The Theory Works Quadratic Expeditionszelt im Test

Zelte habe ich eigentlich genug, wenn es überhaupt diesen Zustand gibt. Aber dennoch interessieren mich Konzepte, die etwas Neues ausprobieren. Durch Zufall bin ich vor kurzem bei der Recherche auf einen Tunnel mit Geodät-Qualitäten in wintertauglicher Ausstattung von The Theory Works gestoßen. Das musste ich mir doch einmal genauer anschauen. Der Kontakt zum Unternehmen war schnell hergestellt und glücklicherweise gab es meine gewünschte Konfiguration als Testzelt, denn The Theory Works stellt modulare Zelte her, die es in verschiedenen Ausstattungsmerkmalen gibt.

Expeditionszelt statt Leichtbau

Die leichten Zusammenstellungen haben die Kollegen vom Freiluft-Blog und der Outdoorseite schon getestet, dort kannst du alles darüber nachlesen, wenn du mehr erfahren willst. Bei mir hat die auf Gewicht getrimmte Ausstattungslinie weniger Interesse geweckt als die Expeditionsausstattung mit 40 Denier Außenzelt, 9 mm Gestänge und Snowflaps. Ich beziehe mich in diesem Test daher ausschließlich auf die expeditionstaugliche Ausstattung von Snow Outer, Winter Inner und dem genannten Expeditionsgestänge.

Das Zelt wurde mir von The Theory Works leihweise und ohne Auflagen kostenlos zur Verfügung gestellt. Bei dem Test hat mir Markus Gründel helfend und fachsimpelnd zur Seite gestanden. Mein Dank geht daher an beide!

Innenzelt

Das Innenzelt gefällt mir besonders gut. Zu allererst ist es ausreichend groß für zwei Personen bis 1,90 m mit ihren Winterschlafsäcken. Zwar wäre es damit voll ausgefüllt, aber es handelt sich schließlich um ein Bergzelt. Die sind sonst knapper bemessen. Viele nehmen daher in der weiten skandinavischen Winterlandschaft zu zweit lieber ein Drei-Personen-Zelt, benötigen dann aber auch deutlich mehr Standfläche. Beim Quadratic passen zwei 60 cm breite Matten nebeneinander hinein und damit ist es als Winterzelt groß genug. Die Sitzhöhe ist an den niedrigeren Eingängen ausreichend hoch, in der Mitte hast du selbst mit einer dicken Isomatte genug Kopffreiheit.

Das Innenzelt wirkt angenehm groß und hell. Gleichzeitig gefallen mir die vielen Taschen.
Das Innenzelt wirkt angenehm groß und hell. Gleichzeitig gefallen mir die vielen Taschen. (Foto: Malte Hübner)

Die Eingänge

Das gesamte Zelt ist symmetrisch geschnitten und so kann das Innenzelt in beide Richtungen benutzt werden. Während eine Apsis als Eingang dient, können große Ausrüstungsteile wie die Rucksäcke in der anderen Apsis lagern. Im Inneren des Zeltes finden sich genug kleine Taschen, um von Brille über Uhr bis zu Stirnlampe alles zu verstauen. Auch Schlaufen für Wäscheleinen oder ein optional bestellbares Deckennetz sind reichlich vorhanden. So lässt sich leichter Ordnung halten und das Innenzelt wirkt sehr durchdacht.

Die Türen sind vollflächig mit Mesh und winddichtem Material hinterlegt. So kannst du dich im Innenzelt komplett abkapseln. Das ist für ein Winterzelt wichtig, da Triebschnee durch jeden noch so kleinen Spalt gelangt. Was ich sehr mag: Die geöffnete Tür hängt nicht nach unten, wie bei vielen anderen Zelten, sondern kommt in eine große Tasche direkt neben dem Eingang. Es gibt zwar auch die klassische Schlaufe zum Aufrollen der Tür, aber die besagte Tasche macht es so viel einfacher. Die Zipper mit Repschnur laufen alle flüssig, auch mit Handschuhen. Eingehängt ist das Innenzelt nicht mit Gummis, sondern Stoffschlaufen mit Ring und Knebel, es hängt aber kein bisschen durch.

