Welche Kriterien muss die Ausrüstung erfüllen?

Auf einer Solotour kommt ein großer Haufen Ausrüstung zusammen. (Foto: Malte Hübner)

Gute Ausrüstung ist

  1. Leicht, weil du sie schleppen oder ziehen musst.
  2. Langlebig, weil du dich auf sie verlassen musst.
  3. Günstig, damit du sie dir auch leisten kannst.

Leider gibt es so gut wie keine Ausrüstung, die alle drei Kriterien gleichzeitig erfüllt. Was leicht und günstig ist, hält meist nicht lang. Günstige, robuste Ausrüstung ist dafür schwer. Und leichte, langlebige Ausrüstung kostet oft leider ein Vermögen.

Zu großen Teilen trifft diese Erfahrung auch auf Winterausrüstung zu. Allerdings könnte man mit einer Pulka manchmal etwas großzügiger packen und auch den ein oder anderen schwereren Gegenstand mitnehmen.
Doch zu allererst: Es ist keine vollständige Polarausrüstung nötig, um überhaupt anfangen zu können. Nur bei einigen sicherheitsrelevanten Gegenständen würde ich wirklich niemals sparen. Auch wenn vielleicht nicht immer gleich das Leben daran hängt, dann doch die Gesundheit. Und es macht mehr Spaß, wenn man nicht frierend im Schlafsack liegt und seine Trockennudeln unzubereitet knabbert, weil der Kocher nicht richtig in Gang kommt.

Kriterien

Für eine gute Zusammenstellung der Ausrüstung kommen noch ein paar weitere Kriterien zusammen:

  • Platzsparend: Also gut komprimierbar wie Daune oder gut verstaubar wie ein ausgeklügeltes Kochersystem
  • Kälteerprobt: Neben der Langlebigkeit auch bei kältesten Temperaturen kommt es hier darauf an, in der Kälte z. B. mit Handschuhen auch leicht bedienbar zu sein.
  • Schnelltrocknend bzw. wenig Nässe aufnehmend: Nässe gefriert in der Kleidung oder vermindert in fast allen Fällen ihre Funktion.
  • Einfach konstruiert: Wenn es einfach konstruiert ist, lässt es sich in den meisten Fällen auch auf Tour leichter reparieren. KISS – Keep it simple, stupid.

Nun gilt auch hier, dass sich in einem absolut wintertourtauglichen Gegenstand nicht alle Kriterien erfüllen. Eine dicke Evazote-Isomatte ist zwar absolut zuverlässig und robust, für ihre hohe Isolationswirkung auch verhältnismäßig leicht, aber sie ist ganz sicher nicht platzsparend. Einer ultraleichten Luftmatratze mit welcher Isoliermasse auch immer, würde ich hingegen bei ihrer Kältetauglichkeit (Atem gefriert innen) und ihrer Langlebigkeit (Laminat löst sich, Loch, Riss…) im Winter skeptisch gegenüberstehen.

Ähnlich ist es mit Wolle als warme Unterbekleidung. Wolle trocknet sehr langsam und nimmt deutlich mehr Körperfeuchte auf als Funktionskleidung. Allerdings hat sie zu einem kleinen Grad eine feuchtigkeitsregulierende Wirkung und fühlt sich nicht sofort nass an. Sie hält die Wärme daher auch im feuchten Zustand noch besser, als es ein vergleichbares Polyestherfleece könnte. Ebenso positiv wirkt sich die geruchshemmende Wirkung der Wolle auf das (gemeinsame) Wohlbefinden in Hütte und Zelt aus. Die Werbebotschaft, dass Wolle auch nass wärmt, kann man auf Wintertouren bitte als erstes vergessen. Nass wärmt im Winter nichts. Wer nass ist, muss in trockene Schichten wechseln oder sich trocken laufen.

Wenn du deine Kleidung gut aufeinander abstimmen willst, empfehle ich dir das winteroptimierte Zwiebelprinzip.

Fazit

So kann also jeder Gegenstand auf Tour eine Art Kompromiss sein, der sich nach deiner individuellen Situation richtet oder deine Bedürfnisse am besten befriedigt. Es erscheint daher wieder sinnvoll, sich bestimmte Produkte erst nach und nach anzuschaffen, sobald das Einsatzgebiet feststeht und die erste Erfahrung den Blick für Details schärft. Auch Erfahrungsberichte anderer Tourengeher sind hier Gold wert!

Jetzt bist du an der Reihe. Siehst du etwas anders oder möchtest es ergänzen, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

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