen.
  • Abspeichern eines Wegpunktes: „Erinnerst du dich an diese eine Stelle, wo das Zelt perfekt hinter einem Stein geschützt stand und wir diesen tollen Blick über den See hatten?“ Ja, und das GPS kennt die exakte Position.
  • Sicherheit durch Plan B: Du hast die Möglichkeit zum Vorhalten von Tracks zum Ausstieg aus der Tour oder Varianten einzelner Abschnitte.

Wie dir vielleicht auffällt, braucht es für all diese Funktionen eigentlich noch keine Landkarte auf dem Gerät. Das ist richtig. Natürlich erleichtert es eine installierte Karte ungemein, sich zurechtzufinden, sie ist jedoch kein Muss. Wer die teuren Karten aus dem Handel scheut, kann es zunächst einfach mit Karten des OpenStreetMaps-Netzwerkes probieren.

Eigentlich gibt es nur eine Funktion, die an allen bisher von mir getesteten GPS-Empfängern unzuverlässig war: Der Kompass. Zwar stimmt das „Heading“ des Kurses, solange man in Bewegung ist, aber spätestens im Stillstand hat diese Funktion immer wieder Probleme bereitet. Es geht also nichts über einen klassischen Kompass zur Orientierung.

Was macht einen guten Kompass aus?

Die Anschaffung eines guten Wanderkompasses ist in der Regel eine einmalige Investition. Es gibt einige bekannte Marken wie Silva und Suunto oder Recta. Wichtige Eigenschaften eines Kompasses sind:

  • Lange Anlegekante, wovon mindestens eine Kante eine mm-Skala hat
  • Transparente Kompassplatte, möglichst mit zu deiner Karte passendem Planzeiger
  • Deutliche Nordlinien, Nordmarke und Magnetnadel
  • Ölgelagerte Nadel
  • einstellbare Missweisung
  • drehbare Kompassrose
  • Einheiten in Grad

Kompass und sein Aufbau

Den grundlegenden Aufbau eines Kompasses solltest du dir am besten auf den Bildern vom Outdoor Magazin anschauen, sofern er dir nicht bekannt ist.

Für das Verständnis eines Kompasses ist es außerdem interessant, sich ein wenig mit einem Magnetfeld zu beschäftigen. Der Kompass kann durch folgende drei Kräfte abgelenkt werden:

  • Inklination
  • Deviation
  • Deklination

Die Inklination stellt die vertikale Ablenkung in Richtung Erdkern dar. Diese wird mit einem kleinen Gegengewicht an der Magnetnadel ausgeglichen.

Die Deviation ist die Ablenkung durch Magnete, Eisenteile oder elektromagnetische Felder. Du solltest daher bei der Navigation darauf achten, z. B. dein GPS nicht zu dicht an den Kompass zu halten.

Die Deklination ist die Abweichung des magnetischen Nord- bzw. Südpols vom geografischen Pol. Dieser Wert ist in guten Karten eingetragen und beschreibt den Winkel zwischen Meridianlinien und magnetischem Nord. In den Wintertourregionen innerhalb Europas ist die Deklination jedoch gerade so gering, dass sie vernachlässigt werden kann.

Missweisungskorrektur

Die Abweichung des magnetischen Nordpols vom geografischen Gitter aus der Karte kann bei guten Kompassen mit einer Missweisungskorrektur berichtigt werden. Dafür befindet sich in den meisten Fällen eine kleine Einstellschraube am Boden der Kompassrose.

Grundfunktionen eines Kompasses

Der Kompass dient für zwei Dinge:

  1. Groborientierung
  2. Feinorientierung

Die Groborientierung liefert dir zum Beispiel Gewissheit, dass du noch auf dem richtigen Kurs bist. Verläuft dein Weg ungefähr 190° Richtung Süden, hilft ein gelegentlicher Blick auf den Kompass, um zu sehen, dass du noch in die richtige Richtung läufst.

Für die Feinorientierung braucht es zwar etwas mehr, aber keine Sorge, viel umrechnen musst du nicht. Die wesentlichen zwei Funktionen sind die Kursbestimmung und die Standortbestimmung.

Kursbestimmung

Du weißt, wo du bist und wo du hinwillst? Dann kannst du dir den Zielpunkt (oder ein Zwischenziel) aus der Karte ablesen und mit dem Kompass Peilung aufnehmen. Dadurch erhältst du die Gradzahl, in welche Richtung du gehen musst.

Einnorden der Karte

Als erstes solltest du dir einen Überblick über dein Gebiet verschaffen und dafür die Karte einnorden. Das ist relativ einfach. Drehe die Kompassrose mit 0° auf die Nordmarkierung und lege die Anlegekante des Kompasses an die Kante deiner Karte oder die Nordlinien an. Drehe dich nun mit der Karte so lange, bis die Magnetnadel mit der Nordspitze direkt auf die Nordmarkierung zeigt. Karte, Kompass und dein Blick sind nun genau nach Norden ausgerichtet.

Bestimmung deines Kurses

Voraussetzung ist, dass du deinen genauen Standort kennst. Die Karte muss dafür jedoch nicht eingenordet sein.

