Was muss eine Stirnlampe im Winter leisten?

Was muss eine Stirnlampe im Winter können? Ich selbst nutze die BlackDiamond Icon Polar mit externem Batteriefach. (Foto: Malte Hübner)

Im Winter sind die Tage kürzer und die Dunkelheit kommt oft schneller als gedacht. Denn je früher im Jahr wir aufbrechen, desto weniger Tageslicht steht uns zur Verfügung. Entsprechend legen wir auch unsere Gehzeiten in die hellen Stunden und das Zeltleben fällt in die dunkle Tageshälfte. Dafür brauchen wir eine zuverlässige Lichtquelle und meiner Meinung nach führt kein Weg an einer hellen Stirnlampe vorbei. Nicht jedes Modell taugt gleich gut. Was eine Stirnlampe im Winter können muss, erfährst du in diesem Beitrag.

Braucht es überhaupt eine spezielle Stirnlampe im Winter?

Auf deine ersten Winterabenteuer kannst du eigentlich mit jeder durchschnittlichen Stirnlampe von Petzl, BlackDiamond oder ähnlichen losziehen. Wenn du nicht gerade den Kungsleden in der Polarnacht laufen willst, wird das schon funktionieren. In der Regel wirst du inzwischen wohl eine LED-Lampe besitzen. Diese sind robust gegen Erschütterungen und sparsam im Verbrauch, sodass du nur an genügend Ersatzbatterien denken musst. Aber sobald es länger auf Tour geht oder du abends auch in die Dämmerung hinein noch weiterlaufen willst (oder musst), lohnen sich ein paar Gedanken an eine spezielle Stirnlampe für Wintertouren.

Auf meinen ersten Touren hatte ich eine BlackDiamond Spot aus Plastik dabei, die ich inzwischen nicht mehr kaufen würde. (Foto: Malte Hübner)

Welche Kriterien braucht eine Stirnlampe im Winter?

Im Unterschied zu den anderen Jahreszeiten sollte deine Stirnlampe im Winter etwas heller sein, da fallende Schneeflocken viel Licht schlucken. Andererseits führt ein zu heller Spot dazu, dass wir durch die Reflexion des Schnees im Lichtkegel noch ganz gut sehen können, außerhalb des Strahls aber kaum etwas erkennen können. Du kennst diesen Tunnelblick vielleicht vom Autofahren bei Schneefall.

Grundsätzlich sollte deine Stirnlampe robust sein und möglichst wenige bewegliche Teile aus Plastik haben, da Kunststoff in der Kälte noch empfindlicher ist.

Zusätzlich möchte ich die weiteren wichtigen Eigenschaften auflisten:

  • hochwertige LED als Leuchtmittel
  • lange Laufzeit, also meist eine hohe Akkukapazität
  • sowohl eine helle Fokusleuchte als auch ein sparsames Streulicht
  • handschuhtaugliche Bedienung

Daran kannst du dich orientieren und gern einmal selbst schauen, was für dich in Frage kommt. Doch was heißt das nun im Detail?

Hochwertige LED

Gute LED sind effektiv und sparsam und bieten dir damit eine gute Lichtausbeute. In ihrem Lichtbild findest du keine fleckigen Artefakte und auch von der Lichtfarbe kannst du inzwischen manchmal wählen, ob dir neutralweißes oder warmweißes Licht angenehmer ist. Probiere dafür einfach verschiedene Lampen aus. Die Geschmäcker sind verschieden und führen in allen Foren meist zu endlosen Diskussionen. Entscheide einfach selbst.

Lange Akkulaufzeit

Im Winter ist die Akkulaufzeit grundsätzlich geringer, weitere Informationen dazu kannst du in meinem Beitrag „Stromversorgung mit Akkus im Winter“ nachlesen. Gute Batterien, vor allem Lithium-Batterien, und gute Akkus sind Grundvoraussetzung für lange Laufzeiten. Für deine Stirnlampe heißt das konkret, dass du die Herstellerangaben zur Laufzeit halbierst und damit immer auf der sicheren Seite bist. Das klingt erst einmal überraschend pauschal, schafft dir aber genug Backup. Wenn du dein Gerät bei Kälte schon kennst, kannst du dich natürlich auf deine eigene Erfahrung verlassen.