Die Tür kann direkt in der Tasche neben dem Eingang verstaut werden und ist so deutlich handschuhtauglicher als andere Methoden.
Die Tür kann direkt in der Tasche neben dem Eingang verstaut werden und ist so deutlich handschuhtauglicher als andere Methoden. (Foto: Markus Gründel)

Der Boden

Die Bodenwanne ist sauber verarbeitet und wirft keine Falten, alle Nähte waren sorgfältig getaped. Die Apsis wäre mir zum Kochen beim geschlossenen Quadratic Expeditionszelt etwas zu klein. Mit Gas oder Spiritus mag es noch funktionieren, den Benzinkocher betreibe ich lieber in einer großen Apsis mit genug Abstand zum Zeltstoff.

Achtung! Der Hersteller rät davon ab, im Zelt zu kochen und weist deutlich auf die Gefahren hin. Aber natürlich kommt man auf Wintertouren durchaus in Situationen, wo man dennoch im Zelt kocht.

Die Apsis reicht zum Anziehen der Stiefel und zum Aufbewahren von Ausrüstung, ist aber zum Kochen eher zu knapp bemessen.
Die Apsis reicht zum Anziehen der Stiefel und zum Aufbewahren von Ausrüstung, ist aber zum Kochen eher zu knapp bemessen. (Foto: Malte Hübner)

Außen am Innenzelt finden sich zusätzliche Gurtbänder für die Seitenstangen, zu denen ich nachher noch einmal komme. Diese Gurte sind für die hohe Windstabilität unersetzlich, aber sie verkleinern den nutzbaren Raum der Apsis im Winter etwas. Ich habe mir nämlich bei ausreichend hoher Schneedecke angewöhnt, in der Apsis einen Graben auszuheben, um besser sitzen zu können oder darin zu kochen. Hebt man jetzt solch einen Graben aus, dann stört das innenliegende Gurtband des Dreiecks auf beiden Seiten etwas.

Die Gurtbänder nehmen die Kraft der Seitenstangen auf.
Die Gurtbänder nehmen die Kraft der Seitenstangen auf. (Foto: Malte Hübner)

Außenzelt

Fange ich beim Außenzelt mal mit dem kritischen Teil an: Die Abspannschnüre sind mit 2 Metern zu kurz. Da fehlt mir mindestens ein Meter, um im Schnee eine Festung zu bauen. Meiner Meinung nach wurde hier wie bei vielen Herstellern am falschen Ende Gewicht gespart. Nun kommt aber das Prinzip der Modularität von The Theory Works zum Tragen, denn du kannst die Schnüre beim Bestellprozess einfach weglassen und deine eigenen nehmen. Die Idee: Auch hier könnte man zwischen den normalen 2 Metern und einem Expeditionsset mit 3 Metern auswählen.

Die Zeltschnüre beim Quadratic Outer sind für meinen Geschmack zu kurz.
Die Zeltschnüre beim Quadratic Outer sind für meinen Geschmack zu kurz. (Foto: Malte Hübner)

Unabhängig von der Länge wirken die Zeltschnüre robust und die Lineloc Klemmen sind einfach die besten. Auch die zwei Abspannpunkte an jedem Bogen und jeder Seite sind solide mit dem Gestängekanal vernäht. Zusätzlich finden sich zwei Abspannpunkte rechts und links oberhalb des Einganges, sodass du auf 16 Abspannpunkte für Zeltschnüre kommst. Zusätzlich benötigst du zwei Heringe pro Apsis, um diese aufzuspannen. Mit gesetzten 20 Heringen hättest du aber auch einen Bunker von Zelt. Wenn du zwei Schnüre an der Seite an einen Schneehering hängst, benötigst du insgesamt 14 Schneeheringe oder Schneeanker und wirst fast die gleiche Stabilität erreichen.