Wähle dir als erstes auf der Karte einen Zielort in nicht zu großer Entfernung. Es ist besser, öfter neue Zwischenziele anzupeilen, weil es zu weniger Kursabweichungen führt. Lege nun die Anlegekante des Kompasses an deinen Standort und drehe die Kompassplatte mit dem Richtungspfeil so lange, bis die Anlegekante deinen Standort mit dem Zielort in einer Linie verbindet. Der Richtungspfeil muss dabei immer in Richtung des Zielortes zeigen!

Während du mit einer Hand den Kompass auf der Karte fixierst, drehst du mit der anderen Hand die Kompassrose so lange, bis die Nordlinien der Rose parallel zu den Nordlinien der Karte verlaufen. Wohin die Magnetnadel zeigt, ist hier noch egal. Du hast nun auf dem Kompass deinen Kurs bzw. die Marschzahl eingestellt. Deine Marschzahl ist der Winkel zwischen Nordlinien der Kompassrose und dem Richtungspfeil.

Kurs in die Landschaft übertragen

Halte den Kompass vor dir waagerecht und drehe dich mit dem Kompass so lange, bis die Magnetnadel mit ihrer Nordspitze direkt auf der Nordmarke liegt. Der Richtungspfeil auf der Kompassplatte zeigt nun exakt in die Richtung deines Kurses. Achte darauf, die Kompassrose nicht versehentlich zu verstellen oder notiere dir deine Marschzahl. Um den Kurs beim Gehen zu halten, solltest du dir eine markante Stelle in der Landschaft suchen, die möglichst genau dem Kurs entspricht. Diese Stelle ist dein Zwischenziel. Dort angekommen, kannst du den Kurs neu bestimmen und ein neues Zwischenziel anpeilen.

Das gleiche funktioniert bei schlechtem Wetter auch mit markanten Linien in der Landschaft. Suche dir aus der Karte z. B. eine Hügelkette, einen langen See, eine Straße oder eine Bahnlinie. Nun navigierst du in die Richtung dieser Auffanglinie und kannst dich dann dort wieder neu orientieren. Gerade bei Verlust der Orientierung kann das eine gute Möglichkeit sein, weiterzukommen.

Wenn du gar keine Sicht hast, bleibt dir nur, ständig auf den Kompass zu achten, um deinen Kurs möglichst genau zu halten. Es gibt für mich wenig nervigeres auf Tour als das.

Standortbestimmung

Wenn du deinen genauen Standort nicht kennst, kannst du versuchen, ihn mit dem Kompass zu bestimmen. Für die Standortbestimmung braucht es immer zwei sich kreuzende Linien als Referenz. Bei der Peilung mit einer Kartenstandlinie kennst du eine der beiden Linien schon (eine Straße, auf die du getroffen bist, oder ein Berg, See usw.) und peilst einen zweiten markanten Punkt an (Hütte, Gipfel usw.).

Sobald der Richtungspfeil deiner Kompassplatte auf den Punkt zeigt, drehst du an der Kompassrose bis die Nordspitze der Magnetnadel exakt auf die Nordmarke zeigt. Nun legst du den Kompass auf die Karte und musst die Nordlinien des Kompass parallel zu den Nordlinien der Karte ausrichten. Schiebe den Kompass so lange hin und her, bis die Anlegekante direkt an den markanten Ort reicht. Dein Standort ist der Punkt, an dem sich deine Kartenlinie mit der Anlegekante schneidet.

Bei der Kreuzpeilung benötigen wir zwei markante Punkte in der Landschaft. Diese müssen klar aus der Karte erkennbar sein, was im Winterfjell gar nicht so leicht ist. Im Prinzip verfährst du wie oben. Allerdings musst du dir die Kartenlinie durch eine erste Peilung in die Karte einzeichnen. Die zweite Peilung zum zweiten Punkt ergibt dann den Schnittpunkt zweier Geraden und damit ebenfalls den Standort.

Die Peilung mit der Geraden aus zurückgelegtem Kurs als erste Linie ist ebenfalls möglich, aber eher unsicher. Oft weichen wir unbemerkt doch etwas vom Kurs ab, alleine schon, weil die Landschaft es erfordert.

Die Missweisung ist zumindest in Europa so gering, dass sie vernachlässigbar (unter 5°) ist. Daher gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Solltest du jedoch in anderen Regionen unterwegs sein, solltest du dem Thema mehr Beachtung schenken.

Woher bekomme ich gute Karten?

Meine Papierkarten beziehe ich in der Regel über die Geobuchhandlung Kiel. Nicht nur gibt es dort die größte Auswahl, mir gefällt auch die Suche über die digitale Karte sehr gut. So brauche ich nur auf die Region meiner Tour klicken und bekomme sofort alle verfügbaren Karten dazu angezeigt.

Bei den digitalen Karten greife ich in der Regel auf OSM-Karten zurück. Bei der Auswahl der Grundkarte kannst du manchmal etwas probieren, bis du eine Karte findest, die dir gefällt. Du findest unter dem Link auch weitere Hinweise zur Installation auf deinem Gerät.