Helle Fokusleuchte und sparsames Streulicht

Zwei Anwendungsgebiete sind für deine Stirnlampe im Winter typisch: Du läufst bei Nacht und suchst den Weg. Zwar ist kein vollwertiger Suchscheinwerfer nötig, aber die nächste Markierung oder nächste Wechte solltest du schon sehen. Oder aber du sitzt abends im Zelt und kochst dein Süppchen. Dafür brauchst du ein gutes Streulicht als Zeltfunzel, da dich das fokussierte Licht eher blenden würde. Außerdem ist dieses Licht deutlich sparsamer.

Konkret empfehle ich für das fokussierte Licht 200 Lumen aufwärts und halte nichts von Spielereien wie programmierbaren Lichtmodi und Bluetooth-Modellen. Auch eine automatische Dimmfunktionen bei Gegenlicht kann ich im Winter (noch) nicht empfehlen, da die Reflexion des Schnees bei einem Tourpartner zu häufigen Helligkeitswechseln führte und uns das eher irritierte. Ist aber auch schon wieder einige Zeit her.

Handschuhtaugliche Bedienung

Damit du deine Stirnlampe auch mit Handschuhen gut bedienen kannst, sind große Knöpfe oder noch besser ein Drehschalter sehr sinnvoll. Touchfelder oder dicht beieinander liegende Knöpfe sind jedoch in der Regel nicht voll wintertauglich.

Im Sommer brauche ich meistens nicht mehr als diese Lampe, aber mit Handschuhen lässt sich das Touchfeld leider nicht gut bedienen. Oft kommt sie als Ersatzlampe mit. (Foto: Malte Hübner)

Hilfreiche, aber nicht zwingend nötige Eigenschaften

Neben den wirklich wichtigen Eigenschaften für deine Stirnlampe im Winter gibt es noch ein paar hilfreiche Funktionen, die du aber nicht zwingend brauchst.

  • Ein externes Akkupack mit langer Zuleitung hilft dir, deine Batterien unter der Jacke warm zu halten und so ihre Lebensdauer zu verlängern. Wenn du lange in der Nacht läufst, ist das wirklich nützlich. Falls du die Stirnlampe aber immer nur kurz aufsetzen willst, können das lange Kabel und das externe Batteriefach auch nerven.
  • Das Laden über USB-Buchse oder einen speziellen Adapter finde ich eigentlich immer gut. Im Winter würde ich jedoch ein Modell bevorzugen, bei dem ich auch normale Batterien nutzen kann. Gerade auch wegen der Redundanz der Batterien zu anderen Geräten.
  • Eine Rotlichtfunktion für die Hütte finde ich angenehm, da die Rezeptoren deiner Netzhaut nicht auf das Licht ansprechen und die Nachtsichtfähigkeit erhalten bleibt. Ich mag das Licht und nutze es tatsächlich häufiger. Allerdings sehen das nicht alle so.
  • Eine Dimmfunktion kann dir helfen, Strom zu sparen, wenn du am Abend nur noch etwas liest. Andere Funktionen wie ein Stroboskop- oder SOS-Modus nerven mich eher, wenn man sie zu leicht aktivieren kann. Aber vielleicht helfen sie ja doch irgendwann einmal.
  • Ein zweites Band über den Kopf ist bei hoher Bewegungsintensität hilfreich, für mich aber bisher nicht relevant. Wichtiger ist mir, dass die Lampe auch unter der Kapuze gut herausleuchten kann. Gerade mit einem Pelzkragen muss es passen.
  • Ein geringes Gewicht ist natürlich von Vorteil, aber wirklich schwere Modelle gibt es kaum noch. Ein großes Akkupack am Hinterkopf verteilt das Gewicht sogar.
  • Eine kleine Ersatzlampe ist immer sinnvoll, wenn du allein unterwegs bist. Zum einen hilft das beim nächtlichen Batteriewechsel der Hauptlampe, zum anderen kannst du unterwegs eigentlich nichts reparieren, falls etwas kaputt geht. In der Gruppe braucht es meist keinen Ersatz, wenn jeder eine Lampe hat.
  • Ein Lichtsack wie der Mammut Ambient Light Dry Bag sorgt für angenehmes Licht im Zelt und ersetzt dir eine LED-Zeltlaterne.
Infografik zu Stirnlampen im Winter (Grafik: Malte Hübner)

Welche Stirnlampen-Modelle sind gut geeignet?