Das beidseitig silikonisierte 40 Denier Ripstop-Nylonmaterial des Außenzeltes ist winterfest und die Nähte sind gut verarbeitet. Laut Hersteller soll man die Nähte nach dem Kauf noch mit dem beiliegenden Seamsealer versiegeln, aber bei einem reinen Winterzelt würde ich mir die Arbeit nicht machen.

Alle Luftöffnungen liegen hoch genug: Links der Seitenlüfter, rechts der Lüfter in der Tür.
Alle Luftöffnungen liegen hoch genug: Links der Seitenlüfter, rechts der Lüfter in der Tür. (Foto: Malte Hübner)

Lüfter

Insgesamt verfügt das Quadratic Snow Outer über sechs Lüfter. Jeweils zwei Lüfter finden sich rechts und links der Eingänge. Diese sind mit Mesh hinterlegt und lassen sich von Innen mit einer zusätzlichen Lage Stoff schneedicht verschließen. Die Eingangstüren selbst sind ebenfalls als Lüfter nutzbar. Wie die Seitenlüfter auch, verfügt jede Tür über einen kleinen Steg zum Aufstellen des Lüfters. Der Lüfter in der Eingangstür ist nicht mit Mesh hinterlegt, aber dafür lässt sich die Tür entsprechend weit öffnen. Auch der Einstieg von oben in die Apsis ist dadurch sehr gut möglich, wenn sich unten am Zelt schon viel Schnee angesammelt hat.

Die Seitenlüfter sind von Innen komplett schneesicher zu verschließen, weil es dort sonst im Schneesturm Flugschnee hereindrückt.
Die Seitenlüfter sind von Innen komplett schneesicher zu verschließen, weil es dort sonst im Schneesturm Flugschnee hereindrückt. (Foto: Malte Hübner)

Der Unterschied beim The Theory Works Quadratic: Die Seitenstangen

Bis jetzt würde es sich bei dem Testzelt um einen gutes Tunnelzelt handeln. Aber nun kommt der große Unterschied zum Tragen. Das Quadratic Zelt von The Theory Works hat an den Seiten jeweils einen Kanal für eine Seitenstange. Durch diese Seitenstangen lässt sich das Zelt deutlich versteifen, sodass es weniger anfällig für Seitenwind wird. Im Prinzip erhältst du damit sogar fast einen freistehenden Tunnel und musst weniger auf den richtigen Zeltplatz bei Wind und Sturm achten.

Die Seitenstangen gibt es in verschiedenen Stärken. Neben einer leichten Carbonvariante, sind zwei Aluvarianten mit 9,7 mm und 11 mm Durchmesser erhältlich. Ich konnte beide testen und das dünnere Alugestänge würde mir an der Seite ausreichen. Das Gestänge mit 11 mm Durchmesser wäre zwar noch steifer, aber damit nicht zwangsweise stabiler. Ein windstabiles Zelt steht erst lange steif, beugt sich dann aber bei sehr starken Böen und kehrt danach in seine Ausgangsposition zurück. Daher würde ich es hier nicht übertreiben wollen. Außerdem spart es Gewicht. Noch mehr Gewicht spart es, wenn du nur eine Seitenstange mitnimmst und diese einsetzt, sobald der Wind deinen Tunnel von der Seite angreift.

Leider lassen sich die Seitenstangen beim aufgebauten Zelt nachträglich nur noch schwer einschieben. Du solltest es dir also direkt beim Aufbau überlegen. Der Aufbau ist allein übrigens möglich, aber im Sturm zu zweit einfacher. Die Seitenstangen müssen in eine Öse eingefädelt werden, was allein nur mit Hin- und Herlaufen von einem Zeltende zum anderen möglich ist. Ich würde es daher nur als eingeschränkt solo-tauglich einstufen.