Bei der Vorbereitung meiner Tour nutze ich noch zwei weitere Quellen. Die erste dafür ist die Open Snow Map, wo die norwegischen gesteckten Routen eingetragen sind. Die Routen werden zwar nicht immer exakt gleich gesteckt, aber eine bessere Quelle gibt es nicht. Meinen Track für das Navi baue ich dann anhand der Open Snow Map nach.

Die norwegischen Routen werden auch vom DNT veröffentlicht. Das Stichwort dafür ist die „Wintermarkierung“. Eine exakte Navigation im Winter ist nach diesen Karten leider nicht möglich. Stattdessen bieten sie aber wichtige Hinweise auf die Kalenderdaten der Markierung, die Art der Hütten und die Abstände der Abschnitte.

In Schweden ist mir keine vergleichbare Quelle bekannt. Viele Routen finden sich aber in den Open Sled Maps, die vor allem Scooterspuren enthalten. In den Papierkarten sind die markierten Winterwege dafür in der Regel zuverlässig zu finden.

Mit etwas technischer Fingerfertigkeit lassen sich mehrere OSM-Karten miteinander als Overlay kombinieren. So hast du die Routen direkt in deiner normalen Karte integriert. Das macht es deutlich einfacher, wenn du unterwegs einen neuen Track erstellen willst. Ein Autorouting ist meines Wissens noch nicht möglich. Eigentlich finde ich das sogar ganz gut. So bleibt es etwas Handarbeit.

Gibt es noch andere Möglichkeiten zu navigieren?

Beim Laufen gibt es neben Karte, Kompass und GPS noch gute andere Möglichkeiten, Kurs zu halten:

  • Gesteckte Routen der Tourismusverbände: Teilweise werden diese Routen aber nur in den Ferien gesteckt.
  • Folge einer Scooterspur, oft führen diese zu einer Hütte (Achtung: Überprüfe regelmäßig, ob sie noch dem eigenen Weg entspricht. Ich habe mich dabei schon vertan.)
  • Orientiere dich an der Windrichtung (Dafür musst du natürlich die Richtung kennen. Besonders genau ist es leider auch nicht, aber zumindest läufst du nicht im Kreis. Polarprofis haben dafür einen Bindfaden am Skistock.)
  • Vom Wind geformte Spuren in der Landschaft (Wenn es eine klare Hauptwindrichtung gibt, sieht man diese oft an den Schneeformationen.)
  • Sonnenstand (Dass die Erde sich dreht, ist klar, nä?)

Allerdings sind alle diese Navigationsmöglichkeiten fehleranfälliger als Karte und Kompass. Im Zusammenspiel sind es aber gute Ergänzungen, um den Kurs zu halten.

Bei guten Wetterbedingungen reicht es oft aus, sich am Gelände zu orientieren und den Weg nur ab und zu mit der Karte oder dem Navigationsgerät abzugleichen. Dabei nimmt man auch am meisten die wunderschöne Landschaft wahr! Tage, an denen ich viel navigieren muss, kann zumindest ich weniger genießen.

Navigation im Whiteout

Whiteout bedeutet, dass die Konturen in deinem Blickfeld verschwimmen, weil es nebelig ist oder du im Schneesturm steckst. Alles um uns herum ist weiß. Du erkennst also weder den Horizont noch die Landschaft, noch nicht einmal die Unebenheiten im Schnee. Auch leichte Hanglagen sind schwer einzuschätzen, weil wir doch sehr an die visuelle Unterstützung des Gleichgewichtssinns gewöhnt sind.

Da die Landschaft kaum Anhaltspunkte mehr bietet, sind wir also auf Kompass, GPS und unseren Sinn für das Geradeauslaufen angewiesen. Die Navigation mit dem Kompass bedeutet, dass du im Prinzip dauerhaft auf ihn schauen musst, um den Kurs zu halten. Den Kurs musst du aus der Papierkarte bestimmen und solltest dir als Ziele immer eindeutige Auffanglinien suchen, die du auch im Whiteout nicht verfehlen kannst. Ein Bergmassiv könnte so etwas sein oder ein Seeufer. Das GPS zeigt dir dabei schon genauer, ob du auf Kurs bleibst. Aber wie du ja inzwischen gemerkt hast, verlasse ich mich nicht gern darauf.

In Kombination von Kompass und GPS kann man aber ganz gut vorankommen, vorausgesetzt man hat die notwendige Nervenstärke für den Blindflug. Man muss sich dabei schon voll auf seine Navigationsfähigkeiten verlassen können. Und es hilft, wenn man gut geradeaus laufen kann.

Bei einem Versuch, einen großen See im Whiteout zu queren, haben wir festgestellt, dass zwei von uns ohne visuelle Orientierung einen Linksdrall hatten und einer einen Rechtsdrall. Witzig daran fanden wir auch unsere Versuche, das auszugleichen. Fast immer kompensierten wir unbewusst zu stark und es trieb uns dafür in die entgegengesetzte Richtung vom Kurs.

Bedenke also bitte bei der Navigation im Whiteout immer, dass du dich verlaufen könntest. Im Schneesturm wäre es meistens besser, sich mit dem Windsack einzugraben und abzuwarten.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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