Ich werde dir hier keine vollständige Übersicht liefern. Für Taschenlampen begeistern sich ja viele ähnlich stark wie für Messer. Es gibt fast immer endlose Diskussionen. Mir selbst kommt es nur auf solide Funktionalität an. Die neueste LED-Technologie, Titanhüllen und speziell geformte Reflektoren? Dazu kann ich dir nichts sagen. Aber ich habe für dich zwei sehr taugliche Beispiele als persönliche Empfehlung, die mit maximal 60-90 Euro noch bezahlbar sind:

  • Armytek Wizard Pro, kleine Stirnlampe mit einem 18650 Akku und einem Magnet-USB-Kabel zum Laden in der Lampe
  • BlackDiamond Icon Polar mit externem Batteriefach für vier AA-Batterien (meine aktuelle Wahl, da ich die Redundanz mag); Verschluss am Batteriefach erfordert etwas Sorgfalt

Die ganzen Plastikmodelle von Petzl, BlackDiamond, Silva, Led Lenser, Fenix und wie sie alle heißen sind vielleicht auch schon erfolgreich auf Wintertouren gewesen, aber meist finde ich sie überteuert für das, was sie bieten.

Eine goldene Regel beim Laufen mit Stirnlampen in der Gruppe: Beim Gespräch nicht gegenseitig anschauen!

Geht es auch ohne Stirnlampe im Winter?

Alternativ lohnt es sich immer, wenn du dich ein wenig an die Dunkelheit gewöhnst. Dann geht mehr ohne Licht, als man denkt. Bei klarem Himmel reichen der Mondschein und das Licht der Sterne oft noch zum Fortbewegen. Wenn du ständig deine Lampe anknipst, gewöhnst du dich natürlich nicht an die Dunkelheit. Falls du die Lampe dann doch einmal brauchst, gewöhn dir am besten immer denselben Ort zum Lagern an. So bleibt sie griffbereit.

Natürlich eignen sich auch andere Taschenlampen, aber eine Stirnlampe ist einfach praktischer, weil du sie nicht in der Hand halten musst. Für das Zelt oder die Hütte wäre auch noch eine kleine LED-Zeltlaterne denkbar, aber das ist natürlich purer Luxus. Im Vergleich sorgt eine kleine Gaslaterne gleichzeitig sogar für ein wenig Wärme im Zelt.

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

2 Kommentare zu „Was muss eine Stirnlampe im Winter leisten?

  1. Danke für diese ausführliche Beschreibung!
    Ich habe da noch ein paar Anregungen:
    – Der benannte Lichtsack; ist mir auch nur vom Mammut untergekommen … so genial wie einfach, vielleicht daher nicht von anderen Anbietern?
    Das geht natürlich auch mit jedem anderem „normalen“ kleinen wasserdichten Beutel, so die Farbe passt 😉
    Noch einfacher, leichter und billiger mit einer farbigen Plastiktüte und einem dieser Tütenclips, die man in vielen Küchen findet.
    – die meisten Stirnlampen sind ja schwenk-/klappbar und bieten dadurch die Möglichkeit sie an eine Reepschnur „anzuklipsen“ wie eine Wäscheklammer. So das Zelt im Himmel Schnüre oder ein Netz hat, kann man die (kleine) Stirnlampe dort anklammern und das Licht nach oben strahlen und reflektieren lassen.
    – kleine Ersatzlampe; da habe ich bei Temperaturen bis -5°C unglaublich gute Erfahrungen mit ganz einfachen Lämplein von Discountern und Euro-Shops gemacht und verbloggt. Klein, leicht, günstig und da wenig elektronischer Schnick-Schnack verbaut auch recht unempfindlich – teilweise mit einfachen Knopfzellen oder einer CR2032 Laufzeiten von mehreren Wochen!!! Natürlich dann nur noch geringe Lichtausbeute, aber zum sich-im-nächtlichen-Zelt-zurecht-finden allemal ausreichend 😉

    Viele Grüße
    Markus

    1. Lieber Markus,
      danke für deinen Kommentar und die wertvollen Tipps. Ich nutze den Lichtsack von Mammut tags zur Aufbewahrung und abends als Laterne. Die Batterien sind im Schlafsack bei der Wärmflasche. Und die Stirnlmape ist oben an einer Repschnur, also so wie du das empfiehlst.
      So eine kleine Ersatzlampe könnte man sich eigentlich gut an den Zipper vom Schlafsack hängen, denke ich gerade…
      Viele Grüße zurück, Malte

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