Fast freistehend

Als Konsequenz von diesem System hast du ein paar mehr Gurte, Schnallen und Ösen als sonst an einem Zelt zu finden sind. Falls dich das irritiert, möchte ich noch einmal zeigen, wie gut sich das Zelt abspannen lässt, ohne einen einzigen Hering zu verwenden.

Im Notfall steht das Quadratic ohne einen einzigen Hering.
Im Notfall steht das Quadratic ohne einen einzigen Hering. (Foto: Malte Hübner)

Durch die Seitenstangen steht zumindest das Innenzelt vollständig aufgespannt, nur die beiden Apsiden hängen ohne Heringe durch. Eine Nacht zwischen Felsen auf einer Bergtour ließe sich so aber dennoch überstehen. Oder du bist einfach entspannter, wenn mal wieder so gar kein Hering im Pulverschnee halten will. Dieses Konzept zum Abspannen der Stangen kenne ich von meinem Mountain Hardwear EV3, welches sehr sturmerprobt ist.

Weitere Erkenntnisse aus dem Test

Es gibt neben den Seitenstangen auch noch eine Firststange, die höhere Schneelasten ermöglichen soll. Sie wird wohl eher gegen Windgeräusche gut sein und das Zelt ist auch so stabil genug. Sie würde ich eher weglassen als die Seitenstangen.

Die Gestängekanäle sind alle mit den entsprechenden Stangenlängen markiert und damit ist der Aufbau recht einfach gemacht. Allerdings würde ich mir hier eine bessere (steifere) Öffnung zum Einfädeln wünschen, besonders mit dicken Handschuhen.

Die Snowflaps finden sich nur an den Apsiden. Im Bereich des Innenzeltes solltest du daher etwas mehr Schnee aufschaufeln, da auch durch den Spalt dort Flugschnee eindringen kann.  Ohne Snowflaps wäre das Zelt übrigens 120 g leichter und ist im Shop als All-Year Outer erhältlich. Ich weiß, dass es zu Snowflaps sehr verschiedene Meinungen gibt.

Mit allen Stangen bleibt das Zelt auch beim Umsetzen in Form.
Mit allen Stangen bleibt das Zelt auch beim Umsetzen in Form. (Foto: Malte Hübner)

Das Gewicht meiner Konfiguration würde nach Liste 3807 g wiegen. Auf der Waage dann die Überraschung: Es stimmt! Bei welchem Hersteller erlebt man denn sowas noch? Wer das Zelt im Packsack transportieren will, sollte noch etwa 60 Gramm dafür draufrechnen. Bei mir käme es aber eh als eine lange „Zeltwurst“ oben auf die Pulka. Das Gewicht ist in dieser Konfiguration nicht leicht für ein 2-Personen-Zelt, aber dafür mit Sicherheit sehr sturmsicher und absolut wintertauglich!

Fazit zum The Theory Works Quadratic

Das Zelt ist ein Bunker. Ich möchte es sogar in eine Liga mit etablierten Zelten wie dem The North Face VE 25 oder dem Mountain Hardwear EV 3 (heute ACI 3) zählen. Zwar werden diese beiden als 3-Personen-Zelte gehandelt, haben aber mit etwa 150 cm Breite realistisch auch nur Platz für zwei Personen in Winterschlafsäcken. Dabei schlägt das Quadratic das VE 25 durch den gemeinsamen Aufbau von Außen- und Innenzelt und beim Gewicht. Das EV 3 hat im Vergleich keine Apsis zum Kochen und verfügt über kein Innenzelt. Preislich ist das Quadratic sehr fair kalkuliert. Genau dort sehe ich eine gute Nische für das The Theory Works Quadratic Expeditionszelt und würde es als Bergzelt sofort in Betracht ziehen. Für den skandinavischen Winter wären mir die Apsis wohl etwas zu klein, zumal mein Kaitum 3 GT mit riesiger Apsis ähnlich viel wiegt, allerdings eben nicht so gern Seitenwind mag. Worauf es mir bei meiner Zeltwahl noch ankommt, findest du im Beitrag über Winterzelte.

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