Genug trinken bei Kälte

Alle 60 Minuten sollte 5 Minuten Pause gemacht werden, um genug zu trinken.
Alle 60 Minuten sollte 5 Minuten Pause gemacht werden, um genug zu trinken. (Foto: Lutz Grünke)

Im Winter sorgt die kalte, trockene Luft dafür, dass wir kaum merken, wie wir Feuchtigkeit über den Atem oder leichtes Schwitzen verlieren. Gleichzeitig ist das Wetter oft ungemütlich und je kälter und windiger es wird, desto weniger Pausen halten wir ein. Erst an der Urinfarbe merken wir dann, dass wir eindeutig nicht genug trinken bei Kälte.

Ein bewährter Pausenrhythmus ist es, etwa eine Stunde zu gehen und dann 5 Minuten Pause zu machen. Dazu kommt alle drei Stunden eine etwas längere Pause. In den kurzen Pausen kann etwas Schokolade, Nüsse oder fette Salami gegessen werden und vor allem wird ein Becher Tee getrunken. In den größeren Pausen kann zum Beispiel auch noch eine Brühe oder Blaubeersuppe und ein Energieriegel ergänzt werden.

Warme Getränke

Heißgetränke bieten sich vor allem an, weil sie helfen, den Körper warm zu halten bzw. den Körper nicht zusätzlich auskühlen. Am besten eignen sich hierfür Tees, Kakao und Cappuccino oder für „überwiegend skandinavisch sozialisierte“ Menschen auch schwarzer Kaffee. Warme Getränke auf Tour zur Verfügung zu haben, setzt voraus, dass morgens eine Möglichkeit zum Vorbereiten besteht. Im Zelt bedeutet das, Schnee zu schmelzen und in mindestens 2 Isolierkannen abfüllen.

Gute Isolation für die Getränke

Um die Getränke heiß zu halten, brauchst du ein bis zwei gute Isolierkannen. Das Beste ist hier gerade gut genug. Kunststoffkannen oder Kannen mit Glasinnenleben fallen sofort weg. Bei Edelstahlkannen solltest du auf eine gute Verarbeitung achten. Der Name „Thermoskanne“ hat sich meiner Meinung nach nicht umsonst als Bezeichnung durchgesetzt (Gibt eher wenige Deonyme in der Outdoorbranche, oder? Mir fällt sonst nur Buff ein.). Dazu trägt vor allem der Verschluss mit zwei Dichtungsringen bei. Ich habe immer zwei Light&Compact-Modelle dabei.

Eine gute Isolierkanne hält mindestens 12 Stunden lang ihren Inhalt warm, auch bei kalter Umgebung. Wird es sehr kalt, eignen sich Noppenfolie oder zusätzliche Isolierhüllen zur Verstärkung.

Idealerweise füllst du in die größere Kanne das Getränk für den Tag und in die andere Kanne nur heißes Wasser. Mit diesem kannst du in größeren Pausen schnell eine Brühe angerühren. Einen Rest vom Wasser solltest du dir immer als Kickstarter für das abendliche Schneeschmelzen aufbewahren.

Trinkblasen sind leider nicht wintertauglich, auch nicht mit der Isolationshülle aus dem Zubehör. Für eine kurze Tour mag das noch gehen, aber spätestens abends wäre die Trinkblase vollkommen eingefroren.

Schnee schmelzen

Schnee zu schmelzen gehört zu den morgendlichen und abendlichen Routinen auf einer Wintertour. Wenn offenes Wasser zur Verfügung steht, sollte dieses natürlich bevorzugt werden. Auch Eis eignet sich besser, weil es leichter schmilzt als Schnee und durch seine Dichte sehr viel ergiebiger ist. Schnee isoliert leider extrem gut und so dauert es eine Ewigkeit, bis der Schnee auf dem Kocher zu Wasser verwandelt wird. Etwas schneller geht es mit dem besagten Restwasser im Topf und einem leistungsstarken Winterkocher.

Etwas schneller heißt in diesem Fall, immer noch etwa 90 Minuten am Abend dafür einzuplanen, genug Wasser zum Zubereiten des Essens, auffüllen der Thermoskannen und für eine kleine Wärmflasche zu haben. Hier findest du ein paar weitere Tipps zum Thema Kochen.

Das Schmelzwasser aus Schnee schmeckt übrigens ganz gut, auch wenn es nicht besonders mineralhaltig ist. Solange du sowieso immer Tee trinkst oder damit Essen kochst, bemerkst du davon wahrscheinlich gar nichts. Wenn du lange auf Tour bist, wünscht du aber vielleicht mal Wasser mit Geschmack. Oder du machst dir Sorgen über deinen Mineralhaushalt und deine Fähigkeit zur Flüssigkeitsaufnahme. Dann eignen sich einfache Braustabletten aus dem Drogeriemarkt oder spezialisierte Salztabletten. Ich bin bisher immer gut ohne ausgekommen und kenne letztere nur aus Berichten anderer.

Wann trinke ich genug?

Morgens trinke ich etwa zwei Becher Kaffee und/oder Tee. Meistens wähle ich auf Tour einen Frühstücksbrei oder -müsli, sodass ich hier zusätzliche Flüssigkeit aufnehme. Tagsüber empfehle ich, pro Stunde einen kleinen Becher Tee zu trinken. Bei den meisten Kannen wird es für etwa 5-6 Becher über den Tag reichen. Abends im Zelt versuche ich dann wieder so viel wie möglich zu trinken, auch auf die Gefahr hin, nachts noch einmal raus zu müssen.

Der Vorteil des Schnees ist, dass man relativ einfach auf seine Urinfarbe achten kann. Wird der Urin zu dunkel, trinkt man eindeutig zu wenig. Wer mindestens 5 Mal am Tag pinkeln muss, scheint wiederum genug zu trinken.

Anekdote zum Schluss

Als ich einmal von Finse aus gestartet bin, habe ich mir meine beiden Thermoskannen dort noch mit Kaffee und Wasser auffüllen lassen. Die mit Kaffee war für den Tag, die mit Wasser für den Abend. Aber ich hätte mir denken können, dass Wasser gegen Kaffee bei den Norwegern keine Chance hat. Und so fand ich abends beim Eingießen in meine Instant-Blaubeersuppe dann in der zweiten Kanne ebenfalls Kaffee vor.

Abends ca. 12 km südlich von Finse mit einem Liter heißem Kaffee alleine im Zelt. Willkommensparty in Norwegen. 🙂

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